Sehr geehrte Frau Höger,
zum Vorwurf des Antisemitismus bekundeten Sie, das Existenzrecht des Staates Israel zwar anerzukennen, schränkten dann jedoch ein:
"Ich sehe jedoch schon ein mögliches Dilemma darin, wenn ein Staat sich über eine Religion definiert. Ein Staat, der sich als jüdisch definiert, kann ein Problem mit seiner demokratischen Verfasstheit haben, wenn er nicht-jüdische Menschen nicht als gleichberechtigte Mitbürger akzeptiert" .
www.berlinerumschau.com
Wir wissen freilich, dass Kritik an Israel nicht gleich Antisemitismus ist.
Ein wenig anders verhält es sich hinsichtlich der Motivlage, wenn sich jemand nur und fast aussschließlich der Kritik an Israel betätigt .
Leider habe ich bislang keine derartige Kritik von Ihnen zu irgendeinem anderen Staat, der sich über eine Religion definiert, gefunden.
Vom Iran, von Saudi-Arabien, vom Sudan oder von Malaysia und etlichen anderen Ländern wissen wir jedoch, dass Andersgläubige bei Androhung von Gefängnis oder Todesstrafe an der Ausübung ihrer Religion und damit einem Leben als "gleichberechtigte Mitbürger" gehindert werden.
Auch die Türkei hat hinsichtlich der Unterdrückung christlicher Minderheiten ein erhebliches Problem mit der " demokratischen Verfasstheit" . Vom Boykott des türkischen Schiffes Mavi Marmara unter Führung einer, vor kurzem noch in der Türkei als islamistisch eingestuften Gruppe konnte bei Ihnen indes keine Rede sein.
Können Sie mir weiterhelfen und mir entsprechende Beispiele Ihres Einsatzes gegen die religiöse Definition und die mangelnde Akzeptanz andersgläubiger Mitbürger im Falle dieser Länder nennen?
Bei Gelegenheit möglicherweise auch eine \"islamische Republik\", in der
jüdische Staatsangehörige im Parlament sind - so wie in Israel arabische Staatsbürger im Parlament vertreten sind?
Im Voraus besten Dank,

