Monika Lazar (DIE GRÜNEN)
Kandidatin Bundestagswahl 2009
Dieses Profil dient zu Archivzwecken, eine Befragung ist nicht mehr möglich. Besuchen Sie das aktuelle Profil.

Angaben zur Person
Monika Lazar
Jahrgang
1967
Berufliche Qualifikation
Bäckerin und Betriebswirtin
Ausgeübte Tätigkeit
MdB
Wohnort
Leipzig
Wahlkreis
Leipzig II
Ergebnis
12,2%
Landeslistenplatz
1, Sachsen
(...) Darüber hinaus wird es durch Kinderbetreuungsangebote für viele Eltern - insbesondere Mütter - überhaupt erst möglich, Familie und Beruf zu vereinbaren. Umfragen zeigen, dass sich der überwältigende Teil der jungen Menschen beides wünscht: die Gründung einer Familie und einen eigenen, erfolgreichen beruflichen Werdegang. (...)
Fragen an Monika Lazar
Nachricht an folgende Adresse schicken, sobald eine Antwort eintrifft:


An diese Adresse den abgeordnetenwatch.de-Newsletter bestellen
Die Datenschutzbestimmungen zur Behandlung meiner Daten habe ich gelesen.
Bitte loggen Sie sich hier ein.
Frage zum Thema Arbeit
08.09.2009
Von:

Sehr geehrte Monika Lazar,

Sie werben ja in meinem Wahlkreis Leipzig II um meine Stimme zur Bundestagswahl.
Mich persönlich interessiert neben den Wahlprogrammen der Parteien aber auch,
wie die Kandidaten ihre bisherige Arbeit und sich selbst einschätzen.

Was würden Sie als Ihre wichtigste politische Entscheidung im Sinne und zum Wohle der Menschen bezeichnen? Und zweitens: Was sind ihre persönlichen Stärken die Sie zu einem guten und vertrauenswürdigen Politiker machen?

Mit freundlichen Grüßen,

Dérer
Antwort von Monika Lazar
1Empfehlung
11.09.2009
Monika Lazar
Sehr geehrter Herr Dérer,

was meine wichtigste politische Entscheidung war, kann ich nicht mit einem einzelnen Votum beantworten. Im Bundestag setze ich mich täglich mit Themen auseinander, die große Bedeutung für die Bevölkerung in Deutschland haben. Dessen bin ich mir bei jeder Entscheidung aufs Neue bewusst. Grundsätzlich möchte ich mit meinem Abstimmungsverhalten dazu beitragen, dass Menschen in unserem Land sozial, ökologisch und friedlich miteinander leben können.

Für meine persönlichen Stärken als Politikerin halte ich vor allem meine Bodenständigkeit und ein echtes Interesse am Dialog mit unterschiedlichen Menschen vor Ort. Es war mir stets wichtig, meinen Lebensstil nicht stark zu verändern, nachdem ich in den Bundestag eingezogen bin. So spiele ich beispielsweise immer noch in meinem lokalen Frauenfußball-Verein mit, besitze bis heute kein Auto, sondern nutze das Fahrrad und öffentliche Verkehrsmittel, habe auch sonst keine "Luxusgewohnheiten" angenommen. Den Interessen meiner Wählerinnen und Wähler fühle ich mich ehrlich verpflichtet. Dies führt auch schon mal dazu, dass ich selbst in der eigenen Fraktion nicht alle Entscheidungen mittrage, wenn sie meinem Gewissen widersprechen. Diese persönliche Zivilcourage halte ich für eine wichtige Eigenschaft in der Politik wie im Leben überhaupt. Bei diesen Punkten lasse ich es bewenden, da es nicht umsonst heißt: "Eigenlob stinkt." Viel mehr interessiert mich, wie die anderen Menschen mich sehen, um deren Vertrauen ich werbe. Statements über meine Inhalte und meinen Politikstil können Sie auf meiner Unterstützerseite nachlesen: www.monika-lazar.de

Mit freundlichen Grüßen
Monika Lazar
X
Antwort empfehlen
Frage zum Thema Wirtschaft
08.09.2009
Von:

Sehr geehrte Frau Lazar,

ich würde gerne wissen, ob soziale und ökologische Kriterien im öffentlichen Beschaffungswesen Berücksichtigung finden. Wird beim Einkauf z.B. von Büromaterialien, Kaffee, etc. für den Bundestag auf Nachhaltigkeit, gerechte Löhne und Arbeitszeiten geachtet ?
Wenn nein, warum nicht? Würden Sie sich als Abgeordnete für faire Beschaffung einsetzen?

