Winfried Kretschmann
DIE GRÜNEN
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Frage von Iren Ovrare an Winfried Kretschmann bezüglich Umwelt

# Umwelt 12. Feb. 2016 - 07:46

Sehr geehrter Herr Kretschmann,
Wie können Sie als " grüner" Politiker es mit Ihrem Gewissen vereinbaren, dass Wälder für Windräder gerodet und dadurch die Natur und der Lebensraum vieler Tiere zerstört werden? Bedenken Sie bei diesen Entscheidungen auch die Folgen der gesundhaltlichen Folgen durch Infraschall??

Von: Iren Ovrare

Antwort von Winfried Kretschmann (GRÜNE)

Sehr geehrte Frau Biener,

vielen Dank für Ihre Frage zum Thema Umwelt- und Naturschutz.

Gerade für uns als Grüne ist der Umweltschutz ein Herzensthema. Die Umweltbewegung war eine der Wurzeln, aus die sich unsere Partei gegründet hat. Der Umwelt- und Naturschutz gehört damit zum Markenkern unserer Partei. Das honorieren auch die Bürgerinnen und Bürger: In Umfragen wird den Grünen regelmäßig die höchste Kompetenz von allen Parteien in der Umweltpolitik zugesprochen.

Teil unserer Umweltpolitik ist auch der Ausbau der erneuerbaren Energien. Deshalb haben wir in Baden-Württemberg die gesetzlichen Grundlagen dafür geschaffen, mehr Windkraftanlagen bei uns in Betrieb zu nehmen. Bei den Genehmigungsverfahren für die Windräder spielt bei uns der Naturschutz aber eine große Rolle. Wir prüfen sehr streng, welche Standorte für Windräder in Frage kommen und welche Auswirkungen die Aufstellung einer Anlage dort hätte. Standorte in den Kernzonen von Biosphärenreservaten oder in Naturschutzgebieten scheiden von vornherein aus. Windkraftnutzung im Wald ist nur dann möglich, wenn dafür Ausgleichsmaßnahmen durch Aufforstung an anderer Stelle erfolgen. Auch die Artenvielfalt wird durch sorgfältige Standortwahl und eine besondere artenschutzrechtliche Prüfung berücksichtigt.

Wir bleiben aber dabei: Die Energiewende ist notwendig. Das gilt insbesondere auch im Sinne des Naturschutzes. Die Alternativen zum Ausbau der Windkraft bei uns wären für den Schutz unserer Natur viel schlimmer: Entweder wir müssten Strom aus anderen Teilen der Republik oder aus dem Ausland beziehen. Dafür müssten lange Stromtrassen gebaut werden, deren Bau wesentlich stärker in die Natur einschneiden würde. Oder wir müssten auf Kohle- und Atomkraftwerke für die Stromversorgung zurückgreifen – also auf CO2-Emissionen für die Atmosphäre und viele Jahrtausende lang radioaktiv strahlenden Müll. Die Auswirkungen durch den Klimawandel und die Risiken der Atomkraft sind die größten Bedrohungen für den die Natur und die Artenvielfalt.

Bezüglich Ihrer zweiten Sorge kann ich Sie beruhigen: Von Windkraftanlagen geht keine Gefahr durch Infraschall aus. Der von den Anlagen ausgehende Infraschall wird ohnehin größtenteils vom Wind selbst erzeugt – der weht aber unabhängig davon, ob ein Windrad steht oder nicht. Auch ist die Stärke des Infraschalls um die Anlagen herum gering (weit unterhalb der Wahrnehmungsschwelle). Zum Vergleich: In 200m Abstand zu einem Windrad (vorgeschriebener Mindestabstand zu Wohngebieten: 700m) mit einer Leistung von 500 kW besteht ein Infraschalldruckpegel von 64dB(G). In einem Großraumbüro (60m², Klimaanlage und mehrere PCs) ist der Infraschalldruckpegel dagegen 74dB(G), in einem Pkw bei 100km/h sogar 103dB(G). Eine Gesundheitsgefährdung besteht in keinem der genannten Fälle. Ganz detailliert können Sie Informationen zum Thema Infraschall sowie Messungen desselben in der Nähe von Windkraftanlagen durch das Landesamt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg hier nachlesen: http://www4.lubw.baden-wuerttemberg.de/servlet/is/223895/ .

Mit freundlichen Grüßen

Ihr Team Kretschmann

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