Dr. Axel Berg (SPD)
Kandidat Bundestagswahl 2005
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Grunddaten
Dr. Axel Berg
Jahrgang
1959
Berufliche Qualifikation
Rechtsanwalt, Politologe
Ausgeübte Tätigkeit
Mitglied des Deutschen Bundestages
Wohnort
-
Wahlkreis
München-Nord
Ergebnis
43,7%
Landeslistenplatz
17, Bayern
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Frage zum Thema Bürgerrechte
30.08.2005
Von:

Lieber Herr Berg,

folgende Fragen habe ich an Sie:

1. Sind Sie sich bewusst, dass wir keine Gewaltenteilung in der EU haben?
Finden Sie das gut?

2. Welche Nebentätigkeiten haben Sie bzw. für welche anderen Interessen außer die der Bürger würden Sie noch im Bundestag sitzen?

3a. Sind Sie für oder gegen Softwarepatente?
3b. Finden Sie die zunehmende Kommerzialisierung von Information und Wissen gut? Wenn ja, warum?

4. Sind Sie für oder gegen die Privatisierung kommunaler Daseinsvorsorge? (Energie, Gesundheit, Rente, Verkehr etc.)

5. Sind Sie für oder gegen die Auflockerung des Verbots von Folter? (Fall Daschner)

6. Finden Sie das EEG sinnvoll?
Antwort von Dr. Axel Berg
1Empfehlung
15.09.2005
Lieber Herr ,

vielen Dank für Ihr Interesse. Nun zu Ihren Fragen vom 30.08.2005:

1) Wenn Sie sich für Gewaltenteilung interessieren, sollten Sie mal einen Blick auf unser schönes Bayern werfen. De facto haben wir hier nämlich keine Gewaltenteilung mehr, weil Kontrolleure und Kontrollierte in der Regel in der Regel gut bekannte CSU-Mitglieder sind. Nur ein Indiz: leider bin ich der einzige in Bayern direkt gewählte Sozialdemokrat auf den vier Ebenen: Europäisches Parlament, Bundestag, Landtag und Bezirkstag. Soviel zur Lage der Gewaltenteilung in Bayern im Besonderen; für die Gewaltenteilung gilt im Allgemeinen:

Die Gewaltenteilung ist die unerlässliche Grundlage jedes demokratischen Staates. Ihre stärkste Ausprägung findet sie in den Vereinigten Staaten mit dem System der checks an balances. Die EU ist mit den Vereinigten Staaten in dieser Hinsicht nicht zu vergleichen. Während die Vereinigten Staaten ein Staatenbund sind in dem die Grundsätze der Gewaltenteilung unmittelbar gelten, ist die EU aber nur ein Staatenbündnis. In einem Staatenbündnis gelten natürlich auch alle demokratischen Grundsätze. Sie müssen aber nicht unmittelbar gelten, weil die Bürgerinnen und Bürger in der EU schon über ihre staatlichen Parlamente als Souverän an der Gestaltung an der EU mitwirken.

Die Bürgerinnen und Bürger dürfen durch Wahlen zum EU-Parlament dessen Zusammensetzung bestimmen und nehmen damit unmittelbar Einfluss auf die Geschicke der EU.

Die Hauptarbeit in der EU findet aber in der Kommission statt, die durch Verordnungen und Richtlinien gesetzesähnliche Vorgaben erlassen kann, ohne dass das Parlament ein Mitbestimmungsrecht hätte.

Aber der Souverän wird hier nicht demokratiefeindlich behandelt, sondern wirkt - wie oben angesprochen - durch seine eigene von ihm bestellte Regierung an der Besetzung der EU-Kommission mit. Dies ist nämlich Sache des EU-Ministerrates, also der Versammlung aller Regierungschefs der Mitgliedstaaten.

Das Handeln der europäischen Exekutive ist so legitimiert durch die Wahl der Regierung im Mitgliedstaat.

Die EU verfügt demnach über die zur Gewaltenteilung notwendigen Organe Parlament, Kommission und Europäischer Gerichtshof.


