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Holger Krahmer
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Frage von Thomas H. •

Frage an Holger Krahmer von Thomas H. bezüglich Gesundheit

Sehr geehrter Herr Krahmer,

wie stehen Sie persönlich zu dem vorgehen Ihrer Partei, die Volksgesundheit für die Interessen der Tabak-Lobby zu opfern.
Ich weiß, es ist verlockend eine Wählerschicht aufzugreifen, die sich natürlich wünscht wieder überall qualmen zu dürfen.
Aber erwartet man nicht Weitsicht von der Politik? Wie viele Menschen werden es Ihnen danken wenn Sie nicht an Lungenkrebs sterben?
In allen Bundesländern in denen die FDP mitregiert ist der Nichtraucherschutz eine Katastrophe! Grundsätzlich finde ich den freiheitlichen und lieberalen Grundsatz der FDP voll unterstützenswert. In dieser Frage wird häufig jedoch vergessen, dass ein Nichtraucher auch Rechte hat.

Über eine persönliche Antwort bin ich Ihnen sehr dankbar.

Mit freundlichen Grüßen

Thomas Hensel

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Antwort von
FDP

Sehr geehrter Herr Hensel,
vielen Dank für Ihre Frage. Es freut mich zu lesen, dass Sie abseits der Frage nach dem Nichtraucherschutz meine liberale Grundhaltung teilen.

Eine Grundannahme, auf der alle politischen Entscheidungen der Liberalen fußen, ist die Annahme, dass jeder erwachsene Bürger mündig ist und in seinen privaten Lebensentscheidungen selbstverantwortlich und frei - einschließlich der Wahl seiner Genussmittel. Und solange Rauchen legal ist, zählt es zu diesen Freiheiten. Wenn wir sie beschneiden, wo fangen wir an, wo hören wir auf? Wollen wir als nächstes Wirte verpflichten, dem Gast sein drittes Bier zu verweigern? Oder besser gleich alle alkoholischen Getränke? Nur noch Salate und fettarme Speisen auf die Karten zu setzen? Sie mögen jetzt schmunzeln, weil ich übertreibe. Aber ich wiederhole die Frage: Wo fangen wir an, wo hören wir auf? Erwachsene bedürfen keiner Erziehung. Aufklärung ja! Erziehung nein.

Ein Nichtraucher hatte vor der Einführung des Nichtraucherschutzgesetzes bereits alle Freiheiten: Er konnte in jedes Lokal seiner Wahl gehen und dort einen schönen Abend verbringen, essen, trinken und feiern. Wenn in einem Lokal geraucht wurde und es deshalb nicht seiner Wahl entsprach, so hatte er die Wahl, dieses Lokal zu meiden. Es gibt kein Grundrecht darauf, in die Kneipe zu gehen! Das muss an dieser Stelle mal klargestellt werden. Die Nichtraucher-Lobby behauptet ja gern, Raucher würden ihr Recht auf Freizügigkeit einschränken. Unsinn!

Es gibt aber ein Recht auf Eigentum und eins auf Berufsfreiheit - das nun durch den Nichtraucherschutz meiner Ansicht nach gravierend verletzt worden ist. Es handelt sich nämlich nicht um staatlichen oder öffentlichen Raum (in denen ich ein striktes Rauchverbot absolut unterstütze!), sondern um private Kleinunternehmer, deren Geschäft sie selbst gestalten und die ihre Kundschaft selbst auswählen können (sollten). Mit der Einführung der Rauchverbote ist der Umsatz um bis zu 30 Prozent gesunken, je kleiner der Laden desto folgenreicher die Einbußen. Wenn Nichtraucher ein so drängendes Bedürfnis haben, nur unter ihresgleichen ihren Kaffee oder ihr Bier zu trinken - warum gab es vor dem Rauchverbot kaum Nichtraucherkneipen? Bei mir zuhause in Leipzig zum Beispiel gab es auch mit 500.000 Einwohnern gerade mal einen solchen Laden...

Wenn Sie also den Widerwillen liberal mitregierter Länder beim Nichtraucherschutz beklagen, liegt das nicht an irgendwelchen Lobbys. Jetzt kennen Sie den Grund: Die Liberalen wollen, so gut es angesichts der gesetzlichen Zwänge eben geht, private und unternehmerische Freiheitsrechte bewahren.

Ich hoffe, ich konnte in Ihnen etwas Verständnis für den liberalen Standpunkt wecken.

Herzliche Grüße,
Holger Krahmer