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Sehr geehrter Herr Sieveke,
in Ihrer Antwort an Herrn Obermeier äußern Sie die Auffassung, die verkündete Erhöhung der Eigenbedarfsgrenze stelle eine verantwortungslose Verharmlosung des Konsums von Drogen dar.
Würden Sie noch weiter gehen und in der freien Verfügbarkeit von Alkohol eine verantwortungslose Verführung zum Drogenkonsum erkennen?
3.3 Mio. Bundesbürger sind abhängig von Alkohol oder konsumieren ihn missbräuchlich, 9,5 Mio. trinken täglich gesundheitsschädliche Mengen und mehr als 73.000 sterben jährlich aufgrund übermäßigen Alkoholkonsums allein oder in Kombination mit Tabak (vgl.
tinyurl.com ).
393.000 Personen wurden 2008 wegen alkoholbedingter Krankheiten behandelt, 333.000 davon wegen psychischer und Verhaltensstörungen (*). Damit ist Alkohol für insgesamt 60-mal so viele Behandlungsfälle verantwortlich wie der Gebrauch von Cannabis (*).
Ist vor diesem Hintergrund davon auszugehen, dass Sie und Ihre Partei sich zukünftig auch für eine Kriminalisierung von Alkoholkonsumenten einsetzen - oder sehen Sie in Alkohol, trotz zigtausender Todesopfer jährlich, bloß ein harmloses Lebens- und Genussmittel?
Trotz des Verbots ist Cannabis für ca. 40 Prozent der 15-16-Jährigen verfügbar (vgl.
tinyurl.com ), und unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Deutschland ist der Konsum weiter verbreitet als in den Niederlanden, wo Cannabis bekanntlich für jeden Erwachsenen frei verfügbar ist (vgl.
tinyurl.com ).
Wird es nicht, gerade mit Blick auf den Jugendschutz, endlich Zeit, den ausschließlich aufgrund des Verbots existierenden unkontrollierten Schwarzmarkt für Cannabis durch ein staatlich reguliertes System zu ersetzen, welches eine Abgabe an Minderjährige effektiv verhindert und Erwachsene nicht kriminalisiert, sondern sie als mündige Bürger anerkennt?
Freundliche Grüße

(* Quelle: "Diagnosedaten der Krankenhäuser ab 2000" über www.gbe-bund.de , Stichwortsuche: Alkohol, bzw. Cannabinoide)