Lieber Herr

,
1. Es trifft nicht zu, dass es keinen Entscheidungsspielraum mehr gibt - ganz im
Gegenteil. Bei allen Differenzen über Sinn oder Unsinn der 3. Startbahn besteht
hier in Bayern erfreulicherweise Konsens darüber, dass die Münchner Bürgerinnen
und Bürger als Miteigentümer der Flughafen München GmbH (FMG) diese Entscheidung
treffen können - trotz aller vorausgegangenen Beschlüsse zur Planung. Laut
Gesellschaftsvertrag der FMG (der Stadt gehören 23 %) ist bei großen
Infrastrukturprojekten die Zustimmung aller Gesellschafter erforderlich. Ein
Beschluss zum Beginn des Baus ist bisher - gerade aus Respekt vor laufenden
demokratischen Entscheidungsverfahren - nicht getroffen worden. Hier in Bayern
bestreitet niemand - auch nicht die Befürworter der neuen Startbahn in der
Staatsregierung, der Stadtspitze oder in den Fraktionen von SPD, FDP und CSU -
dass der Münchner Bürgerentscheid (er wird am 17. Juni stattfinden), das Projekt
bei entsprechendem Ausgang zu Fall bringen wird. Der Respekt vor dem
Bürgerentscheid kommt vielleicht am besten in dem Beschluss der
Stadtratsmehrheit (in dem Fall schwarz-rot plus FDP und FW) zum Ausdruck, den Bürgern mittels
eines sogenannten Ratsbegehrens eine eigene, den Bau der Startbahn bejahende
Frage zur Abstimmung vorzulegen. Das macht die Sache zwar unnötig kompliziert,
aber immerhin wird sichtbar: Auch die Befürworter wollen sich dem Votum der
Bürger beugen.
2. Welche Kosten bisher für die Planung und Genehmigungsverfahren entstanden
sind, dürfte schwer zu beziffern sein. Mir sind die Zahlen nicht bekannt.
Demokratische Verfahren kosten Geld - das ist bedauerlich, aber unvermeidlich.
Die Kosten für die Planung würde die FMG und damit deren Gesellschafter tragen
müssen. Ganz gewiss würde ich nicht dafür eintreten, dass die Münchner Bürger
gesondert zur Kasse gebeten werden, weil sie ein Recht in Anspruch nehmen, dass
ihnen auf der Ebene des Freistaats Bayern bzw. der Bundesrepublik Deutschland
immer noch verweigert wird.
3. Aufsichtsräte müssen im Sinne des Unternehmens handeln - gar keine Frage. Doch
was dies bedeutet, darüber sind doch unterschiedliche Auffassungen möglich. Der
Verzicht auf eine weitere Startbahn würde dem Unternehmen FMG mindestens 1
Milliarde € ersparen und somit die Eigenkapitalquote nicht weiter nach unten
drücken. Als Münchner Stadtrat muss ich auch den Kredit in Höhe von ca. 113
Millionen € im Auge behalten, den die FMG der Stadt immer noch schuldet. Bei
einem derart hohen Investitionsvolumen wie die 3. Startbahn es erfordert, sind
Rückzahlungen aber in der nächsten Zeit wohl nicht zu erwarten. Zinsen für den
Kredit gibt es für die Stadt übrigens nur, wenn das Unternehmen schwarze Zahlen
schreibt. Weil das bisher noch nicht all zu oft der Fall war, hat die Stadt
bereits Zinsausfälle in zweistelliger Millionenhöhe zu verzeichnen - das dürfte
noch mehr werden, wenn die Startbahn gebaut wird.
Mit freundlichen Grüßen
Florian Roth