Lars Holster (SPD)
Abgeordneter Hamburg

Angaben zur Person
Geburtstag
19.11.1972
Berufliche Qualifikation
Versicherungskfm., Studium VWL/Germanistik auf Lehramt
Ausgeübte Tätigkeit
MdHB, Stellvertretender Schulleiter der Stadtteilschule Süderelbe
Wohnort
Hamburg
Wahlkreis
Bergedorf
Landeslistenplatz
29, über Liste eingezogen
(...) Der aktuell in der Partei und in der Öffentlichkeit diskutierte Mindestlohn liegt dabei bei 8,50 €. Für uns ist es wichtig, dass mit der Einführung des Mindestlohns vor allem prekäre Arbeitsverhältnisse ein Ende finden. In Deutschland gibt es noch immer Branchen und Arbeitgeber, die ihre Angestellten so gering entlohnen (weit unter dem Ansatz von 8,50 € pro Stunde), dass diese zusätzlich durch Grundsicherungsleistungen des Staates unterstützt werden müssen. (...)
Parlamentarische Arbeit
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Frage zum Thema Schulen
21.12.2013
Von:

Sehr geehrter Herr Holster,

als Vater einer sechsjährigen, schulpflichtigen Tochter wende ich mich an Sie mit einer Frage, die mich schon seit Jahren umtreibt, die aber erst jetzt in den Fokus des familiären Lebens getreten ist. Es geht um die Schulferien, genauer gesagt um die Frühjahrsferien. Letztere sind, so viel ich weiß, ein hamburgisches Unikum. Andere Bundesländer schicken ihre Kinder um Ostern herum in den Urlaub, zu einer Zeit also, in der gemeinhin die ersten warmen Tage zu genießen sind – wenn nicht hier, dann auf jeden Fall irgendwo in Südeuropa. Die Hamburger Frühjahrsferien indes fallen im nächsten Jahr auf die ersten beiden Märzwochen, also mitten in den Winter (Sie erinnern sich sicher noch an das diesjährige Schneegestöber zu jener Zeit). Warum also gibt es diese Regel in Hamburg? Warum werden die Kinder der Hansestadt grade in der trostlosesten Jahreszeit zweimal – zu Weihnachten und im März – in die Ferien geschickt? Bei meiner kleinen Recherche stieß ich auf den Begriff "Skiferien". Sollten die im März meist noch guten Pistenverhältnisse in den Alpen und das Hobby einiger weniger Betuchten dieser Stadt schuld sein, dass meine Tochter Anfang März in die Ferien geschickt wird? Wenn dem so ist, Herr Holster, halte ich so eine von Partikularinteressen geleitete Regel für grundverkehrt, da unsozial. Und ich denke, es müsste gerade im Interesse der SPD liegen, so eine Regelung zu ändern.
In diesem Sinne verbleibe ich mit hoffnungsvollen und freundlichen Grüßen, Ihr

Hess
Antwort von Lars Holster
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28.01.2014
Lars Holster
Sehr geehrter Herr Hess,

vielen Dank für Ihre Frage an mich, auf die ich Ihnen gerne antworten möchte.

In der Tat ist es so, dass die Hamburger Frühjahrsferien zeitlich früher liegen als die Osterferien vieler Bundesländer. Dies hat natürlich auch Folgen für das Wetter, in den Ferien.
Es trifft sicherlich zu, dass die Wetterverhältnisse zur Zeit der Hamburger Frühjahrsferien im Durchschnitt der Jahre ungünstiger sind, als um die Zeit des Osterfestes, welches frühestens auf den 22. März und spätestens auf den 25. April fällt.

Die Lage eines Ferienzeitraumes richtet sich jedoch nicht nach den Wetterbedingungen.

Die Hamburger Frühjahrsferien verkürzen den Unterrichtszeitraum zwischen den Weihnachtsferien und Ostern. So entspricht der Zeitraum zwischen den Weihnachts- und den Frühjahrsferien ungefähr den Zeiträumen zwischen den übrigen Ferien.

