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Sehr geehrter Herr Böhning,
die aktuellen S-Bahn-Katastrophen zeigen:
Schlechte Manager richten ein Verkehrsunternehmen zugrunde, egal ob öffentlich-rechtlich oder privatisiert. Meiner Ansicht nach sollte das jedoch nicht der Grund sein, auf eine Bahn-Privatisierung völlig zu verzichten. Wenn man vergleicht: Mit der früher staatlichen Telekom gabs immer viel Ärger. Nun, nach der Privatisierung, muss sie ihre Qualität erhöhen oder die Kunden wandern ab zu den zahlreichen Wettbewerbern.
Solange es echten, möglichst flächendeckenden Wettbewerb gibt, muss die Bevölkerung also nicht allzusehr leiden. Ähnliches müßte stärker auch beim öffentlichen Verkehr organisiert werden. Auf Regionalstrecken funktioniert das ja oft schon sehr gut.
Oft habe ich in Leipzig zu tun. Mit DB gibts da meist hohe Preise und oft lange Verspätungen über 30 Minuten. Daher bin ich froh über den zusätzlichen Betreiber Interconnex. Bei meinen bisherigen etwa 20 Interconnex-Fahrten war der Zug stets pünktlich, nie überfüllt. Die Züge sind sauberer als bei der DB, das Personal wesentlich freundlicher und auch weniger gestresst. Und der Preis für die einfache Fahrt zwischen 12 und 17Euro ist konkurrenzlos günstig ! Leider gibt es bisher nur 2 Fahrten pro Tag. An diesem repräsentativen Beispiel zeigt sich aber: Ein privater Zugbetreiber kann sich für die Bevölkerung sehr positiv auswirken. Die ursprüngliche Absicht der Privatisierung hatte ja gewichtige Gründe: Die Bahn braucht für ihre Modernisierung erhebliches Kapital.
Und als privates Unternehmen könnte sie rationeller gemanagt werden, wenn denn geeignete Manager eingesetzt werden.
Meine Frage: Käme für die SPD langfristig eine kundenfreundliche Bahn-Privatisierung in Betracht, bei der neben den Renditezielen die Sicherheit und Kundenfreundlichkeit oberstes Gebot bleiben? (Das Beispiel Interconnex zeigt: Es ist möglich!)
Danke im voraus und viel Glück als Abgeordneter!
