Stephan Thomae (FDP)
Kandidat Landtagswahl Bayern 2008
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Grunddaten
Stephan Thomae
Jahrgang
1968
Berufliche Qualifikation
Jurist
Ausgeübte Tätigkeit
Rechtsanwalt
Wohnort
-
Stimmkreis
Kempten, Oberallgäu
Landeslistenplatz
3, Schwaben
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(...) Die Entscheidung für diese Kampagne fiel auf einer Landesvorstandssitzung im Herbst 2007. Die CSU hatte ihren "Generationenwechsel" von Stoiber zu Beckstein und Huber vollzogen, wir gingen davon aus, daß die CSU sich wieder erholen würde und die FDP allenfalls damit punkten könnte, sich als bessere Oppositionspartei im Vergleich zu SPD und Grünen zu empfehlen. So waren auch die ersten Slogan- und Plakatvorschläge ausgerichtet. (...)
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Frage zum Thema Bürgerbeteiligung und Bürgergesellschaft
15.09.2008
Von:

Herr Thomae.....

mir ist aufgefallen, daß Ihre Partei im Wahlkampf die CSU auf sehr offensive (und meiner Meinung nach sehr witzige Weise) angeht. Andererseits wird im Fall des Falles eine Koalition nicht ausdrücklich ausgeschlossen.

Ist das nicht ein Widerspruch?

B.
Antwort von Stephan Thomae
1Empfehlung
16.09.2008
Sehr geehrter Herr Stobl,

vielen Dank für Ihre Frage.

Lassen Sie mich mal - statt einer "offiziellen" Antwort - etwas aus dem Nähkästchen plaudern, da ich als Mitglied des Landesvorstands die Entstehungsgeschichte der Kampagne mitentschieden habe.

Die Entscheidung für diese Kampagne fiel auf einer Landesvorstandssitzung im Herbst 2007. Die CSU hatte ihren "Generationenwechsel" von Stoiber zu Beckstein und Huber vollzogen, wir gingen davon aus, daß die CSU sich wieder erholen würde und die FDP allenfalls damit punkten könnte, sich als bessere Oppositionspartei im Vergleich zu SPD und Grünen zu empfehlen. So waren auch die ersten Slogan- und Plakatvorschläge ausgerichtet. Wir wollten damals deutlich machen, daß wir, anders als SPD und Grüne, keine Fundamentalkritik um der Kritik willen üben. Wir wollten darüberhinaus deutlich machen: im Grunde sind sich Schwarze, Rote und Grüne in einem einig: sie setzen auf die Regulierungsmacht des Staates, und sind alle drei gleichermaßen paternalistisch, etatistisch und obrigkeitsstaatlich. Dagegen wollten wir einen Kontrast setzen: die anderen vertrauen auf den Staat, wir vertrauen auf die Menschen. Die anderen sehen in den Menschen primär den Untertanen, wir primär den Bürger. Das meinten wir mit dem "deutlichsten Kontrast".

Daß sich Beckstein und Huber als so überraschend schwach erweisen würden, hatten wir damals nicht erwartet. Daß jetzt sogar offen darüber spekuliert wird, daß die CSU vielleicht auf einen Regierungspartner angewiesen sein könnte, hat sich erst in den letzten zwei bis drei Monaten so entwickelt. Natürlich haben wir im Landesvorstand diese Entwicklung beobachtet und diskutiert. Wir selbst wollen im Grunde eine solche Diskussion nicht unbedingt, müssen aber natürlich auch eine Antwort darauf parat haben. Eine Änderung der Kampagne halten wir übereinstimmend nicht für erforderlich, denn man kann natürlich auch innerhalb einer Regierungskoalition einen Kontrast darstellen. Man muß auch in einem Bündnis nicht zu allem Ja und Amen sagen, und obwohl es manche Übereinstimmung gibt, haben wir durchaus auch in vielen Punkten abweichende Vorstellungen. Deshalb muß es kein Widerspruch sein zu sagen: Wir sehen die CSU als politischen Gegner und Mitbewerber, können uns aber durchaus vorstellen, mit ihnen eine Regierung einzugehen, um in der bayerischen Politik möglichst viele liberale Positionen einzubringen.

Ich würde mal so sagen: wir sind auf beide Rollen vorbereitet. Warten wir den Wahlabend ab. Dann sind wir alle viel, viel schlauer.

Für weitere Fragen stehe ich Ihnen jederzeit gerne zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen

Ihr

Stephan Thomae
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Frage zum Thema Bildung
26.09.2008
Von:

Sehr geehrter Herr Thomae,
wird sich die FDP im Fall eines Einzuges in den Landtag und einer möglichen Regierungsbeteiligung für die Abschaffung des G8 (achtstufiges Gymnasium) einsetzen?
Mit freundlichen Grüßen
Antwort von Stephan Thomae
1Empfehlung
27.09.2008
Sehr geehrter Herr ,

vielen Dank für Ihre Frage.

