Ottmar Schreiner (SPD)
Abgeordneter Bundestag 2005-2009
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Grunddaten
Ottmar Schreiner
Jahrgang
1946
Berufliche Qualifikation
Jurist
Ausgeübte Tätigkeit
Mitglied des Deutschen Bundestages
Wahlkreis
Saarlouis
Landeslistenplatz
1, Saarland
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(...) Was wir in Deutschland brauchen, sind nicht weniger Steuern (auch wenn einige große Zeitungen dies mit breit angelegten Kampagnen immer wieder fordern), sondern mehr Steuern. (...)
Parlamentarische Arbeit / Nebentätigkeiten
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Frage zum Thema Soziales
19.04.2008
Von:

Sehr geehrter Herr Schreiner,

derzeit wird in der Politik und in den Medien - leider nicht immer seriös und objektiv - über die geplante Anpassung der gesetzlichen Rente von 1,1% diskutiert / publiziert.
Bei der Bewertung dieses Sachverhaltes vermisse ich den Tatbestand, dass die Beamtenpensionen weit stärker, parallel zu den Bezügen der aktiven Staatsdienern, angepasst werden als eben die gesetzliche Rente. Dieser Zustand ist nach meiner Überzeugung sozialpolitisch unfair bzw. ungerecht und wird die Schere zwischen den gesetzl. Renten und den Beamten in Ruhe in den nächsten Jahren / Jahrzehnten exorbitant verändern. Vor allem ist in diesem Zusammenhang auch der Umstand zu bewerten, dass die gesetzlichen Renten in den letzten Jahren immer mehr geschmälert wurden durch Steuern, Abgaben, Gesundheitsreform etc.

Wird dieser auf Dauer unhaltbare Zustand der Beamtenpensionen - der letztendlich von allen Steuerzahlern zu tragen ist - durch den Umstand verschwiegen / toleriert, weil der überwiegende Teil unserer Gesetzgebung / Mandatsträgern sich aus Beamten rekrutiert?

Wie stellen Sie sich, sehr geehrter Herr Schreiner, zu diesem Problem - wenn Sie auch kein existentielles Problem im Bezug auf die Höhe Ihrer Rente / Ruhestandsbezügen haben werden?

Mit freundlichen Grüßen,
Antwort von Ottmar Schreiner
1Empfehlung
25.04.2008
Ottmar Schreiner
Sehr geehrter Herr Roth,

vielen Dank für Ihre Anfrage vom 19.04.2008.

Meines Erachtens geht es hier um ein grundlegendes Problem: Seit langem schon trete ich für die Einrichtung einer Bürgerversicherung ein, in die alle Erwerbstätigen und auch alle Einkommensarten einbezogen werden – also auch die von Ihnen angesprochenen "aktiven Staatsdiener" wie ich und meine Kollegen. Auf diese Weise würde die Solidaritätsverpflichtung der Alterssicherungssysteme ausgeweitet und eine stärkere Umverteilung innerhalb der Bevölkerung ermöglicht. Das Problem der Rentenversicherung besteht nämlich nicht in einem Konflikt zwischen jung und alt, sondern zwischen arm und reich.

Um die Umverteilungswirkung weiter zu erhöhen, fordere ich die ersatzlose Streichung der Beitragsbemessungsgrenze bei einer gleichzeitigen Deckelung der Renten nach oben. Was die geringen Einkommen angeht, muss eine Mindestrente eingeführt werden, die deutlich über dem Niveau von Hartz IV liegt.

Mit freundlichen Grüßen,

Ottmar Schreiner
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Frage zum Thema Bildung und Forschung
20.04.2008
Von:

Sehr geehrter Herr Schreiner,

ich möchte Sie fragen, warum deutsche Lehrer von allen Lehrern Europas am besten verdienen, und dies, obwohl Pisa ganz klar zeigt, dass die Leistung deutscher Lehrer nicht die beste ist.
Ich selbst kenne einen Lehrer, der den Spitzenverdienst von deutschen Lehrern offen zugab und über seine hohe Besoldung selbst mit dem Kopf schütteln mußte. Haben Sie eine sinnvolle Erklärung dafür, warum in der Besoldung deutscher Lehrer weitaus mehr investiert wird, als in der Ausstattung und der Pflege der Schulen selbst?

