Detlef Müller (SPD)
Abgeordneter Bundestag 2005-2009
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Grunddaten
Detlef Müller
Jahrgang
1964
Berufliche Qualifikation
Lokomotivführer, Ausbilder, Teamleiter (DB RegioNetz GmbH, Erzgebirgsbahn Chemnitz)
Ausgeübte Tätigkeit
Mitglied des Deutschen Bundestages
Wahlkreis
Chemnitz
Landeslistenplatz
10, Sachsen
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Parlamentarische Arbeit / Nebentätigkeiten
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Frage zum Thema Soziales
13.07.2008
Von:
Uwe

Sehr geehrter Herr Müller,

ich möchte Ihnen eine kurze Frage stellen, die sich mit einem klaren JA oder NEIN beatnworten lässt. Unsere Bundeskanzlerin hat am 20.06.08 in der FAZ ( www.faz.net ) und heute, am 13.07.08, in der Bildzeitung ( www.bild.de ) auf die Frage nach der Notwendigkeit von Energie-Sozialtarifen geantwortet, daß sie keine Notwendigkeit sehe, da Heizkosten und Stromrechnungen VOLL erstattet würden und deshalb wären sozial schwächere Gruppen von Energiepreiserhöhungen nicht betroffen. Für Heizkosten mag das zutreffen, wenn auch nur in angemessenem Rahmen, und der wird vom Fallmanager willkürlich festgelegt, vor allem, wenn ein Mehrbedarf wegen Krankheit o.ä. besteht. Stromkosten werden jedoch aus der Hartz IV Regelleistung bestritten und eben nicht voll erstattet. Deshalb meine Frage, ist Ihnen bekannt, daß diese Aussage der Kanzlerin schlicht und egreifend unwahr ist?

Mit freundlichen Grüßen

Uwe
Antwort von Detlef Müller
7Empfehlungen
14.07.2008
Detlef Müller
Sehr geehrter Herr ,

um es kurz zu beantworten: Ja, Sie haben recht.

Während die Heizkosten übernommen werden, sind die Kosten für Strom,
Warmwasser oder Gas aus der Regelleistung zu bestreiten.

Mit freundlichen Grüßen

Detlef Müller, MdB
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Frage zum Thema Sicherheit
28.07.2008
Von:

Hallo Herr Müller,

wie wird beim EPass verhindert, das über den RFID Chip meine Daten an dritte weitergegeben werden?

Immerhin ermöglicht dieser Chip ein exaktes Bewegungsprofil zu erstellen. Auch zu Werbezwecken.

Gruß
Antwort von Detlef Müller
2Empfehlungen
30.07.2008
Detlef Müller
Sehr geehrter Herr ,

vielen Dank für Ihre Anfrage.

Der elektronische Identitätsnachweis (eID), auf den sich Ihre Frage bezieht, wird serienmäßig auf jedem Personalausweis vorbereitet sein. Ab dem Einführungsstichtag 1. November 2010 können die Ausweise neuen Typs (auch vor Ablauf des bisherigen Personalausweises) beantragt werden. Sie können dann entscheiden, ob die eID-Funktion eingeschaltet wird, zusätzlich kann auch später eine elektronische Signatur nachgeladen werden.
Somit eröffnet sich damit eine breite Palette von Anwendungsmöglichkeiten. Das virtuelle Rathaus beispielsweise wird weitere Online-Dienste anbieten können. Auch Online-Shopping, Online-Banking und Querschnittsthemen wie Jugendschutz und Suchtprävention im Internet sowie der Altersnachweis an Automaten werden von den neuen Ausweisfunktionen profitieren.

Um Missbrauch beim neuen elektronischen Personalausweis auszuschließen, müssen zukünftige Anbieter, die den Personalausweis als vertrauenswürdige Infrastruktur in ihre Dienste einbinden wollen, vorher bei einer staatlichen Stelle ein Berechtigungszertifikat beantragen. Nur mit diesem Zertifikat darf er personenbezogene Daten (Name, Anschrift, Alter) aus dem Ausweis-Chip online erfragen. Für den Ausweisinhaber wird diese Berechtigung am Bildschirm sichtbar sein. Er kann dann seinen Ausweis auf ein Lesegerät am PC legen, seine Ausweis-PIN eingeben und somit der Übermittlung seiner Daten im Internet zustimmen. Dank des gegenseitigen Identitätsnachweises können also beide Partner einer Online-Transaktion der Identität ihres Gegenübers sicher sein.