Somit sind in Hamburg die Ferienzeiträume regelmäßiger verteilt als in anderen Bundesländern. Die Unterrichtszeiträume zwischen den Ferien betragen in Hamburg ungefähr zwei Monate. In diesem Jahr sind es in Baden-Württemberg beispielsweise ca. 3,5 Monate zwischen Winter- und Osterferien. Das ist eine sehr lange und krankheitsanfällige Zeit für die Familien.

Da ich nicht nur Abgeordneter der Hamburgischen Bürgerschaft bin, sondern auch aus der Praxis als Lehrer und stellvertretender Schulleiter einer Stadtteilschule, kann ich berichten, dass diese gleichmäßigen Zeiträume für die schulische Organisation von großem Vorteil sind. Für Schülerinnen und Schüler ist ein Unterrichtszeitraum von 3 Monaten und mehr ohne Ferienunterbrechung eine hohe Belastung. Insofern richten sich die Hamburger Ferientermine nicht nach den Wetterbedingungen, sind aber meiner Meinung nach dennoch im Interesse der Schülerinnen und Schüler.
 
Bei den Frühjahrsferien handelt es sich um eine alte Hamburger Tradition, die seit den 1960iger Jahren praktiziert wird. Eine Bürgerbefragung hat ergeben, dass die Mehrheit der Hamburger Bürger diese Ferienzeitregelung begrüßt. Diese Ferienregelung lässt es zu, dass in Hamburg die sogenannten Maiferien eingeführt wurden, die sich großer Beliebtheit erfreuen.

Ich hoffe ich konnte Ihnen mit meiner Antwort die Gedanken verdeutlichen, die hinter der Hamburger Ferienzeitregelung stecken.

Für Rückfragen stehen ich und mein Abgeordnetenbüro Ihnen gerne zur Verfügung. Ich wünsche Ihnen und Ihrer Familie alles Gute.

Mit freundlichen Grüßen
Lars Holster
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Frage zum Thema Bildung und Forschung
18.04.2014
Von:

Sehr geehrter Herr Holster,

bisher konnten Grundschullehrer in Hamburgs Schulen selbst entscheiden, mit welcher Methode sie Schülern Lesen und Schreiben beibringen. Mein Sohn wurde nach Jürgen Reichen (Lesen durch Schreiben) unterrichtet und hatte schnell einen Stempel (LRS). Förderung max. 1 Std. pro Woche. Er hat einen IQ von 115. Hätte ich nur meinem Bauchgefühl vertraut, dass die Methode nicht die richtige war, aber die Lehrerin beschwichtigte und ich vertraute ihr. Seit dem schnitt mein Sohn bei der HSP stets etwas besser als 5 Prozentpunkte ab. In der 6. Klasse rutschte er unter 5 und bekommt nun ein Jahr die dringend benötigte Lerntherapie bezahlt. Sie wird nur bis zur 6. Klasse gewährt - also kommt er ein Jahr in diesen Genuss. Das wird seine Defizite nicht ausgleichen. Wahrscheinlich wird er keinen Schulabschluss erreichen, obwohl wir kein bildungsferner Haushalt sind. Mein Sohn wird nicht der einzige Betroffene sein. Warum hat der Senat so lange zugesehen? Hier wurden ohne Not zukünftige Hartz 4 Empfänger herangezüchtet. Bereits 2004 wurde die Marburger Studie veröffentlicht. Die Ergebnisse der Studie belegen beispielsweise, dass der Unterricht mit "Lesen durch Schreiben" 16 % rechtschreibschwache Kinder produziert hat. Nach Klasse 2 steigt die Zahl der geschädigten Kinder auf dramatische 23 % an. Mein Sohn wurde 2007 eingeschult! Jürgen Reichen war in der Hamburger Lehrerfortbildung tätig-ein charismatischer Mensch. Es gibt also viele Geschädigt. Viel zu spät wurde seine Methode in Hamburg verboten. Die Schulen können selbst entscheiden, ob sie Lehrer, Lerntherapeuten oder Oberschüler in der Förderung einsetzen. Mein Sohn war an drei Schulen. An einer Schule war der Unterricht/die Förderung sehr gut, an den beiden anderen wirklich sehr schlecht. Eine der letzteren soll meinen Sohn zum Schulabschluss führen. Fördern statt wiederholen? - das machen Oberstufenschüler! Soll man den Schulen weiterhin diese Freiheiten lassen?

