Harald Petzold (DIE LINKE)
Kandidat Bundestagswahl 2009
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Angaben zur Person
Harald Petzold
Jahrgang
1962
Berufliche Qualifikation
Lehrer für Sekundarstufe II/I für Musik und Politische Bildung
Ausgeübte Tätigkeit
z.Z. Büroleiter MdB Dr. Kirsten Tackmann
Wohnort
Falkensee
Wahlkreis
Oberhavel - Havelland II
Ergebnis
24,2%
Landeslistenplatz
6, Brandenburg
(...) Sollte ich in den Deutschen Bundestag gewählt werden, werde ich mich dafür einsetzen, dass mindestens die im Wahlprogramm der LINKEN enthaltene und von mir genannte Forderung nach einer bedarfsdeckenden und sanktionsfreien Mindestsicherung so schnell wie möglich umgesetzt wird. (...)
Fragen an Harald Petzold
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Frage zum Thema Arbeit
27.07.2009
Von:

Sehr geehrter Herr Harald Petzold,

mein Name ist , ich wohne in Hennigsdorf und bin daher Wähler bei der Bundestagswahl 2009 in Ihrem Wahlkreis 59 (Oberhavel-Havelland II). Ich bin sehr an der Idee des Bedingungslosen Grundeinkommens interessiert.
Ich denke, dass dieses Konzept viele unserer aktuellen und zukünftigen Probleme lösen helfen könnte. Ich werde meine Stimme demjenigen Bewerber geben, der sich am stärksten für diese Idee einsetzt und habe allen Bundestagsbewerbern im Wahlkreis 59 diese Frage gestellt:

"Was halten Sie vom Bedingungslosen Grundeinkommen? Werden Sie sich, falls Sie in den Bundestag gewählt werden, dafür einsetzen, dass ein Bedingungsloses Grundeinkommen in Deutschland baldmöglichst realisiert wird ?"

Ich danke schon jetzt für Ihre eventuelle Antwort und verbleibe

mit freundlichen Grüssen
Antwort von Harald Petzold
4Empfehlungen
06.08.2009
Harald Petzold
Sehr geehrter Herr ,

vielen Dank für Ihre Zuschrift. Entschuldigen Sie bitte die Verzögerung bei der Beantwortung. Dies ist sonst nicht meine Art.

Zu Ihrer Frage: DIE LINKE fordert in ihrem Wahlprogramm zur Bundestagswahl 2009 "eine bedarfsdeckende und sanktionsfreie Mindestsicherung [...], die Armut tatsächlich verhindert und die die Bürgerrechte der Betroffenen achtet". Innerhalb dieses politischen Ziels geht es uns um einen "Anspruch für alle in der Bundesrepublik lebenden Menschen, die über kein ausreichendes Einkommen und Vermögen verfügen, um ihren Mindestbedarf zu decken" sowie um Abschaffung von Sanktionen aus der Sozialgesetzgebung in Umsetzung dieses Anspruchs.

Die Idee auf Gewährung eines bedingungslosen Grundeinkommens ist in der LINKEN noch umstritten. Die bekannteste Befürworterin ist die Bundestagsabgeordnete und stellvertretende Parteivorsitzende der LINKEN, Katja Kipping. Die im Bundestagswahlprogramm der LINKEN enthaltende Forderung nach einer bedarfsdeckenden und sanktionsfreien Mindestsicherung, auf die alle in der Bundesrepublik lebenden Menschen einen Anspruch haben, kommt zentralen Kriterien des von ihr vertretenden Konzepts des bedingungslosen Grundeinkommens - Existenz und Mindestteilhabe sichernd, individueller Rechtsanspruch, keine Bedürftigkeitsprüfung und kein Zwang zur Arbeit - sehr nahe, formuliert allerdings als Voraussetzungen: kein ausreichendes Einkommen und Vermögen, um den Mindestbedarf zu decken.

Ich bin davon überzeugt, dass die Idee eines bedingungslosen Grundeinkommens in der LINKEN auch nach der Bundestagswahl weiter diskutiert werden wird, vor allem vor dem Hintergrund der laufenden Debatte um das Parteiprogramm. Sollte ich in den Deutschen Bundestag gewählt werden, werde ich mich dafür einsetzen, dass mindestens die im Wahlprogramm der LINKEN enthaltene und von mir genannte Forderung nach einer bedarfsdeckenden und sanktionsfreien Mindestsicherung so schnell wie möglich umgesetzt wird. Nach meiner Kenntnis der Wahlprogramme der übrigen bisher im Bundestag vertretenen Parteien wären wir mit einer Umsetzung dieser Forderung der Idee von einem bedingungslosen Grundeinkommen einen erheblichen Schritt näher gekommen.