Mit freundlichen Grüßen,
Antwort von Monika Lazar
1Empfehlung
10.09.2009
Monika Lazar
Sehr geehrte Frau ,

gerne beantworte ich Ihre Anfrage zum Beschaffungswesen des Deutschen Bundestages.

Bei der Strom- und Papierversorgung konnten wir in den letzten Jahren unsere ökologischen Forderungen durchsetzen. Der Stromverbrauch des Deutschen Bundestages und seiner Liegenschaften beträgt insgesamt etwa 40 Millionen Kilowattstunden pro Jahr. Davon werden gut 30% in hauseigenen Blockheizkraftwerken sowie durch Fotovoltaikanlagen auf den Parlamentsneubauten selbst erzeugt. Nach Bestrebungen der grünen Bundestagsfraktion wird der Restbedarf nicht mehr mit klimaschädlichem Strom sondern vom Ökostromversorger Lichtblick mit regenerativ erzeugter Energie gedeckt.

Das Kopierpapier des Deutschen Bundestages besteht zu 100 Prozent aus recyceltem Material.

Noch keine größeren Erfolge konnten wir beim Catering erzielen. Dieses wird durch ein Privatunternehmen bereitgestellt, welches der Auffassung ist, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter höhere Preise für Mittagessen oder Kaffee in Bioqualität nicht akzeptieren würden. Hier bleibt unser Betriebsrat weiter dran.

Der Großteil der Anschaffungen von Büromaterialien, Druckerzeugnissen etc. liegt in der Eigenverantwortlichkeit der Fraktionen und der Büros der Bundestagsabgeordneten. Zur Handhabe der anderen Fraktionen kann ich keine Angaben machen. Die Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen ist bestrebt Kriterien der Nachhaltigkeit und Lohngerechtigkeit zu erfüllen. Hier wurde vor kurzen auch eine Handreichung an alle lokalen Gliederungen unserer Partei im Bundesgebiet versendet, in dem Tipps zum ökologischen und nachhaltigen Beschaffungswesen gegeben wurden.

Mit freundlichen Grüßen

Monika Lazar
X
Antwort empfehlen
Frage zum Thema Bildung und Kultur
10.09.2009
Von:

Hallo Frau Lazar,
nachdem ich Ihre Meinungen zu verschiedenen Themen gelesen habe und feststellte, dass wir in vielem übereinstimmen, bleiben dennoch einige Fragen offen:
Warum stimmen Sie dem EU- Betritt der Türkei zu? Ich erinnere an das Blutbad, dass ein eifersüchtiger Mann bei einer Hochzeit erst vor ein paar Monaten anrichtete. Wie sieht es mit dem Denken außerhalb von Istanbul und anderen größeren Städten aus? Wenn die Türkei beitritt, dann sind alle beteiligt, auch die Leute, die Selbstjustiz ausüben. Ist der Weg dahin nicht erst zunächst durch Angleichung an ein westlicheres Denken und Handeln auf humanitärer Basis notwendig? Wie sollte das stattfinden?

Sie sind weiterhin für die Erhöhung der Hartz IV Regelsätze. Gleichzeitig auch für ein Grundgeld für jeden. Zweiteres finde ich auch besser. Wie sollte man bei erhöhtem ALG II Geld noch begründen, warum man dann im Vergleich zum NIchtarbeiter kaum mehr Geld zur Verfügung hat. Ich bin kein FDP- anhänger, aber der Satz stimmt, dass sich Arbeit lohnen muss. Bei jeglicher Ideologie meinem Job gegenüber will ich aber auch entsprechend eine Bezahlung erhalten, die mich von denjedniger unterscheidet, die ihn eben nicht machen, die nicht dafür studiert haben. Wie sehen Sie die Chancen, in der nächsten Legislaturperiode den Weg für eine Grundrente zu ebnen?

Als letztes noch zur Betreuungssitution der Kinder in Leipzig. Eine Katastrophe- sage ich aus der eigenen Erfahrung der letzten Monate. Der Run auf Krippenplätze ist eine Zumutung, ein garantiertes Krippenplatz ab evtl. 2012 nützt da auch nix. UNd das entstandene Elternportal ist eine Farce. Da konnte ich einen Platz reservieren, den es gar nicht gab. Wie kann die Situation verbessert werden? Mein Mann und ich gehen beide Vollzeit arbeiten und fragen uns jetzt schon, wie es wohl Ende nächsten Jahres mit einem Kitaplatz wird. Ein neuer wurde direkt bei uns gebaut, rein gekommen sind wir nicht. Die privaten Einrichtungen arbeiten weiter mit Warteliste. Wie ist eine Veränderung da denkbar?

