Britta Haßelmann (GRÜNE)
Abgeordnete Bundestag

Grunddaten
Geburtstag
10.12.1961
Berufliche Qualifikation
Diplom-Sozialarbeiterin
Ausgeübte Tätigkeit
MdB
Wohnort
Bielefeld
Wahlkreis
Bielefeld
Ergebnis
14,0%
Landeslistenplatz
3, Nordrhein-Westfalen
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Wie Sie richtig zur Kenntnis genommen haben, weht künftig ständig über dem Südostturm des Reichstags die Europafahne. Eine entsprechende Entscheidung fällte der Bundestagspräsident Norbert Lammert, um so die Verbundenheit des Bundestages mit Europa zu symbolisieren. (...)
Parlamentarische Arbeit / Nebentätigkeiten
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Frage zum Thema Finanzen
04.07.2011
Von:

Liebe Frau Haßelmann,

ich bin bei einer Kommune beschäftigt und erlebe das Desaster der Kommunalverschuldung aus diesem Blickwinkel mit.

Wir haben definitiv griechische Verhältnisse, nur wenige große Städte in NRW können sich selbst finanzieren. Es ist eine Absurdidät, Kredite aufzunehmen, um Zinsen auf Schulden zahlen zu können. Das wird vielerorts von Jahr zu Jahr schlimmer, die Kosten wird die Allgemeinheit tragen müssen. Die Struktur ist m. E. falsch, und es sind keine Besserungsmaßnahmen in Sicht.
Ich finde es nicht akzeptabel, dass es keinen eigenen Ausschuss des Deutschen Bundestages gibt, der sich mit diesem Problem auseinander setzt.

Meine Fragen an Sie:

1. Was tun Sie im Finanzausschuss gegen eine weitere Abwärtsspirale der Städte?

2. Was halten Sie von dem Vorschlag, das Haushaltsrecht neu aufzustellen, indem a) die Selbstfinanzierung der Kommunen auf sichere Füße gestellt und b) danach keine Vorausplanung Einnahmen/Ausgaben das Maß der ansetzbaren Ausgaben ist, sondern die Einnahmen des vorherigen bzw. der letzten 5 Jahre?

3. Unterstützen Sie die Gründung eines Ausschusses, der sich explizit mit der Schaffung der rechtlichen Rahmenbedingungen für eine nachhaltige Finanzierung von Bund, Ländern und insbesondere Gemeinden befasst?

Viele Grüße
A.
Antwort von Britta Haßelmann
1Empfehlung
10.11.2011
Britta Haßelmann
Sehr geehrter Herr ,

vielen Dank für Ihre Frage zum Thema Kommunalfinanzen. Bitte entschuldigen Sie die späte Antwort.
Ich teile ihre Sorge um die Kommunalfinanzen und stimme mit Ihnen überein, dass die Situation vieler Kommunen prekär ist. Viele Kommunen in strukturschwachen Regionen, insbesondere in NRW, Rheinland-Pfalz und dem Saarland befinden sich in einer Abwärtsspirale sinkender bzw. stagnierender Einnahmen und steigender Ausgabenlasten.

Die Selbstfinanzierung der Kommunen kann nur vom Bund und den Ländern auf eine sichere Basis gestellt werden. Der Bund muss dafür Sorge tragen, dass das Steueraufkommen der Kommunen nicht weiter beschnitten und sogar gestärkt wird. Aus diesem Grund habe ich mich mit meiner Fraktion gegen die Pläne von Union und FDP zur Abschaffung der Gewerbesteuer ausgesprochen. Diese muss unserer Ansicht nach in eine kommunale Wirtschaftssteuer unter Einbezug der Freiberufler umgewandelt werden. Auf der anderen Seite müssen Bund und Länder für eine aufgabengerechte Finanzierung für die vom Bund an die Kommunen übertragenen Verpflichtungen sorgen. Wenn die jetzt angeschobenen Entschuldungsprogramme der Länder nicht von solchen Maßnahmen flankiert werden, dann bleiben die wesentlichen Verschuldungsursachen weiterhin bestehen.

Die von Ihnen vorgeschlagene Vorausplanung der kommunalen Finanzen allein auf Basis der Einnahmen der letzten Jahre ist leider nicht praktikabel, da allenfalls freiwillige Leistungen davon betroffen wären. Pflichtaufgaben, insbesondere im sozialen Bereich müssen von den Gemeinden geleistet werden und stellen im Durchschnitt mit bis zu 95% einen beträchtlichen Teil des kommunalen Haushalts dar. Kommunen welche sich in einer Schuldenspirale befinden, wären zudem in dem von Ihnen vorgeschlagenen Szenario im Standortwettbewerb noch stärker benachteiligt.

