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Sehr geehrter Herr Niebel,
heute erst konnte ich mir Ihre Stellungnahmen zum Thema "Wikileaks Enthüllungen" bei Anne Will ansehen und würde Ihnen zu Ihren Äusserungen gerne einige Fragen stellen.
Eine Bemerkung von Ihnen, die leider in der Diskussion ein wenig unter ging war, dass "Stuttgart 21" ja auf demokratischen Entscheidungsprozessen basiert (frei wiedergegeben).
Warum denken Sie, wenn diese Entscheidungen wirklich eine demokratische Basis haben, dass seit Monaten viele tausend Menschen Woche für Woche dagegen demonstrieren?
Kann man die Entscheidung dann wirklich noch demokratisch nennen?
Und zur Veröffentlichung der Dokumente durch Wikileaks. Hier hat mir eine Frage innerhalb der gesamten Diskussion völlig gefehlt. Warum, Ihrer Meinung nach, gibt es eigentlich Wikileaks?
Würden sie nicht auch sagen, dass in Zeiten, in denen die Politiker mehr und mehr Entscheidungen geheimhalten, ihr Vertrauen verspielt haben?
Ein Beispiel wären die "Geheimverträge" in Berlin über die Privatisierung der Wasserversorgung, deren Offenlegung der Verträge erst gerichtlich erstritten werden mussten. Oder andere PPP Projekte im Bildungsbereich, in denen bis heute die Bevölkerung nicht weiss, was da wirklich vereinbart wurde und grundsätzlich mit dem Argument "Geschäftsgeheimnisse" abgetan werden.
Sind Sie nicht der Meinung, dass solche Verträge, die unmittelbare Auswirkungen auf unser aller Leben haben, veröffentlicht werden sollten?
Sie haben bei Anne Will mit dem Leben von unseren Soldaten argumentiert. Mit Recht.
Was aber ist mit dem Leben aller Bundesbürger?
Glauben Sie, eine Seite wie Wikileaks wäre wirklich nötig, wenn die Bevölkerung der Politik noch vertrauen würde? Muss sich die Politik hier nicht eher an die eigene Nase fassen und weniger die veröffentlichung der Dokumente, egal ob legal, oder illegal veröffentlicht, zu kritisieren?
Vielen dank vorab für ihre Zeit und mit freundlichen Grüssen,