Ich hoffe, dass ich Ihnen damit Ihre Fragen beantworten und auch darlegen konnte, dass Sie in der LINKEN - auch wenn wir (noch) nicht hinter einem bedingungslosen Grundeinkommen stehen - eine ernsthafte politische Partnerin in einer sehr wichtigen gesellschaftspolitischen Diskussion und Auseinandersetzung haben. Ich wünsche Ihnen weiterhin alles Gute und verbleibe

mit freundlichen Grüßen
Harald Petzold
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Frage zum Thema Bürgerrechte, Daten und Verbraucherschutz
19.08.2009
Von:

Guten Tag,

ich habe eine Öffentliche Petition an den Bundestag mit folgendem Inhalt gerichtet:

Der Bundestag möge beschließen, dass die Vergütung von Abgeordneten des Bundestags und der Landtage leistungsgerecht erfolgt, außerparlamentarische Nebentätigkeiten ausgeschlossen oder mindestens die Einkünfte daraus auf die Diäten angerechnet werden, Bürokostenpauschalen steuerrelevant zu betrachten sind und Mandatsträger bei schuldhaftem Verhalten materiell in die Verantwortung genommen werden.

Interessieren Sie sich für den vollständigen Inhalt? Oder sind Sie eher der Meinung, dass die Vergütungen der Abgeordneten leistungsgerecht und Nebentätigkeiten den Wählern gegenüber vertretbar sind?
Um Missverständnissen vorzubeugen, es geht hierbei nicht um die Höhe der Vergütungen.

Mit freundlichen Grüßen

Antwort von Harald Petzold
2Empfehlungen
21.08.2009
Harald Petzold
Sehr geehrter Herr ,

vielen Dank für Ihre Zuschrift. Ich freue mich, dass Sie sich mit einer Petition für eine Reform der Rechte von Abgeordneten einsetzen.

Auch für DIE LINKE ist das derzeit geltene Abgeordnetengesetz überarbeitungsbedürftig. Das betrifft vor allem die Altersversorgung, für die Bundestagsabgeordnete bekanntlich keine eigenen Beiträge entrichten. DIE LINKE fordert hier, dass Abgeordnete endlich in die Gesetzliche Rentenversicherung einbezogen werden und dort auch eigene Beiträge einzahlen.

Eine Anrechnung von Nebeneinkünften auf die Abgeordnetenentschädigung, wie Sie sie vorschlagen, halte ich für nicht so zielführend. Denn damit könnten Abgeordnete erster und zweiter Klasse entstehen. Abgeordnete, die "dank" hoher Nebeneinkünfte gut auf die Diät verzichten könnten und dennoch mehr Finanzmittel als allein auf die Diäten angewiesene Abgeordnete haben, könnten so dank ihrer Finanzkraft die Politik mehr und stärker beeinflussen. Auch im Wahlkampf wären sie bevorteilt.

DIE LINKE plädiert deswegen dafür, dass Abgeordnete möglichst wenige Nebentätigkeiten ausüben und Nebeneinkünfte erzielen. Im Zentrum der Arbeit des Abgeordneten soll die Ausübung des Mandats stehen - und glauben Sie mir, wenn man dies ernsthaft im Interesse der Bürgerinnen und Bürger wahrnimmt, bleibt kaum Zeit und Kraft für Nebentätigkeiten. Insofern stünde ich Ihrer Forderung nach Ausschluss von Nebentätigkeiten näher, gebe aber zu bedenken, dass dies dann auch eine Vielzahl ehrenamtlicher Tätigkeiten von Abgeordneten beträfe.

In jeder Hinsicht kann ich Ihrer Forderung nach voller Steuerrelevanz der Kostenpauschale für Abgeordnete teilen. DIE LINKE ist dafür, dass Bundestagsabgeordnete die Verwendung dieser, bisher nicht zu versteuernden Ausgaben - wie jeder andere Steuerpflichtige auch - zu belegen haben.