Viele Grüße J.
Antwort von Monika Lazar
bisher keineEmpfehlungen
21.09.2009
Monika Lazar
Sehr geehrte Frau ,

es freut mich zu lesen, dass wir in vielen Punkten übereinstimmen. Gerne lasse ich Ihnen meine Position zu Ihnen Fragen zukommen, vielleicht finden sich ja noch mehr Übereinstimmungen.

Die Erweiterungspolitik ist eines der erfolgreichsten friedenspolitischen Instrumente der Europäischen Union. Sie hat den Weg vieler Staaten in stabile Demokratien und funktionierende Marktwirtschaften maßgeblich unterstützt. Bisherige Erweiterungen haben unseren Erwartungen entsprochen: mehr Frieden und Freiheit, mehr Handel und Rechtssicherheit. Wir unterstützen die Beitrittsverhandlungen mit der Türkei; sie wurden einstimmig eröffnet und müssen fair und ehrlich geführt werden. Der Weg der Türkei in die Europäische Union trägt bei zu Stabilität und Frieden in der Region und zur Demokratisierung der Türkei. Privilegierte Partnerschaft ist keine Alternative, denn die hat die Türkei schon mit Zollunion (seit 1995) und Assoziierung (seit 1963).

Das von Ihnen angesprochen Blutbad in der Türkei hat auch mich sehr bewegt. Doch leider gibt es solche Vorfälle auch in Deutschland. Geben Sie in einer Internetsuchmaschine nur einmal das Stichwort "Familiendrama" ein und Sie werden viele schlimme Fälle mit deutschen Opfern und Täterinnen und Tätern finden. Oftmals sind sie mit den Taten vergleichbar, die bei türkischstämmigen Täterinnen und Tätern als "Ehrenmorde" chiffriert werden. Die Menschen in der Türkei und Deutschland sind meiner Meinung nach nicht derart verschieden, dass man nicht in einer Europäischen Union zusammen leben könnte.

Ich setze mich für ein bedingungsloses Grundeinkommen ein, weil nicht nur in Zeiten der aktuellen Wirtschafts- und Finanzkrise deutlich wird, wie wichtig für unsere Gesellschaft eine soziale Absicherung ist, die Ängste und Unsicherheiten nimmt. Immer mehr Menschen werden in Deutschland langfristig vom Arbeitsmarkt und somit auch von den arbeitsmarktzentrierten sozialen Sicherungssystemen ausgeschlossen. Ein Umdenken in der Sozialpolitik wird notwendig, damit vielfältige Lebensentwürfe möglich sind. Es entstünden neue Spielräume für nützliche aber unbezahlte Arbeit: Zeiten der Weiterbildung, Projektarbeit, Familien- und Pflegezeit - also Tätigkeiten außerhalb des regulären Arbeitsmarktes müssen besser anerkannt und abgesichert werden. Mich überzeugt an einem Grundeinkommen die Autonomie also die Selbstbestimmung und die gleichzeitige universelle Absicherung gegen Armut. Wie auch immer ein Grundeinkommen zukünftig umgesetzt wird, Bedingungslosigkeit, Individualität der Ansprüche und eine Höhe, die gesellschaftliche Teilhabe ehrlich ermöglicht, sind für mich entscheidend. Ob und wie für die Umsetzung Möglichkeiten bestehen, entscheiden am 27. September die Wählerinnen und Wähler.

Um die Betreuungssituation in Kindertagesstätten zu verbessern, schlagen wir eine Reform der Wartelisten vor. Das Online-Portal der Stadt Leipzig hat zu viele Mängel. Unser Vorschlag ist, dass Eltern, die länger warten, bevorzugt einen Platz erhalten. Bei der Anmeldung über das städtische Online-Portal wird die Wartedauer bisher nicht berücksichtigt. Laut einem Bericht der Leipziger Volkszeitung ist außerdem nur die Hälfte der eingetragenen Kindertagesstätten freigeschaltet. Nach Angaben des Gesamtelternrates haben zahlreiche Kindertagesstätten Probleme, sich in das System einzutragen. Sie sollen technische Unterstützung erhalten.

