Sabine Bangert
DIE GRÜNEN
Profil öffnen

Frage von Gbefgra Xhyvpx an Sabine Bangert bezüglich Kultur

# Kultur 07. März. 2016 - 10:45

http://www.tagesspiegel.de/berlin/armutsreport-berlin-brandenburg-2015-b... Kunst und Kultur sind Standortfaktoren. Wir bauten die Kunstlandschaft Spandau auf. Flüchtlinge strömen nach Spandau. "Wir haben in der Tat in den Berliner Jugendkunstschulen das Problem, dass wir oft nicht die Kinder erreichen, die wir erreichen wollen würden. Insbesondere bildungsferne Eltern und solche aus der dritten Migrantengeneration würde man kaum für die kulturelle Bildung ihres Nachwuchses interessieren und gewinnen können: ´Ich hoffe aber, dass wir noch gute Ideen entwickeln, um das zu ändern", Dr. Angelika Tischer, Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft.

"Künste öffnen Welten." Wir erarbeiteten eine Mobile Jugendkunstschule http://www.kunstlandschaft-spandau.de/ für Kinder aus bildungsfernen Familien, die in Immigrationszentren, sozialen Brennpunkten leben. Angelika Krüger-Leißner als Bundestagsabgeordnete: "Ich bin überzeugt, dass Ihr engagiertes Projekt in Spandau einen wichtigen Beitrag zur kulturellen Bildung und sozialen Integration leistet. Ich würde eine Fortsetzung Ihrer Arbeitsmöglichkeit ausdrücklich begrüßen." Die Wolfgang-Borchert-Schule nutzte Arbeiten und erhielt den Titel "Starke Schule"...

Wir erhielten 3000 Euro Projektmittel pro Jahr, für 2016 - 0 Cents. Prekäre Arbeitsbedingungen sind eine gesundheitliche Belastung. Wir brauchen von Seiten des Senats einen fair dotierten Werks- und Honorarvertrag, um u.a. in Staaken und Spandau Neustadt weiter arbeiten zu können. Die Kinder fragten: "Wann kommt Ihr wieder?" Wir sahen sie ratlos an.

Welche Konzepte haben Sie als Kulturverantwortliche Arbeitsbedingungen im Bereich Kultureller Bildung bürokratiearm, zuverlässig und sozial verträglich zu organisieren? Was könnten Sie sofort leisten, so dass wir weiter arbeiten können?

Von: Gbefgra Xhyvpx

Antwort von Sabine Bangert (GRÜNE) 21. März. 2016 - 13:16

Sehr geehrter Herr Kulick,

vielen Dank für Ihre Fragen, die ich gerne beantworten möchte. Wirklich bürokratiearmer insgesamt würde es in der kulturellen Bildung in Berlin nur zugehen, wenn der größte Teil der Angebote nur noch über Festangestellte in institutionell abgesicherten Strukturen - Kulturinstitutionen, Schulen, bezirklichen Musikschulen und Jugendkunstschulen - mit ausreichenden Mitteln angeboten würde. Das wäre auch zuverlässiger und sozial verträglicher. Aber damit würden wir sicherlich einen erheblichen Anteil an Innovation verlieren, den wir in der Kunst und in der kulturellen Bildung auch im projektbasierten Teil haben und fördern wollen. Nicht alle neuen Ideen und kulturellen Projekte lassen sich am besten in festen Strukturen umsetzen.

Ich unterstütze den derzeitigen Aufbau der kulturellen Bildung in Berlin mit beidem: mit den bezirklichen Einrichtungen und mit dem über das Land geförderten Projektfonds kulturelle Bildung. Und möchte die kulturelle Bildung insgesamt in der Stadt stärken. Denn das Problem ist doch, dass es aufgrund mangelnder Finanzierung in beiden Bereichen - in den Institutionen und bei den freien Projekten - nicht sozial verträglich und halbwegs zuverlässig vorgeht.