Ihre Forderung nach materieller Verantwortlichkeit der Mandatsträger hängt
für mich eng mit ihrer ersten Idee nach einer leistungsgerechten Bezahlung
von Abgeordneten zusammen. Woran aber sollte man die "Leistung" von
Abgeordneten messen? An der Zahl der beschlossenen Gesetze und Anträge? Nach
dem Umfang, inwieweit sie ihre Wahlversprechen erfüllt haben? Ich halte das
für schwierig und mit der grundgesetzlich verankerten Unabhängigkeit des
Mandats für nicht vereinbar. Für viel wichtiger und entscheidender halte
ich, dass die Wählerinnen und Wähler regelmäßig die politische Leistung
ihrer Abgeordneten oder ihres Abgeordneten überprüfen, von diesem also
Rechenschaft über seine Arbeit verlangen. Ich kann mir sogar vorstellen,
einen entsprechenden Passus ins Abgeordnetengesetz einzubauen, der den
Gewählten bindend verpflichtet, wenigstens den Wählerinnen und Wählern in
seinem Wahlkreis mindestens einmal im Jahr Rede und Antwort zu stehen.

Ich hoffe, dass ich Ihnen mit meiner Antwort deutlich machen konnte, dass mich Ihre Petition interessiert und welche Standpunkte ich zu den darin aufgemachten Forderungen vertrete. Ich wünsche Ihnen weiterhin alles Gute und verbleibe
mit freundlichen Grüßen
Harald Petzold
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Frage zum Thema Soziales und Familie
25.08.2009
Von:

Sehr geehrter Herr Petzold,

ich bin verantwortlich für eine Behindertenorganisation in Oberhavel. Die Bundespolitik strebt seit Jahren nachvollziehbar auch mit entsprechenden Gesetzesnovellen in den Sozialgesetzbüchern II, III, IX und XI den sogenannten Paradigmenwechsel für Menschen mit Behinderungen an. In diesem Zusammenhang wird fortwährend selbstbestimmtes Leben für Menschen mit Behinderungen in den Mittelpunkt der Diskussionen gerückt. Tatsächlich relativieren Politik und Kostenträger diese Aufgabenstellung mit dem Prä der Kostenneutralität bei der Umsetzung der Maßnahmen. Prämissen aus der Behindertenpolitik wie "Daheim statt Heim", "Persönliches Budget" bei der Leistungsinsanspruchnahme oder das "Gesetz zur Unterstützten Beschäftigung" suggerieren den großen Aufbruch im Sinne optimalerer Teilhabe am Leben in der Gesellschaft/Teilhabe am Arbeitsleben.

Sind wir in Anbetracht der bekannten Demographie und der Situation auf dem Arbeitsmarkt auf dem richtigen Weg, wenn wir Menschen mit Behinderungen versprechen, dass ihre Möglichkeiten zum Beispiel durch den Übergang auf den allgemeinen Arbeitsmarkt aus sogenannten Sondereinrichtungen günstiger würden? Schließlich wird gar von Inklusion im Sinne der EU-Behindertenrechtskonvention gesprochen. Damit verbinden sich viele Hoffnungen für behinderte Menschen und deren Angehörige.

Können wir im Land Brandenburg den Spagat zwischen der beabsichtigten integrativen Beschulung, auch von Kindern mit schweren Behinderungen, und der notwendigen Bereitstellung adäquater finanzieller Mittel auflösen? Derzeit werden Sonderschulen, besonders allgemeine Förderschulen, geschlossen. Die erforderliche Assistenz in Integrationsklassen von Regelschulen steht nicht ausreichend zur Verfügung. Wie kann Inklusion verwirklicht werden, wenn dies politische Programme von Parteien und auch Behindertenverbänden vorsehen, aber bürokratische Hürden und das nicht abgestimmte Verhalten der verschiedenen Rehaträger dem im Wege stehen?
Antwort von Harald Petzold
1Empfehlung
01.09.2009
Harald Petzold
Sehr geehrter Herr ,

vielen Dank für Ihre Zuschrift auf Abgeordnetenwatch.

