Richard Pitterle
DIE LINKE
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Frage von Hefhyn Jrore an Richard Pitterle bezüglich Umwelt

# Umwelt 10. Nov. 2016 - 11:40

Betr. Ihr Abstimmungsverhalten zur Petition Wildtierverbot im Zirkus:
Ihr Argument "...schon immer..." ist eins der primitivsten und für einen Linken unwürdig. Auch Kriege und Unterdrückung hat es schon immer gegeben. Ich hatte Sie bisher anders eingeschätzt. Ich vermute, das Thema interessiert Sie nur nicht und Sie sind deshalb uninformiert. Wie ist Ihre Haltung zu Tierschutz generell (Massentierhaltung, Zerstörung der Umwelt)?

Von: Hefhyn Jrore

Antwort von Richard Pitterle (LINKE) 21. Nov. 2016 - 17:59
Dauer bis zur Antwort: 1 Woche 4 Tage

Sehr geehrte Frau Weber,

vielen Dank für Ihre Frage. Selbstverständlich bin ich nicht für Kriege und Unterdrückung, nur weil es die auch immer schon gegeben hat, ganz im Gegenteil. Ich wollte mit meiner Anmerkung einfach darauf hinweisen, dass die Wildtierhaltung in Zirkussen eine lange Geschichte hat und man dementsprechend auch die Argumente der Befürworter einer Wildtierhaltung in Zirkussen zumindest anhören muss. Denn in der Tat habe ich Zuschriften sowohl von Gegnern als auch von Befürwortern der Wildtierhaltung in Zirkussen erhalten und habe die jeweiligen Argumente sehr intensiv gegeneinander abgewogen. Keinesfalls bin ich der Meinung, dass die Tierhaltung in Zirkussen nicht hinterfragt werden müsste. Im Gegenteil, wie Sie gelesen haben, habe ich ausdrücklich darauf hingewiesen, dass es darauf ankommt, dass die Tiere artgerecht gehalten werden. Das dürfte ohnehin daraus hinauslaufen, dass viele Tierarten, die schlicht nicht artgerecht gehalten werden können, fortan für einen Zirkusbetrieb nicht mehr in Betracht kämen.

Ich habe mich jedoch gegen ein generelles Verbot ausgesprochen, da ich absoluten Verbotsnormen ohne jegliche Möglichkeit, einen Einzelfall zu bewerten, grundsätzlich skeptisch gegenüberstehe. Ich habe bis 1970 im Realsozialismus gelebt und habe die Erfahrung gemacht, dass schlichte Verbote in allen möglichen gesellschaftlichen Bereichen nicht immer der richtige Ansatz sind, wenn man Probleme lösen will.

Da Sie auch das Thema Massentierhaltung angesprochen haben, möchte ich Sie noch auf diesen Passus des Wahlprogramms der LINKEN von 2013 aufmerksam machen, der nach wie vor meine vollumfängliche Zustimmung findet:

„DIE LINKE fordert eine bodengebundene und tiergerechte Nutztierhaltung. Haltungsformen müssen an die Tiere angepasst werden. Quälerische Praktiken in der Tierhaltung müssen unterbunden und Transporte lebender Tiere auf maximal vier Stunden begrenzt werden. Der Einsatz von Antibiotika ist auf das Nötigste zu reduzieren und nur in wirklichen Krankheitsfällen und nicht prophylaktisch zu verabreichen. Bei neuen oder unbekannten Tierkrankheiten wollen wir einen Notfonds für betroffene Betriebe. Zur Durchsetzung des Tierschutzrechtes sind die Behörden finanziell und personell besser auszustatten.“

Mit freundlichen Grüßen,
Richard Pitterle