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Harald Petzold
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Frage von Peter M. •

Frage an Harald Petzold von Peter M. bezüglich Familie

In Ihrer Rede zur Home-Ehe heißt es zunächst, dass Sie die "Ehe für alle" befürworten.

Weiter führen Sie aus, dass Umfragen belegen würden, "dass es für junge Leute eine ganz zentrale Frage von Gerechtigkeit in dieser Gesellschaft ist, dass es keine Diskriminierung mehr gibt und dass Respekt für *alle Lebensweisen* bekundet wird und dass niemand mehr ausgegrenzt und diskriminiert wird."

Aber wen meinen Sie denn nun mit "alle" ? Ihrer Rede kann ich nicht entnehmen, dass Sie mit "alle" tatsächliche "alle" meinen, d.h. vollkommen *vorurteilsfrei* jedem Menschen die Eheverbindung mit einem anderen oder mehreren anderen Menschen zugestehen möchten:

Am Ende Ihrer Rede heißt es nämlich: "... und öffnen Sie die Ehe für gleichgeschlechtliche Partnerschaften."

Das sind nicht "alle" ! Da Sie in Ihrer Rede auch auf Frau Kramp-Karrenbauer schimpfen - sind Sie demnach der Meinung, dass die Liebe zwischen zwei Geschwistern - egal welchen Geschlechts - und ein Wunsch nach einer Eheverbindung derselben abartig sei ? Wie steht es mit mehreren Partnern ?

Was soll dagegen sprechen, dass auch Geschwister und Verwandte heiraten dürfen, was spricht denn dagegen, dass auch mehr als zwei Partner eine enge Verbindung eingehen wollen ? Ich sehe keine rationalen Argumente dagegen, allenfalls mittelalterliche Vorurteile.

Oder machen Sie sich nur für die sogenannte "Homo-Ehe" stark, weil es gerade politisch korrekt ist, hingegen die Beziehungen zwischen Geschwistern oder anderen Menschen von Ihnen als "unnatürlich" angesehen werden ?

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Antwort von
DIE LINKE

Sehr geehrter Herr Müller,

vielen Dank für Ihren Beitrag.

In meiner Rede befürworte ich die "Ehe für alle" und ich möchte Ihnen versichern, ich meine wirklich: für alle. Ein nächster Schritt wäre natürlich die langfristige Abschaffung der Ehe als normprägende Institution und Anerkennung von Lebensweisen-Vielfalt in allen ihren Facetten. Nach meiner Auffassung spricht gar nichts dagegen, wenn mehr als zwei Personen eine enge Verbindung eingehen wollen. Da teile ich völlig ihre Sichtweise: es gibt "keine rationalen Argumente dagegen, allenfalls mittelalterliche Vorurteile". Und auch, wenn Verwandte oder Geschwister eine enge Verbindung eingehen wollen, sollen sie dies nach meiner Meinung tun können. Es wird nicht die Mehrheit werden. Und deshalb: Warum verbieten?

Die Fraktion DIE LINKE setzt sich schon seit langem für die Öffnung der Ehe für alle Menschen ein. Im Juni 2010 hat die Fraktion DIE LINKE dazu als erste Fraktion einen Antrag in den Deutschen Bundestag eingebracht (Bundestagsdrucksache 17/2023).
Für DIE LINKE. ist die Gleichstellung aller Lebensweisen ein Grundprinzip der Demokratie. Im Zusammenleben der Menschen hat sich in den vergangenen Jahren sehr viel verändert: schon längst ist die lebenslange Verbindung zwischen Mann und Frau nicht mehr das dominierende Lebensmodell. Vielfältige Formen familiären Zusammenlebens sind an ihre Stelle gerückt: altgediente Konventionen und Vorstellungen des Zusammenlebens lassen nach, die Möglichkeiten, selbstbestimmt zu leben, nehmen vor allem bei jungen Menschen zu. Sie leben hetero, schwul, lesbisch oder bi, als Paar oder allein, mit Kindern oder ohne, zunehmend in sogenannten Patchwork- Familien. In der Regel hat die oder der Einzelne mehrere wichtige Beziehungen in ihrem oder seinem Leben. Oft sind beste Freundinnen oder Freunde eine viel wichtigere Konstante im Leben als die Liebesbeziehung.

Deshalb fordert DIE LINKE. die Gleichstellung eben aller Lebensweisen und lehnt die einseitige Privilegierung der Ehe durch den Staat ab. Der Gesetzgeber ignoriert bisher gekonnt alle guten Gründe für die Vielfalt der Lebensweisen und ihrer Gleichstellung in aller Konsequenz: allein die Ehe als Institut wird, als die patriarchalste Form des Zusammenlebens, materiell gefördert. Die finanzielle und gesellschaftliche Bevorzugung der Ehe muss deshalb aufgehoben und alle Lebensweisen gleich behandelt werden. Für diese Politik stehe ich - sie ermöglicht die Gleichbehandlung unterschiedlicher Lebensweisen. Dabei ist klar: es geht mir nicht um die Abschaffung der Ehe als persönliche Lebensentscheidung, sondern lediglich ihrer einseitigen Bevorzugung durch den Staat.

Mit freundlichen Grüßen

Harald Petzold, MdB