Birgitt Bender (GRÜNE)
Abgeordnete Bundestag 2005-2009
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Grunddaten
Birgitt Bender
Jahrgang
1956
Berufliche Qualifikation
Juristin
Ausgeübte Tätigkeit
Mitglied des Deutschen Bundestages
Wahlkreis
Stuttgart II
Landeslistenplatz
7, über Liste eingezogen, Baden-Württemberg
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(...) Wir Grünen sind der Auffassung, dass das deutsche Krankenversicherungssystem mit der gesetzlichen Krankenversicherung sowie einem Privatversicherungsmarkt ein Auslaufmodell ist. Die Trennung in eine Bevölkerungsmehrheit, die einkommensabhängige Beiträge zahlen muss und in eine Bevölkerungsminderheit, die nicht versicherungspflichtig ist bzw. nur ihr eigenes Gesundheitsrisiko absichert, ist sozial ungerecht und behindert den Wettbewerb zwischen den Krankenversicherern. (...)
Parlamentarische Arbeit / Nebentätigkeiten
Fragen an Birgitt Bender
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Frage zum Thema Gesundheit
03.06.2009
Von:

Sehr geehrte Frau Bender,

haben Sie das Buch "Der verkaufte Patient" von Renate Hartwig schon gelesen?

Falls nicht, bringe ich Ihnen gerne mein Exemplar vorbei.

Was werden Sie und ihre Partei
a) gegen die beschlossene Gesundheitsreform und
b) gegen die mafiösen Strukturen in unserem Gesundheitssystem
unternehmen?

Frau Hartwig ist die Gründerin einer Bürger-Patienten-Initiative, die sich auch hier in Freudenstadt seit dem 5.Mai formiert hat und sich regelmäßig trifft.

Es gibt in der Republik jetzt schon fast 430 !! Bürger-Patienten-Stammtische, die sich mit diesen Fragen beschäftigen. Und es werden wöchentlich mehr . . . . .

Mit freundlichen Grüßen

Dr.
Antwort von Birgitt Bender
bisher keineEmpfehlungen
09.06.2009
Birgitt Bender
Sehr geehrter Herr Dr. ,

die Initiativen von Frau Hartwig sind mir bekannt.

Die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen hat sich mehrfach gegen die letzte Gesundheitsreform – das GKV-Wettbewerbsstärkungsgesetz – positioniert und im Gesetzgebungsverfahren parlamentarische Änderungsanträge eingebracht.

Wir Grünen wollen eine Bürgerversicherung einführen, in die alle Bürgerinnen und Bürger einzahlen, auch Selbstständige, BeamtInnen und PolitikerInnen. Damit wollen wir die Finanzierungsbasis der Krankenversicherung erweitern und für mehr Gerechtigkeit im Gesundheitswesen sorgen. Diese Forderung finden Sie auch in unserem Wahlprogramm, das im Mai von der Bundesdelegiertenkonferenz verabschiedet worden ist. Den sozial- und gesundheitspolitischen Teil finden sie über folgenden Link:
www.gruene.de
Bündnis 90/Die Grünen setzen sich für ein Gesundheitswesen ein, in dem die PatientInnen im Mittelpunkt stehen. Dafür ist es z.B. notwendig, die Rechte der PatientInnen zu stärken und dafür zu sorgen, dass die Patientenvertretung in den Gremien des Gesundheitswesens (z.B. des Gemeinsamen Bundesausschusses) gestärkt wird. Die grüne Bundestagsfraktion hat einen Fraktionsbeschluss "PatientInnen in den Mittelpunkt" verabschiedet. Den Beschluss finden Sie über folgenden
Link:
www.gruene-bundestag.de

Die grüne Bundestagsfraktion setzt sich für ein transparentes Gesundheitswesen ein. Exemplarisch möchte ich Sie auf Kleine Anfrage an die Bundesregierung hinweisen, mit der wir auf mögliche Interessenkonflikte der Mitglieder der Ständigen Impfkommission am Robert Koch-Institut mit der Pharmaindustrie aufmerksam gemacht haben. Die Kleine Anfrage finden Sie über folgenden Link: dip21.bundestag.de
Wir setzen uns darüber hinaus dafür ein, dass Werbung für
verschreibungspflichtige Arzneimittel auch weiterhin verboten bleibt.
Einen entsprechenden Vorstoß der EU-Kommission, dieses Werbeverbot zu
lockern, haben wir kritisiert. Informationen zu diesem Thema finden Sie
über folgenden Link:
www.gruene-bundestag.de

Mit freundlichen Grüßen



Biggi Bender MdB
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Frage zum Thema Demokratie und Bürgerrechte
09.06.2009
Von:

Sehr geehrter Frau Bender,

ich fühle mich seit Jahren von der Politik, wegen meines PC-Spiele Konsumes, diskriminiert.
Dass unter 18-jährigen gewalthaltige Spiele untersagt werden sollten ist absolut klar. Ich würde aber gerne wissen wie Sie und Ihre Partei zu dem Thema der gewalthaltigen PC-Spiele stehen. Das ist für mich und Millionen junger Menschen ein wichtiges Wahlkriterium!

