Werner Roleff (ÖDP)

Werner Roleff
Jahrgang
1962
Berufliche Qualifikation
Dipl.-Theologe
Ausgeübte Tätigkeit
Pastoralreferent/Klinikseelsorger
Wohnort
-
Bundesland
Nordrhein-Westfalen
Bundeslistenplatz
34
(...) Oder hat die religiöse Weltanschauung auch eine ganz wesentliche Bedeutung für die Gesellschaft, für die Wirtschaftsordnung, für die Kultur und eben auch für die Umwelt? Ich bin überzeugt, dass Glaube und Religion für das Leben der Menschen und für das Zusammenleben sehr bedeutsam sind. Im Glauben können Menschen "Sinn erfahren". (...)
 
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Frage zum Thema Umwelt
01.06.2009
Von:

Sehr geehrter Herr Roleff,

in Ihrer Eigenschaft als Pastoralreferent und Seelsorger möchte ich Sie fragen: "Welche Rolle spielen Ihrer Meinung nach die geistigen Oberhäupter der verschiedenen Religionen im Kampf gegen Klimawandel und Umweltzerstörung. Kann der interreligiöse Dialog und der regelmäßige Austausch mit Vertretern von Wissenschaft und Ökologie dazu beitragen, den Erhalt der Schöpfung zu sichern? Wie kann die Politik davon profitieren?"
Ich freue mich auf Ihre Meinung.
M.
Antwort von Werner Roleff
5Empfehlungen
05.06.2009
Werner Roleff
Liebe Frau ,

dankeschön für Ihre Frage! Ich finde die Thematik sehr spannend und nutze gerne eine Pause im Endspurt des Europa-Wahlkampfs, um Ihnen zu antworten.

1. Selbstverständlich spielen die Geistlichen Oberhäupter eine wichtige Rolle - als Vorbilder, Impulsgeber, Mahner. Denn die Bewahrung der Schöpfung ist ein Thema in allen Religionen und betrifft sowohl die Spiritualität als auch das konkrete Alltags-Handeln. Deshalb hat auch jede und jeder Einzelne eine mindestens ebenso wichtige Rolle, denn vor Ort, im konkreten Alltag der Menschen, entscheidet sich, ob die Umwelt geschützt oder geschädigt wird.

2. Der Interreligiöse Dialog ist dabei von herausragender Bedeutung. Hier kommen die verschiedenen Traditionen ins Gespräch und bereichern sich gegenseitig. Daraus kann sich auch ein gemeinsames Auftreten für Nachhaltigkeit und Umweltschutz entwickeln, sozusagen eine gemeinsame "Schöpfungs-Verantwortung", die sich dann - hoffentlich - auch noch mehr Gehör verschafft. Hinweisen möchte ich auf das Projekt WELTETHOS von Hans Küng, sowie konkret auf Ernst Ulrich von Weizsäcker und seinen Artikel "Ökologisches Weltethos" (in: Hans Küng u.a., Wissenschaft und Weltethos, München 2001, 337ff.).

3. Theologie wird als "eine Stimme" im vielfältigen "Konzert der Wissenschaften" angesehen, nicht zuletzt gibt es deshalb die Verortung der Theologischen Fakultäten an staatlichen Hochschulen. So ist auch das Gespräch der verschiedenen Wissenschaften über ökologische Themen, Probleme und Lösungswege ein notwendiges und sinnvolles Mittel, Fortschritte beim Klimaschutz zu erreichen.

Literaturtipps:

"Der Klimawandel: Brennpunkt globaler, intergenerationeller und ökologischer Gerechtigkeit. Ein Expertentext zur Herausforderung des globalen Klimawandels", hg. von der Deutschen Bischofskonferenz, Bonn September 2006.

"Zukunftsfähiges Deutschland in einer globalisierten Welt. Ein Anstoß zur gesellschaftlichen Debatte", Studie des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt, Energie. Herausgeber: BUND und Brot für die Welt und Evangelischer Entwicklungsdienst. Frankfurt/Main 2008.

