Volker Beck (DIE GRÜNEN)
Abgeordneter Bundestag 2005-2009
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Angaben zur Person
Volker Beck
Jahrgang
1960
Berufliche Qualifikation
Studium: Kunstgeschichte, Geschichte, Germanistik
Ausgeübte Tätigkeit
Mitglied des Deutschen Bundestages
Wahlkreis
Köln II
Landeslistenplatz
4, Nordrhein-Westfalen
(...) Hinsichtlich Ihres Hinweises, bei youtube gäbe es Tendenzen schwule Inhalte zu zensieren, habe ich mich zur Klärung heute in einem Schreiben an youtube gewandt. (...)
Parlamentarische Arbeit / Nebentätigkeiten
03.07.2009
Bundestagswahlrecht
nicht beteiligt
02.07.2009
AWACS-Einsatz in Afghanistan
nicht beteiligt
18.06.2009
Internetsperren
nicht beteiligt
18.06.2009
Patientenverfügung (Stünker-Antrag)
nicht beteiligt
29.05.2009
Schuldenbremse
nicht beteiligt
28.05.2009
Abgabe von künstlichem Heroin an Schwerstabhängige
nicht beteiligt
Fragen an Volker Beck
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Frage zum Thema Verkehr und Infrastruktur
07.01.2008
Von:

Im Ruhrgebiet ist das Thema Verkehr ein sensibler Bereich. In unserer dicht besiedelten Region müssen täglich viele Menschen und viele Güter bewegt werden.
Jetzt werden die Umweltzonen geplant und damit sind eben auch Einschränkungen verbunden.
Bis hierhin soweit .....
Nun gibt es da noch das Phenomen "ÖPNV". Im Ruhrgebiet offiziel der VRR tatsächlich aber die kommunalen Verkehrsbetriebe mit allen ihren Unzulänglichkeiten. Und gerade parallel zu den Umweltzonen verkündet der VRR Einschränkungen in den Leistungen (Ausdünnung der Takte und Wegfall ganzer Verbindungen)
Auch Sie und die GRÜNEN wollen weniger Individalverkehr. Aber niemand, auch Ihre Parteigänger im Ruhrgebiet kümmert dabei die reale Welt zum Beispiel im VRR.
Wie sollen die Menschen und Güter bei solchen Angeboten von A nach B kommen ? Ständig steigende Kosten für Energie (Treibstoff) lassen die Frage nach Alternativen aufkommen. Bei LIcht betrachtet gibts aber keine Alternative. Die Menschen werden gezwungen das Auto zu benutzen, ganz genau Sie (die Politik) zwingen die Menschen ins Auto Benzin zu verbraten, die Luft zu verpessten, nur um die Steuerkasse zu füllen.
Wie sonst sind solche Parallelitäten zu werten? Was haben wir Bürger zu erwarten ?
Ich habe vier Jahre in Zürich gelebt und gearbeitet. Dort gibt es ein hervorragend funktionierendes ÖV-System, den ZVV.
Den Fachleuten ist das bekannt als Mekka des ÖPNV. Was hindert also die Politik daran, so ein Konzept auch im Ruhrgebiet zu realisieren?
Was kann man direkt von Ihnen erwarten, was von den Grünen vor Ort ? Gibts die überhaupt ?
Wecken Sie die doch einmal auf......
Antwort von Volker Beck
3Empfehlungen
11.01.2008
Volker Beck
Sehr geehrter Herr ,

die Einrichtung der Umweltzonen halten wir aus Gründen der Luftreinhaltung und zur Senkung der Schadstoffbelastungen insbesondere an verkehrsreichen Straßen für eine sinnvolle Maßnahme zum Schutz der Gesundheit der Bürgerinnen und Bürger. Wie Sie zu Recht schreiben, haben die öffentlichen Verkehrsunternehmen teilweise noch nicht die Chance erkannt, dass mit diesem Thema auch neue Kundinnen und Kunden für Busse und Bahnen gewonnen werden können. Hier können wir uns als Grüne durchaus größere Aktivitäten und bessere Beratungsleistungen der öffentlichen Verkehrsunternehmen vorstellen.

