Sonja Amalie Steffen
SPD
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Frage von Gvz Jvyy an Sonja Amalie Steffen bezüglich Soziales

# Soziales 24. Aug. 2012 - 00:32

Werte Frau Steffen,

ich bin früh mit meiner Familie auf die Insel Rügen gezogen und hier aufgewachsen. Jetzt studiere ich in der Hauptstadt, und allmählich habe ich Bedenken was meine Heimat angeht.
Es geht um die Gefahr von Rechts. Es wird wenig berichtet weil es eher wenig Vorfälle gibt, doch die meisten Rüganer wissen genau, dass es hier nur allzu viele gibt, die mit rechtsradikalen und antidemokratischen Grundsätzen sympathisieren. Jene zeigen sich nicht unbedingt offen, fallen aber regelmäßig, selbst wenn es nur unterschwellige Kommentare sein mögen, unangenehm auf.

Ich empfinde wenig Mitleid für Nazis, fürchte aber um den Frieden der Menschen die noch bei Vernunft sind und Demokratie als, zwar nicht perfektes, aber derzeit menschenwürdigstes System anerkannt haben.
Die bevölkerungsstärkste Schicht sind hier nun einmal die Senioren, die dem braunen Klientel nichts entgegen zu setzen haben. Und andererseits junge Menschen, die in ihrer Freizeit wenig zu tun haben, sich langweilen und so leichte Beute für die Parolen der Rechten darstellen. Rügen ist wunderschön, als pubertärer 15-jähriger hat man jedoch andere Dinge im Kopf als Kreideküsten und Feuersteine.

Das alles mag sich etwas drastisch anhören und es lebt sich hier wirklich noch gut. Ich hoffe dennoch sie merken worauf ich hinaus will. Die Perspektivlosigkeit übermannt den Nordosten, die Jungen flüchten Richtung Süden und die Älteren sind wehrlos. Die Insel verdient ihr Geld mit Tourismus und scheint wenig Wert darauf zu legen, den Einheimischen mehr Möglichkeiten der Lebensgestaltung auszubreiten. Vielleicht haben sie ja Antworten für einen jungen Studenten, der sich schlicht und einfach Gedanken um die Zukunft seiner Heimat macht.

Mit freundlichsten Grüßen,
Tim W.

Von: Gvz Jvyy

Antwort von Sonja Steffen (SPD)

Sehr geehrter Herr Will,

vielen Dank für Ihre Anfrage.

Auch mich besorgt die Verbreitung rechtsextremer Ideologien in Mecklenburg-Vorpommern und meinem Wahlkreis sehr. Über die Ursachen und Hintergründe sowie die unterschiedlichen Bekämpfungsstrategien wird nach wie vor viel diskutiert und gestritten.

Ich habe in den letzten Jahren die Beobachtung gemacht, dass die Menschen in unserer Region sich immer mehr aktiv zur Wehr setzen gegen rechtsradikale Tendenzen. Vor einigen Wochen sind in Viereck rund 2000 Menschen zusammen gekommen, um gegen ein Treffen der NPD zu demonstrieren. Ich war selbst dabei und habe mich sehr gefreut, so viel couragierten Widerstand zu erleben. Auch sind jüngst Mitglieder der NPD durch beherztes Eingreifen demokratischer Parlamentarier aus dem Kreistag Vorpommern-Rügen entfernt worden.

Es gibt sehr viele Initiatven gegen Rechts in Mecklenburg-Vorpommern. Wir haben bundesweit großen Erfolg mit unserem "Storch Heinar"-Projekt und auch der Film "Klappe gegen rechts" hat für Aufsehen gesorgt. Im August haben Jugendliche aus der Region zum wiederholten Male die Musikreihe "Rock gegen Rechts" initiiert und mich eingeladen, einen Informationsabend zum Thema "Deutschland ohne Nazis - ist das zu schaffen?" einzubringen. Dafür habe ich meinen Kollegen Sönke Rix aus dem Deutschen Bundestag begrüßen können, der in dem NSU-Untersuchungsausschuss die verheerenden Fahnundungspannen der letzten zehn Jahre mit aufdecken hilft.

Regelmäßig lade ich Jugendliche aus meinem Wahlkreis in den Bundestag ein, um zu zeigen, dass die Demokratie lebt und es sich lohnt, sich für sie einzusetzen. In meiner Eigenschaft als Kreistagsmitglied setze ich mich dafür ein, dass in meinem Wahlkreis weitere Asylbewerber aufgenommen werden.

Mein besonderes Anliegen ist es, dass Toleranz in unserer Gesellschaft breiten Boden findet. Das geht nicht von heute auf morgen. Aber wir sollten dahin gelangen, dass es innerhalb der Bevölkerung auf großen Widerstand stößt, wenn rechtsradikale Symphatisanten ihre Überzeugung nach außen kund tun wollen. NPD-Kinderfeste, Naziparolen, fremdenfeindliche Äußerungen sollten zukünftig gesellschaftlich geächtet und damit unmöglich gemacht werden. Das wünsche ich mir und daran arbeite ich aktiv mit.

Mit freundlichen Grüßen

Sonja Steffen

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