Dr. Florian Roth (B90/Grüne)

Grunddaten
Geburtstag
16.2.1967
Berufliche Qualifikation
Philosoph (M.A.) und Politologe (Promotion)
Ausgeübte Tätigkeit
interkultureller Bildungsberater und Stadtrat
Wohnort
München
(...) Lieber Herr Lima,

1. Es trifft nicht zu, dass es keinen Entscheidungsspielraum mehr gibt - ganz im
Gegenteil. Bei allen Differenzen über Sinn oder Unsinn der 3. Startbahn besteht
hier in Bayern erfreulicherweise Konsens darüber, dass die Münchner Bürgerinnen
und Bürger als Miteigentümer der Flughafen München GmbH (FMG) diese Entscheidung
treffen können - trotz aller vorausgegangenen Beschlüsse zur Planung. Laut
Gesellschaftsvertrag der FMG (der Stadt gehören 23 %) ist bei großen
Infrastrukturprojekten die Zustimmung aller Gesellschafter erforderlich. Ein
Beschluss zum Beginn des Baus ist bisher - gerade aus Respekt vor laufenden
demokratischen Entscheidungsverfahren - nicht getroffen worden. Hier in Bayern
bestreitet niemand - auch nicht die Befürworter der neuen Startbahn in der
Staatsregierung, der Stadtspitze oder in den Fraktionen von SPD, FDP und CSU -
dass der Münchner Bürgerentscheid (er wird am 17. Juni stattfinden), das Projekt
bei entsprechendem Ausgang zu Fall bringen wird. (...)
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Frage zum Thema Verkehr und Infrastruktur
01.02.2012
Von:

Lieber Herr Roth,

Ihre Partei hat ein Bürgerbegehren initiatiert zum Flughafen München. Dort wird suggeriert, dass es seitens der Vertreter der Stadt in der Gesellschafterversammlung noch einen Entscheidungsbedarf gäbe. Selbst Ihre eigenen Kreisverbände haben auf dem letzten Landesparteitag nur von einem "Politischen Entscheidungsbedarf" gesprochen - aus mangels an einem rechtlichen Entscheidungsbedarf. Eine neue Entscheidung wäre nur mit Zustimmung ALLER drei Gesellschafter möglich.

Meine Fragen
1) Sind Sie bereit, die diesbezügliche Argumentation zu korrigieren und den Wählern zu verdeutlichen, dass die Vertreter keinen Entscheidungsspielraum mehr haben, da seitens der Gesellschafterversammlung sämtliche Entscheidungen zum Ausbau rechtsverbindlich getroffen wurden und eine Aufhebung nur durch ein gemeinsames Votum aller Anteilseigner möglich ist?
2) Sind Sie bereit, die damit verbundenen Kosten zu benennen, die durch die Versenkung der bisherigen Planungen entstehen würden und würden Sie dann dafür stimmen, dass dem Verursacherprinzip diese die LHM trägt?
3) Sind Sie bereit anzuerkennen, dass die Vertreter der LHM im Aufsichtsrat - zumindest solange die Gesellschafterversammlung keinen anderen rechtsverbindlichen Beschluss fällt - sich für den Ausbau einzusetzen haben im Sinne des Unternehmens FMG und sich andernfalls schadenersatzpflichtig machen?
Antwort von Dr. Florian Roth
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03.02.2012
Dr. Florian Roth
Lieber Herr ,

1. Es trifft nicht zu, dass es keinen Entscheidungsspielraum mehr gibt - ganz im
Gegenteil. Bei allen Differenzen über Sinn oder Unsinn der 3. Startbahn besteht
hier in Bayern erfreulicherweise Konsens darüber, dass die Münchner Bürgerinnen
und Bürger als Miteigentümer der Flughafen München GmbH (FMG) diese Entscheidung
treffen können - trotz aller vorausgegangenen Beschlüsse zur Planung. Laut
Gesellschaftsvertrag der FMG (der Stadt gehören 23 %) ist bei großen
Infrastrukturprojekten die Zustimmung aller Gesellschafter erforderlich. Ein
Beschluss zum Beginn des Baus ist bisher - gerade aus Respekt vor laufenden
demokratischen Entscheidungsverfahren - nicht getroffen worden. Hier in Bayern
bestreitet niemand - auch nicht die Befürworter der neuen Startbahn in der
Staatsregierung, der Stadtspitze oder in den Fraktionen von SPD, FDP und CSU -
dass der Münchner Bürgerentscheid (er wird am 17. Juni stattfinden), das Projekt
bei entsprechendem Ausgang zu Fall bringen wird. Der Respekt vor dem
Bürgerentscheid kommt vielleicht am besten in dem Beschluss der
Stadtratsmehrheit (in dem Fall schwarz-rot plus FDP und FW) zum Ausdruck, den Bürgern mittels
eines sogenannten Ratsbegehrens eine eigene, den Bau der Startbahn bejahende
Frage zur Abstimmung vorzulegen. Das macht die Sache zwar unnötig kompliziert,
aber immerhin wird sichtbar: Auch die Befürworter wollen sich dem Votum der
Bürger beugen.