Allerdings teile ich nur teilweise Ihre Kritik am Verkehrsverbund Rhein-Ruhr bezüglich des Verkehrsangebotes. Der Unterschied zu der Stadt Zürich besteht vor allem erst einmal darin, dass es sich bei Zürich um eine Stadt mit einer Verwaltung handelt. Das Ruhrgebiet besteht insgesamt aus 11 Städten und 4 Kreisen, die eine Organisation des ÖPNV in dieser Region mit einer Vielzahl von Zentren und Nebenzentren ungemein kompliziert und sehr aufwendig macht. Noch vor zwanzig Jahren gab es überhaupt keine städteübergreifende Organisation des ÖPNV-Angebotes. Heute kann mit einem Fahrschein die gesamte Region zwischen Dortmund und Düsseldorf mit dem ÖPNV benutzt werden. Die großen Zentren in der Region sind hervorragend miteinander verbunden und werden tagsüber auch in einer dichten Taktfolge befahren. Die Schwächen im ÖPNV-Angebot werden von den Grünen vor Ort auch immer wieder thematisiert. Es wird zum Teil veraltetetes Wagenmaterial eingesetzt und in den Randbereichen des Ballungsraumes sind Schwächen im Angebot festzustellen. Es ist allerdings alles auch eine Frage der Finanzierung entsprechender ÖPNV-Angebote vor allem in den Randbereichen der Region.

Die Angebots-Kürzungen des VRR sind vor allem darin begründet, dass die große Koalition in Berlin bei den Zuschüssen für die öffentlichen Verkehrsmitteln massive Einsparungen vorgenommen hat. Bundesweit werden sich die Kürzungen der Bundesmittel bis zum Jahr 2010 auf 3,3 Milliarden Euro belaufen. In Nordrhein-Westfalen müssen die Verkehrsunternehmen rund 520 Millionen Euro einsparen. Sowohl die Grüne-Bundestagsfraktion wie auch die Kolleginnen und Kollegen aus der Grünen-Landtagsfraktion haben dieses Vorgehen von SPD und CDU im Bundestag massiv kritisiert. Es ist natürlich kontraproduktiv, wenn sich die Bundeskanzlerin als vermeintlich größte Klimaschützerin in den Medien vermarktet und auf der anderen Seite bei dem umweltfreundlichen und klimaschonenden Öffentlichen Verkehrsmitteln die Zuschüsse gekürzt werden.

Wir Grüne wollen das ÖPNV-Angebot ausweiten, damit den Bürgerinnen und Bürgern gerade in den Städten mit Umweltzonen entsprechende Alternativen für die Benutzung des Autos angeboten werden. Dafür setzen wir uns als Grüne im Bundestag genau so ein, wie die Grünen im Landtag in Düsseldorf oder auch wie die Grünen-Fraktionen in den Stadträten und Kreistagen in den Städten und Gemeinden des Ruhrgebietes.

Mit freundlichen Grüßen
Büro Volker Beck
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Frage zum Thema Sicherheit
08.01.2008
Von:

Sehr geehrter Herr Beck,

auf der Homepage der "Grünen" wurde am 24.12. eine Presseerklärung gegen Rechtsextremismus veröffentlich (was ich richtig und wichtig finde), in der den Opfern das Mitgefühl ausgesprochen wird.

Wieso gibt es keine vergleichbare Erklärung gegenüber der Gewalt von jungen Migranten gegen Senioren, Frauen und Mitschülern, die in den letzten Wochen Schlagzeilen machten.

Haben diese Opfer das Mitgefühl der Grünen etwa nicht verdient?

Mit freundlichen Grüßen

Antwort von Volker Beck
4Empfehlungen
11.01.2008
Volker Beck
Sehr geehrter Herr ,

Bündnis 90/Die Grünen verurteilen jedwede Gewalttat - egal von wem und an wem sie begangen wird. Alle Opfer von Gewaltkriminalität haben unser Mitgefühl.
Ihre in der Frage anklingenden Unterstellung, Grüne würden Gewalttaten von Migranten anders beurteilen als Gewalttaten, die von Nicht-Migranten begangen werden, weise ich zurück. Uns machen brutale Überfalle wie kürzlich in der Münchner U-Bahn genauso betroffen wie brutale Überfälle von deutschen Neonazis oder anderen deutschen Kriminellen. Anlässlich der aktuellen Diskussion zur Jugendkriminalität hat Herr Beck kürzlich folgende Presseerklärung abgegeben. www.gruene-bundestag.de

Ich verweise insbesondere auf folgende Passage: "Wir brauchen nicht neue Gesetze, sondern eine bessere Bildungspolitik und mehr Mittel für intervenierende Jugendsozialarbeit. Es muss etwas geschehen, bevor Jugendliche durch Straftaten auf sich aufmerksam machen."

