Ute Berg
SPD
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Frage von Xheg Ervpureg an Ute Berg bezüglich Bildung

# Bildung 13. Sep. 2005 - 20:52

Sehr geehrte Frau Berg,

Sie sind im Thema Schule und Ausbildung engagiert. Wie stellen Sie sich eine bessere Beratung und Begleitung Jugendlicher in den Beruf vor. Trotz vieler Informationsangebote sind viele Jugendliche "rat"los. Auch die Arbeitsämter sind durch Überlastung kaum in der Lage eine qualifizierte Einzelfallberatung durchzuführen. Die Folge: fehlgeleitet Berufswünsche, unrealistische Vorstellungen, am Ende Erfolglosigkeit und Frust. Ich weiß, es gibt natürlich auch eine Vielzahl positiver Beispiele, aber gerade Jugendliche, die die allgemeinbildende Schule mit schlechtem Ergebnis verlassen, haben große Probleme und brauchen professionelle Hilfe.

Von: Xheg Ervpureg

Antwort von Ute Berg (SPD)

Sehr geehrter Herr Reichert,

ich stimme Ihnen zu, dass der Übergang von Jugendlichen in den Beruf besser vorbereitet werden muss. Zwar ist es inzwischen an den meisten Schulen üblich, dass Berufspraktika stattfinden und Schüler/innen auch im Unterricht – z.B. im Fach Arbeitslehre - auf die spätere Arbeitswelt eingestimmt werden. Meiner Ansicht nach sollte diese Vorbereitung aber intensiviert werden, so dass eine kontinuierliche Zusammenarbeit von Schule und Wirtschaft entsteht. Lehrer/innen sollten schon in ihrem Studium einen Schwerpunkt auf die Frage legen: Wie kann ich meine Schüler/innen auf die Arbeitswelt vorbereiten? Auch verpflichtende Praktika von (angehenden) Lehrern in Betrieben halte ich für durchaus förderlich.
In vielen Schulen ist eine regelmäßige Beratung der Schüler/innen durch Mitarbeiter/innen der Agentur für Arbeit selbstverständlich, aber leider längst nicht in allen.

Ausbildungsmessen, die von Schulen, der Agentur für Arbeit, Arbeitgebern und Gewerkschaften ausgerichtet werden, dienen ebenfalls der Beratung und Information der Schüler/innen über Angebote, die die Arbeitswelt bereit hält. Besonders motivierend ist dabei, dass häufig junge Auszubildende, die bereits berufliche Erfahrungen gesammelt haben, ihre Altersgenossen darüber informieren, was sie im Beruf erwartet. Am Berufskolleg Schloß Neuhaus in meinem Wahlkreis Paderborn wurde in den vergangenen Jahren solche Veranstaltungen unter dem Titel „azubipilot“ erfolgreich von Berufsschülern und –schülerinnen selbst vorbereitet und durchgeführt.

Ein weiteres wichtiges Angebot sind die Ausbildungsplatzbörsen, die von IHK’s und Arbeitgeberverbänden organisiert werden.

Ihre Einschätzung der Betreuung der Jugendlichen durch die Agenturen für Arbeit teile ich allerdings nicht. Die Betreuung und die Vermittlung junger Menschen unter 25 Jahren hat im Rahmen der Arbeitsmarktreform der SPD-geführten Bundesregierung absolute Priorität. Sie setzt auf eine an der individuellen Problemlage ausgerichtete Beratung und Begleitung von arbeitslosen Jugendlichen.
Mittlerweile ist fast überall das Ziel erreicht, dass ein Fallmanager für etwa 75 jugendliche Arbeitslose zuständig ist, früher war das Betreuungsverhältnis wesentlich schlechter. Insofern trifft Ihre Annahme, dass die Arbeitsämter „durch Überlastung kaum in der Lage“ seien eine „qualifizierte Einzelfallberatung durchzuführen“ nicht (mehr) zu. Dies weiß ich auch aus eigenen Erfahrungen vor Ort und Kontakten, die ich mit der Agentur für Arbeit in meinem Wahlkreis Paderborn pflege. Sicherlich, und das bestätigen mir auch die Berufsberater vor Ort, gibt es Fälle, bei denen sich die Betreuung sehr schwierig gestaltet, aber das hat oftmals mit den individuellen Biographien der Jugendlichen zu tun. Häufig hätten vermutlich sozialpädagogische und therapeutische Maßnahmen bereits viel früher ergriffen werden müssen.

Hinweisen möchte ich Sie zum Schluss noch auf zwei wichtige Instrumente, die Jugendliche unterstützen sollen, die aufgrund eines schlechten Schulabschlusses zunächst keine Perspektive auf dem Ausbildungsmarkt haben. Zum einen sind dies die berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahmen, zum anderen das Einstiegsqualifizierungsjahr. Das letztgenannte Instrument ist ein Bestandteil des Ausbildungspaktes mit der deutschen Wirtschaft. Es bietet allen Jugendlichen, die dies ernsthaft anstreben, die Möglichkeit, in einem Betrieb berufspraktische Erfahrungen zu sammeln. Wenn, wie beabsichtigt, nach einem Jahr auch eine Ausbildung in diesem Beruf begonnen wird, besteht die Chance, dass ein halbes Jahr des Berufseinstiegsjahres auf die Ausbildung angerechnet wird.

Fazit: Unser Ziel ist es, dass arbeitslose junge Menschen die Ausbildung oder Arbeit finden, die ihrer Eignung, Neigung und Leistungsfähigkeit entspricht. In der Umsetzung dieses Ziels haben wir bereits große Fortschritte gemacht, aber natürlich dürfen wir in unseren Bemühungen nicht nachlassen - Reformen sollten nicht als punktuelle Maßnahmen begriffen werden, sondern als ein fortlaufender Prozess!

Mit freundlichen Grüßen,

Ute Berg