Mich würden speziell Ihre Antworten zu folgenden Fragen interessieren. Primär würde ich gerne den allgemeinen Standpunkt Ihrer Partei erfahren und sekundär Ihren persönlichen.

1) Verwenden die Grünen den Begriff Killerspiele?

2) Wo sehen Sie die Ursachen von Amokläufen?

3) Wenn Sie etwas gegen gewalthaltige PC-Spiele unternehmen, was genau? Oder meinen Sie, dass die aktuelle Gesetzeslage bei konsequenter Anwendung ausreichen würde?

4) Was sagen die Grünen zum Beschluss der Innenministerkonferenz vom 5.Juni 2009 ein Herstellungs- und Verbreitungsverbot für gewalthaltige PC-Spiele einzuführen?

5) Wie ist der Standpunkt der Grünen zu einer Verschärfung des aktuellen Waffenrechts?

6) Sehen Sie PC-Spiele als Teil einer (Jugend)Kultur oder sind diese ein Übel das man hinnehmen muss?

Vielen Dank für Ihre Mühe!


Mit freundlichen Grüßen,

Antwort von Birgitt Bender
2Empfehlungen
15.06.2009
Birgitt Bender
Sehr geehrter Herr ,

vielen Dank für Ihre E-Mail, in der Sie ein sehr heikles, vor allem ein sehr emotionales Thema ansprechen.

Für uns Grüne ist klar, dass Gewalt in den Köpfen von Kindern und Jugendlichen nichts zu suchen hat. Deshalb wollen wir bestimmte Inhalte in Kinderhänden und vor Kinderaugen nicht sehen. Hier gibt es anspruchsvolle Jugendschutzbestimmungen in Deutschland, die wir 2003 in der rot-grünen Regierung grundlegend reformiert haben und die europaweit als die strengsten gelten. Ein Teil dieses komplexen Systems ist die Altersfreigabe durch die anerkannten Selbstkontrollen. Darüber hinaus gibt es die Möglichkeit der Indizierung von Medien durch die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien.

Schreckliche Gewaltausbrüche junger Menschen wie in Erfurt, Emsdetten oder Winnenden lassen sich nicht eindimensional erklären. Wir plädieren für eine differenzierte Auseinandersetzung mit den Ursachen. Strengere Verbote jedenfalls können solche Amokläufe nicht verhindern. Wer dies behauptet, will die Menschen in die Irre führen. Soziale und psychische Probleme und der allzu leichte Zugang zu Waffen spielen nach unserer Überzeugung eine viel wichtigere Rolle. Die Täter Erfurt, Emsdetten und Winnenden haben sich in ihrer Freizeit nachweislich exzessiv mit realen Waffen beschäftigt.

Wir haben in Deutschland einen großen bildungs- und gesellschaftspolitischen Nachholbedarf. Die Medienkompetenz, also der kritische und selbstbewusste Umgang von Jugendlichen und Erwachsenen mit Medien, muss konsequent ausgeweitet werden. Vor allem in der Schulpolitik haben die Bundesländer hier ihre Hausaufgaben nicht gemacht. Notwendig ist auch eine "Kultur des Hinsehens" und das Wahrnehmen von Erziehungsverantwortung.

Zudem fehlt bei uns eine wirksame Förderung qualitätsvoller Computerspiele, wie es sie in anderen Ländern längst gibt.

Zum Waffenrecht:

Bündnis 90/Die Grünen haben am 25.03.2009 im Bundestag den Antrag "Abrüstung in Privatwohnungen – Maßnahmen gegen Waffenmissbrauch" eingebracht (Bundestags-Drucksache 16/12477). Im Bundesrat liegt derzeit eine Reihe von Änderungsvorschlägen des Waffengesetzes vor, die eine grundlegendere gesellschaftliche Debatte als in den letzten Jahren versprechen. Wir begrüßen diese Vorstöße von Seiten der Länder. Wir erwarten von der Bundesregierung, dass sie ihre Verantwortung wahrnimmt – zumal der Bund nach der Föderalismusreform für das Waffengesetz zuständig ist.

