Ortwin Runde
SPD
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Frage von Treuneq Ergu an Ortwin Runde bezüglich Bildung

# Bildung 04. Sep. 2005 - 14:03

Sehr geehrter Herr Runde,

gibt es Studienfächer, bei denen der Nutzen für die Allgemeinheit gering ist und in keinem angemessenen Verhältnis zu den Kosten steht?

In Hamburg wurde 1954 die Kirchliche Hochschule in die Hamburg Uni integriert. Dadurch konnte die Kirche die Kosten auf die Stadt abwälzen.

Dadurch könnten aber noch weitere Kosten entstehen. Was muss nach Ihrer Meinung geschehen, wenn nichtchristliche Religionsgemeinschaften unter Hinweis auf Art. 3 Grundgesetz(Verbot der Benachteiligung) auch die Ausbildung an der Hamburger Uni fordern?

Bremen hat diese Problem nicht. Dort gibt es keinen Theologischen Studiengang.

Freundliche Grüße
Gerhard Reth

Von: Treuneq Ergu

Antwort von Ortwin Runde (SPD)

Sehr geehrter Herr Reth,
vielen Dank für Ihre Fragen, die jedoch einen überwiegend landespolitischen Schwerpunkt haben. Das gilt sowohl für die hochschul- und universitätsbezogenen Aspekte als auch jene zum Verhältnis von Kirche und Staat (auch Konkordate sind Ländersache).

Zunächst: Selbst wenn der finanzielle Aufwand für einen Studienplatz mittlerweile wohl differenziert werden kann, hielte ich es für vermessen, einer Wissenschaftsdisziplin einen größeren oder kleineren Nutzen für „die Allgemeinheit“ zuzusprechen als einer anderen. Dafür ist schon mein Respekt vor der Wissenschaftsfreiheit und der Breite menschlichen wissenschaftlichen Strebens zu groß. Dabei bleibt es im Rahmen einer demokratisch gestützten Entscheidung natürlich unbenommen, ob ein Gemeinwesen aufgrund von ihm erkannter Bedürfnisse die Unterstützung seiner Universität mit Schwerpunktsetzungen begleitet. Gerade in einer Weltstadt wie Hamburg sollte dies aber immer mit sehr großer Weitsicht geschehen.
Dies gilt auch für die von Ihnen angerissene Frage von Theologie-Studiengängen, deren Einrichtung und Ausstattung nicht nur das sehr wichtige und sensible Feld des Verhältnisses von Staat und Kirche berührt, sondern auch des gesellschaftlichen Umgangs mit Religion, Religionsfreiheit, Toleranz und der Bildung dazu. Ohne mehr im Detail jetzt zu den Hintergründen der von Ihnen vorgetragenen Eingliederung der Kirchlichen Hochschule in die Hamburger Universität zu wissen, kann ich mir vorstellen, dass es dafür sehr gute Gründe gegeben haben mag, diesen Weg zu beschreiten.

Mit freundlichen Grüßen

Ortwin Runde