Lieber Herr Doktor

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zunächst mal möchte ich mich bei Ihnen entschuldigen, dass Sie einen derart von mir vernachlässigten Auftritt bei abgeordnetenwatch.de von mir vorgefunden haben. Während der Wahlkampfzeit hatte ich keine Lust, bei einem äußerst unwahrscheinlichen Einzug in die Bürgerschaft bis zu 180 Euro zu zahlen, damit ich ein Foto auf abgeordnetenwatch.de hochladen und ein paar persönliche Angaben machen konnte. Wie hier mit dem Interesse der Mitbewerberinnen und Mitbewerber umgegangen worden ist, sich ordentlich der Öffentlichkeit zu präsentieren, das fand ich nicht okay.
Es gab dann zwar auch Rabatt-Aktionen für, ich glaube, 150 Euro, aber Sie müssen sich ja vorstellen, das war der Preis nicht nur für die 121 Abgeordneten, die jetzt in die Bürgerschaft eingezogen sind, sondern für alle Kandidierenden. Und zumindest die großen Parteien haben alle ihre theoretisch möglichen Wahlkreisplätze in den Listen doppelt besetzt. Ich bin sicher, es gibt bei abgeordnetenwatch.de eine Übersicht, wie viele Bürgerschaftskandidierenden es insgesamt gab und wie viele sich davon einen besseren Auftritt erkauft haben - übrigens ein recht us-amerikanisches Prinzip.
Außerdem hoffe ich sehr, dass all das Geld, das da generiert wurde, einem guten Zweck oder wenigstens irgendetwas Nützlichem zugute kommt. Etwas von nachhaltigem Erkenntniswert. Ich bin zuversichtlich, das kann man auf abgeordnetenwatch.de sicher auch nachlesen.
Diejenigen, die jetzt 150 bis 180 Euro in sechs Wochen vermeintliche öffentliche Wahrnehmung investiert haben und am Ende doch nicht gewählt worden sind, werden sich verständlicher Weise trotzdem ärgern. Wie viele das wohl sind? Das lässt sich gewiss ebenfalls recherchieren. Vielleicht bekommen sie ihre Investition aber auch erstattet. Ich habe mich hier nicht informiert und tue der Idee, die dahinter steckt, möglicherweise Unrecht.
Jedenfalls gelobe ich Besserung und werde meinen Auftritt bei abgeordnetenwatch.de in naher Zukunft vervollständigen. Zurzeit gehen die Anliegen der Bürgerinnen und Bürger - so wie Ihres - und meine Arbeit außerhalb des Parlamentes jedoch vor!
Und damit endlich zur Ihrer Frage, die ich Ihnen gern seriös beantworten möchte. Ein Multiple-Choice-Verfahren halte ich dafür allerdings für nicht geeignet. Ich schlage Ihnen vor, dass abgeordnetenwatch.de einen Kontakt zwischen uns vermittelt. Gern komme ich dann bei Ihnen an Ihrem Institut vorbei. Sie schreiben mir ja, dass Sie zurzeit einen Lehrauftrag in Hamburg haben.
Ich halte dies für den dem komplexen Thema ´neues Wahlrecht in Hamburg´ angemessen Weg. Sie können mir dann bei diesem Gespräch bitte auch erläutern, ob meine Antwort in eine wissenschaftliche Arbeit einfließt und wenn ja in welcher Form. Da Sie es hinbekommen haben, sich in Ihrer Frage wesentlich kürzer zu fassen als ich in meiner Antwort, fiel diese für mich wesentliche Information leider hinten runter.
Wenn wir diese und alle anderen Fragen geklärt haben, bin ich hinterher auch gern bereit, die Antworten über das Portal abgeordnetenwatch.de öffentlich ins Netz zu stellen, wenn daran jemand interessiert ist.