Mit freundlichen Grüßen

Detlef Müller, MdB
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Frage zum Thema Tourismus
25.08.2008
Von:

Werter Herr Detlef Müller

Als ich Besuch erhalten hatte, sind wir auf ein Zollproblem gestossen. Wir wollten zu dritt in die CSR fahren und dort Tabak einkaufen, erlaubte Einfuhr von Tabak sind pro Person 1 kg. in diesen ganz konkreten Fall 3 kg. Diese legal eingeführte Tabakmenge wird aber illegal, sobald der Besuch (eine Person) diese legal eingeführte Menge mit nach Hause nimmt. Meine ganz konkrete Frage ist nun,wie man kann man bei einer Zollkontrolle glaubhaft machen oder nachweisen, das die legal eingeführte Menge eben nicht illegal ist? Als die Grenzen noch Übergänge hattten und der Zoll vor ort war, konnte man sich die Lagalität bestätigen lassen. Ich bitte um eine ganz konkrete Antwort.

MfG
Antwort von Detlef Müller
7Empfehlungen
27.08.2008
Detlef Müller
Sehr geehrter Herr ,

vielen Dank für Ihre Nachfrage bei abgeordnetenwatch.de. Ich werde versuchen Ihre Anfrage vom 25.08. zu beantworten.

Innerhalb des EU-Binnenmarktes dürfen Privatpersonen uneingeschränkt Waren aus anderen Mitgliedstaaten einführen. Allerdings gibt es für verbrauchssteuerpflichtige Güter so genannte Richtmengen, bis zu denen von einem privaten Gebrauch ausgegangen wird. Diese Richtmengen beziehen sich auf Tabakwaren, Alkohol, Kaffee und Kraftstoff.
Seit dem 1. Januar 2008 dürfen Privatpersonen, die nach Tschechien reisen, für den persönlichen Gebrauch 800 Zigaretten nach Deutschland einführen. Bei einer eventuellen Zollkontrolle durch die sogenannten mobilen Kontrollgruppen (MKG) dürfen diese vorgegebenen Mengen pro Person nicht überschritten werden. Dies hat den Zweck sicherzustellen, dass die eingeführten Waren ausschließlich für private Zwecke und nicht für gewerbliche Zwecke eingeführt wurden.
Somit ist es auch ersichtlich, dass Ihr Besuch nach der Grenzüberschreitung nicht allein mit der überhöhten Mengenanzahl angetroffen werden darf.
Allerdings haben Sie die Möglichkeit sich persönlich an das Zollamt zu wenden und sich die Legalität Ihrer eingeführten Waren bestätigen zu lassen.

Mit freundlichen Grüßen
i. A. Tanja Lakeit
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Frage zum Thema Demokratie und Bürgerrechte
18.09.2008
Von:

Sehr geehrter Herr Müller,

in der Bevölkerung wird seit geraumer Zeit über ein Bedingungsloses Grundeinkommen diskutiert. Es ist teilweise in diesem Zusammenhang auch von "Bürgergeld", "Grundsicherung" usw. die Rede. Das Grundeinkommen könnte viel soziale Probleme lösen und den Menschen die Existenzangst nehmen. Wie stehen Sie und Ihre Fraktion zu diesem Thema ? Falls Ihnen das Thema unbekannt sein sollte, unter www.grundeinkommen.de mehr dazu. Götz Werner, ehemaliger Chef der DM_Drogeriemarkt-Kettte, ist wohl der bekannteste Befürworter dieser Idee.