Die von Ihnen genannten Zweifel an der Ernsthaftigkeit der Umsetzung eines Paradigmenwechsels in der Politik für Menschen mit Behinderungen teile ich. Ich habe als ehemaliger bildungspolitischer Sprecher der PDS-Landtagsfraktion bzw. jetzt Koordinator der Landesarbeitsgemeinschaft "Schule und Bildung in Brandenburg" der LINKEN selbst ähnliche Erfahrungen gemacht, wenn es beispielsweise darum ging, die Lern- und Ausbildungsbedingungen für Kinder und Jugendliche mit Behinderungen oder attestiertem sonderpädagogischem Förderbedarf zu verbessern. Dabei ist auch mir das Kostenargument immer wieder begegnet. Ich bin der Auffassung, dass es keine Frage der Finanzierung bleiben kann, ob Menschen mit Behinderungen gleichberechtigt am gesellschaftlichen Leben teilhaben können oder nicht, weil bedarfsgerechter Nachteilsausgleich eine Frage der Würde und Gleichbehandlung ist.

Nun zu Ihren Fragen. Sie fragen zunächst, ob wir in Anbetracht der bekannten Demographie und der Situation auf dem Arbeitsmarkt auf dem richtigen Weg sind, wenn wir Menschen mit Behinderungen versprechen, dass sich ihre Möglichkeiten zum Beispiel durch den Übergang von Sondereinrichtungen auf den allgemeinen Arbeitsmarkt verbessern würden?

Ich möchte darauf vorab antworten, dass ich als Kandidat der LINKEN für die bevorstehende Wahl zum Deutschen Bundestag Ihnen oder Menschen mit Behinderungen gar nichts versprechen kann, genauso wenig wie dies eine Partei könnte. Ich verstehe meine Aufgabe als möglicher künftiger Abgeordneter so, dass ich politische Interessen aus der Gesellschaft aufgreife, um diese öffentlich und im politischen Raum zu thematisieren, Lösungsmöglichkeiten für auftretende Probleme zu entwickeln, die Regierung zu kontrollieren und Alternativen zu ihrer Politik zu entwickeln. Gleichzeitig verstehe ich mein politisches Wirken dann als erfolgreich, wenn es gelingt, Menschen in die Lage zu versetzen, ihre Probleme selbst anpacken bzw. lösen zu können und sie bei diesem Prozess in vielfältiger Form zu unterstützen. In diesem Sinne werde ich mich auch immer dafür einsetzen, dass Menschen mit Behinderungen am allgemeinen Arbeitsmarkt teilnehmen können. Dies betrachte ich als ein ganz normales Menschenrecht, welches einzufordern nicht nur wichtig ist, sondern aus verschiedensten Gründen heraus auch notwendig. Gäben wir diesen Anspruch auf, würden wir auch den Anspruch eines gleichberechtigten Lebens in Würde aufgeben. DIE LINKE ist deshalb dafür, dass entsprechende Arbeitsplätze auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt geschaffen werden. Dabei muss das Recht auf Arbeits- und Ausbildungsassistenz unbürokratisch erfüllt werden. Außerdem sollen Möglichkeiten der barrierefreien Umgestaltung von Arbeitsstätten und verschiedenen Formen geschützter Einzelarbeitsplätze bzw. Abteilungen in regulären Betrieben ausprobiert bzw. besser genutzt werden. Wenn es notwendig ist, sollen Lohnkostenzuschüsse (ggf. auch dauerhaft) gewährt werden, damit Menschen mit Behinderungen ebenso tarifgerechte Löhne erhalten, von denen man leben kann.

Zu Ihrer zweiten Fragen: Ich bin fest davon überzeugt, dass der von Ihnen angesprochene Widerspruch bei entsprechendem politischem Willen aufgelöst werden kann. Das setzt allerdings voraus, dass tatsächlich Rahmenbedingungen geschaffen werden, die eine individuelle Förderung aller Kinder tatsächlich an allen Regelschulen ermöglicht. Das bedeutet u.a. die Ausstattung aller Schulen mit entsprechend qualifizierten LehrerInnen sowie SonderpädagogInnen, wofür neben den zusätzlichen Personalstellenmitteln auch die notwendigen Ausbildungskapazitäten – sprich: ein entsprechender Lehramtsstudiengang auch in Brandenburg – zur Verfügung gestellt werden müssen. Darüber hinaus muss Bürokratie dem Anspruch nach inklusiver Bildung und Erziehung angepasst und ein gemeinsames Agieren von Bildungspolitik und Trägern sozialer und gesundheitlicher Belange durchgesetzt werden. Ich mache mir keine Illusionen darüber, dass dies kurzfristig zu erreichen wäre. Deshalb setzt sich die LINKE in ihrem Brandenburger Landtagswahlprogramm auch für einen Fortbestand von Förderschulen solange ein – und damit für einen behutsamen Übergang, der nicht mit der Schließung der Förderschulen beginnt – , bis die o.g. Rahmenbedingungen ein erfolgreiches gemeinsames Lernen aller Kinder und Jugendlichen ermöglichen. Aber wir wollen aktiv in eine Umgestaltung dieser Rahmenbedingungen einsteigen und haben dazu entsprechende Vorschläge gemacht.

