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Geehrte Frau Müller,
gibt es nicht genügend Möglichkeiten, auch außerhalb einer Schule gemeinsam zu lernen und vielfältige soziale Kontakte zu knüpfen? Als Schüler einer Minderheit hatte ich in den zwei von mir besuchten Schulen niemals den Eindruck, dass Weltanschauung und Lebensstil der Mitschüler wirklich als "vielfältig" zu bezeichnen wären. Ein gemeinschaftliches Lernen kam selbst unter Freunden bestenfalls für eine kurz bevorstehende Klausur zustande.
Tut man denn mit einer hier doch sehr rigoros gehandhabten Schulpflicht jedem Kind und Jugendlichen einen Gefallen? Wenn Eltern ihren Kindern keinen Gefallen mit Lernen daheim tun, warum sollte dann ausgerechnet die vom Staat verordnete Schule zum Wohlgefallen der jungen Menschen sein?
Werden Kinder überhaupt angehört? In genügend Fällen haben doch schon Kinder bestätigt, dass sie selbst nicht die Schule besuchen oder an bestimmten Gruppenangeboten teilnehmen wollen. Warum wird hierbei grundsätzlich eine Manipulationstätigkeit der Familie unterstellt, der gegenüber sich der Staat behaupten muss, weil die Kinder angeblich zu keinem eigenen Urteil in der Lage sind?
Und ein Jugendlicher? Um die Entscheidung bzw. den Wunsch eines angehenden Erwachsenen kümmert sich dabei doch ebenso wenig irgendjemand. Grundsätzlich weiß "die Allgemeinheit" oder der "Staat" ja besser, was für den Einzelnen das Beste ist, selbst dann, wenn es gegen vitale Interessen spricht.
Sehen Sie nicht einen Weg, auch im Bildungsbereich Partizipation und Selbstbestimmung junger Menschen zu stärken? Diese Programmatik kann in der Bildung doch nur mit einhergehender Anerkennung anderer Lernformate als dem der Schule ermöglicht werden.
Welche Möglichkeiten erkennen Sie für Opfer von Mobbing, Gewalt und Intoleranz an Schulen? Was ist machbar, was sollte verbessert werden? Jedenfalls ist die momentane Rechtslage für Schulgeschädigte (durch Schulsituation Erkankte) nicht vorteilhaft.
MfG
hebr.

/ gr. Tobias