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Sehr geehrte Frau Hinz,
Als Bildungspolitikerin sind Sie es gewohnt, den Afghanistankrieg der NATO auch bildungspolitisch zu rechtfertigen: Dadurch, dass die Karzai-Regierung mit unserer Hilfe die kontrolle über große Teile des Landes besitzt, konnten in der Vergangenheit viele Mädchenschulen gegründet werden.
Aber meine Frage ist die nach der Moral: Kann man es ethisch rechtfertigen, für ein kulturpolitisches Ziel viele tausende Menschen zu töten? Seit dem Einmarsch der westlichen Truppen haben wir mindestens 10.000, vielleicht aber sogar 30.000 oder mehr Afghanen getötet, die uns nichts getan haben. Die Obama-Regierung eskaliert den Krieg weiter (mit Zustimmung des Bundestages, einschließlich der Grünen), so dass es ab jetzt noch viel mehr Tote geben wird, für die der Westen verantwortlich ist, also auch Sie und ich.
Ist solche massenhafte Anwendung von tödlicher Gewalt nicht ein Ausdruck von Fundamentalismus, der vergleichbar ist mit dem Fundamentalismus der Taliban? Welche ethischen Prinzipien bringen Sie dazu, diesem Krieg Ihre Zustimmung zu geben?
(Viele Kriegsbefürworter rechtfertigen die Gewalt gegen Afghanen durch Sicherheitsargumente: Deutschland werde dadurch sicherer. Ich nehme an, dass Sie nicht so naiv sind, das zu glauben, denn alles spricht dagegen, vgl. z.B. diesen Bericht:
www.spiegel.de )
Meine Frage ist also: Wie kann Bildung für afghanische Mädchen rechtfertigen, dass man ihre Väter und Brüder tötet und nebenbei das versehentliche Bombardieren von Hochzeitsgesellschaften in Kauf nimmt?
Ich würde mich sehr über eine Antwort freuen, denn das Verhalten Ihrer Fraktion (und anderer Bundestagsabgeordneten) ist mir ein großes Rätsel.
Mit freundlichen Grüßen,
Ihr