Herzlicher Gruß
Antwort von Lars Holster
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14.05.2014
Lars Holster
Sehr geehrte Frau ,

zunächst möchte ich auf Ihre kritischen Ausführungen zur Methode "Lesen durch Schreiben" eingehen und danach aufzeigen, welche weiteren Unterstützungsmöglichkeiten es für Ihren Sohn geben könnte.

Schon zum Zeitpunkt der Einschulung Ihres Sohnes war die ausschließliche Anwendung der umstrittenen Methode "Lesen durch Schreiben" in Reinform nicht zulässig. Im damals gültigen Rahmenplan Deutsch von 2003 steht im Kapitel "Lesen und Schreiben im Anfangsunterricht", richtig schreiben lernen:
"Der Anfangsunterricht regt die Kinder durch das gemeinsame Nachdenken über Schreibweisen, durch die kontinuierliche Erarbeitung und Sicherung eines Rechtschreib-Grundwortschatzes, durch vielfältige Übungen sowie durch verstehendes Abschreiben dazu an, rechtschriftliche Strukturen der Schrift zu durchschauen. Damit fordert der Unterricht die Kinder heraus, ihr anfänglich meist an der Artikulation orientiertes Schreiben zunehmend der Norm anzunähern und langfristig orthografisch richtig zu schreiben" (S. 13).

Einschlägige Untersuchungen haben gezeigt, dass die Kompetenz des Unterrichtenden und ein strukturierter Unterricht für den Lernerfolg größeres Gewicht haben als die eingesetzte Methode. Methoden haben zumeist Vor- und Nachteile, die es jeweils abzuwägen und auszugleichen gilt. So finden sich inzwischen auch in vielen Fibellehrwerken Anleihen an unterschiedliche Methoden.
Es gibt eine ganze Reihe von Erkenntnissen zum Schriftspracherwerb, auf denen der aktuelle Bildungsplan Grundschule Deutsch von 2011 beruht. Demzufolge ist die Arbeit mit Anlauttabellen in der Anfangszeit ein geeignetes Mittel für das freie Schreiben von Anfang an, dem - vor allem in Bezug auf die Motivation - hohe Bedeutung zukommt. In der deutschen Rechtschreibung spielen weitere Prinzipien eine zentrale Rolle. Es ist daher unabdingbar, dass Kindern bereits zu einem frühen Zeitpunkt die Möglichkeit gegeben wird, Schriftstrukturen zu entdecken und mit rechtschriftlich korrekten Schreibweisen vertraut zu werden. So­wohl ein alleiniger und längerfristiger Einsatz der sog. Reichen-Methode als auch der Einsatz jeder anderen Methode, die diesen Grundsätzen nicht entspricht, würde den Festlegungen des Bildungsplans entgegenstehen.

Die Behörde für Schule und Berufsbildung wird zur Verdeutlichung der geltenden Grundsätze vor dem Hintergrund der aktuellen Diskussion um die Rechtschreibleistungen zum kommenden Schuljahr eine Handreichung zur Rechtschreibung für alle Lehrkräfte der allgemeinbildenden Schulen vorlegen.

