Max Brym
DIE LINKE
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Frage von Flyivr Przcvav an Max Brym bezüglich Gleichstellung

# Gleichstellung 25. Sep. 2008 - 23:24

Lieber Max Brym,
Frauen verdienen heute in Deutschland immer noch durchschnittlich deutlich weniger als Männer, auf der anderen Seite ist eine Frau Kanzlerin.
Sind Sie eigentlich der Meinung, dass sich die Ziele der Frauenbewegung der 60er Jahre heute verwirklicht haben, oder ist der Feminismus gescheitert?
Freundliche Grüße,
S

Von: Flyivr Przcvav

Antwort von Maximilian Brym (LINKE)

Sehr geehrte Frau Campini,

sie haben völlig Recht mit ihrem Hinweis dass es in diesem Land immer noch keinen gleichen Lohn für gleiche Arbeit gibt. Die Armut ist immer noch oder wieder in hohem Maße weiblich
Der Anteil von Frauen an allen Erwerbstätigen ist seit 1991 von 41,6 Prozent auf etwa 45 Prozent gestiegen (Statistisches Bundesamt). In den vergangenen Jahren hat die Frauenerwerbstätigkeit zwar zugenommen, das geht allerdings allein auf mehr Teilzeit-Beschäftigung zurück. Zwischen 1991 und 2004 sank die Zahl der Frauen, die Vollzeit arbeiten, um 1,6 Millionen, während die Zahl der Frauen, die Teilzeit arbeiten, um 1,8 Millionen anstieg. Die Quote der Frauen erhöhte sich von 30 Prozent auf 42 Prozent, wobei im Westen deutlich häufiger in Teilzeit (45 Prozent) gearbeitet wird als in Ostdeutschland (28 Prozent). Bei den Männern hingegen arbeiten nur knapp über sechs Prozent Teilzeit!
Frauen verdienen durchschnittlich nur 78 Prozent des Einkommens von Männern – bei gleichwertiger Arbeit. Im Westen verdienen Frauen im Durchschnitt 23 Prozent, in Ostdeutschland etwa zehn Prozent weniger. In Westdeutschland hat sich an dieser Situation in den letzten 50 Jahren wenig geändert.
Armut ist weiblich
Frauen sind generell stärker von Armut betroffen als Männer – obwohl sich der Abstand zwischen den Geschlechtern zunehmend verringert. Allerdings findet die Angleichung nach unten statt! 12,8 Prozent der Frauen in Westdeutschand und 21,1 Prozent im Osten waren offiziell im Jahr 2003 arm. Bei den Männern sind es „nur“ 11,6 Prozent beziehungsweise 17,1 Prozent. Besonders sind alleinerziehende Frauen betroffen. Über 84 Prozent der Alleinerziehenden sind Frauen und über ein Drittel von ihnen gilt als arm. Nachdem die Kinder dann aus dem Haus sind, ist allerdings kein Aufatmen angesagt. Denn schlechter bezahlte Frauenberufe, ungleicher Lohn trotz gleichwertiger Arbeit und die höhere Anzahl von Teilzeit-Beschäftigungen unter den Frauen führen zusätzlich dazu, dass Frauen im Alter häufiger als Männer von Armut betroffen sind. Im Westen sind die eigenständigen Renten der Frauen (keine Witwenrenten oder ähnliches) etwa halb so hoch wie jene der Männer, im Osten etwa zwei Drittel (WSI-FrauenDatenReport 2005).
Haushalt und Kinder sind immer noch Frauensache
Beruf und Kinder unter einen Hut zu bekommen, ist für Frauen nach wie vor extrem schwer. Immer noch ist Hausarbeit vorrangig Frauensache. Laut „Vorwerk Familienstudie 2006“ teilen sich nur fünf Prozent der Paare die Hausarbeit gleichberechtigt.
Die neu eingeführte Elternzeit bietet zwar auf dem Papier sowohl Frauen als auch Männern die Möglichkeit, eine Babypause zu machen. Doch da das Elterngeld mit 67 Prozent des Nettolohns einfach zu wenig ist, um mit dem Nachwuchs finanziell gut klar zu kommen, muss in der Partnerschaft derjenige weiterarbeiten, der mehr Geld verdient – und das ist, wie schon erwähnt, meist der Mann. So haben 2007 nur sieben Prozent der Väter für ihre Kleinen eine berufliche Auszeit genommen. Gleichberechtigung – Fehlanzeige!
In Deutschland sind lediglich 44,3 Prozent der Mütter mit kleinen Kindern und nur 37,1 Prozent der allein erziehenden Mütter berufstätig. Kein Wunder – wird doch für Westdeutschland erst für das Jahr 2013 eine 33 prozentige Versorgung mit Kinderkrippenplätzen angestrebt (Studie zur „Vereinbarkeit von Familie und Beruf im internationalen Vergleich“ im Auftrag des Bundesfamilienministeriums).

Entschuldigen Sie BITTE die kurze Antwort aber die Frage müsste normalerweise noch viel gründlicher beantwortet werden

Viele Grüße

Max Brym