Martin Stümpfig Fotograph Wolf Kehrstephan
Martin Stümpfig
DIE GRÜNEN
Profil öffnen

Frage von Unenyq Xebrzre an Martin Stümpfig bezüglich Umwelt

# Umwelt 13. Jan. 2019 - 14:31

Sehr geehrter Herr Stümpfig,

vielen Dank für ihre Antwort vom 29.6.18. Hierzu nur zwei Anmerkungen: Ein Meteorologe ist kein Klimaforscher sondern ein Wetterkundler und Klima wird als die Statistik des Wetters definiert, die Wissenschaft hierzu Klimatologie genannt. Dr. Faust ist ebenfalls kein Klimaforscher sondern trägt als IPCC-Autor ausschließlich Daten zusammen und instrumentalisiert sie als Lobbyist zum Wohle seines Versicherungskonzerns.
Wie vermutet haben sie natürlich keinen Kontakt zu unterschiedlich argumentierenden Klimaforschern, d.h. auch Sie haben ihr Weltbild aus den Medien infiltriert bekommen, ohne es anscheinend jemals kritisch beleuchtet zu haben – wohl eine typisch deutsche Tugend!
Nun zu meiner Frage: die Grünen sagen es zwar nicht direkt, aber die Interpretation grüner Politik läßt vermuten, daß es ihnen darum geht das Überleben der Menschheit auf diesem Planeten über einen möglichst langen Zeitraum sicherzustellen. Falls dem so ist, gibt es grundsätzlich zwei Strategien in einem geschlossenen System mit begrenzten Ressourcen dieses Ziel zu erreichen. Erstens: die längst gescheiterte, grün geprägte Mainstreampolitik der letzten 20 Jahre, oder zweitens, den erfolgversprechenden Vorschlag umzusetzen, den der „Club of Rome“ schon in den 70er Jahren massiv propagiert hatte, nämlich das Bevölkerungswachstum, insbesondere in Afrika uns Asien, zu begrenzen.
Frage:
Weshalb sind die Grünen heute nicht mehr der Meinung, daß die Begrenzung des Bevölkerungswachstums sich nachhaltig auf Fauna, Flora und Klima dieses Planeten und nicht zuletzt auf das Überleben der Menschheit, auswirken würde? Und falls Sie doch dieser Ansicht wären, warum findet man die Aussage dann nicht im grünen Wahlprogramm?

Mit freundlichen Grüßen
Unenyq Xebrzre

Von: Unenyq Xebrzre

Antwort von Martin Stümpfig (GRÜNE)

Sehr geehrter Herr Xebrzre,

sie schreiben mich als Landespolitiker zum Thema "Begrenzen des Bevölkerungswachstum" an, dass ich in meinem direkten Wirken im bayerischen Landtag nicht beeinflussen kann. Der Verbrauch von Ressourcen steht in direkten Zusammenhang zum Anzahl der lebenden Menschen. Dennoch gibt es einen enormen Unterschied beim konkreten Ressourcen-Verbrauch pro Kopf, zwischen den Mensch die in Industriestaaten leben und den in Ländern des Südens.

Wir GRÜNE setzen uns für ein Leitbild der Nachhaltigkeit zum Maßstab unserer Lebens- und Wirtschaftsweise ein. Nachhaltige Entwicklung bedeutet nichts anderes, als dass angesichts begrenzter ökologischer Spielräume durch erhöhte Ressourcen-Effizienz und

Ressourcen-Einsparung in der Wirtschaft und die Etablierung alternativer Konsummuster der Spielraum für die sozialen Entwicklungschancen der Menschen in den Ländern des Südens geschaffen wird und die Befriedigung der Bedürfnisse heutiger Generationen nicht zu Lasten kommender Generationen gehen darf.

Aus meiner Zeit als Entwicklungshelfer in Mali, weiß ich, dass die Anzahl der Kinder je Familie in Afrika im direkten Zusammenhang steht mit dem Bildungszugangsmöglichkeiten von Frauen. Frauen in den ländlichen Gebieten haben in der Regel bis zu sieben Kindern, die Frauen die in den Städten gelebt haben, hingegen auch nur zwei Kinder, ähnlich wie bei uns.

Unsere Partei beschliesst Programme vor den jeweiligen Wahlen, dazu erarbeiten die Fachgremien bei uns Bundesarbeitsgemeinschaften einen Entwurf, der dann von den delegierten auf einer Sonderbundesdelegiertenkonferenz debattiert, beraten und beschlossen wird. Zusätzlich verfügen wir Grünen noch über ein Grundsatzprogramm. Das ist der Grund warum sie zum Bevölkerungswachstum nichts im Wahlprogramm gefunden haben. Nicht alle Beschlüsse können im Wahlprogramm stehen.

Im aktuellen Grundsatzprogramm aus dem Jahr 2002 "Zukunft ist grün" steht auf Seite 25:

"Wir stehen mitten in einem Wettlauf mit den verschiedenen Dimensionen der Umwelt- und Naturzerstörung. Wir haben dabei nicht unbegrenzt viel Zeit, wenn die Erde auch in Zukunft ein lebensfreundlicher Ort bleiben soll. Die klimaverändernden CO2-Emissionen nehmen weltweit trotz aller gegenteiliger politischer Proklamationen weiter zu. Anhalten des Bevölkerungswachstum, Armut und Landflucht, ebenso wie ein rücksichtsloser Industrialisierungskurs münden in einen bedrohlichen Raubbau an der Natur. Menschliche Kurzsichtigkeit führt mehr und mehr zu Naturkatastrophen wie Dürren, das Voranschreiten der Wüstenbildung oder die Häufung von Überschwemmungen und schweren Stürmen. Deshalb gibt es keinen Anlass, sich zurückzulehnen."

Unserer Beschlüsse, Wahlprogramme und unser Gundsatzprogramm finden Sie auf der Webseite des Bundesverbandes: [1] https://www.gruene.de/beschluesse-und-programme

Mit freundlichen Grüßen

Martin Stümpfig

[1] https://www.gruene.de/beschluesse-und-programme