Die so genannte musische Bildung findet in den Schulen grundsätzlich zu wenig Beachtung im allgemeinen Lehrplan. An den öffentlichen Musikschulen wiederum wird der Betrieb eigentlich nur noch über Honorarkräfte aufrecht erhalten, sie erteilen 90 Prozent des Unterrichts. Fast die Hälfte arbeitet dort eigentlich arbeitnehmerähnlich - das Nettoverdienst ist aber gering. Wir setzen uns für einen Tarifvertrag für die Honorarkräfte an den Musikschulen ein. Für die Arbeitnehmerähnlichen müsste es, vergleichbar wie für die festen Freien der Rundfunkanstalten, tarifliche Regelungen geben.

Perspektivisch wollen wir mehr Lehrkräfte an den Musikschulen anstellen und zu einer Pauschalvergütung der Lehrenden zurück kommen. Zur Stärkung der Jugendkunstschulen als Schnittstelle zwischen dem schulischen und dem außerschulischen Bereich sollten diese in das Landes-Schulgesetz aufgenommen werden. Wie in so vielen Feldern der Berliner Politik hat dies alles auch mit der insgesamt zu knappen Finanzierung und personellen Ausstattung der Bezirke (als Träger der genannten Institutionen) zu tun. Es geht also auch darum, den Bezirken von Landesebene wieder mehr Mittel und Personal zukommen zu lassen.

Beim Projektfonds kulturelle Bildung - der eben antragsbasiert und befristet Mittel vergibt, teils über zentrale Strukturen, teils über die Bezirke - geht es nicht ohne halbwegs bürokratische Strukturen. Denn die Mittel müssen legitimiert und nachprüfbar vergeben werden. Die Arbeitsbedingungen in den Projekten sind aber ganz besonders prekär, quasi von der Natur der Sache her kaum planbar. Aber auch hier sollte es zumindest mittelfristig eine Art „Mindesthonorar“ geben, denn „prekär im öffentlichen“ Auftrag geht mit uns ganz grundsätzlich nicht, egal ob fest oder frei. Dafür bräuchte es aber eine beträchtliche Aufstockung dieses Bereichs. Wir haben zu diesem Thema letztes Jahr auf Parteiebene auch einen Beschluss gefasst, den Sie unter dem nachfolgenden Link finden:
https://gruene-berlin.de/sites/gruene-berlin.de/files/beschluss_gute_arb...

Ein weiteres Problem ist, dass neue Themen und notwendige Aufgaben (gerade) von KünstlerInnen früh entdeckt und angegangen werden und dann zur Förderung meist aber einfach unter bestehende Titel subsummiert werden. Ohne dass dafür eine ergänzende Finanzierung erfolgt oder Strukturen bereit gestellt werden. Ein passendes Beispiel dafür ist das Projekt „Berlin Mondiale“ für Partnerschaften zwischen Kultureinrichtungen und Geflüchteten-Unterkünften. Es wird gefördert durch den Projektfonds kulturelle Bildung, bräuchte in seiner Bandbreite aber eigentlich eigene Mittel außerhalb des Projektfonds. Der Kulturausschuss im Abgeordnetenhaus hat am 7.3.16 auch eine Anhörung zum Thema „Kulturelle Bildung und Teilhabe für Flüchtlinge“ vorgenommen, auf der Website des Abgeordnetenhaus dürften Sie bald das Wortprotokoll finden. Für Ihre Arbeit, zum Beispiel der mobilen Jugendkunstschule, ist tatsächlich der Bezirk ihr Hauptansprechpartner, der die Mittel größtenteils bewilligt. Gerne können Sie mich aber auch in meiner Sprechstunde im Abgeordnetenhaus besuchen und wir können Einzelheiten Ihrer Arbeit weiter besprechen.

Mit freundlichen Grüßen

Sabine Bangert, MdA