Mit freundlichen Grüßen
Büro Volker Beck
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Frage zum Thema Familie
08.01.2008
Von:

Kennen Sie das?
"Seminartitel: 644 Homosexualität verstehen

Seminarbeschreibung:
Manche Menschen leiden unter ihren homosexuellen Neigungen. Im Seminar geht es darum, Verständnis für Ursachen und verschiedene Lebensmöglichketen zu gewinnen.
Monika Hoffmann & Konstantin Mascher, Deutsches Institut für Jugend und Gesellschaft, OJC (Samstag 90 Minuten)"
www.christival.de

Schirmherrin ist unsere Bundesfamilienministerin.
www.christival.de

und wie finden Sie das?
Antwort von Volker Beck
28Empfehlungen
09.01.2008
Volker Beck
Sehr geehrter Herr ,

Grüne fordern von Bundesfamilienministerin von der Leyen Distanzierung von obskuren "Homosexuellenheilungsseminaren"

In einer Pressemitteilung erklärt Volker Beck:

Frau von der Leyen muss sich von christlich-fundamtentalistischen, selbsternannten "Homosexuellenheilern" distanzieren!

Frau von der Leyen kann nicht als Bundesfamilienministerin Schirmherrin eines Kongresses sein, bei dem gefährliche Psychokurse und minderheitenfeindliche Angebote gemacht werden. Sie muss entweder die Absage dieses "Homosexuellenheilungsseminares" durchsetzen oder ihre Schirmherrschaft zurückgeben.

Bündnis 90/DIE GRÜNEN werden dem mit einer parlamentarischen Anfrage nachgehen.

Zum Hintergrund:
Frau von der Leyen hat die Schirmherrschaft über den Christival 2008 Kongress übernommen, der einen Seminar zur "Heilung" von Homosexualität anbietet.

Auf dem "Christival 2008" vom 30.04. bis 04.05.2008 in Bremen wird ein Seminar "Homosexualität verstehen - Chance zur Veränderung" angeboten. Das Seminar wird von dem sogenannten "Deutschen Institut für Jugend und Gesellschaft, OJC" veranstaltet. Zum " Deutsches Institut für Jugend und Gesellschaft" siehe hier. "OJC" bedeutet "Offensive Junger Christen", siehe www.ojc.de ). Eine Juristin und einem Diplom-Soziologen führen dieses Seminar durch.

Für den Kongress "Religiosität in Psychiatrie und Psychotherapie" in vergangenen Herbst in Graz war eine ähnliche Veranstaltung von "Wüstenstrom" angekündigt worden. Wegen dieser Proteste, die vom LSVD mitinitiiert wurden, hat der Schirmherr des Grazer Kongresses, der steirische Landeshauptmann Franz Voves der Uni-Klinik Graz als Veranstalterin geschrieben, dass er seine Unterstützung zurückzieht, wenn die kritisierten Gruppen nicht von der Veranstaltung ausgeschlossen werden. Daraufhin Wüstenstrom seine Teilnahme "abgesagt". "Dämonen auf dem Psychiaterkongress" und in "Die Presse" vom 19.09.2007 "Religion und Psychiatrie: Homotherapie und Hagiotherapie?"

Mit freundlichen Grüßen

Büro Beck
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Frage zum Thema Soziales
09.01.2008
Von:

Sehr geehrter Herr Beck,

wie kommen Sie zu der Einschätzung, dass die Seminare zum Thema Homosexualität, die auf dem Christival bzw. in Graz abgehalten werden sollten, "gefährliche Psychokurse" und "Minderheitenfeindlich" seien? Und was veranlasst Sie, eine Christliche Veranstaltung, bei der dieses Seminar eines von sehr sehr vielen ist, dann gleich die ganze Veranstaltung als "fundamentalistisch" einzuschätzen?

