Monika Gärtner-Engel
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Frage von Naqernf Fpuöaoretre an Monika Gärtner-Engel bezüglich Familie

# Familie 24. Aug.. 2009 - 16:10

Sehr geehrte Frau Gärtner-Engel,

Ich habe eine Frage zum Thema Familienpolitik:

Nach meinem Empfinden kommt die Familienpolitik zur Zeit etwas in Schieflage, da zwar die öffentliche Betreuung der Kinder vom Kleinkindalter an (Horte, später Ganztagesschule...) massiv gefördert und ausgebaut wird, um Familien zu entlasten, bei denen sowohl der Vater als auch die Mutter erwerbstätig sind. Andererseits geraten aber die Familien immer mehr ins Hintertreffen, in denen die Mutter sich ganz bewusst für ein Leben als Hausfrau und Mutter bzw. "Familienmanagerin" entscheidet. Es sollten nach meiner Überzeugung nicht nur die berufstätigen Frauen im Fokus stehen. Auch die "Nur-Mütter", die sich durchaus selbstbewusst für diesen anderen Weg entschieden haben, leisten einen wesentlichen Beitrag für unser Gemeinwesen und ihre Lebensleistung sollte entsprechend respektiert und anerkannt werden - ideell und finanziell. Dasselbe gilt selbstredend entsprechend auch für sogenannte "Hausmänner".

Daher meine Frage:
Wie stehen Sie zur Forderung nach einem sogenannten Betreuungsgeld, das ab dem Jahr 2013 (warum eigentlich erst dann!?) an Eltern gezahlt werden soll, die sich dafür entscheiden, dass ein Elternteil auf die finanziellen Vorzüge der Erwerbstätigkeit verzichtet, um sich der Erziehung der Kinder zu widmen, die ja laut Grundgesetz Recht und Pflicht zuförderst der Eltern sein soll (und nicht des Staates)?

Übrigens: Man kann natürlich immer argumentieren: Es ist kein Geld da. Aber da entgegne ich: Für die öffentliche Betreuung der Kinder ist ja ganz offensichtlich auch Geld da...

Mit freundlichen Grüssen und besten Wünschen,
Ihr Andreas Schönberger

Von: Naqernf Fpuöaoretre

Antwort von Monika Gärtner-Engel (MLPD) 26. Aug.. 2009 - 13:40
Dauer bis zur Antwort: 1 Tag 21 Stunden

Lieber Andreas Schönberger!
Vielen Dank für Ihre Frage.

Zunächst möchte ich betonen, dass Frauen und Familien die freie Wahl haben sollen, ob die Frau/ der Mann berufstätig ist oder sich (zeitweilig) auf die Kindererziehung und die (reichliche) Arbeit in der Familie konzentriert. Deshalb kritisieren wir auch eine Tendenz, die Löhne soweit abzubauen, dass eine Familie nur noch durch zwei Verdiener ernährt werden kann. Der Einführung eines Betreuungsgeldes für Eltern, die ihre Kinder zu Hause betreuen wollen oder müssen, stehe ich dennoch kritisch gegenüber.
Meiner Meinung nach werden Frauen - und teilweise auch Männer - durch dieses Betreuungsgeld dazu animiert, zu Hause zu bleiben, evtl. ihren Beruf aufzugeben usw. Damit würde staatlich gefördert, eine eigenständige Berufstätigkeit aufzugeben und damit würden auch die Möglichkeiten zur aktiven Teilnahme am gesellschaftlichen Leben eingeschränkt. Die Verantwortung für die Erziehung und Bildung der Kinder wird tendenziell verstärkt wieder den Familien aufgeladen.
In ihren Ansprüchen auf eventuell einmal nötiges Arbeitslosengeld oder die Rente zahlen insbesondere Frauen die Zeche für einen langfristigen Ausstieg aus dem Erwerbsleben.
Deshalb trete ich hauptsächlich ein für eine qualitativ hochwertige Betreuung und Erziehung von Kindern in Tagesstätten, Ganztagsschulen, Sportvereinen, Jugendhäusern usw, wozu natürlich auch entsprechend gut ausgebildetes (und bezahltes!) Personal eingestellt werden muss.
Ich gebe Ihnen voll und ganz recht, dass das Argument der „leeren Kassen“ völlig verfehlt ist. Wir haben ja vor kurzem erlebt, wie die Bundesregierung 500 Milliarden Euro über Nacht an Banken und Konzerne verschenkt hat! Seitdem hat das Argument der leeren Kassen vollends an Glaubwürdigkeit verloren.
Dabei kann mir sicher jede Mutter und auch jeder Vater zustimmen, wenn ich - auch aus eigener Erfahrung mit meinen drei Kindern - sage, dass Kindergärten und Ganztagsschulen mit dem entsprechenden Programm und Ausstattung ebenso wie genügend qualifizierten Kräften das Sozialverhalten, den solidarischen Umgang unter Jugendlichen und Kindern eher fördern und stärken können als eine einzelne Kleinfamilie dies kann. Das macht selbstverständlich die enge Beziehung der Kinder zu ihren Eltern und die familiäre Erziehung nicht überflüssig – ergänzt und bereichert sie aber unbedingt.

Kurz und gut: die finanziellen Voraussetzungen für eine Wahlfreiheit der Familien über die Berufstätigkeit beider Elternteile müssen vorhanden sein; das hauptsächliche Instrument dafür ist aber die Lohn- und Gehaltspolitik. Staatlich gefördert werden sollte vorrangig die optimale Ausstattung der gesellschaftlichen, familienergänzenden Kinderbetreuung.

Mit freundlichen Grüßen

Monika Gärtner-Engel