2) Als Anhänger der Kampagne "Gläserner Abgeordneter" habe ich alle meine Nebentätigkeiten auf der Homepage www.axel-berg.de offen gelegt. Diese Nebentätigkeiten sind alle ehrenamtlich.


3a) Auf europäischer Ebene sind gegenwärtig verschiedene Entwürfe eines Vorschlages für eine Richtlinie über die Patentierbarkeit computerimplementierter Erfindungen in der Beratung. Ich begrüße zwar die Initiative zu einer Richtlinie zur Harmonisierung der Rechtspraxis grundsätzlich. Der vom Bundestag am 17. Februar 2005 einstimmig beschlossene interfraktionelle Antrag "Wettbewerb und Innovationsdynamik im Softwarebereich sichern - Patentierung von Computerprogrammen effektiv begrenzen" weist aber zugleich auf folgendes hin: Weder der Kommissionsentwurf noch der Entwurf zu einem gemeinsamen Standpunkt des Rates zu einer Richtlinie konnte bisher hinsichtlich der Gewährleistung von Rechtssicherheit und Wahrung der Interessen mittelständischer Softwareunternehmen überzeugen. Im Mittelpunkt des interfraktionellen Antrages stehen daher Forderungen nach einem eindeutigen und trennscharfen Technikbegriff, einem Ausschluss von Trivialpatenten und so genannten Programmansprüchen sowie der Sicherung der Interoperabilität zwischen unterschiedlichen Computersystemen. Grundsätzlich sollen Computerprogramme aber weiterhin primär urheberrechtlich geschützt werden. Dies ist auch meine Ansicht.


3b) Wir leben in einer Welt, die zunehmend von Dienstleistungen geprägt wird. Dienstleistungen kosten Geld. Wissen und Information sind aufgrund ihrer Komplexität heute teilweise zu Dienstleitungsgütern geworden. Wissen und Information sind heute aber auch mehr denn je hochsensible und unschätzbar wertvolle Gesellschaftsgüter, gerade in einem rohstoffarmen Land wie Deutschland. Ich möchte, dass alle Menschen in unserem Land die gleichen Bildungschancen haben und zwar unabhängig von ihrer sozialen Herkunft. Dies schließt ein, dass Wissen und Information, auch auf höchstem Niveau jedem zugänglich sein müssen und zwar kostenlos oder nur zu den Verursachungskosten. Sobald diese Kulturgüter Gegenstand von Kommerzialisierung und Vermarktung werden, verlieren sie ihr humanes Antlitz. Ergo: Wissen und Informationen dürfen nur das kosten, was ihre Herstellung und ihre Bereitstellung kosten.


4) Die kommunale Daseinsvorsorge ist ein weiter Begriff. Bei der Rente halte ich die von der SPD eingeführte Zwei-Säulen-Lösung für ein gutes Modell. Niemand soll im Alter ohne Rente dastehen. Aber genauso wichtig ist es, privat vorzusorgen.

Die Energieversorgung aus privater Hand hat sowohl Vor- als auch Nachteile: Langfristig werden die Strompreise sinken, da die Versorger im Wettbewerb stehen. Dies ist ein klarer Vorteil für die Verbraucher. Nachteilig ist aber, dass die Unternehmen eben aus Wettbewerbsgründen nicht mehr genug in die Netze investieren könnten und es zu ähnlichen "Black-outs" wie in den USA kommen könnte. Hier muss eine staatliche Aufsicht bzw. Kontrolle erfolgen.

Die Versorgung der Bürger mit Wasser und die Erhaltung der Trinkwasserqualität ist eine ureigene kommunale Aufgabe. Dabei soll es auch bleiben. Schon aus einem Grund liegt es hier anders als beim Strom: Qualitativ guten oder schlechten Strom gibt es nicht. Bezüglich der Wasserqualität ist dies aber von entscheidender Bedeutung.


