Dr. Walter Scheuerl (fraktionslos)
Abgeordneter Hamburg

Angaben zur Person
Jahrgang
1961
Berufliche Qualifikation
Jurist
Ausgeübte Tätigkeit
MdHB, Rechtsanwalt
Wohnort
Hamburg
Wahlkreis
Landesliste
Landeslistenplatz
5, über Liste eingezogen
weitere Profile
(...) Wir prangern diesen Konstruktionsfehler des Rabe-"Inklusions"-Konzeptes seit den ersten Ankündigungen von Senator Rabe sowohl durch das Elternnetzwerk "Wir wollen lernen!" (www.wir-wollen-lernen.de) als auch über die CDU-Fraktion an. Auch die Kammern und die Fachverbände kritisieren das Vorgehen von Senator Rabe scharf. (...)
Parlamentarische Arbeit
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Frage zum Thema Bildung und Forschung
15.03.2013
Von:

ich möchte von ihnen wissen, warum es in Hamburg möglich ist, dass Schüler mit Lese- Rechtschreibschwierigkeiten in der Schule so wenig gefördert werden (1 Förderstd.), dass es ausreicht, besser zu sein als die schlechtesten 5%, um keine zusätzliche Förderung zu erhalten. Ich kenne einen Schüler, der in den ersten 5 Schuljahren stets gerade über diesen 5% lag und selten mehr als eine Förderstunde pro Woche bekam. Dessen Eltern versucht haben zuhause zu fördern, Ärzte aufsuchten und bei der Schulbehörde (und Verwaltungsgericht) vergebens um bessere Förderung ersucht haben - die finanziellen Mittel fehlten oder wurden anderweitig verwendet. Nun - in der 6. Klasse, ist der Schüler bei der Hamburger Schreibprobe unter die 5% gerutscht und bekommt eine zusätzliche Förderung - falls der Antrag bewilligt wird. Da so eine außerunterrichtliche Lernförderung nur bis zum Ende der 6, Klasse vorgesehen ist, kann dieser Schüler die restlichen Schuljahre ohne zusätzliche Förderung verbringen. Er schreibt nahezu jedes Wort fehlerhaft und hat kaum noch Selbstbewusstsein . Die Problematik war von Schulbeginn an bekannt. Man muss nicht viel Fantasie haben, um zu ahnen, dass dieser Junge wahrscheinlich keinen Schulabschluss erreicht - trotz überdurchschnittlicher Intelligenz und bildungsnahem Elternhaus (sie lesen sogar!). Ist es noch gängige Praxis, dass Grundschulen die Mittel für Förderunterricht zweckentfremden (z.B. für Vertretungsunterricht)? Warum ist es in Hamburg möglich, dass Kinder mit Legasthenie (das Wort ist zutreffender) nach Gutdünken (Qualität und Quantität) der jeweiligen Schule gefördert werden und/oder scheitern. Selbst Nachteilsausgleich muss hart erkämpft werden. Als hätten die betroffenen Familien es nicht schon schwer genug. Herzlichen Dank im voraus
Antwort von Dr. Walter Scheuerl
bisher keineEmpfehlungen
15.03.2013
Dr. Walter Scheuerl
Liebe Frau ,

vielen Dank für Ihre Anfrage, mit der Sie den Finger genau in die offene Wunde des unausgegorenen "Förder-" und "Inklusions"-Konzeptes von Schulsenator Ties Rabe legen. Schulsenator Rabe hat sich dafür entschieden, die individuellen Förderressourcen für Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf in den Bereichen Lernen, Sprache (einschließlich Legasthenie) und/oder emotionale und soziale Entwicklung abzuschaffen und diese Ressourcen nur noch als sog. "systemische" Ressource, d. h. im Klartext nach dem Gießkannen-Prinzip über alle Schulen zu verteilen.

