Prof. Dr. Martin Neumann
FDP
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Frage von Znevn Uvafpur an Prof. Dr. Martin Neumann bezüglich Bildung und Forschung

# Bildung und Forschung 06. Aug. 2012 - 17:51

Sehr geehrter Prof. Neumann,

ich bin eine 16-jährige Schülerin, die ein brandenburgisches Gymnasium besucht und nächstes Jahr, nach 12 Jahren, ihr Abitur mit ca. 2,0 abschließen wird.
Meine erste Frage besteht darin, dass ich gerne wüsste warum Abgeordnete mit einem Durchschnittsalter von ca. Jahren über meine Schulzeit bestimmen können, aber ich nicht die geringste Chance sehe meinen Schulalltag mitbestimmen zu können.
Deshalb würde ich Ihnen gerne etwas von meinen Ansichten erzählen.
Es ist absurd jedes Jahr aufs Neue eine Schulreform durchzusetzen, da diese immer schlecht ausgeführt werden. Wenn das Abi nur 12 Jahre dauern soll, dann muss der Stoff auch irgendwo untergebracht werden. Heute habe ich mein altes Mathebuch wieder bekommen, da wir den Inhalt nicht geschafft haben, dazu kam aber noch ein neues, Buch und noch weniger Zeit. Die jetzige 11. Klassenstufe hat wieder ein neues System und keine will es. 5 Kurse auf „erhöhtem“ Niveau. Da würde ich gerne wissen, wo das erhöhte Niveau bleibt, wenn alle Deutsch und Mathematik belegen müssen. Außerdem müssen nicht in allen 5 Fächern Prüfungen geschrieben werden. Wozu soll man sie dann auf erhöhtem Niveau belegen? Dieses Bildungssystem beeinträchtigt extrem viele Personen. An meinem Gymnasium gibt es fast nur wohlhabende Schüler, aber nicht nur der Kostenpunkt soll hier angesprochen werden sondern auch die Unterrichtsform. In diesem System werden Leute die auditiv lernen stark bevorzug, dagegen werden motorisch Lernende stark benachteiligt. Unsere Lehrer sind überfordert. Sie haben viel zu viele Schüler. Sie schaffen es einfach nicht den Unterricht gut vorzubereiten. Der Unterricht ist so schlecht, dass eine Mitschülerin von mir komplett die Mitarbeit verweigert. Hinzu kommt Lehrermangel. Bei uns konnte nach einem Jahr endlich ein Lehrerwechsel stattfinden, nachdem die Lehrerin die Klasse wörtlich aufgegeben hatte.

Ich würde mich freuen, wenn Sie sich zu den angesprochenen Punkten äußern könnten.
Maria Hinsche

Von: Znevn Uvafpur

Antwort von Martin Neumann (FDP) 29. Aug. 2012 - 08:58

Sehr geehrte Frau Hinsche,

vielen Dank für Ihre Anfrage. Es freut mich, dass Sie sich als Schülerin stärker in die Bildungspolitik einbringen möchten. Mit dem Landesschülerrat Brandenburg gibt es bereits eine überregionale Interessenvertretung von Schülern für Schüler. Diese bringen sich aktiv in die Bildungspolitik in Brandenburg ein und werden beispielsweise auch in öffentlichen Anhörungen vom Landtag angehört. Leider nimmt die brandenburgische Landesregierung die Kritik der Schüler und Schülerinnen manchmal nicht so ernst, wie es eigentlich sein sollte, beispielsweise beim Schüler-Bafög.

Darüber hinaus setzen wir uns als Liberale für die eigenverantwortliche Schule ein, in der Lehrende und Lernende gemeinsam die Schule und den Schulalltag gestalten können. Die Regierung und die Abgeordneten sollen künftig nur die Rahmenbedingungen, beispielsweise zur Qualitätssicherung schaffen. Konkret heißt das, die FDP möchte weniger Reformen von oben und mehr Eigeninitiative an der Schule. Im Grundsatzprogramm der FDP Brandenburg heißt es dazu auf Seite 16: „Durch eigenverantwortliche Bildungseinrichtungen werden nicht nur regionale und fachliche Schwerpunkte gefördert, sondern den Eltern und Kindern ein breites Angebot an verschiedenen Bildungsansätzen offeriert.“ ( http://partei.fdp-brandenburg.de/files/2231/Brandenburg_Ansicht.pdf )

Das Abitur nach 12 Jahren ist ein klassisches Beispiel für die fehlerhafte Umsetzung einer guten Idee. Ein großer Fehler bei der sogenannten G8-Reform war und ist es, dass Schüler, Eltern, Lehrer und Direktoren vor Ort allein gelassen wurden. Veränderungen an der Ausgestaltung des Abiturs müssen deswegen zusammen mit Schülern, Eltern, Lehrern und Direktoren gestaltet, nicht an ihnen vorbei dirigiert werden. Teilweise hat man durch die Überfrachtung der Lehrpläne sowohl Schüler, als auch Lehrer überfordert.

Auch in den weiteren Punkten kann ich Ihnen nur beipflichten. Durch die Kürzungen im Bildungsbereich durch die SPD/Linke-Landesregierung und dem mangelnden Gestaltungsspielraum, kommt es in den Schulen weder zu individueller Förderung noch zu einer vernünftigen Betreuungsrelation im Unterricht. Schlechte Betreuung infolge Lehrermangel verstärkt dabei noch die Abhängigkeit des Bildungserfolges von der sozialen Herkunft. Dementsprechend brauchen wir für Brandenburg eine Bildungspolitik, die Schulen den finanziellen und rechtlichen Spielraum gibt, genügend Lehrer einzustellen, den Unterricht individuell zu gestalten sowie auf die Talente und Schwächen der Schüler einzugehen. Dafür setzt sich die FDP-Landtagsfraktion in Brandenburg ein.

Auf Bundesebene unterstützen wir den Bildungsbereich, soweit es das Grundgesetz zulässt. Während die Bundesregierung in dieser Wahlperiode mit zusätzlichen 12 Milliarden Euro den höchsten Etat im Bildungsbereich aller Zeiten beschlossen hat, kürzt die brandenburgische Landesregierung den Schulen die Mittel und opfert somit Bildungschancen für brandenburgische Schüler. Das verdeutlicht, wie unterschiedlich die Prioritäten der Parteien für die Bildungspolitik sind.

Wenn Sie sich stärker einbringen wollen, gibt es auch eine liberale Jugendorganisation, die sich für bessere Bildungschancen in Brandenburg einsetzt. Das sind die Jungen Liberalen Brandenburg – Informationen und Kontaktdaten finden Sie dazu unter: www.julis-brandenburg.de

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg für Ihr anstehendes Abitur und verbleibe

mit besten Grüßen aus Berlin

Martin Neumann