2. Welche Kosten bisher für die Planung und Genehmigungsverfahren entstanden
sind, dürfte schwer zu beziffern sein. Mir sind die Zahlen nicht bekannt.
Demokratische Verfahren kosten Geld - das ist bedauerlich, aber unvermeidlich.
Die Kosten für die Planung würde die FMG und damit deren Gesellschafter tragen
müssen. Ganz gewiss würde ich nicht dafür eintreten, dass die Münchner Bürger
gesondert zur Kasse gebeten werden, weil sie ein Recht in Anspruch nehmen, dass
ihnen auf der Ebene des Freistaats Bayern bzw. der Bundesrepublik Deutschland
immer noch verweigert wird.

3. Aufsichtsräte müssen im Sinne des Unternehmens handeln - gar keine Frage. Doch
was dies bedeutet, darüber sind doch unterschiedliche Auffassungen möglich. Der
Verzicht auf eine weitere Startbahn würde dem Unternehmen FMG mindestens 1
Milliarde € ersparen und somit die Eigenkapitalquote nicht weiter nach unten
drücken. Als Münchner Stadtrat muss ich auch den Kredit in Höhe von ca. 113
Millionen € im Auge behalten, den die FMG der Stadt immer noch schuldet. Bei
einem derart hohen Investitionsvolumen wie die 3. Startbahn es erfordert, sind
Rückzahlungen aber in der nächsten Zeit wohl nicht zu erwarten. Zinsen für den
Kredit gibt es für die Stadt übrigens nur, wenn das Unternehmen schwarze Zahlen
schreibt. Weil das bisher noch nicht all zu oft der Fall war, hat die Stadt
bereits Zinsausfälle in zweistelliger Millionenhöhe zu verzeichnen - das dürfte
noch mehr werden, wenn die Startbahn gebaut wird.

Mit freundlichen Grüßen
Florian Roth
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Frage zum Thema Verkehr und Infrastruktur
04.02.2012
Von:

Sehr geehrter Herr Roth

vielen Dank für Ihre Antwort ( www.abgeordnetenwatch.de ). Ich hätte hierzu noch einige Nachfragen:

1. Wieso spricht Ihr eigener LPT von einem "politischen Beschluss" ( www.gruene-bayern.de ), der klar macht, dass rechtlich alle Fragen entschieden sind?

2. Sie schreiben, die Kosten im Planungsverfahren dürften schwer zu beziffern sein. Ich denke, die FMG und die RegObb können Ihnen die Kosten relativ detailliert aufschlüsseln. Hier geht es aber nicht um ein demokratisches Verfahren, sondern um einen Gesellschafter, der dem Bau bereits zugestimmt hat. Welches Ziel sollte die FMG-Gesellschafterversammlung, die mit Zustimmung der rot-grünen Stadtregierung zugestimmt hat, einem Planungs- und Beantragungsbeschluss folgen, wenn nicht dem Bau? Ist Ihre Argumentation hier nicht widersprüchlich?

3. Dem Bau der 3. SLB stehen neben den Investitionskosten auch Gewinn- und Wachstumserwartungen gegenüber. Sind Sie bereit in Kauf zu nehmen, dass MUC durch den fehlenden Ausbau seine Bedeutung als internationale Luftfahrtdrehscheibe verliert auch mit der Konsequenz hoher Kaufkraftverluste und Arbeitsplatzverluste?

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Frage zum Thema Verwaltung und Föderalismus
04.02.2012
Von:

Sehr geehrter Herr Stadtrat,

seit einiger Zeit betreibt die LHM einen sogenannten IT-Blog www.it-muenchen-blog.de Ich dachte immer, die Pressearbeit wird von der Pressestelle bei der LHM verantwortet, dies ist hier jedoch nicht so.

Nun habe ich mir diesen Blog auch inhaltlich einmal näher angeschaut und frage mich, ob eine reine Ankündigungsplattform (übrigens mit einer absolut chaotischen Kategorisierung) es rechtfertigt, dass die LHM in Zeiten knapper Kassen ein solches Instrument vertreibt. Dazu meine ersten drei Fragen
1. War der Stadtrat mit der Einrichtung eines solchen Blogs befasst?
2. Welche Kosten verursacht dieser Blog?
3. Halten Sie einen IT-Blog sowohl inhaltlich wie vor dem Hintergrund der Sparbemühungen der LHM mit einer solch dürftigen Ausbeute für angemessen?

