Roderich Kiesewetter
CDU
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Frage von Ynef Ohffr an Roderich Kiesewetter bezüglich Kinder und Jugend

# Kinder und Jugend 11. Sep. 2019 - 15:33

Sehr geehrter Herr Kiesewetter,

Ihre Partei ist vor Allem bei Jugendlichen sehr unbeliebt. So wählten bei der Europawahl nur etwa 13% der Wähler unter 30 die CDU. Dies liegt vor Allem daran, dass die CDU zu wenig für die Jugend tut (sie lehnt beispielsweise weiterhin die Herabsenkung des Wahlalters auf 16 ab) und bei so wichtigen Themen wie Klimaschutz, Bildung und Digitalisierung einfach nicht zu Potte kommt und weit hinterherhinkt. Auch Ihre Schwesterpartei, die CSU, ist bei jungen Wählern sehr unbeliebt, dies belegten jüngst noch einmal die katastrophalen Reaktionen und Kritiken auf das "CSYOU"-Video. Was hat die CDU/CSU also nun für Konzepte, um die Jugend mehr für sich zu begeistern?

Mit freundlichen Grüßen

Ynef Ohffr

Von: Ynef Ohffr

Antwort von Roderich Kiesewetter (CDU) 12. Sep. 2019 - 13:16
Dauer bis zur Antwort: 21 Stunden 43 Minuten

Sehr geehrter Herr Ohffr,

vielen Dank für Ihre Frage.

An Ihrer Analyse gibt es leider nichts zu deuteln. Die Wahlergebnisse insgesamt aber gerade auch das Wahlverhalten der jungen Wählerinnen und Wähler spricht eine eindeutige Sprache.

Die Gesamtgemengelage ist gegenwärtig sicherlich nicht zum Vorteil der CDU - neben externen Faktoren liegt das aber auch an eigenen Versäumnissen. Die Grünen, die gerade das Thema Klimaschutz seit vielen Jahren - zurecht - besetzten, haben hier die größte Glaubwürdigkeit. Aber es ist in der Opposition natürlich auch deutlich leichter Veränderungen zu fordern. Umsetzen konnten die Grünen bundespolitisch bis dato noch nichts.

Das Hauptaugenmerk liegt jedoch nicht auf den Grünen. Wir als CDU müssen hierfür stringente Lösungen anbieten. Weder ergibt es Sinn den Wählerinnen und Wähler der Grünen hinterherzurennen, noch sich rechteren Positionen in Richtung AfD anzubiedern.
Die CDU hat immer gut damit getan, in der Mitte nach einem Konsens zu suchen - dies ist in den aktuell sehr polarisierten Diskussionen mehr denn je gefragt. Dies klingt möglichweise weniger spannend und ist weniger medienwirksam als populistische Strategien. Es ist am Ende aber der einzig gangbare Weg. Ökologie geht nur im Einklang mit einer funktionierenden Ökonomie - gesellschaftlicher Wandel immer nur durch langfristige gemeinschaftliche Akzeptanz. Als Partei der Mitte, müssen wir dies viel deutlicher machen. Es ist wenig populär dafür einzutreten, daß auch ein Digitalpakt Schule - dessen Verabschiedung ich sehr begrüße - nicht den Föderalismus aushöhlen darf. Es ist aber unsere langfristige Aufgabe, immer ein Gleichgewicht zwischen Veränderung und benötigter Stabilität zu finden.

Die Probleme wirklich anzugehen und Lösungen auszutarieren, ist noch immer die besten Möglichkeit auch junge Wählerinnen und Wähler zu überzeugen. Dafür trete ich ein - nicht im Widerstand zu anderen Parteien, sondern im Wettbewerb um die besten Positionen.

Um Ihre Frage ganz konkret zu beantworten: Die CDU ist keine Partei, die begeistern möchte. Konkrete Sacharbeit in Kooperation mit allen demokratischen Parteien löst meist keine begeisterten Jubelstürme aus. Ich vertrete die Auffassung, dass eine tragfähige Lösung immer besser ist als eine begeisternde Idee ohne tragfähiges Ergebnis. Das müssen wir - gerade in Zeiten des aufkeimenden Populismus - zwar besser erklären. Aber uns nicht treiben lassen, nur weil die Gemengelage gerade herausfordernd ist.

Ich glaube, daß die CDU den jungen Wählerinnen und Wählern genau dies noch viel stärker anbieten muss - Konsensfähigkeit und eine ganz klare Ausrichtung und Positionierung in der Mitte der Gesellschaft.

Herzliche Grüße,
Ihr Roderich Kiesewetter