5) Der Fall Daschner in dem einem mutmaßlichen Erpresser und Mörder unter Androhung von Folter der Aufenthaltsort seines Opfers entlockt werden sollte, hat gezeigt, wie schmal der Grat zwischen unabdingbaren Rechtsstaat und gerade noch zulässiger strafprozessualer Verfolgung auch in Deutschland ist.

Ich finde, Art. 104 des Grundgesetzes ist sehr eindeutig. Das Folterverbot gilt absolut. Ebenso sieht es die Strafprozessordnung in ihrem § 136a. Für viele Bürgerinnen und Bürger ist es manchmal schwer nachzuvollziehen, warum bei schweren und schwersten Straftaten und bei Bedrohung durch Terroristen von dem Folterverbot innerhalb enger Grenzen nicht eine Ausnahme zulässig sein sollte. Hier müssen wir die Bürger besser aufklären und ihnen klar entgegnen, warum wir- übrigens auch im europäischen Kontext wegen Art. 6 der Europäischen Menschenrechtskonvention- die Folter als Mittel präventivpolizeilicher Maßnahmen ablehnen und uns in diesem Punkt auch nicht einen Zentimeter in Richtung einer Aufweichung des Verbots bewegen werden. Gerade die Erfahrungen, die wir Deutschen mit Faschismus und totalitärem Sozialismus in Deutschland gemacht haben, schließen eine andere, als die unumstößliche Ablehnung von Folter aus.


6) Ich finde das EEG überaus sinnvoll - schließlich bin ich einer seiner Autoren. Das EEG hilft Deutschland, seine Verpflichtungen zum Klimaschutz zu erfüllen. Durch das EEG ist Deutschland Spitzenreiter in den Technologien zur Nutzung der Erneuerbaren Energien geworden. Die guten Bedingungen für Erneuerbare Energien im deutschen Markt führen zu zunehmenden Exporterfolgen deutscher Firmen dieser Branche. Das EEG ist das weltweit erfolgreichste Modell zur Förderung der Erneuerbaren Energien und wurde bisher von über 40 anderen Staaten übernommen, darunter Frankreich, Spanien, Brasilien und sogar China. Das EEG vermindert Deutschlands Abhängigkeit von Energie-Importen aus politisch instabilen Weltregionen. Das EEG schafft eine nachhaltige Energiebasis für die deutsche Wirtschaft. Das EEG trägt zur Generationengerechtigkeit bei. Atomare und fossile Energieerzeugung verursachen hohe volkswirtschaftliche Kosten. Das EEG verringert diese Kosten und ist damit ein unmittelbarer volkswirtschaftlicher Gewinn- auch wenn wir im zurzeit die Erneuerbaren Energien noch unterstützen müssen, um ihnen den Marktzutritt zu ermöglichen. Das EEG hat zu günstigeren Strompreisen für Erneuerbare Energien geführt als die Fördermodelle anderer Staaten. Durch die Förderung Erneuerbarer Energien wurden in Deutschland über 150.000 neue Jobs geschaffen.

Mit freundlichen Grüßen


Dr. Axel Berg MdB
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Frage zum Thema Rente
04.09.2005
Von:

Bundestagsabgeordnete erhalten eine Diät von ca. 7000 Euro im Monat. Rentenbeiträge werden davon nicht gezahlt. Aber die Rentenkasse wird von Ihnen geplündert. Sie haben wärend ihrer Tätigkeit für den Staat keine Beiträge in die Rentenkasse geleistet aber kassieren später kräftig ab. Hier ein Beispiel: Carsten Schneider 29 SPD hat einen Anspruch ab 65 von 1682 Euro bei einer Amtszeit von gerade mal 7 Jahren.
Ein Durchschnittsverdiener muss für so einen hohen Rentenanspruch 64 Jahre arbeiten.

Wie werden Sie dieses Missverhältniss ändern?

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Frage zum Thema Steuern
07.09.2005
Von:

Sehr geehrter Herr. Dr. Berg,

ich zolle der SPD großen Respekt, dass mit der Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe ein seit langem notwendige Reform angegangen wurde. Angesichts der überhohen Arbeitslosigkeit und der enormen Verschuldung des Staates ist jedoch offensichtlich, dass dies nur ein erster Schritt war, dem noch viele weitere Reformen folgen müssen.

