Sehr geehrter Herr

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Ihre Bemerkungen kann ich nicht auf mich beziehen. Ich habe zum Beispiel nicht für die Rente mit 67 und gegen die Gesundheitsreform gestimmt und bin auch in anderen Bereichen der sozialen Sicherung weiterhin sehr kritisch. Deshalb halte ich Ihre Vorwürfe für unberechtigte Unterstellungen.
Die Zusammenhänge zwischen Arbeitslosigkeit und Armut sehe ich sehr deutlich. Ich glaube, dass wir die Sozialgesetzgebung nicht nur nachbessern können, sondern sie völlig neu denken müssen:
Die Produktivität steigt und das quantitative Wirtschaftswachstum erreicht längst seine Grenzen. Die Arbeit wird in Deutschland kontinuierlich immer weniger. Die Versuche, dieser Folge der zunehmenden Produktivität mit den Hartz-Maßnahmen zu begegnen hat eine solche Entwicklung nicht bremsen können.
Durch ein Überangebot von Arbeitskräften sind Arbeitnehmer zunehmend erpressbar und arbeiten zum Teil zu menschenunwürdig niedrigen Löhnen. Bei diesen Menschen mit Niedriglohn-Tätigkeiten entsteht gleichzeitig Unmut, weil Sozialleistungsempfänger manchmal mehr Geld (und Zeit) zur Verfügung haben als jene, die lange Wege zur Arbeit auf sich nehmen müssen, um für einen Hungerlohn zu malochen.
Natürlich müssen wir bei den "Reichen" mehr Steuern erheben, um Bildung zu finanzieren und andere Bereiche der Daseinsvorsorge noch aufrechterhalten zu können.
Ich bin sicher, dass wir Themen wie die Neuverteilung der Arbeit, das bedingungslose Grundeinkommen und die Rolle von dezentralen Sozialraumbudgets gründlich und zügig im Bundestag diskutieren müssen, damit Teilhabe an Arbeit und Gesellschaft ohne Diskriminierung als "Arbeitsloser" wieder möglich wird.
Ich möchte hierzu eine Enquête-Kommission einrichten und bin der festen Überzeugung, dass wir mit dem rückwärtsgerichteten Geklage nicht weiterkommen. Ich suche nach Lösungen für eine sozialere, menschenwürdige und deshalb demokratische Gesellschaft, zu der jede/ jeder freiwillig etwas beitragen kann und in der man nicht durch drohende Armut und Arbeitslosigkeit erpressbar ist .
Mit freundlichen Grüssen
Wolfgang Wodarg