Renate Hendricks (SPD)
Abgeordnete Nordrhein-Westfalen

Angaben zur Person
Renate Hendricks
Geburtstag
23.01.1952
Berufliche Qualifikation
Diplom-Sozialpädagogin
Ausgeübte Tätigkeit
MdL
Wohnort
Bonn
Wahlkreis
Bonn II über Wahlkreis eingezogen
Ergebnis
37,3%
Landeslistenplatz
-
(...) Das ist unser Modell für den Ersatz der weggefallenen Studienkollegs. Darüber hinaus wollen wir die Studienorientierung durch eine vertiefte Verbindung zur Schule und eine Verknüpfung mit der Berufsorientierung stärken und ausbauen. Das "Neue Übergangssystem Schule-Beruf NRW" bietet hierzu Gelegenheit. (...)
Parlamentarische Arbeit
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Frage zum Thema Schulen
27.09.2014
Von:

Sehr geehrtre Frau Hendricks,


nach diesem Artikel wollen Sie keine christlichen Grundschulen:

www1.wdr.de

Mich empört Ihre Haltung, die Sie mit "Toleranz" begründen. Aus meiner Sicht ist es genau umgekehrt. Ich finde es extrem intolerant von Ihnen zu sagen, es soll keine christlichen Grundschulen geben.

Warum sind Sie nicht tolerant zum Christentum?

In dem Artikel steht auch, dass es in NRW auch zwei jüdische Grundschulen gibt.

Sollen die Ihrer Ansicht nach ebenfalls weg? Das fände ich ebenfalls nicht in Ordnung, denn auch jüdische Schulen haben m.E. selbstverständlich ihre Daseinsberechtigung. Bitte begründen Sie gegebenenfalls Ihr Nein und die damit verbundene Unterscheidung zu den christlichen Schulen.

Mit freundlichen Grüßen
Antwort von Renate Hendricks
bisher keineEmpfehlungen
10.10.2014
Renate Hendricks
Sehr geehrter Herr ,

Ihre Empörung verstehe ich nicht. Weder im Artikel noch in meinem Statement habe ich, noch irgendjemand sonst, gesagt, Ihr Zitat: "es soll keine christlichen Grundschulen geben". Wie Sie meinem Beitrag und auch dem Artikel entnehmen können, geht es um eine erleichterte Umwandlung von konfessionellen Grundschulen in Gemeinschaftsgrundschulen, wenn Eltern dies wünschen. Hierzu ist derzeit eine Zwei-Drittel Mehrheit notwendig. Künftig soll eine einfache Mehrheit ausreichen. Zudem sollen konfessionelle Grundschulen, wenn sie die einzige Grundschule in einer Kommune sind, eine Gemeinschaftsgrundschule werden. Auch hier soll der Elternwille gelten. In einer Gesellschaft, in der Religionsfreiheit herrscht darf der Grundschulbesuch nicht aufgrund eines anderen Glaubens oder einer religionsfreien Weltanschauung eingeschränkt werden.

Diese Änderung hat nichts mit Intoleranz zu tun sondern trägt dem Umstand Rechnung, dass diese Schulen zu 100 Prozent vom Staat finanziert werden. Dennoch dürfen Lehrerinnen und Lehrer sowie Schülerinnen und Schüler, die nicht der Konfession der Schule entsprechen, abgelehnt werden. Für viele Eltern ist das, zu Recht, nicht nachzuvollziehen. Sie mahnen die Pflicht des Landes an, Grundschulen für alle Kinder bereitzustellen. Da wo Eltern sich also mehrheitlich für eine Umwandlung in eine Gemeinschaftsgrundschule entscheiden. sollte diese Umwandlung zukünftig erleichtert möglich sein.

Ihr Vergleich von ca. einem Drittel katholischer und evangelischer Grundschulen (ca. 950 Grundschulen) und gerade einmal 2 jüdischen Schulen NRW-weit ist mir nicht ganz klar. Zudem gibt es derzeit 75 evangelische GS in NRW. Es geht schließlich darum, Kindern wohnortsnahe Grundschulbesuche unabhängig von ihrer Konfession zu ermöglichen. Das ist mit rund einem Drittel katholischer und evangelischer Grundschulen nicht immer möglich. Religionsunterricht wird an allen Grundschulen erteilt.

Um dies noch einmal ganz klar zu sagen: Es geht nicht darum bestimmte konfessionelle Grundschulen zu benachteiligen sondern darum, dem Willen der Eltern entsprechend Möglichkeiten für Umwandlungen bereitzustellen.