Für die betroffenen Kinder bedeutet das, dass ihnen individuell an vielen Schulen keine Förderung zukommen kann, weil es dort entweder nicht genug Stundenzuweisungen oder - und das kommt sehr viel häufiger vor - einfach nicht die fachlich ausgebildeten Sonderpädagogen gibt, die dem Kind helfen könnten. Die normalen Grundschulehrkräfte und Schulleitungen sind sowohl mit dem Erkennen als auch mit der Diagnose und dem Erstellen individueller Förderpläne mangels fachlicher Ausbildung völlig überfordert. Die Leidtragenden sind die Kinder!

Wir prangern diesen Konstruktionsfehler des Rabe-"Inklusions"-Konzeptes seit den ersten Ankündigungen von Senator Rabe sowohl durch das Elternnetzwerk "Wir wollen lernen!" (www.wir-wollen-lernen.de) als auch über die CDU-Fraktion an. Auch die Kammern und die Fachverbände kritisieren das Vorgehen von Senator Rabe scharf. Bisher leider ohne Erfolg.

Ich kann Ihnen nur versprechen, dass wir an dem Thema dran bleiben werden!

Herzliche Grüße,
Walter Scheuerl
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Frage zum Thema Bildung und Forschung
17.03.2013
Von:

Sehr geehrter Herr Dr. Scheuerl,

ich bedanke mich herzlich für ihre schnelle Antwort, möchte jedoch anmerken, dass der betroffene Schüler gar keinen sonderpädagogischen Förderbedarf hat-der IQ liegt weit über 100. Die besondere Förderung, die er benötigt hätte, hätte mit einem wesentlich geringeren finanziellen Aufwand erfolgreich durchgeführt werden können.
Sein Schicksalsweg wurde bereits zu Zeiten besiegelt, als in Hamburg noch die CDU mehrheitlich regierte. Ich muss ihnen leider sagen, dass er damals sogar noch schlechter gefördert wurde, als zur Zeit. Das ist auch kein Einzelschicksal sondern wird aus finanziellen Gründen weiter so praktiziert.
Die verantwortliche Schule hat seinerzeit einen beträchtlichen Teil der Mittel für die Förderung der lese- und rechtschreibschwachen Kinder zweckentfremdet - als Schule mit einem hohen Sozialschlüssel- sozusagen aus der Not heraus.
Sie haben gar nicht beantwortet, ob das noch gängige Praxis ist. Als Mitglied des Schulausschusses sollte sie das sehr interessieren.

Herzliche Grüße
Antwort von Dr. Walter Scheuerl
bisher keineEmpfehlungen
18.03.2013
Dr. Walter Scheuerl
Liebe Frau ,

vielen Dank für Ihre Nachfrage. Da Sie in Ihrer Ausgangsfrage von Legasthenie sprachen, geht es hier ungeachtet von einer zusätzlichen Hochbegabung auch um einen sonderpädagogischen Förderbedarf. Hochbegabung ist ja für die betroffenen Kinder im "normalen" Schulsystem leider keine Freikarte zu hervorragenden schulischen Leistungen, sondern mangels effizienter Förderkonzepte an den meisten Schulen bestenfalls eine Chance, bei ausreichender externer Unterstützung und Förderung später einmal gute Leistungen erzielen zu können.

Eine aktuelle Studie zu Hochbegabten belegt, dass ‚Inklusion‘ im allgemeinen Schulsystem für die betroffenen Kinder im Regelfall mit einer schlechteren Förderung verbunden ist: Hochbegabte, die in speziellen Förderklassen unterrichtet werden, schneiden demgegenüber besser ab:

WELT v. 8.3.2013: Hochbegabte lernen in normalen Klassen schlechter
www.welt.de

Tagesspiegel v. 8.3.2013: Hochbegabte lernen besser unter sich
www.tagesspiegel.de

Ihre Frage zur Zweckentfremdung von Fördermitteln wird man, wie ich fürchte, schlicht bejahen müssen. Für Fälle wie den Fall des von Ihnen geschilderten Schülers sind indes unter der derzeitigen Regierung mit dem "Inklusions"-Konzept von Senator Ties Rabe (SPD) keine speziellen Fördermittel mehr vorgesehen. Das ist langfristig und vor allem für die individuell betroffenen Kinder sicher die falsche Strategie.

Herzliche Grüße,
Walter Scheuerl
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