Lieber


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die meisten Opfer von Jugendgewalt sind Gleichaltrige. Es ist eine schlimme Erfahrung, wie ich aus meiner eigenen Kindheit/Jugend und den damaligen Raufereien mit der Dorfjugend noch gut weiß, Gewalt zu erleiden und Ohnmacht zu verspüren. Deshalb bin ich auch dafür, das Problem ernst zu nehmen, damit möglichst wenig Menschen Opfer von Gewalt werden. Doch ist die Debatte, die die CDU losgetreten hat und mit der sie das Problem stark dramatisiert, wenig hilfreich. Heute reagiert die Gesellschaft, und das ist gut, sehr viel sensibler auf Gewalt, als sie es noch vor Jahren tat, weshalb auch einfache Körperverletzungen viel häufiger zur Anzeigen kommen als früher. Dieses geänderte Anzeigenverhalten ist auch einer der Hauptgründe dafür, dass in den Kriminalstatistiken die Zahlen für Jugendgewalt steigen. Das heißt nicht, dass die Gewalt tatsächlich zunimmt. In diesem Zusammenhang würde mich näher interessieren, welcher Art die Gewalttaten sind, von denen Sie Berichte erhalten. Geht es überwiegend um z.B. Schlägereien unter Alkoholeinfluss, oder glauben Sie eine Veränderung zu mehr Aggressivität und Brutalität zu bemerken?
Es ist schwierig, Lösungsansätze speziell für einen Stadtteil aufzuzeigen. Es ist ein generelles Problem (nicht nur) in Hamburg, dass so viele Kinder und Jugendliche in Armut und Perspektivlosigkeit aufwachsen, und hier muss die Vorbeugung ansetzen. Das fängt an bei den Kita-Plätzen, von denen viele gerade in benachteiligten Stadtteilen sozialen Brennpunkten durch das Gutschein-System abgebaut wurden, die aber nach unserer Auffassung allen Kindern, und zwar schlussendlich kostenlos, zur Verfügung stehen müssen. Das schließt eine grundlegende Reform des Schulsystems ein, das allen Kindern eine gute Bildung vermitteln muss und nicht nach wenigen Jahren einen Teil der Schüler aussortiert. Ein riesiges Problem ist auch, dass so viele Jugendliche keinen Ausbildungsplatz bekommen.
Nach meinen Erfahrungen ist Jenfeld besser als sein Ruf. Es gibt eine Reihe von Initiativen, die sich um die verschiedensten Probleme kümmern. Für Schulkinder gibt es z.B. das Jugendzentrum Jenfeld, das Haus der Jugend, das Schulkinder Projekt und die Straßensozialarbeit Jenfeld. Diese vielfältigen Initiativen müssen erhalten und gestärkt werden, und dafür setzen wir uns ein. Aber es ist noch sehr viel mehr zu tun. Es gibt ganz frisch einen Aufruf von Streetlife Rahlstedt (also aus der Nachbarschaft), der von vielen Einrichtungen und Personen unterschrieben wurde (
www.kinder-undjugendarbeit.de ). Dieser Aufruf enthält wichtige Forderungen und damit Hinweise, welche Möglichkeiten Kindern und Jugendlichen bereitgestellt werden müssen, damit sie sich entfalten und ihr Selbstbewusstsein entwickeln können. Ich will nur zwei Beispiele nennen, die sicher auch für Jenfeld richtig gut wären und zu dem von Ihnen zu Recht eingeforderten Lösungsansatz gehören müssten: ein Jugendstadtteilkulturzentrum, in denen Jugendliche unter professioneller Anleitung ihre Kultur im Stadtteil schaffen können (z.B. Graffiti, Rap, Breakdance, Tanz, Jugendtheater …); Stadtteilsport ohne Vereinszugehörigkeit; Unterstützung von Straßenfußball.
Die LINKE wird in der Bezirksversammlung und in der Bürgerschaft solche Initiativen gerne aufgreifen und dafür eintreten, sie umzusetzen.
Mit freundlichen Grüßen
Christiane Schneider