Metin Hakverdi
SPD
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Frage von Oreaq C. Ubyfg an Metin Hakverdi bezüglich Bürgerbeteiligung und Bürgergesellschaft

In Billstedt läuft es mit der Beteiligung von Migranten schon recht gut.
Was wollen Sie tun,um auch in Zukunft ein friedliches Miteinander im Stadtteil zu befördern.

Haben Sie persönlich Erfahrungen mit der Vernetzung mit den verschiedenen Kulturen in Hamburg ?

Kennen Sie die hervorragenden Angebote des Kulturpalastes in Billstedt.
Welche Angebote würden Sie als bestpraktik Beispiel in der Bürgerschaft unterstützen ?

Von: Oreaq C. Ubyfg

Antwort von Metin Hakverdi (SPD) 05. Feb. 2008 - 16:27
Dauer bis zur Antwort: 1 Tag 22 Stunden

Sehr geehrter Herr Holst,

vielen Dank für Ihre Fragen. Ich werde versuchen, sie in der Reihenfolge, die Sie gewählt haben, zu beantworten.

Ein friedliches Zusammenleben in Billstedt, Hamburg oder Deutschland wird nur gelingen, wenn wir eine soziale und gerechte Gesellschaft pflegen. In einer gerechten Gesellschaft kann Integration nur „soziale“ Integration bedeuten. Chancen und Risiken müssen gerecht verteilt sein – unter alt eingesessenen Einheimischen und Migranten. Jedes politische Handeln muss zum Ziel haben, alle Bevölkerungsteile gerecht und mit Respekt zu behandeln. Eine Stigmatisierung nach Wohnort (die Billstedter wissen eine Lied davon zu singen), Einkommen oder migrantischer Herkunft führt zu einer Spaltung der Gesellschaft, die allen schadet – vor allem den Menschen in Wohnorten mit hohem Migrantenanteil, wie z.B. in Billstedt. Wenn Roland Koch des lieben Wahlsiegs wegen glaubt, mit stigmatisierenden Sprüchen Erfolg zu haben, irrt er zweifach. Erstens konnte er so die Wahl nicht gewinnen und zweitens führt so ein unsachlicher Umgang mit ernsten Problemen zu einer Verschlechterung des Zusammenlebens vor Ort. Durch diese „Kochkampagne “ ist das Zusammenleben in Billstedt nicht besser geworden. Wenn man es Ernst meint mit Integration, muss sie auf soziale Integration gerichtet sein. Das bedeutet einfacheren Zugang zu Bildung. Bei gleicher Leistung ist es für einen türkischen Schüler in Billstedt schwerer den gleichen Schulweg einzuschlagen, wie für einen deutschen Schüler. Dabei wird oft vergessen zu erwähnen, dass es für einen deutschen Schulabgänger aus Billstedt – auch bei gleicher Leistung - ebenfalls schwieriger ist, z.B. einen Ausbildungsplatz zu erhalten, weil er aus Billstedt kommt. Dies sind Gründe dafür, dass wir Integration immer als soziale Integration begreifen müssen.

Die Abschaffung von Kita- und Vorschulgebühren, der faire Umgang mit Schülern – unabhängig davon wo sie wohnen oder woher ihre Eltern stammen – und die Abschaffung von Studiengebühren sind sicherlich Beiträge zu einem friedlichen Zusammenleben gerade in Billstedt.
Politiker müssen aber auch ehrlich genug sein festzustellen, dass die Politik allein nicht alle Probleme lösen kann. Die von Ihnen angesprochene Vernetzung verschiedener Kulturen in Hamburg ist eine Möglichkeit, soziale Integration zu befördern. Dabei wird die Vernetzung nicht von der Politik geleistet, sondern von Bürgern und Institutionen (z.T. mit Unterstützung durch die Politik).
Da ich aus eine binationalen Ehe stamme (mein Vater ist Türke und meine Mutter Deutsche) habe ich natürlich sehr intensive Erfahrungen mit der Vernetzung verschiedener Kulturen. Im gewissen Sinne verdanke ich ja meine eigene Existenz einer solchen Vernetzung! Die Beispiele für Vernetzung sind so zahlreich, dass man sie hier gar nicht alle erwähnen kann. Nur so viel: Der von Ihnen genannte Kulturpalast – der mir natürlich schon seit Jahren bekannt ist - ist ein hervorragendes Beispiel für Vernetzung. Ich empfehle jedem Leser die Webseite des Kulturpalastes (www. Kultur-palast.de).

Der Kulturpalast verdient die Unterstützung der Billstedter und natürlich der Politik. Als Abgeordneter der Bürgerschaft werde ich mich für die Belange des Kulturpalastes einsetzen. Ein Beispiel für best practice zu nennen ist immer schwierig, da sich andere Angebote oder Projekte eventuell benachteiligt fühlen. Trotzdem möchte ich die Hip Hop Academy des Kulturpalastes hier besonders erwähnen. Dieses Projekt arbeitet mit Pro Quartier, dem Haus der Jugend Billstedt, vielen Schulen u.a. Institutionen zusammen, um das kreative und künstlerische Potential der Jugendlichen vor Ort zu fördern. In diesem Projekt kommen Jugendliche aus vielen verschiedenen Kulturen zusammen. Dabei sorgt die Hip Hop Academy nicht nur dafür, dass die dort teilnehmenden Jugendlichen ihren Neigungen für Musik und Tanz nachgehen können. Das Projekt bietet klare Strukturen und Vorgaben für die Teilnehmer. Es sind Projekte wie die Hip Hop Academy, die Billstedt sicherer machen. Nicht das Wahlkampfgeschrei des Roland Koch.

Mit einem schönen Gruß

Metin Hakverdi