Mit freundlichen Grüßen
Antwort von Ottmar Schreiner
1Empfehlung
25.04.2008
Ottmar Schreiner
Sehr geehrter Herr ,

ich kann Ihnen nur berichten, dass ich genug Lehrer kenne, die sich sehr für ihre Schüler engagieren und ihr Gehalt meines Erachtens durchaus verdienen.

Mit freundlichen Grüßen,

Ottmar Schreiner
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Frage zum Thema Soziales
21.04.2008
Von:

Sehr geehrter Herr Schreiner,

In der TV-Sendung "Anne Will" äußerten Sie sich zur Grundsicherung. Sie vermischten dabei zwei unterschiedliche Leistungsarten, nämlich: "Grundsicherung im Alter" und "Grundsicherung für Arbeitssuchende".

Ist es nicht wünschenswert diese zwei Leistungen auseinanderzuhalten?

und

Warum soll Ihrer Meinung nach die "Grundsicherung im Alter" für den Personenkreis der nicht genug in die Rente einbezahlen konnte ( Niedriglohn, bzw. zu wenig Beitragsjahre ), NICHT angehoben werden?

Für die Beantwortung meiner Fragen danke ich im voraus.

Es grüßt Sie freundlich

Hr.
Antwort von Ottmar Schreiner
1Empfehlung
25.04.2008
Ottmar Schreiner
Sehr geehrter Herr ,

vielen Dank für ihre Anfrage. In der Kürze der Sendezeit konnte ich mein Konzept für eine Mindestrente nicht ausführlich vorstellen, weshalb es scheinbar zu Missverständnissen gekommen ist.

In der von Ihnen angesprochenen Sendung von Anne Will habe ich mich für die Einführung einer gesetzlichen Mindestrente ausgesprochen. Dies ist notwendig, weil die vollzogenen Rentenreformen (Senkung des Rentenniveaus, Einführung des Nachhaltigkeitsfaktors, kapitalgedeckte Teilfinanzierung) dazu geführt haben, dass zukünftige Rentnergenerationen, die in ihrer aktiven Erwerbsphase Niedriglöhne verdient haben, im Alter unter dem sozio-kulturellen Existenzminimum liegen werden. Geringverdiener, die heute in die Rente gehen, werden jetzt schon trotz 45 Beitragsjahren mit ihrer Rente unter der Armutsgrenze liegen! Ein Versicherter mit einem durchschnittlichen Bruttojahresverdienst (das sind gut 30.000 €/Jahr) kann nach aktuellem Rentenbericht nach 45-jähriger Beitragszahlung demnach nur mit einer Altersrente i.H.v. 1.180 Euro monatlich rechnen. Die Altersversorgung aus der gesetzlichen Rentenversicherung wird ein Altern ohne Not und Armut somit nicht mehr garantieren können.

Die von mir seit einiger Zeit geforderte gesetzliche Mindestrente sollte deutlich höher liegen als der Hartz IV-Regelsatz. Denn es kann nicht angehen, dass Menschen über Jahrzehnte in die Rentenkasse eingezahlt haben, aber dann mit einer Rente in Höhe des Hartz IV-Regelsatzes abgespeist werden. Das ist menschenunwürdig und leistungsungerecht. Insofern halte ich sehr wohl die Grundsicherung im Alter und die Grundsicherung für Arbeitssuchende auseinander und habe mich auch nicht dagegen ausgesprochen, erstere nicht anzuheben – im Gegenteil.

Ich hoffe, ich konnte zur Klärung beitragen.

Mit freundlichen Grüßen,

Ottmar Schreiner
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Frage zum Thema Soziales
21.04.2008
Von:

Sehr geehrter Herr Schreiner,

wie ich heute den Medien entnommen habe, unterstützen Sie und Herr Lauterbach als exponierte Sozial-Experten der SPD-Bundestagsfraktion den Vorstoß des NRW-Ministerpräsidenten Rüttgers, der grundsätzlich fordert, dass über Jahrzehnte erworbene Rentenansprüche in der GRV systematisch zu höheren Altersruhestandsgeldern/Renten führen MÜSSEN als die grundgesetzlich garantierte Sozialhilfe/Grundsicherung im Alter (als absolute Armutsabsicherung).