Ich hoffe, dass ich Ihnen mit meinen Ausführungen Ihre Fragen beantworten konnte. Sie können ansonsten die Positionen der LINKEN zu einer Politik für Menschen mit Behinderungen auch auf unserer Antwort auf die Wahlprüfsteine des Allgemeinen Behindertenverbandes e.V. nachlesen. Ich wünsche Ihnen weiterhin alles Gute und verbleibe

Mit besten Grüßen
Harald Petzold
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Frage zum Thema Außenpolitik
06.09.2009
Von:

Sehr geehrter Herr Harald Petzold,

In letzter Zeit geraten die deutschen Soldaten in Afghanistan immer mehr in das Fadenkreuz der Taliban. Ich stelle mir daher die Frage, wie das weitergehen soll. Haben Sie eine konkrete Vorstellung wie in den nächsten Jahren, die aller Voraussicht nach noch brutaler werden, weiter in Afghanistan vorgegangen werden soll? Gibt es einen konkreten Plan, wann die Truppen abgezogen werden sollen? Haben Sie eine konkrete Begründung warum man weiterhin eine korrupte afghanische Regierung stützen soll, die zu dem auch noch Wahlfälschung bei der Präsidentenwahl im August betrieben hat? Wie will man den Menschen jetzt, nachdem man es in den letzten Jahren versäumt hatte ihnen eine Perspektive zum Drogenanbau zu geben, die Zukunft sichern? Sicher nicht in dem man weiterhin nur mit Waffen vor ihnen Patrouille läuft, sondern durch massive Aufbaumaßnahmen, im zivilen Bereich.

Ich bedanke mich im Voraus für eine Antwort.

Antwort von Harald Petzold
2Empfehlungen
09.09.2009
Harald Petzold
Sehr geehrter Herr ,

vielen Dank für Ihre Anfrage an mich über Abgeordnetenwatch.

Ich teile Ihre Sorge um die aktuelle und künftige Entwicklung. Meine Vorstellungen, die sich mit der grundsätzlichen Position der LINKEN in dieser Frage deckt, ist, dass die Bundeswehr (und die NATO) aus Afghanistan abgezogen werden muss. Damit kann sofort begonnen werden. Der Krieg hat zu einer stetigen Verschärfung der Situation geführt. Je länger er fortgesetzt wird, um so weiter wird sich die Spirale der Gewalt drehen - das furchtbare Ereignis um die beiden entführten und dann bombardierten Tankwagen beweist die aus meiner Sicht anschaulich. Deshalb und um überhaupt die Möglichkeit für Alternativen schaffen zu können, muss der Krieg beendet werden. Der Truppenabzug wäre eine dafür notwendige Vorleistung. Der von den Taliban geführte Kampf gegen die `Besatzer´ führt angesichts der zivilen Opfer dieses Krieges zu einer Solidarisierung großer Teile der Bevölkerung mit ihnen. Dieser Solidarisierung muss die Grundlage genommen werden. Deshalb trete ich gleichzeitig zum Truppenabzug dafür ein, dass zivile Hilfsorganisationen, die inzwischen ebenso wie wir überwiegend den Truppeneinsatz ablehnen, sehr viel stärker dabei unterstützt werden, Infrastruktur und zivilgesellschaftliche Strukturen aufzubauen bzw. diesbezüglichen Aktivistinnen und Aktivisten vor Ort Unterstützung zu geben. Nur durch ein funktionierendes öffentliches Leben kann den Taliban die Grundlage ihres zerstörerischen Handelns und vor allem der Unterstützung aus großen Teilen der Bevölkerung genommen werden.
Die Linke. unterstützt die Karsai-Regierung nicht. Die afghanische Bevölkerung muss - auch hier wieder mit großer ziviler Unterstützung - in die Lage versetzt werden, ihre Geschicke selbst in die Hand zu nehmen. Dazu muss sie aus ihrer Mitte Persönlichkeiten auswählen können, die nicht in den Krieg, den Drogenhandel oder in Korruption verwickelt sind und zu denen auch Vertrauen entwickelt werden kann. Nur wenn eine solche Entwicklung durch selbstbestimmte Entscheidungen aus der Bevölkerung heraus in Gang kommt, wird sie nachhaltig sein und von einer breiten Mehrheit getragen werden. Die NATO- bzw. EU-Länder können eine solche Entwicklung finanziell sowie durch Bildungs- und Qualifizierungsangebote unterstützen.

