Frage an Verena Häggberg von Hyevpu Ratrysevrq bezüglich Innere Sicherheit und Justiz

06. Februar 2008 - 13:17

Wie stehen Sie und die ödp zur geschlossenen Unterbringung von Kindern und Jugendlichen im Heim Feuerbergstraße?
(P.S. Ihre Antwort zu meiner vorherigen Frage hat mir gut gefallen!)

Frage von Hyevpu Ratrysevrq
Antwort von Verena Häggberg
07. Februar 2008 - 10:25
Zeit bis zur Antwort: 21 Stunden 7 Minuten

Sehr geehrter Herr Engelfried,

Generell ist die Forderung nach geschlossener Unterbringung für Jugendliche nicht vertretbar und deshalb zurückzuweisen. Kinder- und Jugendhilfe hat in erster Linie den Auftrag Betroffene zu unterstützen und zu fördern. Jugendhilfe hat nicht den Auftrag Freiheit zu entziehen, was einer Verwahrung von Jugendlichen gleichkommt.

Zu klären ist jedoch, ob in manchem extremen Einzelfall in massiv zugespitzten, langanhaltenden Krisen- und Gefährdungssituationen auf geschlossene Unterbringung verzichtet werden kann. Das ist die Grundsatzentscheidung zu der Stellung genommen werden muss, die jedoch im Einzelfall zu klären ist. Dabei stehen sich zwei hohe Werte gegenüber: Zum einen die Freiheitsrechte der Kinder und Jugendlichen, zum anderen die Fürsorgepflicht der Gesellschaft, die eine unfassende Schutzfunktion dann zu übernehmen hat, wenn Kinder- und Jugendliche sich und anderen extremen Schaden zufügen.

Der Konflikt zwischen diesen beiden Werten läßt sich grundsätzlich nicht auflösen, weder bei vollständigem Verzicht auf eine geschlossene Unterbringung noch bei der Anerkennung ihrer Notwendigkeit. Die Entscheidung muss ein Betreuer vor Ort treffen, nicht die Politik. Die kann nur versuchen die verantwortlichen Erwachsenen (Eltern, SozialpädagogInnen, Behörden, LehrerInnen) in die Lage zu versetzen diese weitreichende Entscheidung tatsächlich treffen zu können. Daher ist meiner Ansicht nach unbedingt nötig, dass alle an einem Strang ziehen. Das ist jetzt oft nicht gegeben. Einerseits wird von Institutionen eine enorme Erziehungsleistung in schwierigsten Situationen erwartet, auf der anderen Seite hat die Gesellschaft eine eher negative Einstellung gegen über diesen Institutionen (besonders der Schule) und ist nicht bereit die nötigen finanziellen Mittel aufzuwenden. Häufig erwarten Eltern vom Staat, was sie selbst nicht schaffen. Diesen Orientierungsverlust spüren auch die Jugendlichen.

Herzlichst Verena Häggberg