Sehr geehrter Herr

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vielen Dank für Ihre Fragen, auch wenn die Umweltpolitik nicht mein Spezialgebiet ist, gebe ich Ihnen gerne eine persönliche Einschätzung dazu. Gleich zu Beginn möchte ich Ihnen widersprechen, denn die Politik orientiert sich immer mehr am Willen des Volkes. Das perfekte Beispiel dafür ist der Atomausstieg. Die Bundesregierung ist da dem Wunsch des Volkes nachgekommen, aus dieser Energiegewinnung auszusteigen. Die Konsequenzen, die sich daraus ergeben, müssen wir jetzt gemeinsam schultern. Wir brauchen, gerade in einem energieintensiven Bundesland wie Hessen, eine stabile und verlässliche Energieversorgung.
Dazu zählt, auch wenn ich ihre Bedenken da nachvollziehen kann, selbstverständlich auch die Windkraft. Wir können nicht einfach alle Kernkraftwerke und die größten Kohlekraftwerke vom Netz nehmen und uns dann noch gegen Windkraft oder andere Energien aussprechen, die unsere Landschaft sicherlich verändern werden. Da müssen wir realistisch sein und die eine oder andere Veränderung der Landschaft akzeptieren.
Die hessische Umweltministerin hat, um einer "Verspargelung" der hessischen Landschaft entgegenzuwirken, das sogenannte Windkataster erstellt und im Winter 2011 vorgestellt. Darin wird ersichtlich, an welchen Stellen sich der Einsatz von Windrädern überhaupt rechnet. Im Internet können sie das Kataster und die dazugehörige Windkarte ebenfalls finden. (
www.energieland.hessen.de ) Anhand dieser Karte kann man gut erkennen, wo es überhaupt Potential für Windräder in Hessen gibt. Die ergiebigsten Flächen liegen demnach in den Kreisen Fulda, Lahn-Dill und Rheingau-Taunus. Für die Auswahl eines Windparks gelten aber noch weitere Bedingungen, dazu gehören unter anderem die Abstandsregelung zu bebauten Flächen, zu Straßen, der grundsätzliche Ausschluss von Naturschutzgebieten, Naturdenkmälern und Nationalparks sowie Aspekte des Vogelschutzes. Wir werden einen Umbau unseres Energiesystems (den wir mittelfristig zweifelsfrei brauchen, allein schon, weil die fossilen Ressourcen zu Neige gehen) nicht ohne Windenergie auskommen. Es ist dabei unerlässlich, auch "Wind im Wald" zu nutzen, wo dies unter Aspekten des Natur- und Landschaftsschutzes möglich und sinnvoll ist. Wir stehen hier in engem Kontakt mit Förstern, Waldbesitzern und Naturschutzverbänden.
Ich glaube nicht, dass Anlagen mit einer Nabenhöhe von 300m bei uns entstehen werden. Eine Entwicklung hin zu derart hohen Anlagen ist nicht absehbar, da der zusätzlich Nutzung bei den aktuellen Höhen an Grenzen stößt. Daher sind Anlagen mit 300m Nabenhöhe nicht zu erwarten. Ich sage aber auch, nicht die Höhe der Anlage ist entscheidend, sondern die mit ihr verbundene Beeinträchtigung. An manchen Punkten kann schon eine 50m hohe Anlage unerträglich wirken, an anderen Stellen mit genügend Abstand zu bewohntem Gebiet, können auch größere Anlagen ohne besondere Beeinträchtigung stehen. Letztlich geht es um einen vernünftigen, effizienten und rücksichtsvollen Ausbau der Windkraft.
Die Frage, ob so genannte "freie Energie" sinnvoll nutzbar ist, ist unter Wissenschaftlern mehr als umstritten. Soweit ich darüber informiert bin, gibt es nach aktuellem Kenntnisstand keine belegbaren Hinweise für eine wirtschaftliche Nutzung der unterschiedlichen Formen von Energie, die unter dem Sammelbegriff der "freien Energie" subsummiert wird. Selbstverständlich wird in ganz unterschiedlichen Bereichen geforscht und entwickelt. Mit der Technologieoffensive im Rahmen der Umsetzung der Ergebnisse des Hessischen Energiegipfels hat die Landesregierung hier erst kürzlich die Anstrengungen und Investitionen in Energieforschung verstärkt. Wir bleiben weiterhin technologieoffen, denn wir werden Fortschritt und neue und effizientere Techniken brauchen, um die Energiewende, die letztlich uns allen zugutekommt, zu gestalten. Welche Rolle die vielfältigen Implikationen der "freien Energie" in Jahren oder Jahrzehnten spielen kann, vermag ich nicht zu sagen, hier mögen sich die Wissenschaftler streiten. Dies gilt übrigens auch für die Forschung – es ist im Sinne der Wissenschaftsfreiheit zwingend, dass die Forscher und Universitäten selbst über ihre Forschungsschwerpunkte entscheiden. Wir als Politiker können und sollten hier keine Vorschriften machen.
Mit freundlichen Grüßen
Ihr
Ismail Tipi
Mitglied des Hessischen Landtags