Prof. Dr. Felix Leinen (ÖDP)

Prof. Dr. Felix Leinen
Jahrgang
1957
Berufliche Qualifikation
Dipl.-Mathematiker
Ausgeübte Tätigkeit
Mathematiker, Universität Mainz
Wohnort
Mainz-Hechtsheim
Wahlkreis
Mainz
Ergebnis
1,3%
Landeslistenplatz
2, Rheinland-Pfalz
(...) Um kurzfristige spekulative Geldgeschäfte unattraktiv zu machen, bei denen mit großen Summen auf minimale Kursdifferenzen gewettet wird, möchte die ödp eine Tobin-Steuer einführen, deren Erträge der Entwicklungshilfe zugute kommen sollen. (siehe bundespolitisches Programm unter der Rubrik "Links") Vielleicht ist es ja diese Art der "Liquidität", die Sie in Ihrer Schilderung angesprochen haben. (...)
 
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Frage zum Thema Bildung und Kultur
08.09.2009
Von:

Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Leinen,

wie unterscheidet sich die Bildungspolitik der ödp von der der anderen Parteien? Insbesondere interessiert mich, ob es Unterschiede in der Bildungs- und Kulturpolitik zwischen ödp und Bündnis90/Grüne gibt?

Mit freundlichen Grüßen

Antwort von Prof. Dr. Felix Leinen
bisher keineEmpfehlungen
13.09.2009
Prof. Dr. Felix Leinen
Sehr geehrter Herr :

haben Sie vielen Dank für Ihr Interesse an unserem bildungspolitischen Konzept.

Grundlage diese Konzeptes ist es, Kinder und Jugendliche ihren persönlichen Fähigkeiten entsprechend bestmöglich zu fördern. Im Gegensatz zu der von konkurrierenden Parteien vertretenen Haltung bedeutet dies jedoch nicht etwa, daß der Prozentsatz der Abiturienten an einem Jahrgang möglichst hoch ausfallen muß oder daß die Zahl der Studierenden um jeden Preis gesteigert werden muß. Im Gegenteil: Wir haben ja bereits ein sehr differenziertes Bildungs- und Ausbildungssystem in Deutschland, dessen Absolventenzahlen daher auch nicht leicht mit dem anderer Länder zu vergleichen sind. Dies wird bei internationalen Studien oft übersehen; so wird z.B. das System der dualen beruflichen Bildung international sehr geschätzt, aber in Vergleichen der allgemein bildenden Schulen nicht berücksichtigt. Nein, nach Meinung der ödp muß es darum gehen, die Defizite unseres differenzierten Systems zu beseitigen, um es noch leistungsfähiger zu machen.

Die internationalen Studien haben erwiesen, daß die bisherige Schulempfehlung nach der 4. Klasse viel zu früh erfolgt und daher zu einer Auslese führt, die insbesondere Kinder aus sozial schwach gestellten Schichten erheblich benachteiligt. Daher setzen wir uns dafür ein, die Kinder bis einschl. 6. Klasse gemeinsam zu unterrichten und erst dann (aufgrund fundierterer Einschätzung durch mehrere Lehrkräfte unterschiedlicher Fächer) eine Aufgliederung in verschiedene Schultypen vorzusehen. Eine Gesamtschule für alle (wie sie beispielsweise von den Grünen propagiert wird) trägt nicht per se zur bestmöglichen Förderung bei. Manche Schüler sind geistig besonders fit, andere hingegen haben besondere Begabungen in manuellen Tätigkeiten, usw. Dem kann in unterschiedlichen Schultypen durchaus Rechnung getragen werden. Auch innerhalb eines Schultyps muß aber eine erhöhte Differenzierung durch individuellere Aufgabenstellungen erfolgen. Wir sind daher für die Verkleinerung der Klassengrößen und den Einsatz zusätzlicher Tutoren und Sozialpädagogen. Dabei darf sich die finanzielle Ausstattung der Schulen nicht einseitig auf bestimmte Schultypen konzentrieren. Wo immer möglich, sollen Eltern und Schüler aus einem Spektrum an Gymnasien, Realschulen, Hauptschulen, Gesamtschulen, Ganz- und Halbtagsschulen wählen können.

Es wird viel darüber gesprochen, Kinder bereits im Kindergarten stärker zu unterrichten. Hier muß man sehr genau schauen, inwieweit die individuelle Entwicklung des Kindes dies zuläßt. Einer generellen Verkürzung der Schulzeit auf 12 Jahre können wir nichts abgewinnen. Man könnte aber die gymnasiale Oberstufe modular umgestalten, so daß besonders begabte Schüler sie in 12 Jahren, weniger begabte Gymnasiasten hingegen in 13 Jahren durchlaufen.

Die Abschaffung der international anerkannten universitären Abschlüsse in Deutschland (Umstellung auf Bachelor/Master) hat unser Bildungssystem in eine Krise gestürzt. De facto wurde hierbei keines der Ziele der Bologna-Reform (Vergleichbarkeit der Abschlüsse, zügigeres Studium, höhere Absolventenzahlen, interntionale Mobilität) erreicht. Wir müssen daher hart daran arbeiten, die schlimmsten Auswüchse zurückzunehmen. Die Universität ist auch nicht der primäre Ort für eine Berufsausbildung, sondern eben für Bildung.

