Werner Roleff
ÖDP
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Frage von Znahryn Sbefgre an Werner Roleff bezüglich Umwelt

# Umwelt 01. Juni. 2009 - 13:37

Sehr geehrter Herr Roleff,

in Ihrer Eigenschaft als Pastoralreferent und Seelsorger möchte ich Sie fragen: "Welche Rolle spielen Ihrer Meinung nach die geistigen Oberhäupter der verschiedenen Religionen im Kampf gegen Klimawandel und Umweltzerstörung. Kann der interreligiöse Dialog und der regelmäßige Austausch mit Vertretern von Wissenschaft und Ökologie dazu beitragen, den Erhalt der Schöpfung zu sichern? Wie kann die Politik davon profitieren?"
Ich freue mich auf Ihre Meinung.
M. Forster

Von: Znahryn Sbefgre

Antwort von Werner Roleff (ÖDP) 05. Juni. 2009 - 05:08
Dauer bis zur Antwort: 3 Tage 15 Stunden

Liebe Frau Forster,

dankeschön für Ihre Frage! Ich finde die Thematik sehr spannend und nutze gerne eine Pause im Endspurt des Europa-Wahlkampfs, um Ihnen zu antworten.

1. Selbstverständlich spielen die Geistlichen Oberhäupter eine wichtige Rolle - als Vorbilder, Impulsgeber, Mahner. Denn die Bewahrung der Schöpfung ist ein Thema in allen Religionen und betrifft sowohl die Spiritualität als auch das konkrete Alltags-Handeln. Deshalb hat auch jede und jeder Einzelne eine mindestens ebenso wichtige Rolle, denn vor Ort, im konkreten Alltag der Menschen, entscheidet sich, ob die Umwelt geschützt oder geschädigt wird.

2. Der Interreligiöse Dialog ist dabei von herausragender Bedeutung. Hier kommen die verschiedenen Traditionen ins Gespräch und bereichern sich gegenseitig. Daraus kann sich auch ein gemeinsames Auftreten für Nachhaltigkeit und Umweltschutz entwickeln, sozusagen eine gemeinsame "Schöpfungs-Verantwortung", die sich dann - hoffentlich - auch noch mehr Gehör verschafft. Hinweisen möchte ich auf das Projekt WELTETHOS von Hans Küng, sowie konkret auf Ernst Ulrich von Weizsäcker und seinen Artikel "Ökologisches Weltethos" (in: Hans Küng u.a., Wissenschaft und Weltethos, München 2001, 337ff.).

3. Theologie wird als "eine Stimme" im vielfältigen "Konzert der Wissenschaften" angesehen, nicht zuletzt gibt es deshalb die Verortung der Theologischen Fakultäten an staatlichen Hochschulen. So ist auch das Gespräch der verschiedenen Wissenschaften über ökologische Themen, Probleme und Lösungswege ein notwendiges und sinnvolles Mittel, Fortschritte beim Klimaschutz zu erreichen.

Literaturtipps:

"Der Klimawandel: Brennpunkt globaler, intergenerationeller und ökologischer Gerechtigkeit. Ein Expertentext zur Herausforderung des globalen Klimawandels", hg. von der Deutschen Bischofskonferenz, Bonn September 2006.

"Zukunftsfähiges Deutschland in einer globalisierten Welt. Ein Anstoß zur gesellschaftlichen Debatte", Studie des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt, Energie. Herausgeber: BUND und Brot für die Welt und Evangelischer Entwicklungsdienst. Frankfurt/Main 2008.

4. Eigentlich ist hier eine Grundfrage berührt, nämlich: Sind Glaube und Religion nur Privatsache, also rein individualistisch zu verstehen? Oder hat die religiöse Weltanschauung auch eine ganz wesentliche Bedeutung für die Gesellschaft, für die Wirtschaftsordnung, für die Kultur und eben auch für die Umwelt? Ich bin überzeugt, dass Glaube und Religion für das Leben der Menschen und für das Zusammenleben sehr bedeutsam sind. Im Glauben können Menschen "Sinn erfahren". Hier werden Werte vermittelt, die über das Materielle hinausgehen. Hier geht es um Ethos, um Verantwortung für gegenwärtige und zukünftige Generationen. Nicht zuletzt findet die Menschenwürde und ihre Unantastbarkeit hier ihre tiefste Begründung. Was wäre Politik ohne eine solche "Rückbindung" bzw. ohne die Auseinandersetzung und den kritischen Dialog mit "postmateriellen" Werten, mit dem "Wesentlichen", das "für die Augen unsichtbar" ist (A. de Saint-Exupéry)

Ich freue mich auf das weitere Gespräch. Mit freundlichen Grüßen,

Werner Roleff