Detlef Müller (SPD)
Abgeordneter Bundestag 2005-2009
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Grunddaten
Detlef Müller
Jahrgang
1964
Berufliche Qualifikation
Lokomotivführer, Ausbilder, Teamleiter (DB RegioNetz GmbH, Erzgebirgsbahn Chemnitz)
Ausgeübte Tätigkeit
Mitglied des Deutschen Bundestages
Wahlkreis
Chemnitz
Landeslistenplatz
10, Sachsen
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(...) Die Einführung des neuen Vergütungssystems verfolgt unter anderem das Ziel, die Honorierung der kassenärztlichen Versorgungsleistungen zu verbesseren. (...)
Parlamentarische Arbeit / Nebentätigkeiten
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Frage zum Thema Soziales
11.05.2009
Von:

Sehr geehrter Herr Müller,

ich darf Ihnen heute zwei Fragen stellen, die sicher für viele Menschen in Chemnitz, aber auch im Bundesgebiet von hohem Interesse sind.

1.
Mit Freude habe ich gelesen, dass Sie im Aufsichtsrat unserer CVAG sitzen. Hierzu meine Frage: Ist es geplant, für ALGII Empfänger ein Sozialticket einzuführen? Wurde wenigstens schon mal darüber nachgedacht? Und wie ist Ihre persönliche Einstellung hierzu?

2.
Ich bin mehrere Jahre als Vorsitzender eines gemeinnützigen Vereins im Bereich Schuldnerberatung und Verbraucherinsolvenzverfahren tätig gewesen und weiß um die Ängste und Nöte der Armen in unserem Land.
Hierzu die konkrete Frage: Wann endlich kommt das sogenannte P-Konto? Dieses ist essentiell wichtig für alle Schuldner, deren Girokonto durch eine Kontopfändung "lahm gelegt" ist.
Schließlich wird das Mittel der Kontopfändung von den Gläubigern nur noch als Druckmittel verwendet, obwohl sie wissen, dass "dort nichts zu holen" ist.

Mit freundlichen Grüßen
Antwort von Detlef Müller
11Empfehlungen
13.05.2009
Detlef Müller
Sehr geehrter Herr ,
vielen Dank für Ihre Anfragen bei "Abgeordnetenwatch.de".

Zu Ihrer ersten Frage:

Zunächst einmal entscheidet über die Einführung eines sog. Sozialtickets oder anderer Tarife nicht der Vorstand der CVAG oder deren Aufsichtsrat. Alle tariflichen Angelegenheiten werden vom Verkehrsverbund Mittelsachsen (VMS), dem Zusammenschluss von 31 Verkehrsunternehmen der Region, beschlossen. Zum Thema selbst haben wir im Jahr 2008 bereits im Stadtrat Chemnitz einen entsprechenden Antrag (vorerst) abgelehnt. Hintergrund waren die Mehrkosten von 2,8 Mio Euro, die bei Einführung des Sozialtickets allein durch die Stadt Chemnitz zu tragen wären. Abzusehen war, dass auch die Landesdirektion (Regierungspräsidium) Chemnitz der Einführung eines Sozialtickets widersprechen würde, da die Stadt Chemnitz bei angespannter Haushaltlage sich zunächst auf die Pflichtaufgaben konzentrieren sollte. Auch sind in Chemnitz die Tarife des VMS/CVAG durchaus akzeptabel und bei weitem nicht überteuert. Die Preise für bereits angebotene Sozialtickets (z.B. Dortmund, Berlin) liegen nur geringfügig unter der "normalen" Chemnitzer Abo-Monatskarte.
Trotzdem bleibt das Thema aktuell. Aus meiner Sicht sollte ein Sozialticket nicht auf die Bezieher von Arbeitslosengeld II begrenzt sein, sondern sich am Chemnitz-Pass orientieren. Es gibt in Chemnitz sehr viele Beschäftigte, deren Einkommen so gering ist, dass für sie die tägliche Fahrt von/zur Arbeit mit dem öffentlichen Nahverkehr ein großer Kostenfaktor ist. Hier wird sich der kommende Stadtrat erneut eine Meinung bilden und dann im Gesamtgefüge des VMS eine Entscheidung getroffen werden.