Die FDP hat sich nicht generell gegen das G ausgesprochen. In vielen Ländern und Bundesländern wird das Abitur nach der 12. Klasse erworben, ohne daß sich irgendjemand daran gestoßen oder eingewandt hätte, nach 12 Schuljahren könne man noch nicht hochschulreif sein. Die Kritik an der bayerischen "Lösung" ist eine zweifache:

(1) Die Zuordnung der Schüler auf Hauptschule, Realschule und Gymnasium schon nach der vierten Grundschulklasse im Alter von in der Regel 10 Jahren wird nach ziemlich einhelliger Auffassung der meisten namhaften Entwicklungspsychologen zu früh vorgenommen. Psychologen und Pädagogen empfehlen eine gemeinsame sechsjährige Grund- oder Primarschule und den Übertritt auf weiterführende Schulformen nach der sechsten Klasse im Alter von üblicherweise zwölf Jahren. Auf einem im übrigen sehr kontroversen, aber niveauvollen Bildungsparteitag 2005 mit dem Motto "Vorsprung durch Bildung" hat sich die FDP Bayern dem angeschlossen. Die sechsjährige Primarstufe ist seither Beschlußlage der FDP Bayern.

(2) Das achtjährige Gymnasium ist in einer Nacht-und-Nebel-Aktion Hals über Kopf ohne Sinn und Verstand eingeführt worden, ohne die teilweise negativen Erfahrungen an vier Versuchsschulen in Bayern einzubeziehen, zu analysieren und zu hinterfragen, was bei einer flächendeckenden Einführung anders gemacht werden müsse als an den Versuchsschulen. Die überstürzte Art der Einführung, um nicht zu sagen Verordnung des G 8 hat - leider - bewirkt, daß sogar die früher grundsätzlichen Befürworter des achtjährigen Gymnasiums heute Gegner desselben sind. Entscheidend für die Qualität einer Schulform ist nicht deren Dauer - sonst wäre nach dieser Logik ja auch ein zehnjähriges Gymnasium noch besser als ein neunjähriges - sondern Organisation der Schule, Lerninhalte und Lernmethoden. Darüber ist, ich will nicht sagen: gar nicht, aber doch viel zu wenig diskutiert worden. Und hier setzt die zweite Kritik der FDP an. Die FDP Bayern veranstaltet jedes Jahr in Starnberg einen Bildungstag mit Praktikern aus Schule und Hochschule, Experten aus der Wissenschaft, Teilnehmern aus Wirtschaft und Politik, um genau solche Fragen zu diskutieren. Diese Tradition etwas würde die FDP künftig gerne nicht mehr nur mit den beschränkten Bordmitteln einer außerparlamentarischen Opposition, sondern mit den Möglichkeiten einer Landtagsfraktion fortsetzen und dabei auch den Blick über den weiß-blauen Tellerrand hinauswerfen und die Erfahrungen anderer Bundesländern, unserer europäischen Nachbarländern, und vielleicht auch insgesamt der entwickelten Länder einbeziehen.

Erlauben Sie mir, als Fazit der Liberalen festzuhalten: Das G 8 birgt, wie so vieles im Leben, Chancen und Risiken zugleich. Die Dauer der Schuljahre ist nicht das allein entscheidende. Mit einer Rückkehr zum alten G 9 wird nicht automatisch alles wieder so gut und so schön wie es vielleicht einmal war. Denn: war es das wirklich? Bedurfte nicht auch das alte G 9 dringend einer Revision in Lerninhalten und Lernmethoden? Nicht unbedingt im Sinne einer Radikalreform, aber doch einer beständigen Anpassung an die Rahmenbedingungen einer sich im übrigen immer schneller verändernden Welt. Bei den Anstrengungen, das Gymnasium zeitgemäß zu machen, würde ich den Blick gerne über die Frage nach deren Dauer heben und auf Inhalte und Methoden lenken. Die Verkürzung des Gymnasiums - zusammen mit dem von der FDP auf Bundesebene geforderten Aussetzung des Wehrdienstes - bietet darüberhinaus jungen Menschen auch die Chance, die dadurch gewonnene Zeit anderweitig zu investieren, beispielsweise in Auslandsjahre, die ich heute beinahe für obligatorisch halte.

Ich hoffe, Ihre Frage damit beantwortet zu haben, auch wenn die Frage zweifellos anders ausgefallen ist, also Sie es erwartet haben werden.

Weitere Informationen finden Sie u. a. auf meiner Homepage
www.stephan-thomae.de

Mit freundlichen Grüßen

Ihr

Stephan Thomae
Landtagskandidat
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