Wir begrüßen, dass die Vorarbeiten für das dringend notwendige zentrale elektronische Waffenregister in Hamburg zum Abschluss gekommen sind. Wir drängen intensiv darauf, mit der bundesweiten Einrichtung eines Waffenregisters nicht bis Ende 2014 zu warten, sondern zügig mit der Umsetzung der EU-Richtline zu beginnen.
Im Mittelpunkt des Konzepts von Bündnis 90/Die Grünen steht die Frage, wie wir Amokläufe vermeiden können. Bei den Fällen in Winnenden und Erfurt hat ein psychisch labiler Jugendlicher legale Waffen benutzt. In Erfurt war sogar der Täter selbst der rechtmäßige Besitzer. Familiäre Situation, bewaffnete Haushalte und ein sehr ähnlicher Tatablauf sind hier in Deutschland – wie auch bei Fällen in anderen Ländern – erschreckend.
Wir müssen deswegen jetzt ganz konkret über die Lagerung von Waffen außerhalb der Privatwohnungen diskutieren. Mindestens die Munition sollte zukünftig nicht mehr zu Hause aufbewahrt werden. Es gibt bereits heute Vorrichtungen in Sportanlagen, die eine Lagerung ohne zusätzliche Sicherheitsprobleme zulassen. Die pauschale Ablehnung der Aufbewahrung an den jeweiligen Sportstätten lässt die Möglichkeiten einer vernünftigen Sicherung – etwa durch Alarmsysteme – völlig außer Acht. Die Umrüstung ist sicherlich mit Kosten verbunden. Hier stellt sich jedoch die Frage, warum Menschen häufig erhebliche Summen in neue Waffen investieren – , bei deren Sicherung jedoch unüberwindliche Hindernisse sehen.

Wir wissen, dass eine solche zentrale Lagerung auch bei den Sportschützen nicht überall und nicht sofort möglich ist. Für den Anfang soll deswegen auf jeden Fall die Munition zentral und getrennt von den Waffen aufbewahrt werden. Eine Waffe ohne Munition kann logischerweise auch nicht für einen Amoklauf verwendet werden.

Wir fordern eine verstärkte und effektive Kontrolle aller Gruppen von Waffenbesitzern. Die gesetzlichen Regelungen aus der Novelle zum Waffenrecht von 2003 sollten erst einmal umgesetzt werden. Das gilt sowohl für die Darlegungspflicht bei der Aufbewahrung von Waffen (§ 36 Abs. 3 WaffG) wie auch für die Prüfung der persönlichen Zuverlässigkeit (§ 5 WaffG). Leider arbeiten die Behörden der Länder hier sehr unterschiedlich. Insgesamt gibt es noch große Lücken im Gesetzesvollzug. Wir fordern zudem die beschleunigte Einführung des bis 2014 vorgeschriebenen zentralen elektronischen Waffenregisters. Die Bundesregierung weiß gegenwärtig noch nicht einmal, wie viele legale Waffen in bundesdeutschen Haushalten überhaupt aufbewahrt werden.
Wir würden es sehr begrüßen, wenn die aktuelle Diskussion auch von den Besitzerinnen und Besitzern von Waffen genutzt würde, um Lösungen zu überlegen. Das deutsche Waffenrecht ist löchrig und nicht praxistauglich. Wer es vorbehaltlos verteidigt, sollte ehrlicherweise auch einräumen, dass bislang alle gesetzlichen Änderungen nur gegen den erbitterten Widerstand der Waffenlobby durchgesetzt wurden.

Es wäre sehr erfreulich, wenn die Diskussion nicht "für und gegen Waffenbesitzer" laufen würde, sondern zu mehr Vernunft und der Einsicht führt, dass Waffen in falscher Hand großen Schaden anrichten können.