Es ist auch ein Faktum, dass es Menschen gibt, die unter ihrer Homosexualität leiden und die den Wunsch nach Veränderung haben. Es ist richtig, dass diese Gruppe unter den homosexuellen Menschen eine kleine Minderheit ist. Wie steht es nun aus Ihrer Sicht um die Rechte dieser Minderheit innerhalb der Minderheit? Hat diese Minderheit kein Recht auf Wahrnehmung ihrer Wünsche, weil die Mehrheit der Minderheit das ablehnt? Und wie vereinbaren Sie Ihre Argumentation mit dem Recht auf Selbstbestimmung? Haben diese Menschen Ihrer Meinung nach nicht das Recht auf Veränderung, nur weil die Mehrheit der Homosexuellen derartiges ablehnt? Und finden sie es ganz im allgemeinen wünschenswert, wenn gesellschaftliche Positionen, die nicht dem gängigen "Mainstream" entsprechen, so pauschal diffamiert werden? Wie lässt sich eine solche Haltung mit einer liberalen Gesellschaftsordnung vereinbaren?

Vielen Dank für Ihre hilfreichen Hinweise!

Mit freundlichen Grüßen
H.
Antwort von Volker Beck
90Empfehlungen
14.01.2008
Volker Beck
Sehr geehrter Herr ,

Meine Kritik richtete sich dagegen, dass die Bundesministerin Ursula von der Leyen die Schirmherrschaft über eine Veranstaltung übernimmt, in dessen Programm ein Seminar zur "Veränderung" von Homosexualität vorgesehen war. Ich habe sie aufgefordert, ihre Schirmherrschaft zurückzuziehen oder sich für eine Änderung des Programms einzusetzen, weil ich es nicht mit ihrem Amt für vereinbar halte, für eine Veranstaltung zu werben, bei der Homosexualität als therapiebedürftig dargestelltwird. Immerhin ist Frau von der Leyen qua Amt für Antidiskriminierung zuständig - dazu gehört auch Schutz vor Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung.

Inzwischen hat das sogenannte "Deutsche Institut für Jugend und Gesellschaft" das für diesen Programmpunkt des "Christivals" zuständig war, das Seminar zurückgezogen und stilisiert sich als Opfer unberechtigter Kritik. Angeblich gehe es ihm nur um "Selbstbestimmung" und "Freiheit". Diese Rhetorik ist aus der "Ex-Gay"-Bewegung der USA, mit dem das "Institut" offenbar eng verbandelt ist, ebenso hinlänglich bekannt wie unglaubwürdig.

Die ursprünglich vorgesehenen Seminarleiter sind durch einschlägige Publikationen hinreichend in Erscheinung getreten, so dass man sich ein qualifiziertes Urteil über die ideologische Ausrichtung des Seminars bilden kann.

Ginge es diesem sogenannten "Institut" (das tatsächlich nur ein Arbeitsbereich des Vereins "Offensive Junger Christen" ist) wirklich um Freiheit, würde es in seinen pseudowissenschaftlichen Publikationen nicht unablässig Angst vor Homosexualität schüren und suggerieren, gleichgeschlechtliche Empfindungen führten zu Drogensucht, psychischen Störungen, Suizid und tödlichen Krankheiten. Wer so einen Unsinn propagiert, trägt bei zu einem Klima, in dem junge Menschen sich eben gerade nicht frei entwickeln können. Nicht homosexuelle Empfindungen erzeugen Leid, sondern ein Umfeld, das behauptet, diese Empfindungen seien nicht in Ordnung und müssten verändert werden.

Der Ausgangspunkt von OJC wie Wüstenstrom ist ein religiös begründetes Unwerturteil über Homosexualität. Natürlich darf jeder glauben was er will, auch dass Homosexualität sündhaft - die meisten Christen sehen das heute zum Glück anders - (oder dass die Erde eine Scheibe) ist. Wer das so sieht, sollte dies aber bitte nicht als wissenschaftliche Erkenntnis verkaufen und Jugendlichen "Therapien" ans Herz legen, vor denen die Fachwelt aus gutem Grund warnt.

