Prof. Dr. Lars Castellucci
SPD
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Frage von Qraavf Ervpuneq an Prof. Dr. Lars Castellucci bezüglich Finanzen

# Finanzen 05. Sep. 2013 - 17:11

In Ihrem Steuermodell steigt der Grenzsteuersatz im Bereich von ca. 15.500€ bis 100.000€ Einkommen linear an. Lediglich im Bereich von ca.52.500€ bis 64.000€ bleibt er konstant auf 42%. Danach steigt er wieder. Können Sie mir nachvollziehbar erklären, warum es sinnvoll ist, dass der Steuersatz in diesem Intervall konstant bleibt?

Von: Qraavf Ervpuneq

Antwort von Lars Castellucci (SPD)

Sehr geehrter Herr Reichard!

Sie schreiben: "... steigt der Grenzsteuersatz im Bereich von ca. 15.500€ bis 100.000€ Einkommen linear an." Dieser Verlauf ist abschnittsweis linear, aber mit unterschiedlichen Steigungen. Sie schreiben auch sehr richtig: " Grenzsteuersatz". Aber den Grenzsteuersatz bezahlt niemand. Tatsächlich wird der Durchschnittsteuersatz bezahlt, der sich als relativ glatte Kurve, beginnend bei 8.130 Euro mit zunehmendem ansteigend asymptotisch dem Spitzensteuersatz von 49 % nähert. Ich schreibe " relativ glatte Kurve," weil an den jeweiligen Steigungswechseln kleine Einbuchtungen in der Kurve gibt, die für die Steuerzahler aber marginal sind.

Ihre Frage: "warum es sinnvoll ist, dass der Steuersatz in diesem Intervall konstant bleibt", lässt sich mit dem bisherigen Verlauf beantworten. Wir wollten am bisherigen Verlauf bis zu einem zu versteuernden Einkommen von 64.000 Euro, also einem Bruttoeinkommen von über 70.000 Euro nichts ändern. Die Änderungen wirken sich erst ab einem Einkommen, das darüber liegt aus. Es wäre "sicher schön" die Progressionszone sich in ihrem gesamten Verlaus als eine Gerade mit konstanter Steigung vorzustellen, also insbesondere ohne den Waigelbuckel... aber entweder unter fiskalischen Gesichtspunkten oder mit Blick auf die Steuerzahlung gibt es dafür (auch in der Wissenschaft) noch kein tragfähiges Modell.

Schauen wir genauer auf unseren Vorschlag im Regierungsprogramm: Bei dem von der SPD tat-sächlich „geplanten“ Einkommensteuertarif mit einem Spitzensteuersatz von 49 % ab einem z.v.E. von 100.000 Euro (Ledige) bzw. 200.000 Euro (zusammen Veranlagte), also einem monatlichen z.v.E. von ca. 8.300 bzw. 16.600 Euro würde (glauben wir dem Bund der Steuerzahler ) bei einem Jahres-gehalt von 70.000 Euro etwa 35 Euro mehr zu zahlen sein als bisher, also 3 Euro pro Monat. Ein Ehepaar mit zusammen 500.000 Euro Bruttogehalt müsste danach 24.810 Euro mehr Steuern im Jahr zahlen, also etwa 2.000 Euro im Monat. Bei einem Jahresgehalt von 100.000 Euro fallen 1.328 Euro zusätzlich an, also etwa 110 Euro pro Monat. Wenn wir bedenken, dass das Durchschnittseinkommen bei etwa 30.000 Euro liegt, also viele Menschen mit sehr viel weniger auskommen müssen, sollten die erwähnten 3 oder 110 Euro oder sogar die 2.000 Euro im Monat bei einem Einkommen von einer halben Million Euro Jahreseinkommen zu verkraften sein.

Die Betrachtung des Anteils der Erwerbsbevölkerung in bestimmten Einkommensdezilen zeigt, dass wir damit vollständig in einer Einkommensgruppe liegen, die kleiner ist als 5 % der Erwerbsbevölkerung: Nach dem Statistischen Bundesamt, Datenreport 2008, bekommen 94,5 % der Erwerbsbevölkerung unter 52.300 Euro.

Freundliche Grüße in den Osten des Wahlkreises
Ihr

Lars Castellucci

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