MfG
Antwort von Detlef Müller
6Empfehlungen
19.09.2008
Detlef Müller
Sehr geehrter Herr ,
vielen Dank für Ihre Anfrage bei Abgeordnetenwatch.de.
Die Idee eines bedingungslosen Grundeinkommens erscheint zunächst als interessant und einfach. Die Idee des Grundeinkommens geht davon aus, dass alle Sozialleistungen gestrichen würden und stattdessen der Staat jedem einzelnen Bürger monatlich ein Grundgehalt von angenommen 1000 Euro auszahlen würde. Dies würde ohne Bedürftigkeitsprüfung und ohne Gegenleistung geschehen.
Positiv festzuhalten ist, dass für die Unternehmen die Arbeitskraft günstiger würde, und für die Bürger würde sich dank des Grundgehalts auch gering entlohnte Arbeit rechnen, die Arbeitslosigkeit würde auf einen Schlag sinken. Weil jeder die Leistung erhielte, wären Arbeitslose nicht länger stigmatisiert.
Doch ein solches bedingungsloses Grundeinkommen wäre unfinanzierbar, kaum umsetzbar und zutiefst unsozial.
Die Befürworter wollen das Grundeinkommen mit einer einheitlichen Einkommenssteuer refinanzieren. Dies widerspricht unserem Sozialstaatsmodell, denn Sozialleistungen werden überwiegend zielgenau auf die tatsächlich Bedürftigen zugeschnitten. Starke Schultern sorgen für sich selbst und tragen mehr zur Finanzierung des Sozialstaats bei als schwache. Gleichzeitig entfiele mit der progressiven Einkommensteuer ein zentrales Umverteilungsinstrument. Diese Logik widerspricht meiner Meinung nach dem Gerechtigkeitsempfinden der meisten Menschen in Deutschland.
Hinzu kommt, und das gilt für alle Grundeinkommensmodelle: Das Konzept blendet die Vielschichtigkeit von Armut vollkommen aus. Die heutige Unterschicht leidet keineswegs nur an Geldknappheit, sondern gerade auch an fehlenden Chancen aktiver Teilhabe, an mangelnder Bildung und der "Vererbung" sozialer Benachteiligung. Ein sozialer Staat ermutigt, aktiviert und befähigt deshalb seine Bürger zu Partizipation, Leistung, Kreativität. Er investiert in die Menschen, anstatt sie zu alimentieren. Nur der vorsorgende Sozialstaat, der Familien-, Bildungs-, Arbeitsmarkt- und Integrationspolitik intelligent miteinander vernetzt, kann im 21. Jahrhundert soziale Gerechtigkeit herstellen.
Die Verfechter des Grundeinkommens hingegen wollen die Säulen der Sozialversicherung (Rente, Arbeitslosigkeit, Pflege, Unfall) einfach niederreißen, die Fürsorgesysteme und Maßnahmen zur Arbeitsförderung einstellen. Berufliche Weiterbildung, Ausbildung Benachteiligter, beschäftigungsbegleitende Leistungen – alle staatlichen Hilfen, mit denen die Menschen auf eigene Füße kommen sollen, würden abgeschafft. Der Staat zahlt das Grundgehalt und überlässt die Hilfsbedürftigen sich selbst.
Nicht verschweigen darf man auch in diesem Zusammenhang, dass das Grundeinkommen zu der Annahme verführen könnte, Arbeit sei etwas, was man je nach Lebensabschnittslaune tun oder eben lassen könne. Mehr noch: Mit einiger Wahrscheinlichkeit würde ein bedingungsloses Grundeinkommen die gesellschaftlichen Vorstellungen über den Sinn und Wert von Arbeit negativ verändern und die Motivation der Menschen mindern, sich zu qualifizieren. Dabei werden schon heute in vielen Branchen Hände ringend qualifizierte Fachkräfte gesucht, der Staat sollte deshalb alle finanziellen Ressourcen nutzen, diese Menschen fit für den Arbeitsmarkt zu machen.
Tendenziell würden die Bürger ihre Arbeit zugunsten von mehr Freizeit reduzieren. Dadurch würde die Produktivität unserer Wirtschaft sinken, was wiederum geringere Erlöse und steigende Preise zur Folge hätte. Ein Teufelskreis, weil das Grundeinkommen daraufhin erhöht werden müsste. Selbst für das Grundeinkommen gilt eben: Man kann nur das Geld verteilen, welches man zunächst erwirtschaftet hat.
Mit freundlichen Grüßen
Detlef Müller, MdB
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Frage zum Thema Demokratie und Bürgerrechte
21.09.2008
Von:

Sehr geehrter Herr Müller,

mit Interesse habe ich Ihre Antwort auf die Frage von Herrn Koppe vom 18.09.2008 zur Kenntnis genommen. Einige Details Ihrer Antwort haben mich nicht überzeugen können, so dass es für mich immer noch offene Fragen gibt. So behaupten Sie, dass ein bedingungsloses Grundeinkommen nicht finanzierbar wäre. Können Sie mir Quellen nennen, die dies belegen? Tatsache ist auch, dass es verschiedene Grundeinkommens-Modelle gibt. Kennen Sie ein Modell, in dem die Sozialversicherungen abgeschafft und die Arbeitsförderung eingestellt werden sollen oder ist es nicht eher so, dass ein Grundeinkommen ein zusätzliches und unterstützendes Instrument sein soll? Wäre da nicht die Politik gefragt, um äquivalente Rahmenbedingungen zu schaffen? Weiter schreiben Sie, ein Grundeinkommen wäre ungerecht, unsozial. Kann ich daraus schließen, dass die SPD der Meinung ist, dass ihre Agenda 2010 Programme (Hartz I-IV), die Millionen Menschen von der Teilhabe am öffentlichen Leben ausschließen, Kinderarmut verschärfen, Altersarmut erzeugen, Arbeitnehmer enteignet und Menschen in prekäre Beschäftigung treiben gerechter, als ein Grundeinkommen wären? Ist es denn nicht denkbar, dass ein Grundeinkommen die Bürger am Reichtum Deutschlands partizipieren lässt und gerade entgegen Ihrer Behauptung, Leistung und Kreativität gefördert würden und vor allem existentielle Ängste ausschließt?
Wie kommen Sie zu dem Schluss, im Osten Deutschlands von einer "Vererbung" sozialer Benachteiligung zu sprechen? Haben Sie Belege für Ihre Behauptung, dass mit Einführung eines Grundeinkommens die Motivation der Menschen sich zu qualifizieren sowie die Produktivität der Wirtschaft sinken würden?
Eine letzte Frage hätte ich da noch. Wie definieren Sie Sinn und Wert einer Arbeit? Müsste man nicht heute schon dazu eine Diskussion führen (Erwerbsarbeit, Ehrenamt, Familienarbeit usw.)?
MfG
Antwort von Detlef Müller
3Empfehlungen
23.09.2008
Detlef Müller
Sehr geehrte Frau ,

vielen Dank für Ihre Anfrage bei "Abgeordnetenwatch.de".


Bitte haben Sie Verständnis, dass ich mich nicht zu Ihren Behauptungen hinsichtlich Hartz I-IV äußern möchte, da es sich hierbei eher um eine persönliche Meinung/Suggestivfragen handelt und wir dabei wohl grundsätzlich anderer Meinung sind.

Zu den verschiedenen Modellen des Grundeinkommens: Natürlich existieren mehrere Modelle. Ich kann an dieser Stelle natürlich nicht zu allen Modellen detailliert Aussagen treffen, das würde den Rahmen sprengen. Deshalb möchte ich nur kurz auf das in der Öffentlichkeit bekannteste Modell des thüringischen Ministerpräsidenten Althaus eingehen. Zu diesem Thema hat sich u.a. der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung (SVR) in seinem Jahresgutachten 2007 kritisch geäußert. Darin heißt es: "In der von Althaus vorgeschlagenen Version ist das bedingungslose Grundeinkommen nicht finanzierbar, es reißt eine Finanzierungslücke von rund 227 Mrd. € in die öffentlichen Haushalte." Und weiter: "Passt man die einzelnen Elemente des Konzepts so an, dass eine Finanzierbarkeit prinzipiell gewährleistet ist, lösen sich die vermuteten positiven ökonomischen Auswirkungen in Luft auf" (SVR 2007: 224).