Sehr geehrter Herr : Ich hoffe, Ihnen einige Grundvorstellungen geschildert zu haben. Weitere Informationen finden Sie in unserem Bildungs-Flyer und dem Bundespolitischen Programm (siehe mein Rubrik "Links").

Mit freundlichen Grüßen,
Ihr ödp-Direktkandidat im Wahlkreis Mainz / Mainz-Bingen,
Felix Leinen
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Frage zum Thema Finanzpolitik
22.09.2009
Von:

jeder weiß, dass es in der Natur für jedes Wachstum eine optimale Obergrenze gibt - kein Baum wächst in den Himmel und kein Mensch über das 20. Lebensjahr hinaus.
Jeder weiß auch, dass man bei gleichbleibender Leistung und gleichbleibendem Einkommen eigentlich nicht ärmer werden kann. Im Gegenteil: Auch ohne Wirtschaftswachstum kann jeder seinen Wohlstand durch Anhäufungen langlebiger materieller und geistiger Güter steigern, bei Produktivitätssteigerungen sogar mit sinkender Arbeitszeit! Warum aber drohen uns Ökonomen Verluste an, wenn sich die Wirtschaftsleistung stabilisiert? Warum werden Politikern die Knie weich, wenn die Wachstumsraten gegen Null zu sinken drohen? Warum rufen Gewerkschaften und Unternehmerverbände unisono nach Wirtschaftswachstum und warum wagt kaum noch jemand, auf die damit verbundenen Umweltfolgen hinzuweisen? Einen Lösungsansatz für das Dilemma, in dem sich Wirtschaft und Politik mit dem Zwang zu immer mehr Wachstum befinden, findet man bei den Vertretern der Freiwirtschaft:
Bekanntlich wird das Sozialprodukt in jedem Jahr zwischen Kapital und Arbeit aufgeteilt. Dem Kapital werden die Zinsen garantiert, das Arbeitseinkommen ist variabel. Sinkt das Wachstum unter das Zinsniveau kann es daher nur auf Kosten der Arbeitseinkommen gehen, das dann mit einem entsprechend kleineren Teil vom Kuchen des BIP vorlieb nehmen muss. Sinken die Zinsen wird das Geld zunehmend gehortet und dem Geldkreislauf entzogen oder geht in die Spekulation. Dieser Mechanismus führt zu einer immer stärkeren Umverteilung von der Arbeit zum Kapital und zu extrem unsicheren Finanzmärkten. Die Folgen: zunehmender Nachfragemangel, Arbeitslosigkeit, soziale Unruhen, Wirtschaftskrisen letztlich bis zum Kollaps.
Die Freiwirtschaft schlägt zur Überwindung dieses Systemfehlers eine kleine Änderung vor: anstatt dem Geld zur Sicherung des Geldumlaufes mittels Zinsen und Inflation Beine zu machen, sollte dies mit einer Gebühr auf Liquidität erreicht werden. Wie stehen Sie dazu?
Antwort von Prof. Dr. Felix Leinen
bisher keineEmpfehlungen
26.09.2009
Prof. Dr. Felix Leinen
Sehr geehrter Herr :

da Ihre Schilderung des Lösungsvorschlages der Freiwirtschaft (im letzten Satz der Anfrage) sehr knapp bemessen ist, bin ich nicht sicher, ob ich den Lösungsvorschlag richtig verstehe. Jedenfalls bin ich nicht davon überzeugt, daß liquide Geldmittel eine prinzipielle Gefahr für Arbeitsplätze darstellen -- im Gegenteil: Investitionen bilden ja die Voraussetzung für das Entstehen und Unterhalten von Arbeitsplätzen. Und es ist ja auch nicht so, als ob Anleger in gewissen Sitationen ihr Geld zu Hause verstecken, um es dem Wirtschaftkreislauf zu entziehen.

Die Politiker der im Bundestag vertretenen Parteien sind dem auf die Dauer unhaltbaren Glauben an ständiges Wachstum verhaftet, da sich weite Teile unserer Wirtschaft auf Produktionszweige stützen, die ständiger Rationalisierung unterworfen werden. Um in diesen Bereichen bestehende Arbeitsplätze überhaupt erhalten zu können, müßte in der Tat eine ständige Vergrößerung erfolgen -- siehe etwa Flughafen Frankfurt.

Die ödp vertritt daher eine andere Linie. Uns geht es darum, Arbeitsplätze in Bereichen zu schaffen, die bislang vernachlässigt wurden, personalintensiv sind und zudem ein geringes Rationalisierungspotential aufweisen: Gesundheit, Soziales, Bildung, Handwerk, Energiewende, Rohstoffkreislauf, ökologische Landwirtschaft, etc. Um solche Arbeitsplätze zu erhalten, ist kein quantitatives Wachstum erforderlich. Allerdings würde unsere Lebensqualität erheblich zunehmen, indem wir diese Bereiche ausbauen.

Um kurzfristige spekulative Geldgeschäfte unattraktiv zu machen, bei denen mit großen Summen auf minimale Kursdifferenzen gewettet wird, möchte die ödp eine Tobin-Steuer einführen, deren Erträge der Entwicklungshilfe zugute kommen sollen. (siehe bundespolitisches Programm unter der Rubrik "Links") Vielleicht ist es ja diese Art der "Liquidität", die Sie in Ihrer Schilderung angesprochen haben.

Mit freundlichen Grüßen,

Ihr ödp-Direktkandidat im Wahlkreis Mainz / Main-Bingen
Felix Leinen
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