Zur zweiten Frage:
Am 23.04.2009 hat der Bundestag in Berlin beschlossen, das Pfändungsschutzkonto einzuführen. Das P - Konto gewährt jedem Inhaber eines Bankkontos in Deutschland, einen Freibetrag von 985,15 Euro pro Monat, welcher nicht gepfändet werden kann und garantiert somit das Existenzminimum auf diesem Konto.
Das Gesetz ist verabschiedet und tritt am zwölften Monat nach Verkündung in Kraft. Somit kann dieser neue Schutz ab Mai 2010 von jedem Bundesbürger in Anspruch genommen werden.
Im Anhang finden Sie das dazu gehörende Dokument.

Mit freundlichen Grüßen
Detlef Müller, MdB

Anhänge:
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Frage zum Thema Demokratie und Bürgerrechte
11.05.2009
Von:

Sehr geehrter Herr Müller,

mein Problem sind die gerade geäußerten Wünsche von Herrn Tillich und Frau Merkel: Tillich wünscht die sofortige Öffnung für Arbeitskräfte aus den östlichen Ländern und Merkel die Erhöhung der Einbürgerungen von Ausländern und erhöht die Mittel für Integrationskurse um 19 Millionen auf 175 Millionen € im Jahr.
Ich habe nichts gegen ausländische Mitbürger und achte diese. Ich frage mich aber, ob diese Äußerungen unserer zwei Politiker in einer Zeit des dramatischen Anstiegs der Arbeitslosigkeit/Kurzarbeitergeld mehr als realitätsfern zu bezeichnen sind.
Meine Frage an Sie: Denken Sie auch, dass mehr ausländische Arbeitskräte unsere gewaltigen wirtschaftlichen Probleme und daraus wachsenden anderen Problemen lösen werden?
Mit freundlichen Grüßen
Antwort von Detlef Müller
8Empfehlungen
13.05.2009
Detlef Müller
Sehr geehrte Frau ,

vielen Dank für Ihre Anfrage.

Die von Ihnen angesprochene Öffnung des deutschen Arbeitsmarktes für Arbeitskräfte aus den östlichen EU-Staaten sollte man nicht vor dem Hintergrund der aktuellen Wirtschaftskrise beurteilen, die strukturellen demografischen Probleme in unserer Gesellschaft bleiben auch während der Wirtschaftskrise bestehen.

Schon jetzt ist absehbar, dass sich das Verhältnis zwischen den Generationen verschieben wird - mit Folgen für unsere großen Sozialversicherungssysteme wie Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung. Richtig spürbar wird der demografische Wandel ab 2010, wenn die geburtenstarken Jahrgänge der Nachkriegszeit Schritt für Schritt in den Ruhestand gehen. Herrscht heute noch in einigen Regionen Massenarbeitslosigkeit, wird es in wenigen Jahren schon einen Mangel an gut ausgebildeten Fachkräften geben, da immer weniger junge Menschen in den Arbeitsmarkt eintreten.
Als Sozialdemokraten sprechen uns für die Einführung eines Punktesystems für die Anwerbung von Hochqualifizierten und eine gesteuerte Engpasszuwanderung für andere Fachkräfte aus. Auch für gering Qualifizierte wird weiterhin ein Bedarf bestehen. So können Migrantinnen und Migranten durchaus ein Potenzial für eine Steigerung des Wirtschaftswachstums darstellen.
Wichtig ist aber, dass hohe arbeits- und sozialrechtliche Standards für die Migrantinnen und Migranten gelten müssen. Über Integrationsmaßnahmen und soziale Mindeststandards muss Ausbeutung verhindert werden. Denn wenn das Prinzip "Gleicher Lohn für gleichwertige Arbeit am gleichen Ort" durchgesetzt wird, kann Lohn- und Sozialdumping vermieden werden.
Mit freundlichen Grüßen