Ich begrüße Ihren Vorschlag, einen speziellen Ausschuss einzurichten, der sich mit diesem Thema befasst. Die Oppositionsfraktionen im Bundestag haben auch bereits, einen solchen "Unterausschuss für Kommunen" etabliert. Allerdings hat die Mehrheit von Union und FDP dafür gesorgt, dass dieser Ausschuss dem Innenausschuss zugeordnet wurde und nicht, wie wir es forderten, dem Finanzausschuss. So wurde vereitelt, dass sich der Ausschuss mit den relevanten Finanzierungsthemen beschäftigen kann. Das derzeitige Problem ist weniger ein Mangel an politischen Organen, sondern vielmehr fehlender Gestaltungswillen der Regierungsparteien.

Mehr Details über unsere kommunalpolitischen Positionen finden Sie auf meiner Homepage unter britta-hasselmann.de


Mit freundlichen Grüßen
Britta Haßelmann MdB
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Frage zum Thema Demokratie und Bürgerrechte
06.09.2011
Von:

Sehr geehrte Frau MdB Haßelmann

Sind Sie der Meinung, dass das Veröffentlichen im und außerhalb des Internets unter einem Pseudonym - gerade oder insbesondere hinsichtlich politischer Themen - eine "Demokratie für Feiglinge" repräsentiert?

Was sagen Sie dazu, dass die niedersächsische stellv. Landesvorsitzende der Grünen Birgit Kemmer dies für die politische Diskussion im Internet wortwörtlich so beschreibt?

So geschehen am 05. September 2011 in einer Diskussionrunde zur niedersächsischen Kommunalwahl 2011 in der HalleIV in Lingen (Ems).
Quelle: www.emsvechtewelle.de (bei 1:48 Minuten)

Schöne Grüße aus dem Emsland
Antwort von Britta Haßelmann
bisher keineEmpfehlungen
20.09.2011
Britta Haßelmann
Sehr geehrter Herr ,

vielen Dank für ihre Frage vom 06. September 2011 und Ihr Interesse an meiner Arbeit.

Die Diskussion um die Anonymität im Netz ist ja nicht neu. Sie ist vor allem nach der schrecklichen Tat in Norwegen erneut entbrannt. Meines Erachtens sollte eine derart schreckliche Tat wie die in Norwegen, die einen persönlich tief bewegt, auch immer Anlass geben, innezuhalten und nachzudenken, und in Politik und Gesellschaft daran zu arbeiten, wie solche Taten in Zukunft verhindert werden können. Ich habe mit Erleichterung zur Kenntnis genommen, dass Herr Friedrich, der offenbar dem britischen Premier nacheifern wollte, bereits einen Tag nach den besagten Äußerungen im Spiegel seinen Sprecher hat klarstellen lassen, dass der Innenminister keineswegs plant, die Anonymität im Netz in Frage zu stellen. Dies tat er offensichtlich, nachdem er Kenntnis über die derzeit geltende Rechtslage hatte.


Nach den neuesten Zahlen sind 3/4 aller BundesbürgerInnen täglich im Internet unterwegs. Das Internet ist bereits heute die zentrale Informations- und Kommunikationsinfrastruktur der Bürgerinnen und Bürger. Sowohl Informationsteilhabe als auch die freie Kommunikation sind schützenswerte Grundlagen aller freiheitlichen Demokratien dieser Welt. Welchen Wert sie haben, konnte man in jüngster Zeit immer wieder dort beobachten, wo Menschen sich von Despoten los sagten und für demokratische Reformen auf die Straßen gingen. Nicht ohne Grund wurde von vielen autoritären Regimen dieser Welt als Antwort darauf wiederholt versucht, Kommunikationsstrukturen nachhaltig zu stören oder gar gleich ganz abzuschalten.


Wir nehmen z.B. unser Recht auf freie Meinungsäußerung im Alltag in den unterschiedlichsten Situationen - oft ganz selbstverständlich - in der Annahme wahr, selbst zu bestimmen, wer was von mir mithört, aufzeichnet, auswertet etc. Leider ist das im Internet zunehmend nicht mehr der Fall. Technisch ist es ohnehin so, dass eine Vielzahl unserer Klicks registriert und bei den unterschiedlichsten Stellen gespeichert wird. Gerade im Verhältnis und im Kontakt mit Unternehmen im Internet gilt schon jetzt leider oftmals das Gegenteil von Anonymität, ganz anders als im Alltagsleben etwa beim Einkaufen.


Um detaillierte Profile von Kunden zu erlangen, die es wiederum erlauben, Produkte so zielgenau als möglich entsprechend der Vorlieben und Neigungen von Personen anzubieten, wird die Anonymität oftmals aufgehoben. Die so erlangten Daten bieten zudem vielfältige Missbrauchsmöglichkeiten, wie zuletzt die Sicherheitslücken z.B. bei Sony gezeigt haben.