In der Hoffnung darauf, Ihre Fragen demnächst bei einem Treffen in der Uni zu beantworten und mit meinem Beitrag hier jetzt nicht bei den das Portal abgeordnetenwatch.de unterstützenden Medien-Unternehmen und -Anstalten für alle Zeiten in Verschiss zu geraten, verbleibe ich
mit freundlichen Grüßen
Ihr Daniel Gritz
Anmerkung der Redaktion:
1011 Bürgerinnen und Bürger finanzieren aktuell den laufenden Betrieb von abgeordnetenwatch.de mit einer regelmäßigen monatlichen Spende von durchschnittlich 8 EUR. Abgeordneten, also auch Herrn Gritz, wird somit ihr Profil auf abgeordnetenwatch.de komplett finanziert. Wir haben Herrn Gritz bereits am 02. März 2011 gebeten uns ein Foto zu zusenden, welches wir für ihn, wie für alle anderen Abgeordneten auch, kostenlos einstellen. Leider haben wir bis heute (10.03.2011 - 10:30 Uhr) noch kein Foto erhalten. Im Vorfeld von Wahlen, wenn wir wir das Portal um sämtliche Kandidierende erweitern, reichen die Spenden nicht aus, um den Mehraufwand in der Programmierung, der Recherche und der Moderation von Fragen und Antworten aus Spenden zu finanzieren. Daher bitten wir Kandidierende um eine einmalige Kostenbeteiligung von 149 EUR (im Frühbucherrabatt) bzw. 179 EUR (Normalpreis), wenn sie über den für sie kostenlosen Grundeintrag, die kostenlose Beantwortung von Fragen und Antworten und die kostenlose Teilnahme am Kandidaten-Check hinaus noch Werbung in eigener Sache machen möchten. Wie wir die dabei eingeworbenen Mittel genau einsetzen, beschreiben wir in unserem Jahres- und Transparenzbericht:
www.abgeordnetenwatch.de
Ergänzung vom 17.03.2011
Lieber Herr Doktor

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mal sehen, ob es die Regularien von abgeordnetenwatch.de zulassen, dass ich Ihnen eine zweite Antwort auf Ihre eine Frage gebe. Ansonsten müssten die Administratoren von abgeordnetenwatch.de bitte eine weitere Frage von jenem anderen Herrn zulassen, die aufgrund des Regelwerkes gesperrt wurde und dann diese Antwort auf jene Frage beziehen. So wäre Ihnen beiden gedient. Diesen weiteren Herrn darf ich hier natürlich namentlich nicht ansprechen, weil ich nicht weiß, ob seine Frage nachträglich veröffentlicht werden darf. Von meiner Seite aus wäre es okay, und ich grüße ihn hiermit freundlich.
Also, per Multiple Choice geht es zwar so nicht, aber einige Kollegen Abgeordnete haben Ihnen ja in gebundener Form geantwortet. Dann kann ich mir ja ein Beispiel daran nehmen und es ebenso tun:
1. In der Tat habe ich als Chef-Plakatekleber meines SPD-Ortsvereins einen engagierten Wahlkampf geführt, aber nicht persönlich für mich, sondern vor allem für die in meiner SPD-Wahlkreisliste beiden Erstplatzierten. Ferner für alle SPD-Bezirkskandidierenden des Wahlkreises und der Bezirksliste.
2. Bekanntheitsgrad ja, durch Engagement gegen den durch die Güterumgehungsbahn verursachten Schienenlärm. Das kann aber nicht Hauptgrund gewesen sein, denn ein Mitbewerber war dafür mindestens genauso bekannt. Nicht nur für dieses Engagement schätze ich ihn auch sehr.
3. Meine ehemalige Nachbarschaft im Wahlkreis steht mir sehr nahe. Ich bin wegen des Eigenbedarfs meines Ex-Vermieters 2008 umgezogen. Wenn man sich jedoch die Ergebnisse der einzelnen Wahllokale ansieht, habe ich aber auch in meiner "neuen" Nachbarschaft gepunktet, obwohl ich dort nicht so bekannt bin.
4. Alles andere ist leider Spekulation.
In der Hoffnung, dass Ihnen dadurch gedient ist und auch dem Herrn, dessen Anmerkung aufgrund des Regelwerks nicht zugelassen wurde, verbleibe ich
mit freundlichen Grüßen
Ihr Daniel Gritz
PS.: abgeordnetenwatch.de hat Recht: Inzwischen ist das Einstellen eines Fotos kostenlos. Das war es im Wahlkampf allerdings nicht (nur möglich im Zusammenhang mit dem 179-/149-Euro-Paket). Aber inzwischen haben abgeordnetenwatch.de und ich uns ganz doll lieb. Insofern von meiner Seite aus Schwamm drüber!