4. Eigentlich ist hier eine Grundfrage berührt, nämlich: Sind Glaube und Religion nur Privatsache, also rein individualistisch zu verstehen? Oder hat die religiöse Weltanschauung auch eine ganz wesentliche Bedeutung für die Gesellschaft, für die Wirtschaftsordnung, für die Kultur und eben auch für die Umwelt? Ich bin überzeugt, dass Glaube und Religion für das Leben der Menschen und für das Zusammenleben sehr bedeutsam sind. Im Glauben können Menschen "Sinn erfahren". Hier werden Werte vermittelt, die über das Materielle hinausgehen. Hier geht es um Ethos, um Verantwortung für gegenwärtige und zukünftige Generationen. Nicht zuletzt findet die Menschenwürde und ihre Unantastbarkeit hier ihre tiefste Begründung. Was wäre Politik ohne eine solche "Rückbindung" bzw. ohne die Auseinandersetzung und den kritischen Dialog mit "postmateriellen" Werten, mit dem "Wesentlichen", das "für die Augen unsichtbar" ist (A. de Saint-Exupéry)


Ich freue mich auf das weitere Gespräch. Mit freundlichen Grüßen,

Werner Roleff
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Frage zum Thema Klimaschutz und Energieversorgung
04.06.2009
Von:

Wie lösen sie das Dilemma, dass Kinder zum qualitativen Wachstum gehören gleichzeitig aber Bevölkerungswachstum zu steigendem Ressourcenverbrauch führt. (Mitbedacht, dass bei uns vorübergehend durch Konsumminimierung eine Stagnation zu erreichen wäre.) Wenn einmal ein Konsumminimum oder besser gesagt ein Ressourcen-verbrauchsminimum erreicht ist, führt jeder zusätzliche Kopf zum Bedarf an mehr Nahrung, Heizung, Wasser, Frischluft, Holz, Papier und ideellen Werten wie Zuwendung !!!
Das ignorieren die christlichen Kirchen und die Hauptströme des Islam sträflich. Wäre ein nachhaltiges langsames Gesundschrumpfen auch der Weltbevölkerung geboten?
Antwort von Werner Roleff
2Empfehlungen
06.06.2009
Werner Roleff
Sehr geehrter Herr Tacke,

"Die Würde des Menschen ist unantastbar." (Grundgesetz Artikel 1)

Aufgrund dieser zentralen Aussage und aufgrund meines christlichen Glaubens weise ich Ihre Argumentation in wesentlichen Punkten zurück. Ihre "Diagnose" halte ich für einen Irrtum, die Position der christlichen Kirchen wird falsch dargestellt und die vermeintliche Lösung ("Gesundschrumpfen") widerspricht der Menschenwürde und einem Handeln in Freiheit und Verantwortung.

1. Wissenschaftliche Erkenntnisse belegen, dass die Erde auch heute schon mehr als genug Nahrungsmittel für alle Menschen hat (und es gibt noch viel mehr Ressourcen). Daher ist es ein Skandal, wenn täglich Tausende Menschen allein an Hunger sterben. Verantwortlich dafür sind in erster Linie die Industrienationen, wo die Entwicklungshilfe stagniert oder abnimmt und Lebensmittel sogar vernichtet werden.

2. Die christlichen Kirchen sind - mit vielen anderen NGO´s - führend in der Entwicklungshilfe und leisten an vielen Orten weltweit kompetente und anerkannte Hilfe zur Selbsthilfe, die wirklich einer nachhaltigen Entwicklung dient. Dies geschieht auch in ökologischer Hinsicht (z.B. Solarprojekte in Indien, Afrika etc.).Es wäre unfair, wollte man der Katholischen Kirche eine Ignoranz gegenüber diesen Herausforderungen unterstellen. Wie schon Papst Johannes Paul II. weist auch Benedikt XVI. immer wieder eindringlich darauf hin, welche Ungerechtigkeiten herrschen, wo es "strukturelle Sünden" gibt (z.B. in den Wirtschaftsbeziehungen), wie eine echte Partnerschaft der Länder und Nationen "auf Augenhöhe" aussehen müsste. Außerdem plädiert gerade die Katholische Kirche für eine "verantwortungsvolle Elternschaft" (was auch die Verantwortung für die Kinderzahl mit einschließt).

3. Ich finde es gefährlich, von einem "Gesundschrumpfen" der Weltbevölkerung zu sprechen. Verrät dieser Sprachgebrauch eine technisch-materialistische (oder darwinistische?!) Sichtweise? Jedenfalls widerspricht solches Reden der Menschenwürde. Geht es doch nicht um "zusätzliche Köpfe", sondern um MENSCHEN. Es geht um Menschen, die in Würde, Freiheit, Verantwortung leben wollen und sollen. Es geht um Menschen, die mit Herausforderungen so umgehen, dass die Menschenwürde gewahrt wird und gleichzeitig kreative Lösungen gefunden werden, die allen Menschen und der gesamten Umwelt dienen.

Ich hoffe, mit diesen Gedanken einige notwendige und hilfreiche An-stösse geben zu können.

Werner Roleff
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