Ich möchte Ihnen im Umkehrschluss die Frage stellen, ob es nicht sogar verfassungswidrig ist, dass hunderttausende GRV-Rentner mit ihren Renten unter Sozialhilfeniveau liegen - trotz jahrzehntelanger SV-Beitragszahlung.

(Diese Überlegung stützt sich
1. auf den grundgesetzlichen Eigentumsschutz zugunsten der SV-Einzahlungen, besonders im Vergleich zu nicht-SV-pflichtigen Mitbürgern, die über ihr Einkommen jahrzehntelang frei verfügen konnten - ohne einen Verlust ihres Grundsolidaranspruches in Form der Sozialhilfe befürchten zu müssen.
2. auf die Tatsache, dass die SV-Beiträge des Sozialversicherungspflichtigen während der Beitragszeit sogar aus dessen Existenzminimum entnommen wurden - (was vielleicht schon allein als an der Grenze der Verfassungsmäßigkeit einzuordnen ist).

Ich möchte Sie fragen, ob Ihre Unterstützung des "Rüttgers´-Vorschlags" auf ähnlichen verfassungsrechtlichen Überlegungen fußt oder anderen Begründungen folgt.

MfG

Antwort von Ottmar Schreiner
7Empfehlungen
30.05.2008
Ottmar Schreiner
Sehr geehrter Herr ,

vielen Dank für Ihre Fragen.

Was den Eigentumsschutz der Rentenbeiträge angeht, so wird dieser nicht angetastet, da die (noch so geringe) Rente immer noch von der Rentenversicherung gezahlt und vom Sozialamt nur aufgestockt wird. Anders wäre es, wenn bei einer Rente unterhalb der Grundsicherung die Rente gar nicht ausgezahlt, sondern nur die Grundsicherung gezahlt würde.

Die Frage, ob es verfassungsgemäß ist, dass die Sozialversicherungsbeiträge aus dem Existenzminimum entnommen werden, wollen Sie laut Ihrer Website vom Bundesverfassungsgericht prüfen lassen – diese können das sicherlich besser beurteilen als ich.

Ich halte Ihre Überlegungen für interessant, fordere allerdings die Mindestrente nicht aus verfassungsrechtlichen Gründen, sondern weil ich der Meinung bin, dass es gerecht ist, wenn diejenigen, die jahrelang in die Rentenversicherung eingezahlt haben eine Rente bekommen, die höher ist als die Grundsicherung. Dies ist auch für die Legitimation der Gesetzlichen Rentenversicherung von großer Bedeutung.

Mit freundlichen Grüßen,

Ottmar Schreiner
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Frage zum Thema Mindestlöhne (Antrag Die Linke.)
21.04.2008
Von:

Sehr geehrter Herr Schreiner,

warum wechseln Sie denn nicht die Fraktion und gehen zur Linksfraktion? Ihr Abstimmungsverhalten entspricht dem der Linken. Auch in einigen Diskussion sind Sie mir für einen SPDler sehr links aufgefallen. Sie haben reihenweise Forderungen Der Linken. genannt. Sehen Sie mit der SPD überhaupt eine Chance ihre Ziele durchzusetzen?

Mit freundlichen Grüßen
Antwort von Ottmar Schreiner
7Empfehlungen
25.04.2008
Ottmar Schreiner
Sehr geehrter Herr ,

wie Sie richtig feststellen, gehöre ich innerhalb der SPD zum linken Flügel. In diesem werde ich auch bleiben und nicht zur Linkspartei wechseln, mit der es inhaltlich durchaus Übereinstimmungen gibt. Würde der linke Flügel der SPD zur Linkspartei wechseln, triebe dies die Entsozialdemokratisierung der Sozialdemokratie weiter voran, was keinesfalls in meinem Interesse liegt.

Mit freundlichen Grüßen,

Ottmar Schreiner
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