Mit freundlichen Grüßen
Renate Hendricks
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Frage zum Thema Schulen
22.07.2015
Von:

Sehr geehrte Frau Hendricks,

wie sehen Sie die Gefahr, dass die selbstständigen Schulen in NRW immer mehr alleine gelassen werden und bald zu sehr abhängig sind von Sponsoren aus der Wirtschaft? Da die Hauptschulen abgeschafft werden, die Schüler jetzt in die Realschule gehen, ist es dann nicht selbstverständlich, dass es viele gibt, die mit mithalten können, denn schließlich kann man ja das Niveau nicht senken? Ich las in der Zeitung, dass von Politikerseite gesagt wurde, dass viele Lehrer unwillig sind, was die Umsetzung der Inklusion angeht. Ist es nicht eher so, dass die Bedingungen schlecht sind - wie in der Pflege -und die Lehrer die Sündenböcke sind einer verfehlten föderalistischen Schulpolitik, in die nie Ruhe eingekehrt ist - seit Jahrzehnten? In vielen Schulen gibt es keine Sonderpädagogen. Wie soll das funktionieren? Reden Sie mit den Menschen von der Basis?

Mit freundlichen Grüßen

Antwort von Renate Hendricks
bisher keineEmpfehlungen
23.07.2015
Renate Hendricks
Sehr geehrte Frau ,

vielen Dank für Ihre Kontaktaufnahme über Abgeordnetenwatch zum Themenkomplex "Schulen in NRW". Zuerst möchte ich darauf hinweisen, dass eine ausführliche Beantwortung von Frau Hendricks persönlich leider erst nach den Sommerferien erfolgen kann, da Frau Hendricks sich seit heute im Ausland befindet. Ich werde versuchen, im Vorfeld auf die unterschiedlichen Themen kurz im Sinne von Frau Hendricks einzugehen.
Wenn ich Ihre Mail richtig verstanden habe, sprechen Sie folgende Themen an:
1. Abhängigkeit bzw. Einflussnahme von Privatschulen durch Sponsoring der Wirtschaft?
2. Wo bleiben die Kinder, die ursprünglich auf die Haupt- und Realschulen gingen, wenn diese auslaufen bzw. Mangels zu geringer Anmeldezahlen geschlossen werden müssen?
3. Problematik der konkreten Umsetzung von Inklusion an den unterschiedlichen Schultypen?
4. Kontaktaufnahme von Frau Hendricks als Landtagsabgeordnete mit den Beteiligten (Eltern, Schülern, Lehrern, Schulamt, Bezirksregierung, Ministerium).

Zu 1:
Fakt ist, spätestens seit dem Pisa-Schock schicken immer mehr ihre Kinder auf Privatschulen - in der Hoffnung, dass sie hier besser ausgebildet werden als an einer öffentlichen Schule. Privatschulen werben damit, die besseren pädagogischen Konzepte zu haben. Sie bieten etwa mehrsprachigen Unterricht an, einen besseren Lehrerschlüssel und individuelle Förderung. Das zieht bei den Eltern.
Hinter dem Begriff Privatschule selbst verbergen sich unterschiedliche Schulen, und nur ganz wenige davon sind Eliteschulen gewerblicher Träger, die ein hohes Schulgeld verlangen. Die meisten Schulen in freier Trägerschaft sind konfessionelle Schulen oder solche, die sich der Montessori- oder der Waldorf-Pädagogik verschrieben haben. Die Zahl der Schüler/innen an Privatschulen ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Das aber sagt noch nichts über die Qualität von Privatschulen. Ob sie tatsächlich mehr bieten und besser ausbilden, ist sehr umstritten. Die Leistungsunterschiede reduzierten sich auf ein Minimum, wenn man den sozialen Hintergrund und die homogene Zusammensetzung der Schülerschaft bei Privatschulen herausrechne. Mit anderen Worten: Die Ergebnisse der Privatschüler sind nur deshalb besser, weil sich vor allem Kinder aus bildungsnahen Schichten in den Privatschulen versammeln.
Privat heißt nicht gleich hervorragend. Das liegt vor allem am Geld. Schulen in freier Trägerschaft erhalten deutlich weniger öffentliche Mittel als staatliche Schulen - obwohl sie als Ersatzschulen die gleichen Abschlüsse anbieten. Neben dem Schulgeld werben Privatschulen deshalb auch um Sponsoring und in der Tat birgt dies Gefahren mit sich (Einflussnahme). Wenn jemand Geld gibt, will er in der Regel auch eine Gegenleistung. Anderseits ist die sog. Drittmittelförderung an Hochschulen und Universitäten Normalität und in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Die Werbung um Drittmittel aus der Privatwirtschaft wird als selbstverständlicher Alltag gesehen. Hier besteht die klare Ansage: Wettbewerb belebt das Geschäft und die jungen Menschen profitieren von dieser Konkurrenz, denn eine zukunftsweisende Forschung und Lehre sind ohne die Beteiligung der Wirtschaft nicht möglich.
Fakt ist: die Zahl der Kooperationen zwischen Schulen (auch öffentlich-rechtlichen) und Unternehmen ist deutlich angestiegen. Es gibt Schulen, in denen kommen Banker in den Unterricht und erklären die Finanzkrise. Es gibt genügend Lehrer, die für ihren Unterricht kostenlose Materialien aus dem Internet herunterladen – die meisten davon finanziert von der Privatwirtschaft. Ich frage mich: Wo hört der Bildungsauftrag auf? Und wo fängt Einflussnahme an? Sollte nicht bereits in der Ausbildung der Lehrer/innen dieser Punkt thematisiert werden? Ich möchte in diesem Zusammenhang auf einen zwar schon etwas älteren, aber sehr interessanten Artikel aus der Zeit verweisen: www.zeit.de