Viele Grüße
Monika Lazar
X
Antwort empfehlen
Frage zum Thema Soziales und Familie
18.09.2009
Von:

Sehr geehrte Frau Lazar,

Ein großes Problem ist die Abwanderung junger Menschen in den Westen. Wer heute in Stuttgart oder München zum Bäcker oder zur Bank geht , wird dort auffällig häufig von ehemaligen Ostdeutschen begrüßt. In manchen Landkreisen im Osten sinkt vor allem der Anteil junger Frauen dramatisch. Nur zur Erinnerung: Das sind diejenigen, die die kommenden Generationen auf die Welt bringen. Selbst westdeutsche Studenten, die an ostdeutsche Unis kommen verlassen diese nach Studienende häufig wieder und gehen zurück ins Ruhrgebiet, nach Hamburg, Frankfurt oder Süddeutschland.
Was wollen sie dagegen tun?

Ich bin gespannt auf ihre Antworten!
Mit freundlichen Grüßen,

F.
Antwort von Monika Lazar
bisher keineEmpfehlungen
21.09.2009
Monika Lazar
Sehr geehrte Frau ,

mir liegt Ihr Anliegen sehr am Herzen. Ich selbst komme aus Ostdeutschland und kenne die Problematik sehr gut. Auch meine Familie ist betroffen. Mein Bruder findet trotz erfolgreicher Promotion keine Stelle in Sachsen und ist gezwungen in den alten Bundesländern zu arbeiten, obwohl er gerne zurückkehren würde.

Prinzipiell finde ich es unterstützenswert, wenn junge Menschen in anderen Regionen und Ländern Erfahrungen sammeln können, da dies z.B. die interkulturellen Kompetenzen stärkt. Doch sollten diese Horizonterweiterungen freiwillig unternommen und nicht durch drohende Arbeitslosigkeit aufgezwungen werden.

Ich möchte dazu beitragen, Ostdeutschland als Lebens- und Arbeitsraum so attraktiv zu machen, dass junge Menschen hier bleiben, wiederkommen oder auch ganz neu herziehen können. Wir sächsischen Grünen haben uns in unserem Programm zur Landtagswahl dafür eingesetzt, die Abwanderung, besonders von jungen Frauen, zu bremsen.
Die Grüne Bundestagsfraktion hat im Dezember letzten Jahres eine Konferenz zum Thema Ostdeutschland durchgeführt auf der auch das Problem der Abwanderung diskutiert wurde. Unsere Fraktion hat daraus 16 Impulse für Ostdeutschland erarbeitet. Diese finden Sie hier:
www.gruene-bundestag.de

Viele Grüße

Monika Lazar
X
Antwort empfehlen
Frage zum Thema Soziales und Familie
23.09.2009
Von:
Dr.

Sehr geehrte Frau Lazar,

was halten Sie davon, Kinder direkt über die Eltern zu fördern, z.B. über ein Erziehungsgehalt oder ein Erziehungsgeld, anstatt auf dem Umweg über Beton (Kindergärten) und Bürokratie?

Diese Kosten ließen sich doch auf diesem Wege vermeiden und das ist etwa die Hälfte. Die Eltern könnten dann wirklich selbst entscheiden. Überall dort, wo viele KiTas in Deutschland sind, sind wenig Kinder (ehemalige DDR) und dort, wo weniger sind (Bayern, Baden-Würtenberg) werden mehr Kinder geboren. Alle Bemühungen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie (so wie es die CDU will) haben nur zu noch weniger Kindern geführt. Warum gehen Sie diesen Irrweg mit?

Hochachtungsvoll
Dr.
Antwort von Monika Lazar
bisher keineEmpfehlungen
25.09.2009
Monika Lazar
Sehr geehrter Herr ,

vielen Dank für Ihr Schreiben zum Thema Familienpolitik. Gerne möchte ich Ihnen meine Position dazu vorstellen. Tatsächlich ist es eine ganz zentrale Frage, wie wir Kinder und Familien fördern wollen. Bündnis 90/Die Grünen sind der Auffassung, dass eine angemessene materielle Förderung einher gehen muss mit einem hochwertigen Betreuungs- und Bildungssystem. Von letzterem sind Sie - zumindest in Bezug auf Kindergärten - anscheinend wenig überzeugt. So lese ich zumindest Ihre Gleichsetzung von Beton und Kindergärten. Ich komme hier - in Übereinstimmung mit etlichen ExpertInnen - zu einer anderen Einschätzung. Kindergärten bzw. Kindertagesstätten sind zentrale Orte zur Förderung und Bildung von Kindern. Zusätzlich des Lebens in der Familie erhalten sie dort wertvolle Erfahrungs- und Entfaltungsmöglichkeiten. Kitas sind wichtige Lernorte für Kinder, vor allem dann, wenn sie gute Bildungsangebote und flexible Betreuung miteinander verbinden.

