Prof. Dr. Maria Böhmer
CDU
Profil öffnen

Frage von Qnivq Ngyna an Prof. Dr. Maria Böhmer bezüglich Gesundheit

# Gesundheit 20. Aug. 2009 - 18:17

Sehr geehrte Frau Dr Boehmer,

ich habe auf der ´Bild´ eine Nachricht gesehen wo von einer "Gesundheits-Hotline auf türkisch" die Rede ist. Wieviel wird diese Hotline den Steuerzahler/AOK Versicherten kosten, zu einer Zeit wo alle den Guertel enger schnallen sollen? Warum gibt es diese Hotline nur auf tuerkisch?
Darf ich, als Franzose, der in Deutschland lebt keine Hotline auf franzoesisch bekommen?
Oder beruht diese Hotline auf einer Reziprozitaet mit der Tuerkei die dort eine Hotline auf deutsch anbiete?

Mit freundlichen Gruessen,

Dr David Atlan

Von: Qnivq Ngyna

Antwort von Maria Böhmer (CDU) 21. Aug. 2009 - 14:57
Dauer bis zur Antwort: 20 Stunden 39 Minuten

Sehr geehrter Herr Dr. Atlan,

vielen Dank für Ihre Anfrage. Mit Hilfe der neuen Hotline sollen insbesondere türkische Eltern über Vorsorgeuntersuchungen und Impfprogramme für Kinder informiert werden. Die Auskünfte geben türkisch-stämmige Ärzte und Gesundheitsexperten in türkischer Sprache. Entwickelt haben das Projekt die Türkisch-Deutsche Gesundheitsstiftung in Gießen, der medizinische Service-Dienstleister "MD Medicus" in Ludwigshafen und der bundesweit aktive Krankenversicherer "City BKK". Ich habe die Schirmherrschaft übernommen. Die Service-Hotline ist ein großer Schritt zur Verbesserung der Gesundheitsversorgung von türkischen Kindern.

Zugleich ist das neue Angebot ein wichtiger Beitrag zur Überwindung von kulturellen und sprachlichen Barrieren und somit zur Integration. Denn häufig sind fehlende deutsche Sprachkenntnisse und ein kulturell anderes Verständnis der Grund, warum Migranteneltern mit ihren Kindern nicht zum Arzt zu gehen. Die Gesundheitsprävention ist bei Kindern und Jugendlichen aus Zuwandererfamiien deutlich schlechter als bei Gleichaltrigen ohne Migrationshintergrund. So nehmen nur 68,5 Prozent der Kinder mit beidseitigem türkischen Migrationshintergrund an allen Vorsorgeuntersuchungen teil. Bei Kindern mit einseitigem bzw. ohne Migrationshintergrund sind es 86,2 Prozent. Auch bei den Impfungen sind die Unterschiede entsprechend groß: Vor allem Kinder, die nach der Geburt nach Deutschland kommen, sind weniger geimpft als andere.

Fehlende Deutschkenntnisse der Eltern dürfen nicht zu Lasten der Gesundheit ihrer Kinder gehen. Wenn hier ein fremdsprachliches Angebot Abhilfe schaffen kann, so ist damit in keiner Weise die wichtige integrationspolitische Zielsetzung der Bundesregierung in Frage gestellt: das Fördern und Fordern der Deutschkenntnisse.

Im Übrigen ist geplant, den Service auch für Deutsche in der Türkei anzubieten.

Mit freundlichen Grüßen
Maria Böhmer