Mir stellen sich zwei Fragen:
1) Warum tritt Ihre SPD gegen die Abschaffung der Steuerfreiheit von Sonntags-, Nachts- und Feiertagszuschlägen ein? Jemand der für die Post nachts Pakete fährt bekommt die Vergünstigung. Ein anderer, der aber selbstständig als Vertragspartner der Post die gleichen Pakete fährt, hat sie nicht! Da werden doch zwei, die das Gleiche machen, total ungleich behandelt! Die gleiche Ungleichbehandlung stellt sich bei Bäckern, Hebammen, Sicherheitsdiensten, etc. Macht die SPD Unterschiede beim kleinen Mann je nach Arbeitsverhältnis? Sie sind doch Jurist, wie rechtfertigen Sie die offenkundige Ungleichbehandlung?

2) Jeder weiss, dass der Staat völlig überverschuldet ist. Entweder werden Ausgaben gesenkt oder Steuereinnahmen erhöht, denn zaubern kann niemand. Was wird die SPD tun? Welche Steuer wird erhöht oder welche Ausgabe soll wegfallen?

Ich danke für Aufhellung,

Ihr

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Frage zum Thema Außenpolitik
09.09.2005
Von:

Sehr geehrter Herr Dr. Berg,

ich hatte Sie bereits am 6.10.04 zum Thema Türkeibeitritt angeschrieben, aber keine Antwort erhalten.
Ich hatte Ihnen mitgeteilt, daß ich ein Wechselwähler bin und mit Respekt die Reformpolitik der SPD verfolge. Nun machen es mir die Grünen und Ihre Partei schwer zu verstehen, warum die Türkei in die EU aufgenommen werden soll.
Frage: Befürworten Sie persönlich auch den Beitritt?
MfG.
Antwort von Dr. Axel Berg
3Empfehlungen
16.09.2005
Sehr geehrter Herr Kinsky,

mit Bedauern habe ich feststellen müssen, dass ihr Brief in keinem
meiner Büros auffindbar war und sich auch niemand daran erinnern konnte.
Vielleicht ist er ja wirklich nicht angekommen. Aber gut, nun erhalten
Sie ja zumindest auf diesem Wege eine Antwort von mir:

Grundsätzlich habe ich bezüglich des Beitritts der Türkei zur EU eine
recht differenzierte Position, die ich Ihnen gerne erläutere. Ich bin
dafür, aber erst später und nur unter ganz bestimmten Bedingungen:

Die Diskussion der letzten Monate zeigt meiner Meinung nach deutlich,
dass die Vor- und die Nachteile einer Aufnahme der Türkei in die
Europäische Union sachlich und ausführlich diskutiert werden müssen.
Aber gerade die Sachlichkeit ist das, was ich leider oft in der
öffentlichen Diskussion vermisse.