Nur ein Beispiel: In einem Buch, das das "Institut" empfiehlt, wird eine "Methode" zur Überwindung homosexueller Gefühle beschrieben, der der Verfasser "Durchprügeln" nennt. Darunter versteht er eine Art verbaler Selbstgeißelung mit Worten wie: "´Ach, du Jammerfritze, schnappe dir einen Teller mit Glasscherben und friss sie auf, aber schnell! Los, hinunter mit der Flasche Blausäure, dann kannst du dich auf dem Boden wälzen, dann weißt du wenigstens, wieso du hier herumschreist!´ Oder: ´Ich habe große Lust, dich zum Fenster hinauszuwerfen, dort unten in die Dornenbüsche, und das tue ich jetzt auch! Hier bekommst du eins mit einem Rohr aus Blei über. Da hast du einen Fußtritt, dass du mitten durchbrichst. Jetzt schütte ich dir Benzin über den Kopf, und dann machen wir ein Feuerchen´ usw." (Gerard J.M. van den Aardweg: Das Drama des gewöhnlichen Homosexuellen, S. 440, mehr dazu unter www.gaynial.net ). ()

Solche Ratschläge finde ich in der Tat gefährlich und menschenverachtend. Wer so etwas verbreitet, muss sich zumindest gefallen lassen, dass sich dagegen Protest regt. Kritik dann empört als Angriff auf die liberale Gesellschaftsordnung zurückzuweisen, zeugt m.E. nicht gerade von großem Verständnis für Freiheit und Menschenrechte. Religions- und Meinungsfreiheit bedeutet keine Immunität vor Kritik, und antihomosexuelle Propaganda hat keinen Anspruch darauf, auch noch von einer Bundesministerin beworben zu werden.

Dass Homosexuelle sich oftmals wünschen, so wie alle anderen zu sein, wie ihre Familie oder Religionsgemeinschaft es von ihnen erwarten, ist eine Phase, die viele Lesben und Schwulen durchlitten haben. Das macht aber nicht ihre sexuelle Identität zur behandlungsbedürftigen Krankheit, sondern sie müssen lernen, sich selbst so anzunehmen, wie Gott sie offensichtlich gewollt hat.

Sie würden ja auch nicht jemand eine Therapie zur Verändeurng seiner Körpergröße anbieten, der als ausgewachsener Mensch darunter leidet, größer oder kleiner als der Durchschnitt zu sein. Wenn der Mensch dennoch darunter leidet, vom Durchschnitt abzuweichen, kann man ihm aber Hilfe anbieten, sich selbst so anzunehmen, wie er nun einmal ist.

Von Frau von der Leyen erwarte ich, dass sich von diesen antihomosexuellen Initiativen unmissverständlich distanziert. Dies stünde meines Erachtens auch dem "Christival" gut an, wenn es sich nicht in die fundamentalistische Ecke stellen will.

Dass die Veranstalter des "Christivals" nicht wussten, wen sie sich da ins Boot geholt haben, wage ich aber angesichts der organisatorischen Verflechtungen zu bezweifeln: So ist beispielsweise der erste Vorsitzende des Christivals nämlich Mitglied im sog. "wissenschaftlichen Beirat" des "Deutschen Instituts für Jugend und Gesellschaft". Es wundert mich daher nicht, dass die Veranstalter des Christivals, das viele junge Menschen sicherlich in guten Glauben besuchen, bisher kein kritisches Wort über das "Institut" geäußert haben, sondern im Gegenteil die Kritik zurückweisen und die öffentliche Diskussion darüber "bedauern". Es zeigt,dass es gute Gründe gibt, weiterhin ein kritisches Auge auf die Aktivitäten zumindest einiger Unterstützer dieser Veranstaltung zu haben.