Ähnlich sieht es Clemens Fuest vom Finanzwissenschaftliches Institut der Universität Köln, der eine Studie zum solidarisches Bürgergeld durchgeführt hat: "Durch das Grundeinkommen, dass alle (erwachsenen) Staatsbürger unabhängig
von etwaigen Erwerbseinkünften erhalten, wird die Option, nicht bzw. weniger zu arbeiten, attraktiver als im geltenden Steuersystem. Personen, die derzeit ein niedriges Einkommen erzielen, können im Althaus-Konzept weniger oder nicht mehr arbeiten, ohne dabei deutlich Einkommenseinbußen hinnehmen zu müssen. Hinzu kommt, dass die Umsetzung des Konzepts einen hohen finanziellen Aufwand erfordert." Und auch bei einer anderen Berechnungsgrundlage bleibt Fuest kritisch: "Erst durch die von uns berechnete Variante mit höherer Transferentzugsrate und höherem Steuersatz wird das Bürgergeld finanzierbar. Dann allerdings fallen die Arbeitsangebotseffekte nochmals deutlich negativer aus, da die Anreize zu arbeiten sich zusätzlich verschlechtern. Zudem würde durch diese Variante mit dem höheren Steuersatz der Mittelstand, also die Steuerzahler im Bereich der höheren mittleren Einkommen, stärker belastet, was die politische Durchsetzbarkeit erschweren dürfte." (Fuest: Seite 40).
Im Übrigen geht das Althaus-Modell von einer Abschaffung der Sozialversicherungen (außer der Krankenversicherungs-Kopfprämie in Höhe von 200,- €) und der Arbeitsförderung aus.

Sehr interessant ist in diesem Zusammenhang auch die Position der Gewerkschaften und der Linkspartei zu einem bedingungslosen Grundeinkommen:
Michael Schlecht, der als Ökonom bei der Gewerkschaft Ver.di tätig ist und Mitglied der Hartz-Protestpartei WASG ist, äußerte sich in der TAZ vom 25.9.2006 folgendermaßen: "In unserer Gesellschaft ist es doch wie in einer Wohngemeinschaft", und weiter: "Niemand darf sich permanent weigern, den Müll runterzubringen." Der deutsche Sozialstaat dürfe keine Leistung ohne Gegenleistung vergeben, meint der Ver.di-Ökonom. Eine bedingungslose Faultierprämie würde nur dazu führen, dass sich Millionen Menschen mehr noch als heute in eine asoziale Parallelwelt verabschiedeten. Nicht nur Schlecht, auch Axel Troost, Wirtschaftspolitiker der Linkspartei, plädiert deshalb für eine "bedarfsorientierte Grundsicherung", die den Arbeitslosen weiterhin Arbeitswillen abverlangt."

Wir brauchen also ein System von "Fördern und Fordern" in Deutschland. Wir müssen aber gleichzeitig dafür sorgen, und hier liegt ein großes Problem, dass die Menschen in Zukunft von ihrem Job auch leben können. Dies ist zutiefst sozialdemokratische Politik. Die SPD wird deshalb auch in Zukunft für die Einführung eines flächendeckenden Mindestlohns kämpfen.

Zu Ihrer Anmerkung der "Vererbung" von sozialer Benachteiligung: Ich kann mich nicht entsinnen, dass ich von einer "Vererbung im Osten" geschrieben hatte. Das Problem betrifft noch eher einige Regionen in den alten Bundesländern und Westberlins, allerdings wird es in Zukunft leider auch im Osten durch die gebrochenen Biographien nach der Wende zu einem großen Problem werden.

Das es neben der "klassischen" Erwerbsarbeit auch andere Formen unentgeltlicher Arbeit gibt (z.B. Bürgerschaftliches Engagement, Familienarbeit). Diese Form von Arbeit ist gar nicht hoch genug zu bewerten, und würde man dafür bezahlte Kräfte einstellen, wäre sie wahrscheinlich im wahrsten Sinne des Wortes "unbezahlbar". Die Politik ist sich dessen durchaus bewusst und versucht die Rahmenbedingungen (z.B. besserer Unfallschutz, Erhöhung der Übungsleiterpauschalen) weiter zu verbessern. Wichtig ist in diesem Zusammenhang auch die Tatsache, dass bürgerschaftliches Engagement der Einbindung in das gesellschaftliche Leben dient, weil es sich auf unterschiedlichste Bereiche, wie z. B. in Heimat- und Kulturvereinen, Stadtteilinitiativen, Selbsthilfegruppen, Sportvereinen, sozialen und kulturellen Einrichtungen bis hin zu klassischen Ehrenämtern, Gremien, Vorständen, Gewerkschaften und in der Politik erstrecken kann.

Ich hoffe, dass damit ich damit einige offene Fragen beantworten konnte und verbleibe

mit freundlichen Grüßen

Detlef Müller, MdB
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