Detlef Müller, MdB
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Frage zum Thema Demokratie und Bürgerrechte
22.05.2009
Von:

Sehr geehrter Herr Müller,
ich bedanke mich für Ihre Antwort in Bezug auf die Anwerbung ausländischer Arbeitskräfte bzw. Öffnung des Arbeitsmarktes für die östlichen Staaten.
Neben Hochqualifizierten geben Sie auch ausländischen gering qualifizierten Arbeitskräften eine Chance auf dem deutschen Arbeitsmarkt.
Ca. 80 000 Schüler verlassen jährlich unsere Schule ohne Abschluss.Ca. 8 % der deutschen Kinder und ca. 20 % ausländische Kinder sind das. Dies ist auch heute schon ein gewaltiges Problem, denn diese Kinder/Jugendliche haben enorme Probleme mit der Berufsausbildung und Arbeitssuche. Hintergrund sind die immer schlimmer werdenden Zustände in den Schulen: große Klassen, Schulschließungen, genervte Lehrer, Autoritätsprobleme, Werteverluste. Bei den jetzigen Abläufen zur Bildung von 1. Klassen, Übergang in Real-und Hauptschulen und Gymnasien sind Bürokraten am Werk (in den Regierungspräsidien), welchen jegliche Menschlichkeit abhanden gekommen ist. So werden bei 60 Schulanfängern keine drei 1. Klassen gebildet, sondern nur zwei Klassen mit je 28 Schülern !!!! und die restlichen 4 werden ins Nachbardorf gefahren.
Ich bin der Auffassung, dass immer noch nicht das Hauptaugenmerk bei unseren Kindern und Enkelkindern liegt, sondern Auswüchse in der Banken- und Autowelt wichtiger sind. Der Schrei nach Hochqualifizierten und Facharbeitern soll nicht ins Ausland gehen, sondern in unsere Schulen und Universitäten.
Welche Möglichkeiten gibt es, stärkeren pädagogischen Einfluss auf Regierungsbehörden auszulösen, um diese Verkrampfung zu lösen?
Mit freundlichen Grüßen aus dem Striegistal
Antwort von Detlef Müller
5Empfehlungen
25.05.2009
Detlef Müller
Sehr geehrte Frau ,

vielen Dank für Ihre Nachfrage zum Thema Öffnung des Arbeitsmarktes.

Die von Ihnen angesprochenen Fälle sind auch für mich schwer nachvollziehbar. Allerdings haben wir in Deutschland das Föderalismusprinzip, der Bereich der Bildung/Ausbildung liegt dabei in der Zuständigkeit der Bundesländer. Für den Bund ist es deshalb sehr schwer Einfluss zu nehmen. Ich persönlich würde mir aber gerade im Bildungsbereich mehr Kompetenzen für den Bund wünschen, weil ich davon überzeugt bin, dass ein "Flickenteppich" von 16 unterschiedlichen Bildungssystemen hinderlich für unsere nationale Anstrengungen zur Verbesserung der Ausbildungsqualität ist. Es ist für mich ein Unding, dass ein Wohnort- und /oder Schulwechsel Probleme aufwerfen kann. Um die Qualität und eine hohe Vergleichbarkeit sowohl der Bildungssysteme in den einzelnen Ländern als auch der Schulen innerhalb eines Landes zu gewährleisten, wird die SPD die Weiterentwicklung und Verbesserung gemeinsamer Bildungsstandards vorantreiben. Außerdem muss unser Schulsystem deutlich durchlässiger werden, d.h., dass Schülerinnen und Schüler länger gemeinsam lernen können.

Trotz allem, der Einfluss des Bundes bleibt beschränkt, trotzdem bemüht sich der Bund im Rahmen seiner Möglichkeiten einzuwirken. Angefangen bei bereit gestelltem Geld für die Ganztagsbetreuung in Schulen, dem Rechtsanspruch auf einen Hauptschulabschluss für jeden Jugendlichen und dem Anrecht auf einen Sprachkurs für Jugendliche mit Migrationshintergrund.

