Sehr geehrter Herr

,
vielen Dank für Ihr Schreiben vom 17. März 2009, das Sie mir über www.abgeordnetenwatch.de zugeschickt haben.
Der Schrecken über den Amoklauf in Winnenden sitzt mir noch immer tief in den Knochen. Mein ganzes Mitgefühl gehört den Familien der Opfer und auch den Schülerinnen und Schüler, Lehrerinnen und Lehrer und den vielen Polizeibeamtinnen und -beamten, die dieses schreckliche Verbrechen überlebt haben und die noch lange Zeit brauchen werden, um mit diesen Erinnerungen leben zu können.
Mich irritieren in Ihrem Schreiben Wörter wie "Hexenjagd" oder "totale Entwaffnung",
beides konnte ich in den vergangenen Tagen in der öffentlichen Debatte nicht erkennen.
Ich habe bereits nach der Tat davor gewarnt, vorschnelle Schlüsse zu ziehen und Forderungen zu stellen, beispielsweise Metalldetektoren an Schulen. Es ist selbstverständlich nachzuvollziehen, wenn nach dem Morden in Winnenden über Sicherheitsschleusen und Metalldetektoren diskutiert wird. Aber einen völligen Schutz kann es nicht geben, und jede Abwehrtechnik birgt die Gefahr, das Gefühl der Verletzlichkeit nur zu steigern, statt es zu reduzieren. Wer beispielsweise in den USA eine zur Hochsicherheitsanstalt umgebaute Schule betritt, fühlt sich alles andere als wohl und sicher. Und ich denke, das wären Zustände, die wir in Deutschland nicht wollen.
Ich denke nicht, dass man die Frage überhaupt beantworten kann, wie es zu dieser Tat kommen konnte; wieso ein junger Mensch derartig brutale Phantasien hat und überhaupt den Wunsch in sich trug, möglichst viele unschuldige Menschen zu töten.
Allerdings können wir uns durchaus die Fragen stellen, was überhaupt so viele Waffen (und vor allem Munition) in einem Privathaushalt zu suchen haben. Auch muss kritisch überprüft werden, was für Computerspiele unsere Kinder spielen – hier sind vor allem die Eltern gefragt. Darüber hinaus hat meiner Meinung nach Bundespräsident Horst Köhler in seiner ersten Reaktion richtig gesagt: "Diese Tat mahnt uns auch, darüber nachzudenken, ob wir unseren Mitmenschen immer die notwendige Aufmerksamkeit entgegenbringen".
In den nächsten Wochen werden die zuständigen Politiker, Lehrer- und Elternverbände, Sozialverbände, Kirchen und andere soziale Institutionen intensiv darüber diskutieren und sich austauschen, wie man Gewalt in Schulen sowie die Ursachen für derartige Eskalationen bekämpfen kann. Das ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Ich persönlich unterstütze beispielsweise das Vorhaben, mit unangekündigten Kontrollen zu überprüfen, ob Waffen und Munition richtig gelagert sind. Auch muss meiner Meinung nach bei den sogenannten "Killerspielen" genauer hingeschaut werden.
Ich hoffe, ich konnte Ihnen hiermit meinen Standpunkt deutlich machen. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte direkt an mein Berliner Abgeordnetenbüro (Kontaktdaten finden Sie auf meiner Homepage: www.lange-spd.de).
Mit freundlichen Grüßen
Christian Lange