Dipl.-Psychologin Nicole  Morsblech
FDP
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Frage von Wraavsre Terira an Dipl.-Psychologin Nicole  Morsblech bezüglich Soziales

# Soziales 11. März. 2011 - 14:21

Sehr geehrte Frau Morsblech,

als Projektgruppe des Lina-Hilger-Gymnasiums „Lihi Goes Fair“ engagieren wir uns für den fairen Handel in unserem Umfeld. Wegen den anstehenden Juniorwahlen würde uns sehr interessieren, wie Sie und Ihre Partei sich mit diesem Thema auseinander setzen. Daher würden wir uns sehr freuen, wenn Sie uns folgende Fragen beantworten würden.

1) Wie steht Ihre Partei dem Thema „Fairtrade“ gegenüber?
2) Inwiefern ist der faire Handel in Ihrem Parteiprogramm integriert?
3) Wie ist Ihre persönliche Meinung zu diesem Thema?

Vielen Dank

Mit freundlichen Grüßen
Projektgruppe "Lihi Goes Fair"

Von: Wraavsre Terira

Antwort von Dipl.-Psychologin Nicole  Morsblech (FDP) 15. März. 2011 - 14:02

Sehr geehrte Frau Greven,

vielen Dank für Ihre Anfrage. Freier und Fairer Handel auf Augenhöhe zwischen
Produzenten und Abnehmern ist eine Grundvoraussetzung für funktionierenden
Wettbewerb auch auf den Rohstoffmärkten für Genussmittel wie Kaffee, Kakao und
andere Rohstoffe.

Die bestehenden Konzepte von Vereinigungen, die es sich zum Zweck gemacht haben,
besonders vorbildliche Handelsbedingungen mit Produzenten in Ländern der Dritten
Welt oder in Schwellenländern zu fördern, sind mir bekannt. Die hierbei
verfolgte Intention begrüße ich sehr. Der Produzent ist im Regelfall darauf
angewiesen, mit der Produktion der Güter seinen Lebensunterhalt zu bestreiten.
Dies ist jedoch nur möglich, wenn er auch einen angemessenen Preis für seine
Waren erhält.

Es muss allerdings dabei verhindert werden, dass Produzenten durch einseitige
Preisfestlegungen durch die Händler und rigoros gestaltete Richtlinien in eine
andersartige Form der Abhängigkeit zu den Handelsunternehmen gezogen werden. Zu
denken ist dabei an Regelungen, die beispielsweise Bauern verbietet, mit ihrem
Betrieb über eine gewisse Größenordnung hinaus zu wachsen, oder die erfordern
bei der Bestellung der Felder und Plantagen keinerlei Maschinen zu verwenden.
Derartige Richtlinien sorgen letztlich nicht für einen „fairen“ Handel, der dem
Rohstoffproduzenten eine selbstbestimmte Existenz erlaubt, sondern für eine
Verstetigung der Abhängigkeit einzelner Betriebe im Produktionsland.

Ich kaufe persönlich gelegentlich Produkte aus fairem Handel soweit die Anbieter
eine transparente Preisstruktur bieten, und ich nachvollziehen kann, welche
Beträge tatsächlich den örtlichen Produzenten zu Gute kommen, ohne dass diese in
ihrer Produktion an ungerechte Auflagen gebunden werden, oder ein deutlicher
Teil des Mehrpreises lediglich auf die Wertschöpfungskette im hiesigen
Absatzmarkt entfällt. Leider bieten nicht alle Anbieter fair gehandelter
Produkte die hierzu erforderliche Transparenz.

Die FDP hat in ihrem Parteiprogramm für die Landtagswahl keine ausdrücklichen
Regelungen zu fairem Handel getroffen und vertritt die Auffassung, dass ein
Engagement der informierten Bürgerinnen und Bürger über ihr eigenes
Verbraucherverhalten das beste Regulativ gegen ruinösen Handel zulasten von
Produzenten in der Dritten Welt darstellt. Entwicklungsminister Dirk Niebel
fördert im Rahmen seiner Arbeit auf Bundesebene internationale
Handelsbeziehungen mit produzierenden Ländern auch unter dem Gesichtspunkt des
fairen Handels.

Eine generelle Befürwortung einzelner Label oder Marken als „fair“ halte ich
persönlich nicht für zielführend. Freier Handel steht dem zertifizierten Handel
nicht notwendigerweise nach, sofern die erzielten Preise marktgerecht sind und
dem indigenen Produzenten ein angemessenes Auskommen ermöglichen. Das Ziel des
fairen Handels muss es sein, die landwirtschaftlichen Perspektiven der
Produzenten im Produktionsland mittel- bis langfristig entscheidend zu
verbessern.

Mit freundlichen Grüßen,

Nicole Morsblech, MdL