Ein anderer wichtiger Ansatzpunkt ist der Ausbildungsbonus: Mit dem Bonus erhalten rund 100.000 jugendliche Altbewerber, die sich vergeblich um einen Ausbildungsplatz beworben haben, eine neue Chance, ihr Recht auf Teilhabe am Arbeitsmarkt zu verwirklichen. Der zunächst bis 2010 befristete Ausbildungsbonus sieht eine Förderung zwischen 4.000 und 6.000 Euro (je nach Ausbildungsvergütung) vor und dient so als Anreiz, Bewerbern eine Chance zu geben, die keinen Abschluss, Sonder-, Hauptschulabschlüsse oder mittlere Abschlüsse mit höchstens ausreichenden Noten in Deutsch oder Mathematik erreicht haben. Profitieren sollen von dem Bonus auch lernbeeinträchtigte oder anders sozial benachteiligte Jugendliche, die auf dem Ausbildungsmarkt ungleiche Chancen im Vergleich mit besser qualifizierten Bewerbern haben.

Wie Sie sehen, liegt das Primat der Politik natürlich darin, unsere Jugendliche "fit" für den Arbeitsmarkt zu machen, gerade bei benachteiligten Jugendlichen haben wir verschiedene Instrumente geschaffen, um Vermittlungshemmnisse abzubauen. Allerdings, und auch daran besteht aufgrund unserer demografischen Entwicklung kein Zweifel, werden wir künftig nicht auf Zuwanderung verzichten können.

Mit freundlichen Grüßen

Detlef Müller, MdB
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Frage zum Thema Demokratie und Bürgerrechte
19.06.2009
Von:

Hallo Herr Müller,

wiederholt musste ich feststellen, dass Sie einen Schritt weiter auf der Strasse zum Ueberwachungsstaat vorangeschritten sind. Sie haben gegen Buergerrechte und somit gegen die Fundamente unserer Demokratie gestimmt. Daher moechte ich Sie darum bitten mir darzulegen was Sie dazu bewogen hat saemtliche kritische Fragen zu ignorieren. Bitte antworten Sie diesmal nicht wieder mit der Floskel, Sie haetten nur "unter grossen Bauchschmerzen zugestimmt". Das Ziel der Gegner der Internetsperren ist nicht dafuer zu sorgen, dass das Internet ein rechtsfreier Raum ist. Dass dies schon lange nicht mehr der Fall ist, wurde mit der Unterstuetzung der Content-Industrie im Kampf gegen Raubkopierer und "Schulhofmusiktausch" bereits bewiesen. Wie schon beim BKA-Gesetz wird der Bock zum Gaertner gemacht und das BKA darf sich einmal mehr selbst kontrollieren. Wer ueberwacht die Ueberwacher?

In meiner letzten Anfrage an Sie hatte ich die rhetorische (und zugegebenermassen etwas polemische) Frage, ob als naechstes ein Ermaechtigungsgesetzt geplant sei, gestellt. Leider haben Sie es versaeumt(?) auf meine Rueckantwort, die ich direkt auf Ihrer Webseite hinterlassen habe, zu reagieren [1]. Ich komme nicht umhin heute diese Frage wieder stellen zu muessen, zumal Ihr Parteigenosse Wiefelspuetz als naechstes Zensurziel bereits "Anleitungen zum Bombenbau" in den Fokus nimmt. Wann koennen wir damit rechnen, dass Chemiebuecher, Enzyklopadien und andere Nachschlagewerke auch auf den BKA-Index kommen? Wann kommen Erklaerungen zur Stimmgewichtung bei Wahlen, Aufrufe oder Hinweise fuer Petitionen oder kritische Artikel zu den Leistungen oder Lobby-Verbindungen der Parlamentarier auf den Index?