Gerade weil die Bedeutung einer freien Kommunikation so hoch und das Missbrauchspotential so massiv ist, hat sich der Gesetzgeber bereits vor Jahren ganz bewusst dazu entschieden, eine Pflicht für die anonyme oder zumindest pseudonyme Nutzung von Telemedienangeboten im Telemediengesetz (dem so genannten TMG) einzuführen. Das aus gutem Grund: So wird hierdurch nicht nur die Gefahr von Missbrauch gesenkt, zudem ist es für bestimmte Personen und Gruppen wie z.B. Selbsthilfevereine, Opferverbände, Rechtsanwälte, Journalisten, aber auch PolitikerInnen von elementarer Bedeutung, Informationen auch pseudonymisiert oder anonym austauschen zu können.


Ich streite für eine Sicherheitspolitik, die die Herausforderungen, die das Netz zweifellos für uns bereithält, versucht, adäquat zu beantworten, dabei jedoch immer darauf bedacht ist, keinesfalls grundlegende Werte unserer Demokratie und unsere Verfassung in Frage zu stellen.


Mit freundlichen Grüßen
Britta Haßelmann
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Frage zum Thema Finanzen
14.01.2012
Von:

Sehr geehrte Frau Haßelmann,

1.Wie hoch sind für den Bund die jährlichen Kosten für Anschaffung und laufende Unterhaltung von Software (Lizenzgebühren, Wartung, Weiterbildung etc.) in € und in % des Bundeshaushalts?

2. Welchen Stellenwert hat für Sie und Ihre Fraktion die Ablösung proprietärer Software in den Bundesverwaltungen durch freie, open-source Software? Welche dezidierten Planungen und Projekte in der laufenden Legislaturperiode gibt es? Welche Effekte werden erwartet?

Vielen Dank für Ihr Feedback.

Mit freundlichen Grüßen

Antwort von Britta Haßelmann
bisher keineEmpfehlungen
31.01.2012
Britta Haßelmann
Sehr geehrter Herr ,

haben Sie vielen Dank für Ihre Anfrage und Ihr Interesse an meiner Arbeit. Zu Ihren konkreten Fragen:

Bezüglich Ihrer ersten Frage werde ich mich gerne bei der Beauftragte der Bundesregierung für Informationstechnik, der Staatssekretärin im Bundesministerium des Inneren, Frau Cornelia Rogall-Grothe, nach der Höhe der jährlichen Kosten für die Anschaffung und Unterhaltung von Software erkundigen.

Bezüglich Ihrer zweiten Frage kann ich Ihnen versichern, dass sich die grüne Bundestagsfraktion, ebenso wie die Bundespartei, seit langem für einen vermehrten Einsatz von nicht-proprietärer Software in den Bundesverwaltungen einsetzen. So haben wir die Bundesregierung in einer Kleinen Anfrage "Förderung von freier und quelloffener Software in Bundesbehörden, insbesondere im Auswärtigen Amt” (BT-Drs. 17/5589) zu ihren Gründen für die Umstellung der IT-Infrastruktur des Auswärtigen Amtes, die bislang immer als "Leuchtturmprojekt" galt, auf proprietäre Microsoft-Software gefragt. Zahlreiche Hintergrundinfos zu unserer Kleinen Anfrage und der Antwort der Bundesregierung hierauf finden Sie auf dem netzpolitischen Blog www.gruen-digital.de. Eine Kurzbewertung der Antworten der Bundesregierung findet sich auch bei der Free Software Foundation Europe. Eine etwas ausführlichere Bewertung hatte das Linux Magazin vorgenommen. Ebenfalls berichtet haben heise, Spiegel online, Zeit Online, golem, netzpolitik und Der Standard.

Die Rückabwicklung dieses so wichtigen Projekts hat uns auch vor dem Hintergrund der augenblicklichen Diskussion um eine zunehmende Gefährdung durch Cyberattacken, denen sich deutsche Auslandsvertretungen ja in besonderem Maße ausgesetzt sehen, verwundert. Insgesamt erhärtet sich durch die Antwort der Bundesregierung auf unsere Kleine Anfrage der Eindruck, dass es nach wie vor keine kohärente Strategie der Bundesregierung zu Freier Software und Offenen Standards gibt. Eine solche Strategie ist jedoch überfällig. Für sie setzen wir uns, zusammen mit vielen anderen, zum Beispiel von der Free Software Foundation, ein.

Auch im Bundestag setzen wir uns für den verstärkten Einsatz freier Software ein. So haben wir, nach zählen Verhandlungen, in der zuständigen IuK-Kommission gerade durchsetzen können, dass Abgeordnete zukünftig die Möglichkeit offen steht, ihre Mails über GnuPGP verschlüssel zu können. Infos hierzu finden Sie hier.

Darüber hinaus setzen wir uns auch in der Enquete-Kommission Internet und digitale Gesellschaft des Bundestages für die Förderung freier und quelloffener Software ein. So freut es uns sehr, dass es hier gelungen ist, sich fraktionsübergreifend für den verstärkten Einsatz auszusprechen. Nun ist die Bundesregierung am Zug, diese Empfehlung aufzugreifen. Eine gute Gelegenheit bietet sich dadurch, dass sie gerade den Vorsitz des IT-Planungsrates übernommen hat.

Mit freundlichen Grüßen

Britta Haßelmann
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