Ich möchte nun auf die von Ihnen geschilderte Lernentwicklung Ihres Sohnes eingehen. Ihren Informationen entnehme ich, dass die Schulen, die Ihr Sohn besucht hat bzw. z. Zt. besucht, im Rahmen der Vorgaben (Hamburger Sprachförderkonzept, Richtlinie zur Förderung von Schülerinnen und Schülern mit besonderen Schwierigkeiten im Lesen, Rechtschreiben oder Rechnen) zur Förderung beigetragen haben und aktuell eine außerunterrichtliche Lernhilfe (AuL) gewährt wird.

Dabei muss der von Ihnen angedeutete ursächliche Zusammenhang zwischen der angewandten Methode "Lesen durch Schreiben" und der bei Ihrem Sohn identifizierten Lese-Rechtschreib-Schwäche nicht zwingend gegeben sein. Als vordringlicher gegenüber einer Forschung nach möglichen Ursachen sehe ich zum jetzigen Zeitpunkt eine wirkungsvolle Unterstützung der weiteren Lernentwicklung Ihres Sohnes an.

Hierzu gehört nach der oben zitierten Richtlinie neben den schulischen Fördermaßnahmen auch eine abgestimmte Zusammenarbeit mit den Sorgeberechtigten. Die Schule informiert zu diesem Zwecke die Eltern u. a. über besondere Lehr- und Lernmittel, geeignete Fördermaterialien sowie über altersgemäße häusliche Unterstützungsmöglichkeiten. Vielleicht gibt es in diesem Bereich noch weitere Handlungsmöglichkeiten seitens der Schule.

Sollten Sie mit der Förderung durch die aktuelle Schule Ihres Kindes nicht zufrieden sein, möchte ich Sie ermutigen, das Gespräch mit der Schule zu suchen und sich beraten zu lassen. Ebenso können Sie sich direkt an das für die Schule Ihres Kindes zuständige Regionale Bildungs- und Beratungszentrum (ReBBZ) wenden. Auch dort werden Eltern beraten.

Auf Ihre Befürchtung, dass Schülerinnen und Schüler mit einer Lese-Rechtschreibstörung keinen Schulabschluss erreichen, möchte ich mit dem Hinweis antworten, dass es Schülerinnen und Schüler mit Beeinträchtigung der Entwicklung der Lesefertigkeit und der Rechtschreibfähigkeiten gibt, die die Schulabschlüsse bis hin zum Abitur ablegen. Hier unterstützt der vorgesehene Nachteilsausgleich; auch hierzu kann eine Beratung durch das ReBBZ erfolgen.

Mit freundlichen Grüßen

Lars Holster
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Frage zum Thema Bildung und Forschung
21.05.2014
Von:

Sehr geehrter Herr Holster,

ich wende mich an Sie wegen zwei Fragen:

Zunächst einmal bin ich Lehrer an einer Hamburger Stadtteilschule und werde demnächst mit meiner Profilgruppe eine Studienreise nach Prag machen. Was mich doch sehr wundert, ist die Tatsache, dass ich den Lehreranteil der Reise partiell selber zahlen muss. Jetzt mache ich die Reise zwar gerne mit meinen Schülern, nichtsdestotrotz mache ich die Reise nicht aus privaten, sondern sehr wohl aus dienstlichen Gründen. Es wird für mich keine Vergnügungsreise, derweil ich als Lehrer für meine Schüler mehr oder weniger 24 Stunden am Tag da sein muss. Daher würde ich gerne von Ihnen wissen: Warum müssen Lehrer Klassenreise selber zahlen? Ich bezweifle, dass Sie als Abgeordneter Dienstreisen aus eigener Tasche zahlen müssen. In der Wirtschaft ist es beispielsweise normal, dass die Arbeitnehmer nicht nur die Reise bezahlt bekommen, sondern auch eine Art Entschädigung zahlen.