Bleibt nur zu hoffen, dass das Bundesverfassungsricht sich noch an das Grundgesetz erinnert, bevor die Zensur und das was immer darauf folgen mag, die zweite Demokratie in Deutschland kassiert - "eine Zensur findet nicht statt".

vG, T.

[1] gern lasse ich Ihnen den Text nochmals zukommen
Antwort von Detlef Müller
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23.06.2009
Detlef Müller
Sehr geehrter Herr ,

vielen Dank für Ihre Anfrage.

Es ist klar, dass sich Ihr Rechtsempfinden grundlegend von meiner Rechtsauffassung unterscheidet. Insofern erscheint es mir auch nicht zielführend, weiter mit Ihnen zu diskutieren, weil Sie meine Bedenken hinsichtlich terroristischer, extremistischer oder anderer Gefahren (wie zum Beispiel Kinderpornographie) absolut nicht teilen bzw. akzeptieren werden.

Im Übrigen lasse ich mir von Ihnen auch nicht vorschreiben, in welcher Form ich hier bei "Abgeordnetenwatch.de" Fragen beantworte. Sie fragen nach meiner Meinung – ich schreibe diese- auch, wenn sie Ihnen nicht genehm ist.

Wenn Sie meine Meinung zur aktuellen Debatte wirklich interessiert, empfehle ich Ihnen meine Antwort an Herrn Bochmann.

Mit freundlichen Grüßen

Detlef Müller, MdB
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Frage zum Thema Internetsperren
19.06.2009
Von:

Sehr geehrter Herr Müller,

mit entsetzen stellte ich fest, dass Sie dem doch sehr umstrittenen Gesetz zu Internetsperren zugestimmt haben.

Vielleicht ist Ihnen die größte bisher dagewesene ePetition mit knapp 140.000 Mitzeichnern entgangen oder Demonstrationen, Mahnwachen und gar die Berichterstattung in den Medien.

Natürlich möchte ich Ihnen nicht vorwerfen, sich nicht mit der Thematik vertraut gemacht zu haben, bevor Sie bei so einem heiklen Thema abstimmen, aber die Tatsache, dass sie zugestimmt haben, lässt darauf schließen, dass sie genau das getan haben.

Meine Frage ist daher: Warum? Warum stimmen Sie dafür, wenn es darum geht, das Internet zu zensieren? Denn darauf wird es nämlich hinauslaufen.

Das BKA allein legt fest, wer auf der Sperrliste steht. Das heißt Ermittler, Ankläger und Richter in einer Person.

Experten und Ermittlungsbehörden sind der klaren Meinung, dass Kinderpornografie nicht oder kaum über das www verbreitet wird, sondern dass es sich um Tauschringe handelt, die mit dieser Sperre nicht erreicht werden. Selbst wenn dem nicht so wäre, würde sich die Sperre binnen einer Minute umgehen lassen.

Auch jetzt gab es schon mehrere Politiker die äußerten, dass ja auch andere Inhalte gleich mit gesperrt werden können, wenn die Instrumente dazu einmal vorhanden sind.

Ich könnte hier jetzt noch viele weitere Argumente aufführen, die zeigen wie falsch dieser Beschluss ist, aber diese Informationen haben Sie ja wahrscheinlich auch vorher nicht interessiert.
Antwort von Detlef Müller
6Empfehlungen
23.06.2009
Detlef Müller
Sehr geehrter Herr ,

vielen Dank für Ihre E-Mail zum Gesetz zur Bekämpfung der Kinderpornografie in Kommunikationsnetzen, das am 18. Juni 2009 vom Bundestag beschlossen wurde.
Auch wenn Sie mir indirekt unterstellen, dass ich mich mit dem Thema nicht beschäftigt habe, so möchte ich nur anmerken, dass ich viele Fachgespräche mit Innen- und Rechtspolitikern und Experten aus der Internet-Community (auch in meinem Wahlkreisbüro) geführt habe.