Ich hoffe, dass ich damit Ihre Fragen beantworten konnte, wünsche Ihnen weiterhin alles Gute und verbleibe

mit besten Grüßen
Harald Petzold
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Frage zum Thema Innere Sicherheit und Justiz
07.09.2009
Von:

Hallo Herr Petzold,

Ich wollte mal Fragen wie es bei der Linken (evt. bei Ihnen auch) zum Thema Vorratsdatenspeicherung und Zensur des Internet stehen.
Antwort von Harald Petzold
2Empfehlungen
08.09.2009
Harald Petzold
Sehr geehrter Herr ,

vielen Dank für Ihre Anfrage über Abgeordnetenwatch.

DIE LINKE – und diese Position teile ich selbstverständlich voll und ganz – lehnt sowohl die Vorratsdatenspeicherung als auch die Zensur des Internets voll und ganz ab. Wir sind der Auffassung, dass der Zugang zu Kommunikation und Information Grundfragen der demokratischen Beteiligung, Information und Willensbildung berührt. Vorratsdatenspeicherung aber greift in ungerechtfertigter Weise und unverhältnismäßig in die Grundrechte der Bürgerinnen und Bürger ein und eröffnet den Weg in einen allumfassenden Überwachungsstaat. Die Datenskandale bei Unternehmen, wie der Deutschen Bahn AG, Telekom oder Lidl, machen deutlich, dass auch im privatwirtschaftlichen Bereich die Hemmungen vor der Ausspionierung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern abnehmen, wenn erst einmal der Staat als eigentlich oberster Schutzherr der Bürgerrechte durch Vorratsdatenspeicherung oder Online-Durchsuchung sich das Recht angemaßt hat, im Namen der "Inneren Sicherheit" Freiheitsrechte, Verhältnismäßigkeit und Rechtsstaatlichkeit außer Kraft zu setzen.

Die Sperrung von Internetseiten oder Inhalten sind kein geeignetes Mittel und helfen allenfalls, Zufallszugriffe auf die inkriminierten Seiten zu verhindern. Die in Deutschland jetzt geplanten Sperren mit dem Ziel der Bekämpfung von Kinderpornographie sind verhältnismäßig leicht zu umgehen. Expertengutachten legen nahe, dass die laufend erstellten Listen mit zu sperrenden Inhalten nicht geheim zu halten sind und so selbst ein Gefährdungspotenzial darstellen können. Dagegen ist die Gefahr groß, dass bei flächendeckendem Routineeinsatz von Internetsperren weitere Begehrlichkeiten geweckt werden, um unliebsame und politisch nicht gewollte Seiten zu sperren. Ergebnis wäre eine aufgestoßene Tür in Richtung politischer Zensur des Internets. Das Europaparlament und die französische Nationalversammlung haben Internetsperren mit unterschiedlicher Zielsetzung (Urheberrecht, Filesharing) bereits abgelehnt.

Als Lehrer für Politische Bildung bin ich schließlich bereits seit Jahren dafür, dass es wenigstens an Schulen ein kontinuierliches Bildungsangebot im Zusammenhang mit Neuen Medien gibt, durch das Kinder und Jugendliche eine individuelle, kritische Medienkompetenz erwerben können.

Ich hoffe, dass ich Ihnen damit Ihre Frage beantworten konnte, wünsche Ihnen weiterhin alles Gute und verbleibe

mit freundlichen Grüßen
Harald Petzold
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Ihre Frage an Harald Petzold
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