Meine zweite Frage bezieht sich auf die ehemaligen Aufbau-Gymnasien. Ich bin an einer solchen Schule tätig. Diese hat seit drei Jahren auch fünfte Klassen. Der Schulhof ist jedoch nur für Bedürfnisse einer fast reinen Oberstufenschüler ausgelegt. Spielgeräte wie Rutschen und Schaukeln sucht man vergeblich. Gibt es für Schulen, die früher keine Schulkinder hatten, Gelder, um den Schulhof entsprechend zu gestalten? Insbesondere in Schulen mit sozialen Brennpunkten ist m.E. eine Mindestausstattung der Schulhöfe dringend angebracht.

Ich danke Ihnen für Ihre Antworten im Voraus und verbleibe mit besten Grüßen,
Kegle
Antwort von Lars Holster
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14.07.2014
Lars Holster
Sehr geehrter Herr ,

vielen Dank für Ihre Fragen, auf die ich Ihnen gerne antworten möchte.

Zunächst zu Ihrer ersten Frage bezüglich der Kosten für Dienstreisen. Gemäß den "Richtlinien für Schulfahrten" in der Fassung vom Oktober 2006 handelt in Fällen wie dem Beschriebenen nach Punkt 3.3 um Dienstreisen im Sinne des § 2 Hamburgisches Reisekostengesetzes. Alles nähere hierzu wird durch die "Bestimmungen über die reisekostenrechtliche Erstattung von Aufwendungen für Schulfahrten" geregelt. Für die Abrechnung von Schulfahrten gibt es ein Antragsformular, welches in der Schule ausgefüllt und abgegeben werden kann. Nach Einreichen eines solchen Antrags können Kosten unter Umständen übernommen werden.

Zu Ihrer zweiten Frage, wie der Schulhof im Interesse jüngerer Schulkinder umgestaltet werden kann. Hier zu empfiehlt es sich, mit dem entsprechenden Wunsch an die Schulleitung heranzutreten. Die Schulleitung verantwortet selbst den sogenannten "Selbstbewirtschaftungsfond (SBF)". Über diesen SBF können beispielsweise auch neue Spielgeräte angeschafft oder die Umgestaltung des Schulhofs finanziert werden. In vielen Schulen ist bereits gängige Praxis, zur Schulhofgestaltung eigene Mittel bereit zu stellen. Dies kann z.B. über ein Schülerprojekt zur "Schulhofverschönerung" unterstützt oder initiiert werden.

Ich wünsche Ihnen weiterhin alles Gute.

Mit freundlichen Grüßen
Lars Holster
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Frage zum Thema Bildung und Forschung
10.06.2014
Von:

Sehr geehrter Herr Holster,
danke, dass Sie sich die Zeit für so eine ausführliche Antwort genommen haben. Ich möchte dazu noch ein paar Anmerkungen machen.
Sie schreiben, dass einschlägige Untersuchungen gezeigt haben, dass die Kompetenz des Unterrichtenden und ein strukturierter Unterricht für den Lernerfolg größeres Gewicht haben als die eingesetzte Methode. Dem kann ich nicht zustimmen und ich hatte ihnen beispielhaft die Marburger Studie genannt. Nennen sie mir bitte mal eine Untersuchung bei der Schüler, die im Anfangsunterricht mit lautgetreuem Schreiben gelernt haben, am Ende einer beliebigen Klassenstufe gleiche oder sogar bessere Rechtschreibkenntnisse als die Vergleichsgruppe hatten. Dass das lautgetreue Schreiben ungeeignet ist, hat nun auch der Senat erkannt. Letzte Woche gab es die Pressemitteilung, dass lautgetreues Schreiben im Anfangsunterricht in Hamburg nicht mehr unterrichtet werden darf. Ich finde das großartig!
Zu meinen Befürchtungen, mein Sohn würde evt. keinen Schulabschluss erreichen, antworteten sie mir, dass man mit LRS sogar Abitur machen kann. Das stimmt – theoretisch ist das möglich, und einige schaffen das. Sie wissen, dass die Praxis so aussieht: Legasthene Jugendliche haben häufiger einen niedrigeren Schulabschluss als andere Jugendliche. Ihr Berufsausbildungsniveau ist geringer als das Gleichaltriger, einen akademischen Abschluss erreichen sie nur selten, und die Arbeitslosenquote betroffener Erwachsener ist erhöht. Darüber gibt es Studien, Herr Holster.
Eine Frage hätte ich noch: Gibt es Richtlinien zum Förderunterricht, z.B. wer ihn durchführen darf?

