Ole Thorben Buschhüter
SPD
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Frage von Qvrgre Senapxr an Ole Thorben Buschhüter bezüglich Verkehr / Infrastruktur / Stadtentwicklung

Sehr geehrter Herr Buschhüter,

ich hatte am Wochenende Werbung von Ihnen im Briefkasten. Darin schrieben Sie, dass Rahlstedt eine "richtige S-Bahn" braucht. Eine S 4 hatten wir doch schon mal, heute heißt sie R 10.
Was muss ich mir unter einer "richtigen S-Bahn" vorstellen.

Mit freundlichen Grüßen
Dieter Francke

Von: Qvrgre Senapxr

Antwort von Ole Thorben Buschhüter (SPD)

Sehr geehrter Herr Francke,

ich bin der Meinung, dass Wandsbek und Stormarn endlich einen angemessenen Anschluss an das Hamburger Schnellbahnnetz erhalten müssen. Der heutige Betrieb auf der Linie R 10 mit seinem 30-Minuten-Takt bis Ahrensburg, zudem verspätungsanfällig und in eher rumpeligen Nahverkehrszügen, wird einem solchen Anspruch in keinster Weise gerecht. Die Verlängerung der S-Bahn nach Stade zeigt, dass viele Menschen bereit sind, auf die Bahn umzusteigen, wenn das Angebot stimmt. Für Fahrgäste aus Tonndorf, Rahlstedt und Ahrensburg stimmt das Angebot gegenwärtig aber nicht. Das Fahrgastpotenzial wird so bei weitem nicht ausgeschöpft.

In ihrem Regierungsprogramm schreibt die Hamburger SPD: "Wir werden dafür sorgen, dass auf der Strecke Hamburg - Ahrensburg - Bad Oldesloe eine S-Bahn nach dem üblichen Hamburger Standard ausgebaut wird." Grundlage der bisherigen Überlegungen ist eine Machbarkeitsstudie der S-Bahn Hamburg GmbH aus dem Jahre 2003, die ergeben hatte: Nur rund 210 Mio. Euro würde eine 17,3 km lange größtenteils zweigleisige S-Bahn-Strecke von Hasselbrook nach Ahrensburg-Nord mit acht statt bislang vier Haltestellen kosten (zum Vergleich: Die kurze HafenCity-U-Bahn mit zwei Haltestellen kostet rund 300 Mio. Euro). Die S-Bahn-Gleise würden neben die vorhandenen beiden Fernbahngleise gebaut, der Platz wird seit Jahrzehnten genau hierfür freigehalten. Die Studie erwartet einen Fahrgastzuwachs von 50 bis 70 %. Ich wäre allerdings nicht überrascht, wenn der Fahrgastzuwachs noch höher ausfallen würde. Bei der Stader S-Bahn wurden die Erwartungen ja auch von Beginn an übertroffen. Zwischen Ahrensburg-Nord und Bad Oldesloe soll die S-Bahn wie bei der Stader S-Bahn die elektrifizierten Fernbahngleise mitbenutzen. Aus der heutigen RegionalBahn-Linie R 10 würde dann die S-Bahn-Linie S 4. Mit ihr könnten endlich ein dichter Taktverkehr (10-Minuten-Takt), ein vom übrigen Bahnverkehr unabhängigerer Betrieb (bessere Pünktlichkeit!) und umsteigefreie Verbindungen bis direkt in die Hamburger Innenstadt ermöglicht werden. Das ist es, was ich mit einer "richtigen S-Bahn" meine und dafür werde ich weiter kämpfen.

Der CDU-Senat hat das Thema über die letzten sechs Jahre sträflich vernachlässigt, dachte wohl, die Elektrifizierung der Strecke würde schon alles richten. Doch dem ist nicht so: Von der Elektrifizierung, die im Dezember abgeschlossen sein wird, sind keine nennenswerten Verbesserungen für den Nahverkehr zu erwarten. Durch eine bessere Beschleunigung der E-Loks kann die Fahrzeit zwischen Hamburg und Rahlstedt um eine Minute (!) verkürzt werden. An dem derzeitigen Fahrplanangebot, 30-Minuten-Takt mit einigen zusätzlichen Zügen im Hauptverkehr, wird sich jedoch nichts ändern. Denn die zusätzlichen Trassenkapazitäten, die die Elektrifizierung mit sich bringt, sollen nur dem wachsenden Güterverkehr zugute kommen. Deshalb ist es umso wichtiger, dass nach dem Güterverkehr nun endlich auch einmal der jahrelang vernachlässigte Nahverkehr auf dieser Strecke ins Visier der Politik rückt. Das Projekt S 4 braucht ein Sprachrohr in der Bürgerschaft. Deshalb kandidiere ich.

Mit freundlichen Grüßen

Ole Buschhüter

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