Sehr geehrter Herr

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in Deutschland beruht die Sicherheit der Stromversorgung bislang auf einem Mix aus Stein- und Braunkohle, Kernkraft, Erdgas und erneuerbaren Energien. Dabei liefern die Kohlekraftwerke rund die Hälfte der Erzeugung, die Kernenergie 27%, Erdgas und erneuerbarer Energien jeweils 12 % (Anteile 2006/Quelle: BDEW). Der Anteil von Strom aus erneuerbarer Energie soll bis zum Jahr 2020 auf 25 bis 30% steigen.
Vor diesem Hintergrund und mit Blick auf die Rechtslage zum Verzicht auf die Kernenergie ist die Verstromung von Kohle in der Grundlast absehbar unverzichtbar. Allerdings ist ein solcher unvermeidbarer Kohlepfad klimapolitisch nur dann vertretbar, wenn es gelingt, das entstehende Kohlendioxid abzuscheiden und dauerhaft geologisch zu speichern.
Wollte man bis über das Jahr 2020 hinaus jährlich 150 TWh Kernenergie-Strom durch Erdgas ersetzen, erfordert dies eine Steigerung des Erdgasimportes von heute etwa 92 Mrd. m³ um weitere 20 Mrd. m³ p.a. Zweifellos käme es zu weiteren Preissteigerungen beim ohnehin schon teuren Erdgas. Die Importabhängigkeit von Deutschland beim Erdgas liegt heute schon bei deutlich über 80 % und die Annahme, über die Gebäudesanierung den Erdgasverbrauch im Wohnungsbestand im gleichen Zuge zu reduzieren, ist unter klimapolitischen Aspekten sehr ehrenwert geht aber an den realen Erwartungen deutlich vorbei. So schnell reduzieren wir den Wärmeverbrauch im Bestand bei allen Anstrengungen nicht. Das mag die Prognos-Studie vielleicht anders sehen, aber das tatsächliche Leben läuft nicht nach Studien ab. Sie sollten sich ggf. auch daran erinnern, dass das frühere Gaskraftwerk Moorburg seinen Betrieb eingestellt hat und abgerissen wurde, weil es zu teuren Strom produzieren, noch zu einer Zeit, als der Gaspreis deutlich niedriger war als gegenwärtig.
Sie berufen sich bei Ihrem Einwand auf E.ON Ruhrgas. Sie sollten sich vielleicht fragen, ob Sie mit diesem auf Gasverkauf ausgerichteten Konzern nicht den "Bock zum Gärtner" machen. Da E.ON vom Gasverkauf lebt, muss man nicht überrascht sein. Es gibt zudem ja bereits genügend Äußerungen, dass die Gaspreise weiter steigen werden, um bis zu 40% allein im Jahr 2008, so der russische Präsident.
Was den Wettbewerb auf dem Gasmarkt angeht, sind mit der Energierechtsreform und der Tätigkeit der Bundesnetzagentur erhebliche Fortschritte zur Entwicklung des Wettbewerbes bereits erfolgreich unternommen worden. Der staatliche Einfluss betrifft hier primär nur die Leitungsnetze (insbesondere die großen Transportleitungen). Die sind für die Wettbewerber offen. Wettbewerbsfortschritte sind auch beim Transport durch die Leitungen erzielt worden. Im Gegensatz zu Strom (und darauf beschränkt sich die Initiative von Min. Dr. Rhiel) wird Gas aber kaum im Inland produziert. Die Produzenten sitzen außerhalb der nationalen Grenzen. Der national staatliche Einfluss ist beim Gas ähnlich "groß" - bzw. nicht vorhanden - wie bei den großen Mineralölunternehmen und noch viel mehr auf die staatsmonopolisierten Fördererländer. So gesehen hilft da auch der Hinweis Herr Rhiel nicht weiter.
Es ist richtig, dass mit dem EU-Zertifikate-Handel die Kohleverstromung absehbar teuer wird. Das ist ein gewollter Lenkungseffekt. Unsere staatliche Wirtschaftsordnung überlässt die daraus abzuleitenden Schlussfolgerungen aber den Unternehmen selber. Die Politik kümmert sich darum, die unverzichtbare Kohleverstromung umweltverträglicher zu gestalten. Das machen wir mit dem Weg in die CCS-Technologie.
Mit freundlichen Grüßen
Axel Gedaschko