Mit freundlichen Grüßen

Büro Volker Beck
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Frage zum Thema Familie
10.01.2008
Von:

Sehr geehrter Herr Beck,

was Ihre Aufregung über "Christival" angeht: Wollen Sie wirklich einen Jugendkongress in Misskredit bringen, der 20.000 jungen Leuten Themen wie Armutsbekämpfung (Seminar 535), Solidarität (Zivilcourage im Umgang mit Rechtsextremisten (544), Friedfertigkeit und Pazifismus (534), politisches Engagement (540, 608, 204), Selbstbehauptung (302), aktiven Umweltschutz (501), Mediation und gewaltfreie Konfliktlösung (106), Einsatz für Migranten und sachlichen Umgang mit anderen Religionen (617, 210, 548) nahebringt? und sie selbstbewusstem Leben ermutigt? Nur weil Ihnen eines von 280 Seminare und Foren von der Themenstellung her nicht behagt? Nimmt B90/DIE GRÜNEN einen solchen Kollateralschaden bewusst in Kauf? Ist es im Sinne der Gender-Politik von B90/DIE GRÜNEN, dass das Thema Homosexualität bei einem Jugendkongress dieser Größenordnung tabuisiert/aus dem Programm verbannt wird? Denn darauf laufen Ihre Bemühungen ja wohl hinaus. Und wäre das dann nicht ein klassisches Eigentor?
Antwort von Volker Beck
83Empfehlungen
14.01.2008
Volker Beck
Sehr geehrter Herr ,

Spielen Sie bitte nicht die verfolgte Unschuld!

Wenn ein Seminar behindertenfeindlich, antisemitisch, antihomosexuell, rassistisch oder frauenfeindlich ausgerichtet ist, werde ich mir immer die Freiheit nehmen, dies zu kritisieren, und ich erwarte von jeder demokratischen Politikerin und jedem demokratischen Politiker klare Distanz.

Der Vorsitzende von Christival, der der Organisation des Veranstalters des obskuren Seminars als Beiratsmitglied angehört, hat den Kongress selbst in Misskredit gebracht. Und nicht ich! Das sind seine Freiheit und seine Verantwortung.

Der Vorsitzende von Christival ist in dieser Hinsicht publizistisch als notorisch aufgefallen. So gibt es eine ganze Liste von Publikationen (Werner Roland in: * Barbara Kittelberger/Wolfgang Schürger/Wolfgang Heilig-Achnek (Hrsg.): Was auf dem Spiel steht. München 1993. ders.: Der Konflikt des homosexuellen Menschen -- Vortrag auf e. Europ. Konferenz Evang. Seelsorger vom 19.--22 Mai 1982 in Haamstede (Niederlande). Dokumentation/Informationsdienst der Evangelischen Allianz 1:24 (Wetzlar: Idea, 1982), ca. 10pp, ders.: Christ und homosexuell? (Moers: Brendow, 1981), 1. dtsprachige Aufl., ca. 100pp, ders.: Das Zeugnis der Bibel. Homosexualität -- ein Schicksal? (Moers, 1988), ders.: Das Zeugnis der Bibel. Kein anderes Evangelium 17 (Bekenntnisbewegung, Juni 1991).), in denen er Argumentationen der amerikanischen Ex-GayBewegung übernimmt oder beispielsweise behauptet, dass Homosexualität "Ausdruck einer tieferen Identitätskrise" sei.

Ihrer Aussage, mit der Absage des Seminars sei das Thema verbannt, kann ich nicht folgen: Wenn man ein antisemitisches Seminar absagt, gibt es damit kein Tabu über die jüdische Religion zu reden. Wenn das antihomosexuelle Seminar nun abgesagt wurde, gibt es dennoch die Möglichkeit ein Seminar über Homosexualität (und Religion) mit einer anderen Ausrichtung und mit anderen Leitern zu veranstalten.

Ich könnte mir vorstellen, dass die Aktivistinnen und Aktivisten von Zwischenraum, schwule Christen und lesbische Christinnen aus charismatischen und evangelikalen Gemeinschaften, gern dazu bereit stünden. Und wenn Not am Mann ist und der Terminkalender es zuläßt, stehe ich dafür u.U. auch selbst zur Verfügung.

Von einer Tabuisierung des Themas kann also nicht die Rede sein.

Wenn Sie allerdings meinen, man könnte über Homosexualität nur als Defizit, Krankheit oder Sünde sprechen, dann ist womöglich diese Ihre und Ihrer Freunde Haltung das Problem.

Eins muss man Ihnen lassen: Geschickt, wie Sie Opfer und Täter in dieser Sache rhetorisch vertauschen.

Mit freundlichen Grüßen
Volker Beck
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