Zu 2:
Die Schulstruktur in NRW ist im Umbruch. Nach einer ersten Prognose auf Grundlage von Informationen aus den Regierungsbezirken werden zum Schuljahr 2015/16 voraussichtlich noch circa 180 Hauptschulen eine Eingangsklasse bilden können. Soweit sich diese Prognose realisiert, hätte sich die Anzahl der Hauptschulen mit Eingangsklasse seit dem Schuljahr 2011/12 um 329 Schulen - circa 65 Prozent - verringert. Nur weiterführende Schulen, die Kinder nach der Grundschule noch gemeinsam lernen lassen - etwa Gesamt- und Sekundarschulen - verbuchen kräftige Zuwächse bei der Zahl der Schüler und der neuen Angebote für die wachsende Nachfrage. Seit 2011 stieg die Zahl der Schulen für längeres gemeinsames Lernen um über 70 Prozent auf 389. Mit anderen Worten: Es sind die Eltern, die für ihre Kinder eine andere Schulform als die Hauptschule wünschen. Sie wollen die Berufschancen ihrer Kinder verbessern. Natürlich muss es für eine individuelle Förderung speziell ausgebildete Lehrer geben. Aber andere Länder z.B. in Skandinavien machen es uns vor. Meine Meinung: Wir sollten Mut haben, andere Wege zu gehen. Dies braucht natürlich auch ein wenig Zeit. Denkt man an die große Ablehnung der Gesamtschule noch vor 20 Jahren - ist diese Schulform inzwischen auch bei extrem konservativen Eltern als Option angekommen.

Zu 3:
Das Thema Umsetzung von Inklusion an den unterschiedlichen Schulformen hat man nahezu in allen Bundesländern sehr lange vor sich her geschoben. Die UN-Behindertenrechtskonvention wurde von Deutschland unterschrieben und muss umgesetzt werden. Damit gibt es einen Rechtsanspruch, dass behinderte Kinder auch eine Regelschule besuchen. Ich gebe zu, dass es noch viel zu tun gibt, damit die Voraussetzungen so sind, dass Inklusion nicht als Horrorvorstellung gehandelt wird. Frau Hendricks ist stark involviert in diesem Thema und hat unter anderem bereits viele Schulen unterschiedlicher Schulformen besucht, die bereits Erfahrungen mit der Umsetzung gemacht haben. Aus positiven Beispielen kann man lernen. Zu diesem Punkt wird Ihnen Frau Hendricks ausführlich antworten - auch vor dem Hintergrund mehr Sozialpädagogen und Schulbegleiter für die Schulen. Ich verweise in diesem Zusammenhang auch auf unsere Homepage www.renate-hendricks.de Kleiner Hinweis: Im September dieses Jahres wird es z.B. eine Informationsveranstaltung zum Thema Inklusion an Gymnasien in Bonn geben, die wir organisieren.

Zu 4:
Frau Hendricks kommt nicht klassisch aus der parteipolitischen Schiene. Sie war viele Jahre Bundeselternratsvorsitzende. Somit kann ich Ihnen versichern, dass für Frau Hendricks die Gespräche mit der Basis und den Verantwortlichen auf den unterschiedlichsten Ebenen extrem wichtig sind.

Mit freundlichen Grüßen

Angelika Stabenow
(wiss. Mitarbeiterin)
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