Wir alle wollen einen effektiven Schutz von Kindern und Jugendlichen vor sexueller Gewalt und Ausbeutung. Die SPD-Fraktion hat dazu mit einem Anfang Mai beschlossenen 10-Punkte-Plan ein umfassendes Konzept mit konkreten zusätzlichen Maßnahmen vorgelegt. Eine unserer Kernforderungen lautet, dass die Strafverfolgungsbehörden dauerhaft personell und technisch gut ausgestattet sind und die internationale Zusammenarbeit der Strafverfolgungsbehörden weiter gestärkt wird.
In den vergangenen Jahren haben wir zudem bereits das Herstellen, die Verbreitung und den Besitz von Kinderpornografie lückenlos unter Strafe gestellt.

Der Kampf gegen Kinderpornografie hat viele Facetten, die sich ergänzen und nicht gegeneinander ausgespielt werden sollten. Unabhängig von der Frage, ob der Missbrauch von Kindern selbst zugenommen hat, stellt sich zunehmend das Problem der Verbreitung von kinderpornografischen Inhalten im Internet. Dies liegt an den Besonderheiten des Internets, in dem auch rechtswidrige Inhalte schnell verbreitet und anonym sowie ohne soziale Kontrolle konsumiert werden können.
Die Bekämpfung der Verbreitung von Kinderpornografie im Internet ist deshalb ein wichtiges Thema. Das dürfte weitgehend unbestritten sein. Auch ist das Internet kein rechtsfreier Raum. Ein rechtswidriges Verhalten dort kann selbstverständlich strafbar sein oder zivilrechtlich verfolgt werden.

Fraglich ist letztlich, mit welchen Maßnahmen die Verbreitung kinderpornografischer Inhalte im Internet angemessen, rechtsstaatlich sauber und möglichst effektiv verhindert oder zumindest erschwert werden kann.

Bereits nach heutiger Rechtslage werden Kinderpornografie-Seiten, die sich auf deutschen Servern befinden, von den Internetprovidern heruntergenommen. Ein solcher direkter Zugriff ist im Ausland nicht möglich. Nur deshalb stellt sich die Frage nach Zugangssperren. Es geht hierbei aber nicht um eine Internetzensur – es geht um die Bekämpfung krimineller Handlungen in einem ganz besonders gelagerten Fall.
Mit dem Gesetz wird das Ziel verfolgt, den Zugang zu kinderpornografischen Inhalten zu erschweren. Mir ist bekannt, dass versierte Nutzer diese Sperrung technisch umgehen können. Es kommt aber auch darauf an, die Hemmschwelle, die an dieser Stelle in den letzten Jahren deutlich gesunken ist, wieder signifikant zu erhöhen. Dem dient neben der Sperrung einzelner Seiten die Umleitung auf eine Stoppseite mit entsprechenden Informationen.

Mit dem nun beschlossenen Gesetz wurde der ursprüngliche Gesetzentwurf ganz wesentlich überarbeitet und verbessert, wobei die SPD-Bundestagsfraktion ihre wichtigsten Änderungsvorschläge in den Verhandlungen mit der Unionsfraktion durchsetzen konnte. Wir haben damit auch die wesentlichen Kritikpunkte, die sich aus der Bundestagsanhörung und der Stellungnahme des Bundesrates ergeben haben, positiv aufgegriffen. Mehr über die Änderungen, die wir in den Beratungen erreicht haben, erfahren Sie auf meiner Internetseite unter www.spd-mueller.de.

Sehr geehrter Herr , trotz vieler Proteste aus der Internet-Community und der elektronischen Petition mit über 140000 Unterstützern bin ich davon überzeugt, dass wir mit dem beschlossenen Kinderpornografie-Bekämpfungsgesetz richtig gehandelt haben. Ziel des Gesetzes ist definitiv keine Zensur, sondern ausschließlich die ohnehin schwierige Bekämpfung der Verbreitung kinderpornografischer Inhalte im Internet. Allerdings habe ich auch Äußerungen von Abgeordnetenkollegen vernommen, die sich noch weitergehende Sperren vorstellen können. Dies lehne ich ab.

Mit freundlichen Grüßen

Detlef Müller, MdB
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