Bei aller Differenz in den einzelnen Positionen würden wir eine sachliche und lösungsorientierte Debatte begrüßen. Nach Winnenden darf es auch nach Auffassung einer breiten Mehrheit der Bevölkerung ein "Weiter–so-wie-bisher" nicht geben.
Mit freundlichen Grüßen

Biggi Bender MdB
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Frage zum Thema Demokratie und Bürgerrechte
15.06.2009
Von:

Sehr geehrte Frau Birgitt Bender,

in kommender Woche soll über den Gesetzentwurf "zur Bekämpfung der Kinderpornografie in Kommunikationsnetzen" abgestimmt werden.
Es soll dabei eine neue Internetzensur-Infrastruktur aufgebaut werden, mit der Internetseiten mit kinderpornografischen Inhalt erstmals blockiert werden soll.
Die Medien berichten das im Ausland auch Webseiten ohne kinderpornografischen Inhalt gesperrt werden.
Experten berichten das diese Massnahmen für unsere Demokratie gefährlich wären, die Zensurinfrastruktur lässe sich zu leicht missbrauchen. Im übrigen berichten die Medien über einige Politiker sie wollen das ganze noch ausweiten: Glückspielseiten, Killerspielseiten, politische Seiten usw. zu zensieren.

Werden Sie für oder gegen dieses Gesetz stimmen?

Mit freundlichen Grüßen,

PS: Die selbe Frage habe ich auch an Ute Kumpf gestellt, leider habe ich noch keine Antwort bekommen.
Antwort von Birgitt Bender
1Empfehlung
18.06.2009
Birgitt Bender
Sehr geehrter Herr ,

aus den von Ihnen genannten und noch anderen Gründen werden meine FraktionskollegInnen und ich dem Gesetzentwurf nicht zustimmen.

Mit freundlichen Grüßen

Biggi Bender
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Frage zum Thema Gesundheit
20.06.2009
Von:

Sehr geehrte Frau Bender,
kennen Sie den Begriff "evidenzbasierte Medizin"? Es handelt sich dabei um eine Medizin, deren Wirksamkeit mit wissenschaftlichen Methoden nachgewiesen ist. Nur eine solche Medizin darf von der Solidargemeinschaft der Krankenversicherten finanziert werden. Nicht zur evidenzbasierten Medizin gehören z.B. die Homöopathie und die anthroposophische Medizin. Bei diesen handelt es sich um Glaubenssysteme und Glauben sollte weiterhin Privatsache bleiben und nicht die Gemeinschaft belasten. Es gibt allerdings auch in der Apparatemedizin einige fragwürdige Entwicklungen. So werden im Rahmen der Prävention viele Untersuchungen durchgeführt, die Geld kosten, psychisches Leid auslösen und letztlich nur einem verschwindend kleinen Bevölkerungsteil ersparen, an einer bestimmten Krankheit (z.B. Brustkrebs) zu sterben. Ohne natürlich den Tod der Betroffenen letztlich zu verhindern. Der ganze Medizinbetrieb ist durchdrungen von Aberglauben und wirtschaftlichen Interessen, die Gemeinschaft wird unnötig belastet und der einzelne steht unter Stress. Wie stehen die Grünen dazu, das Gesundheitssystem mit naturwissenschaftlichen und mathematischen Methoden nach Überflüssigem und Unsinnigen zu durchkämmen und vom Aberglauben zu befreien?
Antwort von Birgitt Bender
7Empfehlungen
24.06.2009
Birgitt Bender
Sehr geehrter Herr ,

selbstverständlich setze ich mich als grüne Gesundheitspolitikerin mit der evidenzbasierten Medizin (EBM) auseinander. Auch Ihnen dürfte das Stufenmodell von Sackett, einem der Väter der evidenzbasierten Medizin, bekannt sein. Ziel ist es nicht, in jedem Fall die höchste Stufe zu erreichen, sondern die bestmögliche Evidenzstufe im konkreten Fall. Für sehr viele der in der Praxis angewendeten medizinische Verfahren, wie z.B. Operationen, Krankengymnastik oder die Psychotherapie besteht aus systematischen Gründen gar nicht die Chance, den "EBM-Goldstandard" doppelverblindeter randomisierter Studien zu erfüllen.
Die evidenzbasierte Medizin kann nur auf jeweils einzelne Behandlungsmethoden oder Arzneimittel, nicht jedoch auf ganze Behandlungssysteme bezogen werden. Für viele Bereiche der "Schulmedizin" fehlen ebenfalls Untersuchungen zur Evidenz. Hinzu kommt, dass gerade Vertreter der evidenzbasierten Medizin beklagen, dass diese noch viel zu wenig in den Arztpraxen angekommen ist.