Darüber hinaus wird es durch Kinderbetreuungsangebote für viele Eltern - insbesondere Mütter - überhaupt erst möglich, Familie und Beruf zu vereinbaren. Umfragen zeigen, dass sich der überwältigende Teil der jungen Menschen beides wünscht: die Gründung einer Familie und einen eigenen, erfolgreichen beruflichen Werdegang. Nicht zuletzt deshalb ist der Unmut über kaum vorhandene Betreuungsplätze für unter Dreijährige auch derart stark ausgeprägt. Daher ist der geplante Ausbau der Kinderbetreuung richtig, auch wenn es in einzelnen Punkten durchaus Kritik daran gibt.
Aus meiner Sicht ist es nicht ganz unproblematisch, den Erfolg von Familienpolitik an Geburtenquoten festzumachen. Hier spielen verschiedene Faktoren eine Rolle. Bündnis 90/Die Grünen sehen ohnehin keinen Eigenwert in gestiegenen Geburtenzahlen. Unser Augenmerk ist darauf gerichtet, die Kinder, die schon auf der Welt sind, möglichst gut zu unterstützen. Wenn man sich dennoch die Geburtenzahlen ansieht, so zeigt sich, dass sich die Quoten in Ost- und Westdeutschland mittlerweile angeglichen haben. Wenn man dann noch weitere Faktoren wie Arbeitslosigkeit, Einkommensverteilung etc. berücksichtigt, kann man eine negative Wechselbeziehung zwischen Kindergärten bzw. Kindertageseinrichtungen und Geburtenquoten eher ausschließen. Im internationalen Vergleich wäre sogar die umgekehrte Schlussfolgerung zu ziehen: Westliche Industriestaaten mit umfangreichen Kinderbetreuungsangeboten und hohen Frauenerwerbsquoten bei eher niedrigen Familientransfers haben die höchsten Geburtenquoten, die geringste (materielle) Kinderarmut und hohe Bildungsleistungen.

Bündnis 90/Die Grünen wollen Kinder materiell direkt fördern. Wie erwähnt sind wir der Meinung, dass wir neben einer qualitativ hochwertigen Betreuungs- und Bildungsinfrastruktur auch eine angemessene materielle Absicherung für Kinder brauchen. Die derzeitige materielle Familienförderung ist allerdings kompliziert, ungerecht und wenig zielgenau. Wir wollen das System daher grundsätzlich reformieren und vom Kopf auf die Füße stellen. Verschiedene bestehenden Leistungen wollen wir in eine Kindergrundsicherung münden lassen. Teile der Eheförderung würden in die direkte Förderung pro Kind fließen. Alle Kinder würden monatlich 330 € bekommen - wenn die Eltern sehr gut verdienen, würde sie sich durch Teilbesteuerung auf 280 € reduzieren. Dadurch würde jedes Kind einfach und unkompliziert gefördert und stünde endlich da, wo Kinder hingehören: Im Mittelpunkt unserer Aufmerksamkeit! Ein eigenständiges Erziehungsgehalt ist aus unserer Sicht hingegen wenig sinnvoll. Es ist erstens kaum finanzierbar. Sie deuten an, die Kosten für ein Erziehungsgehalt wären geringer als die Kosten für den Betreuungsausbau. Das ist nicht der Fall. Beispielsweise haben Schätzungen für das Weidener Modell ergeben, dass sich die Kosten auf etwa 90 Milliarden Euro belaufen würden. Wir halten es für notwendig, allen Bürgerinnen und Bürgern eine angemessene soziale Grundsicherung zu gewähren. Um aber den Staat finanziell überhaupt noch handlungsfähig zu halten, sollte der Lebensunterhalt primär über eigenes Erwerbseinkommen erwirtschaftet werden.

Mit freundlichen Grüßen

Monika Lazar
X
Antwort empfehlen
Ihre Frage an Monika Lazar
Sie befinden sich auf einer Archivseite. Die Fragefunktion wurde inzwischen geschlossen.