Mike Nagler
DIE LINKE
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Frage von Puevf Qrere an Mike Nagler bezüglich Arbeit

# Arbeit 08. Sep. 2009 - 13:58

Sehr geehrter Mike Nagler,

Sie werben ja in meinem Wahlkreis Leipzig II um meine Stimme zur Bundestagswahl.
Mich persönlich interessiert neben den Wahlprogrammen der Parteien aber auch,
wie die Kandidaten ihre bisherige Arbeit und sich selbst einschätzen.

Was würden Sie als Ihre wichtigste politische Entscheidung im Sinne und zum Wohle der Menschen bezeichnen? Und zweitens: Was sind ihre persönlichen Stärken die Sie zu einem guten und vertrauenswürdigen Politiker machen?

Mit freundlichen Grüßen,

Chris Dérer

Von: Puevf Qrere

Antwort von Mike Nagler (LINKE) 18. Sep. 2009 - 09:18

Sehr geehrter Herr Derer,

vielen Dank für ihre Frage und Entschuldigung, dass die Antwort etwas auf sich hat warten lassen. Der Wahlkampf außerhalb der digitalen Welt nimmt viel Zeit in Anspruch und ich möchte allen Fragestellern auch möglichst fundiert und ausführlich antworten. Aber nun zu Ihren Fragen.

Sich selbst und seine politische Arbeit einzuschätzen, ist keine leichte Sache, ich will deshalb einen kleinen Umweg nehmen und damit beginnen, was Politik für mich NICHT bedeutet und worum es mir in meinem Wahlkampf NICHT geht.

Bundestagskandidat zu sein bedeutet für mich nicht, um jeden Preis und mit allen Mittel nach Berlin zu kommen, um dort vier Jahre lang ein bisschen mitzumachen, ab und an mal in „meinem“ Leipziger Wahlkreis vorbeizuschauen, ein paar schöne Statements und warme Worte da zu lassen und darauf zu bauen, dass man mich nach Ablauf der Wahlperiode wieder wählt. Mit anderen Worten: es geht mir mit meiner Kandidatur nicht darum, eine Rolle in den Machtspielchen der politischen Elite dieses Landes zu ergattern. Überdies:
So wichtig mir Politik auch ist - ein Berufspolitiker, wie man ihn heute zur Genüge kennt, bin ich nicht - und will ich auch nicht werden. Aber was will ich dann?

Zunächst einmal will ich mich einmischen, so wie ich es in den vergangenen Jahren bereits an ganz verschiedenen Stellen getan habe: etwa als Studierendenvertreter in der Hochschul- und Bildungspolitik, im Netzwerk Steuergerechtigkeit, in der Bundes-AG Finanzmarkt & Steuern von Attac oder beim erfolgreichen Bürgerbegehren gegen den Verkauf der kommunalen Unternehmen der Stadt Leipzig.

Da Sie gefragt haben, was ich als meine wichtigste politische Entscheidung im Sinne und zum Wohle der Menschen bezeichnen würde, so würde ich sagen, dass der Erfolg des Bürgerbegehrens schon enorm wichtig war, wobei ich noch einmal betonen möchte, dass dieser Erfolg auf der Arbeit Vieler beruht hat: Einerseits war da ein breiter, parteiübergreifender Kreis an Unterstützerinnen und Unterstützern und zum anderen die vielen Bürgerinnen und Bürger, die trotz der Unkenrufe der politischen Elite der Stadt zur Wahl gegangen sind und dem Privatisierungsvorhaben eine klare Absage erteilt haben.

Nicht nur der Bürgerentscheid, sondern auch dieser Wahlkampf wie überhaupt mein gesamtes Engagement zeigen mir: Alleine geht politisch gar nichts. Zum einen, weil man als Bundestagskandidat die Interessen der Menschen vor Ort zu vertreten hat. Und das bedeutet - trotz aller wichtigen und notwendigen Einmischung in allgemeine politische Debatten und Auseinandersetzungen - zunächst einmal, die Probleme der Menschen in seiner Stadt bzw. Region wahr- und ernst zu nehmen, um auf dieser Basis nach ausgewogenen und nachhaltigen Lösungen zu suchen.
Zum anderen ist Politik für mich auch deshalb keine Sache von Einzelkämpfern (oder sollte es zumindest nicht sein), weil schon ein „einfacher“ Wahlkampf nicht allein zu bewältigen ist. Denn Politiker sind nicht nur keine Einzelkämpfer, sie sind auch nicht allwissend. Mag sein, dass manche, vielleicht sogar viele Politiker sich derart präsentieren, doch ist es weder mein Ansatz noch mein Ziel, ihnen darin zu folgen.

Womit ich bei den von Ihnen nachgefragten persönlichen Stärken bin. Ich denke, eine meiner Stärken liegt darin, eine andere Form von Politik nicht nur zu fordern, sondern sie auch tatsächlich zu leben. Denn politisch aktiv zu sein heißt für mich auch und gerade so nah als möglich an den Problemen der Bürgerinnen und Bürger dran zu sein, Widersprüche zu artikulieren und meine politischen Positionen und Entscheidungen nachvollziehbar und transparent zu machen. (Eine Plattform wie Abgeordnetenwatch ist dazu ein gutes Mittel. Ich würde mir nur wünschen, dass alle Kandidaten ihre Antworten offen legen und nicht mit Floskeln wie „Gerne möchte ich Ihnen in einem persönlichen Dialog antworten“ ausweichen und/oder auf ihre Homepages verweisen.) Denn eines steht für mich fest: Ohne Kritik und Selbstkritik kann und darf Politik nicht funktionieren.

Beste Grüße,

Mike Nagler