Ich setze mich dafür ein, dass möglichst gute Studien zum Nachweis der Evidenz auch für Methoden der Komplementärmedizin durchgeführt werden. Daher habe ich für die grüne Bundestagsfraktion ein Fachgespräch unter dem Titel "Komplementärmedizin auf dem Prüfstand" veranstaltet. Dazu hatten wir ausdrücklich einen exponierten Vertreter der EBM – Professor Porzsolt - eingeladen.
Er stellte dort u.a. fest: Die Aussage "Viele Naturheilverfahren haben Wirksamkeit nicht nachgewiesen" heißt nicht, dass die Komplementärmedizin unwirksam ist, sondern dass großer Nachholbedarf bei der Forschung besteht. Die Diskussionen des Fachgesprächs können Sie nachlesen unter: www.gruene-bundestag.de

Aber selbst wenn, wie im Bereich der Arzneimittel, gute Studien vorliegen, ist unklar, ob aus ihnen tatsächlich die richtigen Schlussfolgerungen über die Wirksamkeit oder den Nutzen gezogen werden können. Das aktuelle Beispiel fehlender Veröffentlichungen von Arzneimittelstudien (IQWiG, Bewertung Edronax) zeigt, dass alle und nicht nur die "positiven" Ergebnisse veröffentlicht werden müssen. Aus diesem Grunde setzen wir Grünen uns für eine verpflichtende Registrierung aller Arzneimittelstudien ebenso ein wie für die Pflicht zur Veröffentlichung der Ergebnisse.

Doch nun zum Themenkomplex Prävention, Vorsorgeuntersuchungen und Impfungen. Die Prävention liegt uns Grünen besonders am Herzen. Wir setzen uns dafür ein, dass gesundheitliche Ressourcen gestärkt und dadurch Krankheiten vermieden oder hinausgezögert werden. Daher haben wir einen Präventionskongress durchgeführt. Aber Prävention ist nicht per se etwas Gutes oder Richtiges, sondern es muss die Frage nach Kosten und Nutzen gestellt werden. Daher diskutierte ein Podium über die Frage "Lohnt sich Prävention?". Mehr dazu unter: www.gruene-bundestag.de Jede Behandlung aber auch jede Früherkennungsuntersuchung einer bereits eingetretenen Erkrankung ist nicht nur mit den erwünschten Wirkungen, sondern auch mit Nebenwirkungen verbunden. Bei Vorsorgeuntersuchungen sind dies insbesondere falsch positive und falsch negative Ergebnisse. Über die Bewertung von bevölkerungsbezogenen Vorsorgeuntersuchungen, wie z.B. das Mammografiescreening, wird auch in der Wissenschaft heftig diskutiert. Nicht die Politik, sondern die Selbstverwaltung (in der Verfahrensordnung des gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) ist auch eine Evidenzhierachietreppe, nach der bewertet wird, verankert) entscheidet über die Aufnahme solcher Leistungen. Mein politisches Anliegen ist, dass Patientinnen und Patienten über die Chancen und Risiken von Früherkennungsuntersuchungen verständliche Informationen erhalten, darüber aufgeklärt werden, um dann eine eigene Entscheidung für oder gegen diese Untersuchung treffen zu können. Im Blick auf Impfungen ist ein zentrales grünes Anliegen, mehr Transparenz in die Entscheidungen der Ständigen Impfkommission zu bekommen. Die aktuelle Kritik des G-BA, der auf die Zuarbeit dieser Kommission aufbauen soll, bestätigt uns darin, dass hier manches im Argen liegt.
Ich Denke es wird Ihnen deutlich, dass wir Grünen aufgeschlossen sind gegenüber einer auf naturwissenschaftlichen und mathematischen Methoden beruhenden Evaluation. Da Menschen jedoch keine Maschinen sind, gibt es viele Aspekte die zum Gesundwerden beitragen und kaum messbar sind. Menschen werden auch dadurch gesund, dass Ihnen zugehört wird, sie sich ernst genommen fühlen oder ihre Selbstheilungskräfte angeregt werden. Diese Faktoren werden oft als Placeboeffekt abgetan. Viel spannender wäre es jedoch, zu untersuchen, wie dieser Effekte – auch bei den klassischen Behandlungsverfahren - genutzt werden kann.

Mir ist es ein Anliegen den Kulturkampf zwischen Schul- und Komplementärmedizin zu beenden und sich mit den Stärken und Schwächen der jeweiligen Ansätze auseinanderzusetzen. Das Interesse einer großen Zahl von PatientInnen ist es, von den Stärken aller Ansätze zu profitieren. Daher begrüße ich z.B. das "Dialogforum Pluralismus in der Medizin", das vom Präsidenten der Bundesärztekammer, Professor Hoppe mit ins Leben gerufen wurde.

Mit freundlichen Grüßen
Biggi Bender
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