Ich wünsche Ihnen bei ihrer politischen Arbeit weiterhin viel Erfolg.
Mit freundlichen Grüßen
Antwort von Lars Holster
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14.07.2014
Lars Holster
Sehr geehrte Frau ,

vielen Dank für Ihre Nachfrage zum Thema "Rechtschreiblernen" im Anfangsunterricht der Grundschule. Sie baten mich noch einmal zu begründen, warum ich für den Lernerfolg z.B. der Kompetenz der Lehrkraft und dem strukturierten Stundenaufbau ein höheres Gewicht zuschreibe als der eingesetzten Methode.

Interessant ist beispielswiese die Studie "Lernförderlicher Unterricht" (2001) von Peter May, die die Ergebnisse des Hamburger Projekts "Lesen und Schreiben für alle" auswertet und präsentiert. Die Studie kommt in der Tat zu dem Ergebnis, dass offene Methoden (wie z.B. "Lesen durch Schreiben") vielen Kindern mit schwachen Voraussetzungen mehr Probleme bereiten als andere Methoden. Insoweit stimmt dies mit den Ergebnissen der von Ihnen angesprochenen Marburger Studie (2005) überein.
Die Studie "Lernförderlicher Unterricht" kommt allerdings darüber hinaus zu dem Ergebnis, dass diese Unterschiede im Laufe der Grundschulzeit verschwinden. Begründet wird dies in der Studie damit, dass andere Faktoren etwa ab der 3. Klasse eine wichtigere Rolle spielen als die eingesetzte Methode: Hierzu werden z.B. Unterrichtsqualität, erworbenes Vorwissen der Kinder, Elternunterstützung und das Lehrerfeedback genannt. Alle diese Einflüsse sind gemäß Mays Studie wichtiger anzusehen als die eingesetzte Methode.

Sie haben sicherlich recht, dass es viele Methoden gibt, die nicht für alle Schülerinnen und Schüler gleich gut geeignet sind. Insofern sehe ich die angesprochene Methode "lautgetreues Schreiben" keinesfalls als bestmögliche Methode an und es sollte wohl überlegt werden, welche Schülerinnen und Schüler vom Einsatz dieser Methode profitieren. Andererseits lässt sich festhalten, dass es Schülerinnen und Schüler gibt, die von dieser Methode profitieren und durch diese einen Lernerfolg verzeichnen. Daher stellt sich mir die Frage, ob es - im Rahmen des Methodenpluralismus - wirklich sinnvoll ist, eine Methode zu verbieten, die einigen (wenn auch sicher nicht allen) Schülerinnen und Schüler helfen kann.
An dieser Stelle ist die angesprochene Kompetenz der Lehrkraft gefordert zu erkennen, welche Methode für welche Schülerinnen und Schüler sinnvoll erscheint oder nicht. Sollte eine Lehrkraft aber zu dem Schluss kommen, dass ein Kind durch eine bestimmte Methode die größten Lernerfolge erzielt, erschließt sich mir nicht, warum man den Einsatz dieser Methode grundsätzlich verbieten sollte.

Weitere Details zur Studie von Peter May finden Sie hier:

Peter May: Lernförderlicher Unterricht. Teil 1: Untersuchungen zur Wirksamkeit von Unterricht und Förderunterricht für den schriftsprachlichen Lernerfolg. Frankfurt/M., Berlin, Bern, Bruxelles, New York, Oxford, Wien [Peter Lang] 2001, S. 178-185

Mit freundlichen Grüßen
Lars Holster
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