Es stimmt natürlich, dass die Außengrenzen der EU durch eine Aufnahme
der Türkei unmittelbar zum Nahen und Mittleren Osten lägen und diese
Region sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht gerade durch Stabilität,
Frieden und Demokratie auszeichnet. Aber ich habe den festen Glauben,
dass sich dies in den nächsten 10 bis 20 Jahren ändern wird, Frieden
einkehren kann und die autoritären Systeme dem Ende zugehen. Hier könnte
die Türkei auch durchaus eine Vorbildfunktion einnehmen, wenn sie den
eingeschlagenen Weg der Reformen hin zu mehr Demokratie und
Rechtsstaatlichkeit konsequent weitergeht. Dies sollte auch im
ureigensten Interesse der EU und Deutschlands liegen, denn nur eine
Befriedung der Region garantiert auch, dass keine Bedrohung für die EU
und Deutschland von dort ausgeht. Denn spätestens seit den Anschlägen
von Madrid sollte uns klar sein, dass der internationale Terrorismus
auch nicht vor Europa Halt machen wird. Und, um Terrorismus zu
bekämpfen, muss man auch die Ursachen des Entstehens und vor allem die
Rekrutierungsmöglichkeiten von terroristischen Bewegungen betrachten.
Meist ist Unzufriedenheit in den unterschiedlichsten Ausprägungen die
Motivation. Und besonders der große Zulauf von freiwilligen
Selbstmordattentätern etc. ist nicht nur mit religiösem Wahn zu
begründen. Oft ist es eher so, dass die Menschen keinen Ausweg aus Ihrer
Lage sehen, weil es ihnen z.B. wirtschaftlich so schlecht geht oder weil
sie sich unterdrückt fühlen – von wem auch immer: entweder vom eigenen
Regime oder von "dem Westen" – dass sie erst dann fundamentalistisch
werden. Dies ist natürlich keine Entschuldigung für ihr Verhalten, aber
wenn man die Ursachen für die Unzufriedenheit an der Wurzel bekämpft,
wäre es sehr viel vorausschauender, bereits vor dieser Sinneswandlung
anzusetzen. Und vorausschauende Politik, die vielleicht wirklich zu
einer einigermaßen Befriedung der Region führt, sollte auch im Sinne der
EU ebenso wie im Sinne Deutschlands sein. Insofern ist für mich die
Unterstützung des Reformprozesses in der Türkei durch den Anreiz der
EU-Mitgliedschaft auch Terrorismusbekämpfung und kann vielleicht sogar
zur Befriedung der Region beitragen.

Dies bringt mich aber zu einem ganz anderen, aber entscheidenden Punkt:
Bis die Türkei wirklich zu einem Vollmitglied der Europäischen Union
werden kann, hat sie noch einen langen Weg vor sich. Nicht nur, weil die
EU sicher erst einmal aufgrund der gerade erst erfolgten Erweiterung,
eine Konsolidierungspause benötigt, sondern auch, weil natürlich die
Kopenhagener Kriterien bedingungslos auch für die Türkei gelten. Erst
wenn diese sichtbar reell erfüllt sind, kann die Türkei Mitglied der EU
werden. Vorher ganz sicher nicht, für jeden gilt das gleiche Recht und
ohne die vollständige Erfüllung der Kopenhagener Kriterien wird die
Türkei sicher kein Mitglied der EU werden. Allerdings sollte man auch
nicht den Aspekt der positiven Auswirkungen auf den Reformprozess in der
Türkei vernachlässigen. Alleine die "Aussicht auf Aufnahme von
Beitrittsverhandlungen" Ende 2004 hat den Reformprozess extrem weiter
vorangetrieben. Ausgerechnet unter Erdogan hat sich in der Türkei mehr
an Demokratisierung getan als die 200 Jahre davor. Nun ist aber
natürlich vorrangig, dass die beschlossenen Reformen auch wirklich
umgesetzt werden. Zu einer konsequenten Fortführung der Reformen gehört
sicher auch eine hohe Kooperationswilligkeit seitens der Türkei bei der
Lösung des Zypern-Konflikts, dies alleine wird aber sicher nicht
ausreichen um Beitrittsverhandlungen aufzunehmen.

Den Aspekt der Religion, der ja oft angesprochen wird, würde ich gerne
aus der Debatte heraushalten. Die EU ist eine Wertegemeinschaft, die aus
einer reinen Wirtschaftsgemeinschaft entstanden ist, ob allerdings hier
die Religion der Bevölkerung der einzelnen Mitgliedsstaaten
ausschlaggebend für das Werteverständnis ist, möchte ich anzweifeln.
Bereits jetzt leben Millionen von Moslems in den einzelnen
Mitgliedsstaaten der EU. Diese Menschen erfolgreicher als bisher zu
integrieren ist wichtiger als die Türkei, die sich immerhin zur
ausdrücklichen Trennung von Staat und Religion bekennt, auszuschließen
aus der Europäischen Union, nur weil der überwiegende Teil der
türkischen Bevölkerung sich zu einer anderen Religion bekennt.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Axel Berg MdB
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