Mein zweiter Punkt geht auf Mogdy ( www.muenchen.de ) zu, was auch bereits Gegenstand Ihres Parteimagazins war ( www.gruene-muenchen.de ). Vordergründig soll die LHM damit den Bürgern "geöffnet" werden, in der Realität handelt es sich wohl eher um Spielereien einiger städtischer Mitarbeiter. Es sind da so tolle Ergebnisse rausgekommen, eine U-Bahn-Fahrplan in Realzeit zu platzieren (was es für die S-Bahn bereits seit langem gibt).
1. Halten Sie es für angemessen, dass die LHM solche Projekte finanziert, die absolut nicht in den Kompetenzbereich der LHM gehören und auch für die Bürger keinen Mehrwert bringen? Wurde der Stadtrat hiermit befasst und hat er dies sogar beauftragt?
2. Welche Kosten wurden durch Modgy verursacht? Man hört davon, dass hier mehrere Personen damit beschäftigt waren.
3. Welche Ergebnisse hat das Projekt überhaupt gebracht?

Herzlichst,
Antwort von Dr. Florian Roth
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13.02.2012
Dr. Florian Roth
Sehr geehrter Herr ,

die Öffentlichkeitsarbeit der Stadt ist in der Regel Sache der laufenden Verwaltung und wird nicht eigens vom Stadtrat beschlossen. Ebenso verhält es sich mit dem von Ihnen erwähnten IT-Blog. Grundsätzlich finde ich es sehr unterstützenswert, dass die Stadt ihre Innovationen im Bereich IT, Open Source (der Umstieg der Stadt München von Microsoft auf Linux ging ja international durch die Schlagzeilen), Transparenz und Bürgerbeteiligung mittels Neuer Medien öffentlich darstellt und diskutiert. Dies betrifft gleichermaßen Mogdy (Munich Open Government Day). Das Ziel dieses Projekts war, die Verwaltung zu öffnen durch digitale Bürgerpartizipation - d.h Ideen, Diskussionen und Software-/App-Entwicklungen aus der Bürgerschaft, um die Transparenz und Bürgerbeteiligung z.B. durch innovative Anwendungen zu verbessern. Die Kosten-Nutzen-Bilanz war hier exzellent. Mit einem Projektleiter, der in Teilzeit für das Projekt zur Verfügung stand, und einem Sachmitteleinsatz von unter 20.000 € wurde ein beachtliches Ergebnis erreicht: 370 Teilnehmende auf der Internetseite, die 153 Ideen einbrachten, 630 Kommentare formulierten; eine Auszeichnung eines internationalen eGoverment-Wettbewerbs ( www.egovernment-wettbewerb.de ), deutschlandweite Medienberichterstattung, Das Problem war im Gegenteil, dass angesichts der geweckten Erwartungen die Stadt vielleicht zu wenig Ressourcen bereitgestellt hat, um eine zeitnahe Umsetzung der Vorschläge abzusichern (siehe: www.sueddeutsche.de ). Gerade ist die Stadt dabei, schrittweise Projekte aus den Mogdy-Diskussionen umzusetzen wie z.B. ein digitales RadlRouting. Weitere Informationen findet man unter: www.muenchen.de Dass diese Themen - Transparenz und Bürgerbeteiligung mittels digitaler Medien - für die Bürgerinnen und Bürger von großem Interesse sind, zeigen aktuelle Umfragen: Laut einer Forsa- Umfrage aus dem Jahre 2010 begrüßen 88% der Bürgerinnen und Bürger die Veröffentlichung von Regierungs- und Behördendaten, 81% meinen, dass dies die Bürgerbeteiligung erhöht, 76% glauben an eine Effizienzsteigerung der Verwaltung dadurch. Laut der Bürgerumfrage der Landeshauptstadt München haben inzwischen 80 % der Bürgerinnen und Bürger einen Computer mit Internetanschluss (20 % mehr als 2005). 83,1 % der befragten ist es persönlich wichtig, "an Entscheidungen mitzuwirken, soweit diese die Belange der Stadt München betreffen" (gegenüber 79 % im Jahre 2005). Als Beteiligungsformen, bei denen die Chance der Einflussnahme als hoch eingeschätzt werden, haben zwischen 2007 und 2010 "Ideenwettbewerbe" (von 38,3 % auf 48,5 %) und "Online- Foren" (von 21,2 % auf 27,3 %) an Bedeutung gewonnen.


Mit freundlichen Grüßen
Florian Roth
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