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Michael  Hanne
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Frage von Roland M. •

Frage an Michael  Hanne von Roland M. bezüglich Recht

Sehr geehrter Herr Hanne,

mit einer Mischung aus Ärger und Wut habe ich zur Kenntnis genommen, dass das Auswärtige Amt eine schon erfolgte Umstellung auf freie Software wieder rückgängig machen will [0]. Die Re-Migration kostet den Steuerzahler rund 50 Millionen Euro. Laut einem eigentlich nicht für Augen der Öffentlichkeit bestimmten Gutachten von McKinsey –wohl einem zweiten, nachdem das ersten zum selben Ergebnis gekommen war– wird festgestellt, dass es keine technischen Gründe dafür gibt. Im Gegenteil: „Während ursprünglich die mit dem Einsatz von Open Source verbundenen geringeren Kosten [die natürlich weiterhin niedrig bleiben, R.M.] das primäre Argument waren, ist inzwischen die damit einhergehende erhöhte Sicherheit ausschlaggebend.“ ([1]: 187) Ein Problem sei allerdings die Nutzerakzeptanz gewesen.
Mich würde nun interessieren, wie sie insbesondere auch im Allgemeinen zu diesem Thema stehen. Durch den breiten Einsatz von freier Software könnten jedes Jahr mehrere Millionen Euro (Steuergelder) gespart werden und das erwiesenermaßen ohne „technische Nachteile“, es könnte die heimische Wirtschaft gefördert werden und es könnte nicht zuletzt ein Zeichen gesetzt, dass einer an Mitsprache und Beteiligung interessierten Bürgerschaft den Rücken stärkt, weil „öffentlich“ entwickelte Programme und Protokolle unterstützt werden.
Daher meine knappe Frage an Sie: Sollte (in der öffentlichen Verwaltung) mehr auf freie Software gesetzt werden?
Über eine Antwort würde sicher nicht nur ich mich sehr freuen!

Mit freundlichen Grüßen,
Roland Mayer

[0] http://mail.fsfeurope.org/pipermail/press-release-de/2011q1/000182.html
[1] http://www.netzpolitik.org/wp-upload/AAmt-1-Organisationsuntersuchung.pdf

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Antwort von
FDP

Sehr geehrter Herr Mayer,

die Antwort hat etwas gedauert, und zwischenzeitlich habe ich auch unseren Experten bemüht, um ein rundes Bild zu diesem Thema zu bekommen. Natürlich ist es wünschenswert, Steuergelder zu sparen bzw. sinnvoll einzusetzen. Da bin ich bei Ihnen. Bei der Öffentlichen Hand muß aber auch darauf geachtet werden, daß die Anwendungen und Daten sicher vor Mißbrauch sind, daß die Software geprüft und fehlerfrei ist, und definierte Schnittstellen vorliegen. Ebenso ist die Funktionalität zu beachten. Dennoch beobachten wir die Anwendbarkeit und die damit zusammenhängenden Chancen. Hier kann Open Source zur Akzeptanz einiger Projekte und Vorlagen beitragen, muß es aber nicht.

Denn in kommunalen Entscheidungsprozessen ist aus meiner Erfahrung heraus noch kein Projekt wegen softwaretechnischen Kommunikationsproblemen gescheitert. Es wird immer noch Papier verwendet, und die meisten Vorlagen gibt es als pdf. Außerdem sollte es eher auf die Inhalte ankommen. Open Source lädt zur ständigen Verbesserung und damit Veränderung ein. Und das ist nach meiner persönlichen Meinung ein Kriterium, was A) behördenuntypisch ist und B) die Archivierung und spätere Lesbarkeit erschwert bzw. wieder neue Abläufe notwendig macht. Also auch Open Source hat (noch) seine kostenträchtigen Konsequenzen. (Ich nutze übrigens den Mozilla, nicht den Explorer)

Beste Grüße,

Michael Hanne